Vorschlag: Alphabets-Reform

Widerlegungsversuch

Hi!

Um es gleich klarzustellen: Das ist nicht als Parodie auf die
Diskussionen zur Rechtschreibreform zu verstehen, sondern ich
habe mit einigen sprachinterssierten Freunden schon länger
darüber nachgedacht, und anläßlich der ganzen Diskussionen
über die Rechtschreibreform zusammengefaßt.

[…]

Leider beschränkt sich dein Vorschlag nur auf die
Rechtschreibweisen. Die Vereinfachung der Grammatik ist leider
außen vor geblieben. Ich ergänze daher deinen Vorschlag um
folgende Punkte:

  1. Abschaffung der unterschiedlichen Geschlechter
    Reduzierung auf ein einheitliches Geschlecht (vgl. „the“ im
    Englischen) oder nur noch männlich/weiblich (vgl. „la“ und
    „le“ im Französischen)

Grundsaetzlich:

  1. Sprache aendert sich nur durch Evolution, nicht durch Beschluss.
    Die Rechtschreibung ist nicht die Sprache selbst, sondern nur ihre
    Abbildung. Wenn es gelingt, die Abbildung zu aendern, dann bedeutet
    dies noch lange nicht, dass man auch ihren Gegenstand aendern kann.

  2. Je einfacher die Grammatik, desto groesser die Gefahr von
    Missverstaendnissen, besonders bei Relativsaetzen oder wenn viele
    Personen oder Gegenstaende auftreten. Und desto kleiner auch die
    individuellen Gestaltungsmoeglichkeiten im Ausdruck.

  3. Viele beurteilen eine Sprache als unsinnig kompliziert, weil sie
    schwer als Fremdsprache zu lernen ist. Das stoert aber einen, der die
    Sprache als Muttersprache lernt, ueberhaupt nicht. Ich glaube, dass
    sich ein russisches Kind mit 6 Jahren genauso gut ausdruecken kann
    wie ein englisches, obwohl russisch eine kompliziertere Grammatik hat
    als Englisch. Also wie eine Sprache als Fremdsprache beurteilt wird,
    ist zweitrangig.

  1. Abschaffung der Deklination
    Da ohnehin kaum jemand den Unterschied zwischen Genitiv, Dativ
    und Akkusativ kennt, kann man diese Formen abschaffen. Evtl.
    sollte der Genitiv beschränkt beibehalten werden, da ein
    Großteil der deutschsprachigen Bevölkerung der Falschsetzung
    des Apostrophs verfallen ist („Gaby’s Frittenbude“).

Der Unterschied ist den meisten vielleicht aus theoretischer Sicht
nicht klar, aber sehr selten nur hoere ich jemanden dort Fehler
machen.
Ueberdies sei dir klar, dass deine Forderung auch eine Abschaffung
der entsprechenden Personalpronomen bedeuten wuerde. „Er fragt sie
es“ waere dann vielleicht „Er fragt er er“ (weil es ja auch keine
Geschlechter mehr gibt) „Sie fragt es ihn“ waere dann auch „Er fragt
er er“

  1. Abschaffung der Wortzusammensetzung
    Deutsch hat die unangenehme Eigenschaft, alle möglichen Wörter
    frei miteinander kombinieren zu können. Dadurch entsteht jenes
    unsägliche Problem, das wir gerade in der Neuen
    Rechtschreibung diskutieren. Die Zusammensetzung von Wörtern
    wird generell verboten, ebenso das aus Zusammensetzungen
    resultierende Fugen-S (beherrscht sowieso keiner). Als neue
    Regel gilt Grundwort plus Bindestrich (der Bindestrich gewinnt
    ohnehin an Popularität). Statt
    „Fabrikgeländeüberwachungsanlage“ wird künftig
    „Fabrik-Gelände-Über-Wachung-Anlage“ geschrieben, statt
    „sitzenbleiben“ zukünftig „sitzen-bleiben“.

Ja, das liesse sich machen, haette aber keinen Vorteil. Ich zumindest
kann beide Varianten gleich schnell lesen. Ausgesprochen waere es
kein Unterschied, bis auf das S. Dies waere auch nur eine
orthografische Aenderung und keine grammatische.

  1. die Konjugation wird radikal vereinfacht
    Starke Konjugation, schwache Konjugation, Hilfsverben,
    Modalverben - der beherrscht das schon alles? Wenn die
    deutsche Sprache einfacher zu erlernen sein soll, dann muß die
    Variationsbreite reduziert werden.
    Also nicht mehr „ich liebe - ich liebte“ und „ich sehe - ich
    sah“, sondern „ich liebe - ich liebte“ und „ich sehe - ich
    sehte“. Einfacher eben: „ich gehte“, „ich laufte“, „ich esste“
    usw.

Unregelmaessig sind gerade die haeufigsten Verben. Warum? Weil der
Unterschied zwischen „Ich bin“ und „Ich war“ weitaus deutlicher
hoerbar ist, als der zwischen „Ich sein“ und „Ich seinte“.
Sie dienen der besseren Verstaendlichkeit und machen ausserdem dem
Muttersprachler kaum Probleme.

Vereinfachen wir neben der Rechtschreibung auch die deutsche
Grammatik. Damit sinkt das Fehlerpotential drastisch, die
Sprache läßt sich leichter erlernen. Und in der nächsten
PISA-Studie stehen wir ganz vorne.

Keine Lust mehr.

P.s.
Wer mehr ueber einige Kuriositaeten der deutschen Sprache und ihre
grammatischen Unzulaenglichkeiten (die gibt es natuerlich) wissen
will, der besuche meine Hompage http://www.fasala.com. Dort stelle
ich eine
neue Kunstsprache vor. Im Handbuch dazu sind Deutsch und Fasala
gegenueber gestellt und in diesem Zusammenhang findet man ein paar
Besonderheiten des Deutschen. Feedback wuerde mich freuen.

Gruesse, Tychi

Wie bist Du denn drauf???

Hast du irgendwelche sachlichen Argumente? Ich kann es mir
nicht vorstellen, und es ist auch wohl nicht die Absicht
dieses Beitrags.

Hast Du denn auch nur ein einziges sachliches Argument geliefert???

Also werde ih nicht weiter darauf eingehen.

Laß es mich so ausdrücken: es tangiert mich nur peripher.

Gruß

Renee

sinnvolle Idee
Hallo Feldmarschall,
über ähnliches habe ich auch schon nachgedacht. Was für ein Aufschrei der Empörung. Natürlich hätte es große Vorteile, die Rechtschreibung von unlogischem „Ballast“ zu befreien. Sprachen, deren Schriftsprache viel jünger ist als unsere, haben auch tatsächlich so eine Rechtschreibung. Für Kinder, die so eine radikale Erneuerung lernen würden, wäre es eine riesen Erleichterung. Vielleicht könnte man ein oder zwei Schuljahre streichen oder mit anderen Inhalten füllen! Aber Kinder entscheiden hier nicht, sondern Erwachsene, deren Flexibilität sich in engen Grenzen bewegt!
Christian

Falls jemand zwar für die Rechtschreibreform ist, aber gleichzeitig prinzipiell gegen eine Alphabets-Reform wie die vorgeschlagene, ist die Haltung nichts Halbes und nichts Ganzes und daher meiner Meinung nach nicht ernstzunehmen.
Daß man prinzipiell gegen künstliche Neuerungen der Schrift und Sprache eintritt, ob aufgrund der Gewohnheit oder aus Interesse an der Erhaltung dessen, was sich entwickelt hat, das ist dagegen schon verständlich.
Klar wäre es für kaum jemanden leicht oder überhaupt möglich, eine Alphabets-Reform anzunehmen, nämlich deshalb, weil es eine Reform ist.
Ob der Schritt von A nach B geht oder umgekehrt, das ist dabei ja völlig unerheblich. Kennt man schon immer die Schreibweise Drukk- und Ferlagsvesen, so käme einem die Schreibweise Druck- und Verlagswesen seltsam vor.
Bei mir ist es so, daß es mir zwar lieber wäre, wenn die deutsche Schriftsprache schon immer so wäre wie in dem Vorschlag über die Alphabets-Reform. Dennoch wäre ich wahrscheinlich auch selbst gegen diese Alphabets-Reform, _weil die deutsche Sprache sich so und nicht anders entwickelt hat.

Ich mag auch die Rechtschreib-Reform nicht, weil sie in meinen Augen einen Verlust an Ästhetik mit sich bringt. Ich bin unsäglich angewidert, wenn ich in deutschen Wörtern ein Doppel-s am Wortende sehe, es sei denn, daß es eine verkürzte Form mit Apostroph am Ende ist (Russe - Russ’). Diese Doppel-s-Schreiberei ist unabhängig davon auch ein weiterer Schritt in Richtung Englisch. Wenn man statt dem ß dagegen ein sz schreiben würde, würde mich das nicht stören.
Insgesamt wäre in meinen Augen eine alltemeine Lockerung der Rechtschreibregeln wünschenwerter. Das heißt: Zulassung neuer Schreibweisen in manchen Fällen möglicherweise schon, aber keine Abschaffung alter Schreibweisen. Eigentlich ist es nicht einzusehen, warum man gezwungen sein soll, Aktien statt Actien zu schreiben._

zum Bleistift

Hi,

Warum nur vielleicht? Deutsch ist die einzige mir bekannte
Sprache, in der man Substantive groß schreibt.

Beispielsweise weil der vielzitierte Satz:

„Ich habe in Moskau l(L)iebe G(g)enossen.“

erhebliche Sinnänderung erfährt, je nachdem, ob Liebe oder Genossen in den Genuß der Großschreibung kommen.

Gruß
Micha

Lieber Micha,

Beispielsweise weil der vielzitierte Satz:

Vielzitiert? Ich höre ihn zum ersten Mal…

„Ich habe in Moskau l(L)iebe G(g)enossen.“

erhebliche Sinnänderung erfährt, je nachdem, ob Liebe oder
Genossen in den Genuß der Großschreibung kommen.

Neeee, neee, mein Bester. Ich fürchte, Du versuchst die Groß-/Kleinschreibung mit der Akzentuierung der gesprochenen Sprache gleichzusetzen. Es mag natürlich auch daran liegen, daß manche Verben im Deutschen bei der Konjugation eben wie Substantive aussehen.

Was nun? Die vorgeschlagene Vereinfachung in Form von ‚ich sehe - ich sehte‘ oder wie es mein Stiefsohneman im zarten Alter von fünf Lenzen häufiger zu verwenden beliebte ‚ich gehe - ich habe gegeht‘ kann nicht die Lösung sein, wooooomit wir eine wunderhübsche Überleitung zu den Tempi hätten: ich habe mich schon immer gefragt, wofür gleich sechs davon gut sein sollen.

Die Linguisten verden mich vermutlich verhauen, aber Präsens, Präteritum bzw. Perfekt und Futur reichen doch völlig aus. Klar, man verwendet die anderen Tempi mehr oder weniger absichtlich (und manchmal auch ohne den geringsten Schimmer davon zu haben), aber braucht man wirklich zum Beispiel Futur II??? Wir werden im Forum gewesen sein und werden uns darüber ausgekotzt haben… *mitdenaugenroll*

Grüße

Renee

Liebe Renee,
das ist doch typisch!

Beispielsweise weil der vielzitierte Satz:
„Ich habe in Moskau l(L)iebe G(g)enossen.“

Vielzitiert? Ich höre ihn zum ersten Mal…

Wer geilte sich nicht alles an der Flussschifffahrt auf?

Ich bin extra mit einem Schiff von Cannstadt bis Besigheim auf dem Neckar gefahren, um von dort auf eine Karte schreiben zu können:
„Es ist eine schrecklich langweilige Flussschifffahrt, weil alle paar Kilometer eine Schleuse kommt. Und es dauert jedesmal eine halbe Stunde, ehe die Staustufe überwunden ist.“
:wink:

Fritz

Lieber Fritz,

Wer geilte sich nicht alles an der Flussschifffahrt
auf?

Ich nicht… *pfoteninunschuldwasch* Wenn ich überhaupt etwas dazu gesagt habe, dann höchstens, daß ‚Flussschiffahrt‘ hochgradig bescheuert aussieht. :wink:))

Grüße

Renee

Wir dachten über die Idee nach,

  • die Buchstaben v (oder w), q und y aus der deutschen Sprache
    zu
    beseitigen,

Und was wird dann auch meinem Name???

Also: ABGELEHNT! Denn mit „ü“ lass ich mich nicht schreiben!!

;o))

Grüße,
die Lydia