Hallo Sandra,
ich versuchs (aus der Erinnerung, Buch ist z.Zt. verliehen):
Prinzip ist, der Hund entscheidet zwischen Harmonie und Disharmonie mit dem Menschen. Das setzt Gesprächsbereitschaft von beiden Seiten voraus, d.h. Mensch lernt/kennt Hundesprache und kann entsprechend reagieren, Hund muss jederzeit „ansprechbar“ sein.
Einiges an Kommunikation (wie auch die eben erwähnte Bereitschaft zum Gespräch) läuft bei ihr über ein sogenanntes „Ampelprinzip“: grüne Phase ist gleichbedeutend mit alles ok, Hund darf das tun, was er gerade eben macht. Fordere ich meinen Hund zu etwas auf (z.B. sitz, etc.), und er kommt dem nicht nach, schalte ich meine Ampel sozusagen auf gelb - eine Phase, in der der Hund sich immer noch entscheiden kann, ob er der Aufforderung nachkommt, was zur Folge hat, dass die Ampel sofort wieder auf grün schaltet, oder ob er eine Rotphase riskiert. Eine Gelbphase könnte z.B. ein leises Knurren meinerseits sein. Rotphase bedeutet, ich tue etwas, was dem Hund sichtlich unangenehm ist, allerdings nur so lange bzw. kurz (bei meinen Hunden ist das ein Bruchteil einer Sekunde), bis der Hund ein „Angebot“ macht, das kann z.B. ein Beschwichtigen oder auch „nur“ ein Herschauen sein. Rotphase kann etwa ein schneller Schritt auf den Hund zu sein, ein Aufstampfen, ein Vorbeugen des Oberkörpers, das kommt auf den jeweiligen Hund an. Es soll als unangenehm empfunden werden, der Hund soll aber nicht eingeschüchtert oder verschreckt in der Ecke hängen. Jegliche Form von physischer Gewalt wird natürlich kategorisch abgelehnt, dazu gehört auch ein Ziehen an der Leine oder ähnliches. In dem Moment, in dem der Hund also ein Angebot macht, bekommt er sofort wieder eine Einladung, ich gehe einen Schritt zurück, nehme den Oberkörper hoch, habe also sofort wieder eine hundefreundliche Körpersprache und lade den Hund nochmal z.B. zu dem „sitz“ ein. Gelobt wird in der Tat ein bisschen TTouch-ähnlich mit einer Art abstreifen.
Ausgehend von ihrer Arbeit als Schäferin findet sie manche Formen des Lobes unpraktikabel: sie könne einem Hund, der gerade 300m entfernt an der Herde fein Platz gemacht hat, kein Leckerchen vorbeibringen, und sie könne ihre Hunde, die täglich einige hundert Kommandos kriegen, nicht für jedes Befolgen der Kommandos explizit verbal loben, weil die Hunde sonst viel zuviel „Input“ bekämen. Entgegen gängiger Lehrmeinung ist daher für die Autorin das Ignorieren ihrer Hunde schon eine Form von passivem Lob - quasi „ich störe Dich nicht bei dem was Du tust, Hund, also ist es ok“. Sie vergleicht es glaub ich auch mit einem Hund, der gerade Essen vom Tisch holt und dabei tunlichst nicht ignoriert sondern eben mit einem Verbot gestört wird.
Dadurch, dass sich der Hund selbst entscheidet zwischen Harmonie (Grünphase) und Disharmonie (Gelb- bzw. Rotphase) - und natürlich weil jeder Hund sich lieber für Harmonie entscheidet - sind Konditionierungshilfen wie Clicker überflüssig und werden eben durch Kommunikation ersetzt. Ein weiterer Vorteil liegt, wie ich finde, in der Tatsache, dass der Hund nicht auf Leckerlis oder auf Spielzeug fixiert handelt, sondern wirklich auf mich bezogen und gesprächsbereit ist.
Soweit mal der Versuch einer Zusammenfassung.
Meine eigene Erfahrung:
obwohl ich mit dem Verhalten meiner Hunde und auch meiner Hundekenntnis bzw. -erziehung bisher nicht unzufrieden war, habe ich das Gefühl, dass ohne den Umweg Leckerli/Spielzeug/Clicker die Beziehungen in unserem Hunde-Mensch-Team noch enger und auch direkter geworden sind. Diese Rotphasen hab ich am Anfang vielleicht zweimal am Tag gebraucht (in den ersten 2-3 Tagen), seitdem ist das extrem selten nötig, und die Hunde arbeiten sichtlich gern, es ist also kein „Kadavergehorsam“. Manchmal gibts noch eine Gelbphase, wenn z.B. Maya sich etwa durch Wild ablenken lässt, aber auch da entscheidet sie sich eben schnell wieder fürs Kommunizieren.
Ich hoffe, das war nun alles halbwegs verständlich 
Lieben Gruß,
Anna