Vorstellungsgespräch (mal wieder)

Hallo,

ich habe mich heute gefühlt einmal komplett durch alle internetseiten mit thema „vorstellungsgespräch“ gekämpft.
fazit der Aktion: totale verunsicherung. mist!

hintergrund: bin seit einiger Zeit aus der Uni raus mit einem sehr guten Diplom in Geographie und nach wenigen schriftlichen Bewerbungen wurde ich in der letzten Woche via email (!) zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.
gob umrissener Aufgabenbereich der ausgeschriebenen Stelle: Projektkooperationen organisieren.
(also schon in kleinerem Rahmen in der „öffentlichkeit“ vor und zwischen Entscheidungsträgern stehen)

meine Unsicherheiten hierbei:
in den Bewerbungsunterlagen (Foto) trage ich lange Haare, zu einem ordentlichen und nicht zu langem Zopf („Pferdeschwanz“) gebunden. zu finden im Internet: „Männer mit langen Haaren wirken unseriös“. supi. soll ich die jetzt kurz schneiden und damit anders als aufm Foto? oder lieber „normal“ lassen?!

und wie siehts mit der Kleiderwahl aus? gefühlte 66% der „hinweise“ klingen nach „um gottes willen, bloß niemals ohne anzug“. wenn ich einen anzug trage, komm ich mir wie im zirkus vor. ich hab eine sehr gut sitzende anthrazitfarbene Jeans, schwarze halbschuhe, schwarzes Hemd (mit anthrazit-nadelstreifenmuster). ich hätte mir jetzt noch überlegt, ein „normales“ Sakko zuzulegen… aber da heisst es immer wieder: „niemals nie Jeans & Sakko“

dann: wen begrüßt man zu erst?
den Vorstand? Die Damen?

hilfe? irgendwer?
ich weiß, dass ich mich auch ohne Banker- und Versicherungskaufmannsanzug sehr gut zu verkaufen weiß und selbstsicher und überzeugend auftrete - aber nach all dem bin ich etwas verunsichert.

was meint ihr dazu? :-Z

[MOD] Komplettzitat entfernt

nabend!

für anstellungen in deiner position/job gelten die ansprüche die im inet zu finden sind nicht unbedingt. du mußt also als geographiker nicht unbedingt wie ein börsenmakler auftreten.
das sind immer nur ganz allgemein gültige regeln, die nicht eben immer für alle jobs gelten.

stehe einfach zu dir und deiner person. versuche eloquent und eben wissend rüberzukommen, dann sind haare (gepflegt!) und anzug oder nicht eher nebensächlich.
alles ok mit deiner kleiderwahl, nur ev ein uni farbenes hemd, schwarz?
ein anzug wäre für dein fachgebiet wohl eher übertrieben und käme unpassend rüber.

wichtig : geputzte schuhe! gepflegtes äußeres, ein hauch von after shave, ein fester händedruck (bitte ohne after shave anhaftungen!), ein offenes lächeln, gute manieren, und… man gibt der frau zuerst die hand! ein angedeuter diener kommt gut an, also sowas wie eine mini verbeugung der dame gegenüber, nix übertriebenes!

wenn du namen kennst, spreche die menschen mit ihrem namen an.

noch fragen?

)

Guten Morgen,

wenn ich mal meinen Senf dazugeben darf:

Wenn es ein Job ist, der Öffentlichkeitsarbeit beinhaltet, dann wirst Du im Job um den Anzug, mindestens aber das Sakko, nicht drumrumkommen. Man gewöhnt sich dran, un in manchen Situationen ist es sogar einfacher und besser, im Anzug aufzutauchen. Hätte ich vor ein paar Jahren nie geglaubt, aber es ist was dran.

Anzug = Zirkus: Die Ausrede gilt nicht, wenn Du in einem Job in der Öffentlichkeit stehst und nicht „als der in Jeans und T-Shirt“ bekannt werden willst, zum Vorstellungsgespräch muss das aber nicht unbedingt sein. Ich bin mal im Anzug zum Vorstellungsgespräch (konservative Baubranche) aufgetaucht. Erste Frage „Sie laufen aber in ihrem jetzigen Büro nicht jeden Tag so rum, oder???“ Es war schlicht nicht erforderlich.

Ich habe die Erfahrung gemacht (in 7 Jahren Job), dass alleine die Kleidung schon viel ausmacht. Ich habe schon mit meinem Chef in Besprechungen gesessen, in denen die Kunden ausschließlich mit mir verhandelt haben, weil ich offensichtlich mit ordentlichen Jeans (!), farbigem Hemd und Sakko kompetenter erschien als Jefe mit bleichen Jeans, Poloshirt und Lederjacke.

Von daher - wenn Du seriös wirken möchtest, denk über ein „normales“ Sakko und etwas Farbe nach. Wenn ich mir vorstelle, dass jemand in anthrazitfarbener Jeans, Nadelstreifenhemd, dunklem Sakko vor mir steht (Passen die konkreten Kleidungsstücke optisch zusammen?? Nicht, dass es „gewollt und nicht gekonnt“ aussieht!), wär ich vor Dunkelheit erschlagen. Das ist allerdings persönliches Gusto, ich würde etwas Farbe ins Spiel bringen, da das oft auch als „Selbstbewusstsein“ gedeutet wird.

Was Haare betrifft: So lassen, wie sie sind, solange sie ordentlich und gepflegt rüberkommen. Daran scheitert es sicher nicht, außerdem ist es auch eine Art „Markenzeichen“ und Du fühlst Dich wohler, sicherer und verstellst Dich nicht für Deine Job.

Für den „Rest“ bist Du ja schon von Christine „gebrieft“ worden. :smile: Ich würde nur die Mini-Verbeugung weglassen, wenn die Branche weniger konservativ ist (würde ICH übrigens selbst in der Baubranche nicht machen).

Gruß & viel Erfolg,
Guido

wichtig : geputzte schuhe! gepflegtes äußeres, ein hauch von
after shave, ein fester händedruck (bitte ohne after shave
anhaftungen!), ein offenes lächeln, gute manieren, und… man
gibt der frau zuerst die hand! ein angedeuter diener kommt gut
an, also sowas wie eine mini verbeugung der dame gegenüber,
nix übertriebenes!

wenn du namen kennst, spreche die menschen mit ihrem namen an.

noch fragen?

)

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hallo,

erstmal danke euch beiden.
Dass ich ggfs im Beruf dann einen Anzug trage, steht auf einem anderen Blatt. damit habe ich auch grundsätzlich keine Probleme.

Anzug = Zirkus: Die Ausrede gilt nicht, wenn Du in einem Job
in der Öffentlichkeit stehst und nicht „als der in Jeans und
T-Shirt“ bekannt werden willst, zum Vorstellungsgespräch muss
das aber nicht unbedingt sein.

ich trage in meiner freizeit und bei bisherigen praktika etc. sowieso meist Hemden - sprich: die Frage: „Hemd oder T-Shirt“ stellt sich bei mir sowieso nicht :wink:

und was die anderen klamotten angeht: gut, dann nehm ich eben ein helles Hemd und ein Sakko. :smile:

das mit den schuhen und ordentlich etc versteht sich für mich von selbst :wink:
auch meine haare sind gepflegt und nicht zu lang (Zopf wird noch etwas gestutzt)

noch fragen?

sollte ggfs von meiner Seite aus während des Vorstellungsgespräches auf den Punkt „bin auch bereit, auf meine längeren Haare zu verzichten“ eingegangen werden?

Danke :smile:

Hallo

erstmal danke euch beiden.

Nicht dafür!

noch fragen?

sollte ggfs von meiner Seite aus während des
Vorstellungsgespräches auf den Punkt „bin auch bereit, auf
meine längeren Haare zu verzichten“ eingegangen werden?

Nö, würde ich von meiner Seite aus nicht machen, das könnte nach „Anbiedern“ aussehen und negativ aufgefasst werden. Nur wenn sich jemand von der Fa. dahingehend äußert, dass „eine andere Frisur“ erfolgversprechender sein könnte, würde ich das lächelnd mit einer charmanten Bemerkung über „Äußerlichkeiten, die sich durchaus in gewissem Umfang der beruflichen Situation anpassen lassen“, erwidern.

Danke :smile:

Gerne.

Guido

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Hallo,

wichtig ist einfach dass du übliche, höfliche Umgangsformen besitzt und ansonsten authentisch bist. Was ist mit letzterem gemeint?

Ganz perfekte Lehrbuch-Antworten eines Bewerbers im Anzug und mit Seitenscheitel wirken zu „geleckt“ als dass einem so jemand sympathisch ist. Wenn du einen gepflegten Zopf hast, ist das absolut in Ordnung. Man will eben nur sehen dass du ein gepflegter Mensch bist. Das gilt z. B. genauso für’s Gesicht: Dreitagebart, wenn er dir steht, ist auch kein Problem, genauso wie glatt rasiert zu sein - was nicht geht ist ein Stoppelgesicht, dem man sofort ansieht dass du es nicht bewusst und gepflegt trägst, sondern weil du keine Lust hast dich darum zu kümmern.

Bei den Klamotten gilt als grobe Grundregel: ungefähr eine Stufe feiner anziehen als später im Arbeitsalltag üblich!

Wenn du also später Anzugträger sein wirst, würde ich so auch beim Vorstellungsgespräch antanzen. Solltest du aber in ganz normalen Alltagsklamotten unterwegs sein, sind Jeans mit Hemd und Sakko absolut in Ordnung. Achte dann eben nur darauf dass es kein Holzfäller-Hemd mit rot-blauen Karos oder ein buntes Hawaii-Hemd ist, sondern ein unifarbenes Hemd, das eher zum Anlass passt.

Ich plädiere hier immer für „normalen Menschenverstand“. Wenn du dich bewirbst, willst du einen guten Eindruck machen - also verhält man sich entgegenkommend und verbindlich. Es sollte aber nicht bis zur Schleimerei kommen, weil so ein Mensch ist einem wiederum unangenehm und wird sicher nicht eingestellt.

Natürlich erwartet man dass du bei einem Termin, bei dem du einen guten Eindruck machen willst, gepflegte Haare, saubere, kurze Fingernägel und saubere Schuhe hast. Aber du musst dich natürlich nicht dergestalt verbiegen dass du gar nicht mehr du selbst bist, also Zopf abschneiden oder in einen völlig unpassenden Anzug zwängen.

Gehe da einfach ein wenig nach dem gesunden Menschenverstand.

Das gilt auch für dein Verhalten im Vorstellungsgespräch. Du musst nicht immer überall die absolut super-perfekte Antwort - am besten noch auswendig gelernt - aufsagen. Man ist Mensch und darf auch Schwächen haben. Nur sollten die natürlich nicht in Bereichen liegen, die diesem Arbeitgeber und für die beworbene Stelle wichtig sind.

Sollten kritische Fragen kommen oder man mit „Vorwürfen“ kommen, ist das oft ein Test. Es geht nicht darum WAS du sagst, sondern WIE du damit umgehst. Also nehmen wir an man spricht kritisch über deinen Zopf, dann komm’ denen nicht wie ein einknickendes Streichholz mit „OK, dann schneide ich ihn ab“ - weil wer will schon so einen Waschlappen als Mitarbeiter? - aber bleibe dennoch freundlich und gelassen: wie ein Vorposter schon schrieb, eine Antwort wie „Ich bin sicher dass meine Arbeitsmotivation mit Zopf auch gut ist“ oder sowas in der Art, ist dann diplomatischer, ohne dich aber selbst zu verleugnen.

Damen begrüsst man immer zuerst, ansonsten nach „Bedeutung“, also den Chef vor dem Abteilungsleiter…

Insgesamt: lass’ dich nicht verrückt manchen, es ist am Besten authentisch und freundlich zu sein, aber die Welt geht nicht unter wenn du mal in einem Punkt nicht perfekt bist. Das ist niemand und das wäre eher verdächtig.

Worauf du aber Antworten geben können solltest: Verdienstvorstellung und Schwächen/Stärken. Vielleicht fragt man nicht danach, aber vielleicht eben doch - und dann sollte etwas kommen.
Vor allem sollte dir auch klar sein in welchem Geschäftsfeld die Firma sich bewegt - es sieht sehr doof aus wenn man dich fragt ob du die Internetseite der Firma kennst und die Branche kennst, und du dann stottern musst dass du darüber nicht informiert bist; dann fragt man sich nämlich wie gut du dich mit dem Unternehmen auseinander gesetzt hast…

sollte ggfs von meiner Seite aus während des
Vorstellungsgespräches auf den Punkt „bin auch bereit, auf
meine längeren Haare zu verzichten“ eingegangen werden?

Definitiv nicht!

Hüte dich vor dem sog. „second guessing“, also Aussagen zu tätigen oder Antworten zu geben auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden! Viele reden sich um Kopf und Kragen indem sie, in der Meinung Schwachstellen vorsorglich schon erklären und abbiegen zu wollen, erst Recht auffällig darüber reden und damit erst bewirken dass das Thema vertieft wird. Also schneide nichts von dir aus an, was du als „heikel“ empfindest - abgesehen mal davon dass das bei den Haaren sowieso an denselben herbeigezogen ist, da sehe ich eh keinen Grund das als Schwachstelle zu empfinden. Wir leben nicht mehr in den 1970er Jahren… :smile:

Gruß,

MecFleih