Hallo,
wichtig ist einfach dass du übliche, höfliche Umgangsformen besitzt und ansonsten authentisch bist. Was ist mit letzterem gemeint?
Ganz perfekte Lehrbuch-Antworten eines Bewerbers im Anzug und mit Seitenscheitel wirken zu „geleckt“ als dass einem so jemand sympathisch ist. Wenn du einen gepflegten Zopf hast, ist das absolut in Ordnung. Man will eben nur sehen dass du ein gepflegter Mensch bist. Das gilt z. B. genauso für’s Gesicht: Dreitagebart, wenn er dir steht, ist auch kein Problem, genauso wie glatt rasiert zu sein - was nicht geht ist ein Stoppelgesicht, dem man sofort ansieht dass du es nicht bewusst und gepflegt trägst, sondern weil du keine Lust hast dich darum zu kümmern.
Bei den Klamotten gilt als grobe Grundregel: ungefähr eine Stufe feiner anziehen als später im Arbeitsalltag üblich!
Wenn du also später Anzugträger sein wirst, würde ich so auch beim Vorstellungsgespräch antanzen. Solltest du aber in ganz normalen Alltagsklamotten unterwegs sein, sind Jeans mit Hemd und Sakko absolut in Ordnung. Achte dann eben nur darauf dass es kein Holzfäller-Hemd mit rot-blauen Karos oder ein buntes Hawaii-Hemd ist, sondern ein unifarbenes Hemd, das eher zum Anlass passt.
Ich plädiere hier immer für „normalen Menschenverstand“. Wenn du dich bewirbst, willst du einen guten Eindruck machen - also verhält man sich entgegenkommend und verbindlich. Es sollte aber nicht bis zur Schleimerei kommen, weil so ein Mensch ist einem wiederum unangenehm und wird sicher nicht eingestellt.
Natürlich erwartet man dass du bei einem Termin, bei dem du einen guten Eindruck machen willst, gepflegte Haare, saubere, kurze Fingernägel und saubere Schuhe hast. Aber du musst dich natürlich nicht dergestalt verbiegen dass du gar nicht mehr du selbst bist, also Zopf abschneiden oder in einen völlig unpassenden Anzug zwängen.
Gehe da einfach ein wenig nach dem gesunden Menschenverstand.
Das gilt auch für dein Verhalten im Vorstellungsgespräch. Du musst nicht immer überall die absolut super-perfekte Antwort - am besten noch auswendig gelernt - aufsagen. Man ist Mensch und darf auch Schwächen haben. Nur sollten die natürlich nicht in Bereichen liegen, die diesem Arbeitgeber und für die beworbene Stelle wichtig sind.
Sollten kritische Fragen kommen oder man mit „Vorwürfen“ kommen, ist das oft ein Test. Es geht nicht darum WAS du sagst, sondern WIE du damit umgehst. Also nehmen wir an man spricht kritisch über deinen Zopf, dann komm’ denen nicht wie ein einknickendes Streichholz mit „OK, dann schneide ich ihn ab“ - weil wer will schon so einen Waschlappen als Mitarbeiter? - aber bleibe dennoch freundlich und gelassen: wie ein Vorposter schon schrieb, eine Antwort wie „Ich bin sicher dass meine Arbeitsmotivation mit Zopf auch gut ist“ oder sowas in der Art, ist dann diplomatischer, ohne dich aber selbst zu verleugnen.
Damen begrüsst man immer zuerst, ansonsten nach „Bedeutung“, also den Chef vor dem Abteilungsleiter…
Insgesamt: lass’ dich nicht verrückt manchen, es ist am Besten authentisch und freundlich zu sein, aber die Welt geht nicht unter wenn du mal in einem Punkt nicht perfekt bist. Das ist niemand und das wäre eher verdächtig.
Worauf du aber Antworten geben können solltest: Verdienstvorstellung und Schwächen/Stärken. Vielleicht fragt man nicht danach, aber vielleicht eben doch - und dann sollte etwas kommen.
Vor allem sollte dir auch klar sein in welchem Geschäftsfeld die Firma sich bewegt - es sieht sehr doof aus wenn man dich fragt ob du die Internetseite der Firma kennst und die Branche kennst, und du dann stottern musst dass du darüber nicht informiert bist; dann fragt man sich nämlich wie gut du dich mit dem Unternehmen auseinander gesetzt hast…
sollte ggfs von meiner Seite aus während des
Vorstellungsgespräches auf den Punkt „bin auch bereit, auf
meine längeren Haare zu verzichten“ eingegangen werden?
Definitiv nicht!
Hüte dich vor dem sog. „second guessing“, also Aussagen zu tätigen oder Antworten zu geben auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden! Viele reden sich um Kopf und Kragen indem sie, in der Meinung Schwachstellen vorsorglich schon erklären und abbiegen zu wollen, erst Recht auffällig darüber reden und damit erst bewirken dass das Thema vertieft wird. Also schneide nichts von dir aus an, was du als „heikel“ empfindest - abgesehen mal davon dass das bei den Haaren sowieso an denselben herbeigezogen ist, da sehe ich eh keinen Grund das als Schwachstelle zu empfinden. Wir leben nicht mehr in den 1970er Jahren… 
Gruß,
MecFleih