Vorzugs- und Stammaktien

Kann mir (vielleicht am Beispiel VW) jemand erklaeren, auf welcher Basis man sich fuer den Kauf von Stamm- vs. Vorzugsaktien entscheiden sollte. Der wesentliche Unterschied ist das Stimmrecht. Aber wie erklaere ich das folgende:

VW Stammaktie: Kurs ca. EUR 53. KGV 5,33. Dividendenrendite 3,24%
VW Vorzugskatie: Kurs ca. 34,80. KGV 6,24. Dividendenrendite 5,17%.

Angenommen, es kommt zu einer Uebernahme fuer VW (Ich weiss, nicht sehr wahrscheinlich weil Niedersachsen ueber 18% haelt) - als Vorzugskaktieninhaber kann ich nicht stimmen, aber stehe ich mich schlechter, wenn die Entscheidung gefallen ist?

VW ist ein besonders krasser Fall von unterschiedlichen Bewertungen, aber nicht die einzige deutsche Aktie. Who can help?

Hallo Nicola,

da Du vermutlich keinen wesentlichen Wert auf das Stimmrecht legst, bist Du mit der Vorzugsaktie allein schon aufgrund der besseren Deividendenrendite gut beraten. Hinzu kommt, daß ausländische Anleger das Konzept der Vorzugsaktie nicht verstehen, weswegen einige Unternehmen dazu übergegangen sind, die Vorzugsaktien abzuschaffen, d.h. in Stammaktien umzutauschen. Bislang hat sich das für die Vorzugsaktionäre immer gelohnt.

Der Grund für die unterschiedliche Bewertung ist, wie immer an der Börse, die Erwartung. Die Erwartung bei Stammaktien ist, daß ausländische und eigentlich alle anderen Investoren auch, nur Stammaktien kaufen würden, weil nur die Stimmrecht haben. Deswegen kauft man Stammaktien, um an der erwarteten besseren Entwicklung der Stammaktien zu profitieren. Und wieder einmal hat sich die Börse selbst geschlagen. Letztlich ist es nämlich genauso, wie Du sagst: Eine Übernahme ist nicht nur bei VW unwahrscheinlich und die Ausübung der Stimmrechte aus einer Minderheitsbeteiligung kann aufgrund des in Deutschland üblichen Depotstimmrechts eigentlich keinen interessieren.

Das einzige Risiko bei einer Vorzugsaktie ist, daß die Kursentwicklung aufgrund der genannten „Argumente“ schlechter ist, als die der Stammaktien. Ich perönlich gehe nicht davon aus nd rechne gerade bei VW mit einer Zusammenlegung der beiden Gattungen in nährerer Zukunft.

Gruß
Christian

Vielen Dank schon einmal fuer Deine ausfuehrliche Antwort. Zwei weitere Fragen: 1. Wie erklaert sich denn das hoehere KGV der Vorzugsaktie - rein rechnerisch muesste es aufgrund des niedrigeren Kurses doch niedriger sein? Und 2. Ich habe in der juengsten Vergangenheit die Kurse einiger Aktien beobachtet, die zur EInheitsaktie uebergegangen sind. Beispiel MLP: da war die Vorzugsaktie immer teurer und jetzt sind sie beide ca. gleich. Also doch nicht so eindeutig?

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Hallo nochmal,

Vielen Dank schon einmal fuer Deine ausfuehrliche Antwort.
Zwei weitere Fragen: 1. Wie erklaert sich denn das hoehere KGV
der Vorzugsaktie - rein rechnerisch muesste es aufgrund des
niedrigeren Kurses doch niedriger sein? Und 2. Ich habe in der
juengsten Vergangenheit die Kurse einiger Aktien beobachtet,
die zur EInheitsaktie uebergegangen sind. Beispiel MLP: da war
die Vorzugsaktie immer teurer und jetzt sind sie beide ca.
gleich. Also doch nicht so eindeutig?

was Deine erste Frage angeht, müßte man (sofern die Zahlen so stimmen) mal tiefer in die Berechnung des KGV nach DVFA/SG einsteigen. Ich gehe mal davon aus, wenn wie gesagt die Zahlen so stimmen, daß die Anzahl der Aktien je Gattung da eine Rolle spielt und sich dadurch der Gewinn je Aktie erhöht. Mit anderen Worten: Eine Ahnung habe ich, aber keine Erklärung.

Die Sache bei MLP ist weniger geheimnisvoll, als man meinen sollte: Es liegt einfach daran, daß nur sehr wenige Stammaktien im Umlauf sind, und daher die Vorzugsaktien zunächst im MDAX und dann im DAX waren bzw. sind. Daher gab es wiederum mehr Umsatz und die Erwartung, daß die Vorzüge interessanter für die Investoren sind. Bei SAP war es ja ähnlich.

Warum die nun mittlerweile gleich teuer sind, weiß ich nicht. Wenn das nicht zufälligerweise daran liegt, daß MLP die „Fusion“ der beiden Aktiengattungen bereits bekanntgegeben hat, müßte man da auch mal tiefer einsteigen. Evtl. hat man an der Ausgestaltung der Vorzüge was geändert. Also auch hier wieder: Ahnung ja, Wissen nein.

Gruß
Crhistian

Hallo Nicola,

wenn du die aktie beobachtet hast, weiß du ja, das sie jetzt nur als einheitsaktie existiert. also ist der gedanke, das sie gleich sind nicht ganz schlüssig. ein ding, welches nur einmal existiert, kann ja nicht „gleich“ sein. oder habe ich einen denkfehler??
*stirninfaltenleg*

ist der spread von stammaktie zur den vorzügen größer als die differenz der dividendenrendite, kaufst du natürlich die niedrigere.
bei der SAP waren es nämlich die stämme, welche niedriger notierten und auch illiquider waren.
wenn ich richtig informiert bin, gibt es z.b. in schweden a und b-aktien mit ähnlicher aufteilung. auch in den usa soll es relativ selten stimmrechtslose aktien geben.

ansonsten ist den ausführungen des großen exc nichts zuzufügen!!!
***

cu

strubbel

Hallo,

Warum die nun mittlerweile gleich teuer sind, weiß ich nicht.
Wenn das nicht zufälligerweise daran liegt, daß MLP die
„Fusion“ der beiden Aktiengattungen bereits bekanntgegeben
hat, müßte man da auch mal tiefer einsteigen. Evtl. hat man an
der Ausgestaltung der Vorzüge was geändert. Also auch hier
wieder: Ahnung ja, Wissen nein.

Richtig vermutet: bei MLP wurde auf der letzten HV beschlossen die Vorzüge in Stämme umzuwandeln, die warten nur noch auf die irgendeine Genehmigung dazu.
Cu Rene

Richtig vermutet: bei MLP wurde auf der letzten HV beschlossen
die Vorzüge in Stämme umzuwandeln, die warten nur noch auf die
irgendeine Genehmigung dazu.

Mann bin ich gut *g*

Gruß
Christian

Aber einen Schritt weiter: nach der MLP Entscheidung gehen viele Analysten davon aus, dass andere Firmen das Gleiche machen werden, auch VW. Da der Markt antizipiert, muessten sich doch eigentlich die Kurse der Staemme und Vorzuege annaehern. Stimmt aber im Fall VW nicht…

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