Hi Tessa,
Hallo,
ich platze gleich mal mit der Tür ins Haus,
as usual
)
weil ich nicht
weiß, wie ich mit dieser makabren Geschichte anfangen soll…
Also: vor einigen Tagen habe ich im Chat jemanden aus den
Staaten kennengelernt, der vor Jahren Mitglied einer Jury war,
die einen Menschen wegen ‚first degree murder‘ schuldig
sprach. Der Typ wurde zum Tode verurteilt und inzwischen auch
hingerichtet. Meine Chat-Bekanntschaft wollte partout nicht
Geschworener sein, aber das geht ja in den Staaten nicht. Und
er kaut immer noch daran, daß er einen Menschen in den Tod
geschickt hat.
Die Diskussion um die Todesstrafe hatten wir schon öfters im
Reli- & Ethik-Brett geführt, deswegen eine Bitte: keine
Todesstrafen-Diskussion, die ist hier absolut fehl am Platz.
Mir geht es auschließlich um die psychologische Seite und dazu
habe ich nur eine Frage:
Würdet Ihr Euch zutrauen, ein wirklich gerechter und
unvoreingenommener Geschworener zu sein?
Was bitte ist gerecht im Leben?
Deine Frage ist für mich mit einem ganz klaren Nein zu beantworten. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, von der er sich nicht frei machen kann. Ist jemand nun Geschworener hängt es davon ab, ob er sich mehr mit dem Täter oder mehr mit dem Opfer identifizieren kann.
Beispiel: verhandelt wird der sexuelle Mißbrauch einer Schutzbefohlenen
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Geschworene ist Mutter einer geliebten Tochter im Alter des Mißbrauchsopfer. Ich glaube, sie wird hier weniger unvoreingenommen sein können, und sich wohl für eine längere Haftstrafe aussprechen.
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Geschworener hatte eine ähnlich schwere Kindheit wie der Angeklagte, kommt in der Verhandlung raus. Er hat Verständnis und Mitleid. Er fühlt sich vielleicht sogar schuldig, daß er Glück hatte, an die richtigen Menschen zu geraten, die ihm aus diesem Ghetto herausgeholfen haben im Vergleich zum Angeklagten. Er möchte dem Beklagten eine Chance geben.
Das kann man x-beliebig lange fortsetzen. Es geht darum, eine möglichst große Annäherung an ein gerechtes und unvoreingenommenes Urteil zu bekommen, doch es spielen viele, oft unbewußte Aspekte, eine Rolle, z.B. Stimme, Dialekt, Kleidung, Auftreten, Verhalten, Bildung, Ausstrahlung, das Verbrechen selbst…
Ein nicht außer acht zu lassender Aspekt ist für mich, wieviele Menschen einerseits trotz Schuld nicht im Knast sitzen, indes doch auch ein paar Menschen auch schuldlos einsitzen.
Ich könnte keinen Menschen zum Tode verurteilen und ich finde es auch ein Unding, daß man zum Geschworenen zwangsverpflichtet werden kann. Das ist für mich Nötigung.
Ciao,
Romana
Gespannte Grüße
Tessa