Liebe/-r Experte/-in,
ich möchte eine Überkopfverglasung in einem Außenbereich anbringen, in dem mit keiner Last (Schneelast dergl.) von oben zu rechnen ist. Die Scheiben sollen je 1500 x 640 mm groß sein. Die Scheibendicke soll entweder 2x4 oder 2x5 mm VSG aus TVG betragen. Die Unterkonstruktion soll aus gehobelten Kanthölzern bestehen.
Nach langem Überlegen bin ich zu den folgenden Lösungsvorschlägen gekommen, die ich aber als Schreiner letztlich nicht ganz Vor- und Nachteilen zuordnen kann.
Lösung 1 : Die 640 mm liegen beidseitig in einem durchgängigen Metallwinkel auf, der innen entsprechend mit Gummi kaschiert ist. Auf halbem Weg der Scheibe (also bei 750 mm) könnte man 100 mm vom Rand 2 Glaspunkthalter setzen.
Lösung 2 : Entsprechend Lösung 1 - nur mit einem Glaspunkthalter auf halbem Weg der Scheibe (also bei 750 mm) und mittig der Breite (also bei 320 mm).
Lösung 3 : Die optisch unansprechendere und Ursprungslösung - das Setzen von 6 Glaspunkthaltern jeweils 100 mm von jeder Kante und die letzten 2 auf halbem Weg der Scheibe (also bei 750 mm) und ebenfalls 100 mm vom Rand.
Welche Lösung wäre fachlich möglich und warum gäbe es bei den anderen Bedenken?
Welchen Abstand von Scheibe zu Scheibe sollte ich wählen?
Ich freue mich auf Ihre Antwort.
Thorsten
Hallo Thorsten,
ich hätte noch ein paar Fragen zu der Konstruktion.
- Außenbereich - keine Schneelast ?
- warum Glaspunkthalter und keine Befestigung auf bzw. über die seitlichen Auflage ?
- wenn nur Glaspunkthalter dann evtl. kein seitliches Auflageprofil ?
Die Scheibenstärke würde ich in Abhängigkeit von Größe, Auflage und Dachneigung errechnen, die vorgeschlagene Stärke sollte aber wahrscheinlich ausreichen (auf mehrfache Folie achten). Im Metallwinkel sollte ein Auflageprofil mit entsprechender Härte langen.
Viele Grüße
Jörg
Hallo Jörg,
Ja es soll ein Dachüberstand oberhalb eines Balkons verkleidet werden. Es sind deshalb nur Biegezugspannungen und vielleicht thermische Einwirkungen zu berücksichtigen.
Zu 2 : Hatte ebenfalls schon die Idee Profile von Rasterdeckenherstellern zu nehmen. So könnte ich auf Bohrungen im Glas verzichten und evtl. auch auf eine Fasung am Rand. Aber ursprünglich wollte ich diese Art „Schattenfugenwirkung“ haben. Erst seit heute Abend sind wir wieder zurück auf die Idee mit der zweiseitigen linienförmigen Lagerung und evtl. einem oder zwei Glaspunkthaltern. Optisch könnte ich zwar auf 4 Glaspunkthalter verzichten (Schweizer Käse - es sind 10 Scheiben d.h. 60 Halter), aber so müßte ich die linienförmige Lagerung filigran machen, so daß die Wirkung der „Leichtigkeit“ bleibt.
Dein Punkt 3 verstehe ich nicht ganz. Bitte um Erklärung.
Habe inzwischen in der TRPV gelesen, daß durchaus Kombinationen aus linienförmig und punktförmig zulässig sind. Aber ich bin überfragt ob ich mit einem Punkthalter im Kreuzpunkt hinkomme. Wenn ich so recht überlage, dann nicht, weil in dem Regelwerk steht, daß man nicht mehr als 30 cm zum Rand haben darf.
Ferner steht da auch noch, daß die Halter mind. 50 mm betragen dürfen und mind. 12 mm Einstand haben sollten. Ich hatte Halter mit 30 mm Durchmesser ausgewählt. Kann nun nicht einschätzen, ob das gut gehen würde, da man ja normalerweise auch mit Schneelasten rechnet und das bei mir nie auftreten wird. Aber mit 50 mm Haltern wirkt das keinesfall mehr „leicht“.
Thorsten
Hallo Thorsten,
beim Punkt 3 dachte ich an eine reine Konstruktion nur mit Glaspunkthaltern.
Wenn Du Dir bei der Bemessung nicht sicher bist, kann ich Dir die Firma Pauli&Sohn, Waldbröl empfehlen. Dort hast du Experten in Sachen Bemessung/Entwicklung von Glas-Edelstahlkonstruktionen, die Dir dann auch die richtigen Größen errechnen können.
Bei der Wahl der Konstruktion ist es manchmal natürlich schwierig, den richtigen „Kompromiß“ zu finden, zwischen dem was man sich so vorstellt und dem was von der Technik her vorgeschrieben ist. Ich gebe Dir Recht, das 50 mm Halter optisch wesentlich „stabiler“ aussehen, ich würde mich hier aber nicht nur vom Design „beeinflussen“ lassen.
Viele Grüße
Jörg
Hallo Joerg,
zu Punkt 3 : Das war ja meine Ursprungsidee, aber eben der Gedanke daran, daß ich vielleicht wirklich mind. 50mm Punkthalter nehmen muß, erinnert bei 60 Stück erst recht an einen Schweizer Käse.
Ich kenne Pauli und Sohn und habe auch deren aktuellen Gesamtkatalog. Allerdings sind die natürlich der Mercedes. Das Projekt soll nicht teurer als das ganze Haus werden.
Habe heute nochmal mit meinem Glaslieferanten telefoniert und er meldet Bedenken zur ganzen Konstruktion an. Hatte ihn gefragt, ob eine Kombination aus linienförmig und punktgehalten denkbar wäre. Er meinte ich solle geprüfte Halter nehmen, dann wäre ich aus allem raus und die Halter würden alle Vorgaben bestimmen (Glasdicke, Bohrdurchmesser etc.). Aber der geprüfte Halter beschreibt mir doch genauso wenig wo er richtig am Glas zu sitzen hat. Wenn ich den Halter dann falsch bohren bzw. setzen lasse, kann die Scheibe ebenfalls reißen.
Und das an der Sache verstehe ich nicht. Einerseits sind es keine Statiker, aber andererseits müssen sie doch wenigstens Richtlinien haben, in welchen Abständen normalerweise gebohrt wird.
Sollte ich wirklich auf mind. 50mm Halter ausweichen müssen, dann kann ich genauso gut die Profile von Rasterdecken nehmen. Dann sieht das ganze wenigstens nicht so „unruhig“ aus. Allerdings habe ich dann das nächste Problem, daß ich nicht genügend Platz darüber habe, um die Scheibe diagonal einzudrehen.
Andere Frage :
Werde wahrscheinlich das Angebot einens anderen Glaslieferanten als sonst in Anspruch nehmen, weil einfach der Preis um einiges billiger ist als bei meinem „Hausglaser“. Das gibt mir allerdings schon zu bedenken, wenn es sich dabei um 1000,- Euro dreht.
Ich habe bei beiden dieselben Scheiben (2x5 mm VSG aus TVG mit 0,76mm mattweißer Folie) angefragt und ungelogen 1000,- Euro Unterschied.
Gibt es etwas was ich vielleicht übersehen habe? Gibt es unterschiedliche Qualitäten bzw. TVG´s?
Thorsten
Hallo Thorsten,
zunächst einmal weiß ich nicht, wieviel das ganze Haus gekostet hat. Pauli und Sohn sind vielleicht teurer, ich würde aber auch überlegen, ob spätere Probleme nicht noch teurer werden könnten.
Und die Aussage deines Lieferanten ist meiner Ansicht nach auch nicht die Schlechteste. Mit geprüften Halterungen ist man von Seiten der Technik auf der sicheren Seite. Pauli bietet hier ja auch einen entsprechenden Service, der nun auch einmal mit in die Kalkulation mit einfließen muß. Die helfen mit Sicherheit auch bei den Bemessungen, von wegen wo müssen die Halter gesetzt werden. Letzten Endes liegt es dann sowieso an Dir. Von der „Rasterdecke“ würde ich persönlich eher Abstand nehmen.
Beim Glas habe ich im ersten Moment auch keine Erklärung. Vielleicht hat einer der Hersteller andere Bearbeitungen, z.B. einer mit und einer ohne polierte Kanten ? Ich würde auf jeden Fall bei beiden noch einmal nachhaken, sie eventuell auch mit dem Preisunterschied konfrontieren. Sie müssen Dir ja eine Erklärung geben können.
Jörg
Hallo Jörg,
das mit dem Haus war nur sinnbildlich.
Also nach der erneuten Ansicht von Pauli´s Katalog und deren Internetseite, habe ich dort nur gefunden, daß sie den Kunden an geeignete Statiker und Ingenieure vermitteln, aber nicht selbst ausrechnen. Klar will ich keine Berechnung von denen und auch nicht von meinem Glaser, aber der muß doch im stande sein zu sagen was man machen kann und was nicht. Ich kann doch auch in meinem Fach eine Holzberatung geben und verweise nicht alle Fragen an einen Förster oder Biologen.
Warum würdest Du von Rasterprofilen absehen?
Ich habe z.B. beim Pauli keine Halter gefunden, die für Überkopfverglasungen sind und keine Öse haben für diese Zugstreben. Stattdessen bei den Fassadenhaltern gibt es genug, aber das sind vertikale Verglasungen.
Nee, Kanten bei beiden Angeboten poliert. Bin ich richtig informiert, daß ich zumindest als Laie die „Echtheit“ des TVG´s anhand der Stempel erkenne?
Habe gerade ein Vordach bei mir montiert und das hatte auch zwei Stück davon.
Thorsten
Hallo Thorsten,
das mit dem Haus habe ich schon verstanden. Entschuldige meine späte Antwort, habe mich eine Zeit mal ausgeklinkt. Rasterprofile würde ich von der Optik her nicht so schön finden.
Beim Preis kann ich mir mittlerweile vieles auch nicht mehr erklären, hatte heute auch gerade einen Preisunterschied von fast 100 % bei reinem Basisglas.
In Bezug auf die Beratung ist es gerade bei Sonderkonstruktionen heute immer schwieriger geworden. In gewissen Bereichen, in denen ich mich nicht so gut auskenne, versuche ich mich auch bei meinen Lieferanten/Experten zu erkundigen.
Jörg
Und was ist daraus geworden …
Ich habe die Decke seit Sommer realisiert. Habe 8er VSG aus TVG genommen, da wurde alles nicht so schwer. Die 10 Felder sind jeweils knapp 1500 x 640 mm groß.
Am Haus entlang, an den seitlichen Mauern zu den Nachbarn und unterhalb der Dachrinne an einer senkrecht abgestellten Seekieferplatte habe ich jeweils 30x30er Aluwinkel im Rechteck angebracht - als Auflage für das Glas.
Dann habe ich solche H-Verbinder im Internet gefunden, mit denen man Glasvitrinen bauen kann. In die Öffnungen des H´s schiebt man quasi das Glas ein. Die Sichtfläche beträgt jeweils ca. 30 x 60 mm. Diese Halter habe ich abgeändert, in dem ich die hinteren 2 Stege abgesägt habe, so daß ich nur quasi ein T hatte. Durch den senkrechten Steg des T´s bohrte ich dann mittig ein 6er Loch und senkte es aus. Mit einer Gewindeschraube M5 und solchen Gewindemuffen und einer weiteren Gewindeschraube von oben durch eine Dachlattenkonstruktion, habe ich die Glasplatten jeweils zwischen den Fugen zweier Scheiben mittig abgefangen.
Die Fugen habe ich wegen evtl. aufgewirbeltem Dreck in der Luft mit 12er Alurohren von oben geschlossen. Einfach nur von oben auf die 10mm Fuge gelegt. Die Rollen nicht weg, weil ich sie etwas mit transparentem Silikon angeheftet habe. So ist alles zu.
Danach noch die eigentlichen Aluauflagen zum Mauerwerk mit Akryl versiegelt und nachgestrichen - fertig war das Projekt.
Heute kann ich im Büro im 1. OG sitzen und auf die Gasse schauen, in dem ich ins Glas schaue. Aber die unten können nicht ins Büro schauen. Ist ganz witzig und vor allem hat´s keiner.
Wenn Du mir Deine Mail-Addy schickst, kann ich Dir auch mal Bilder zukommen lassen.
Thorsten