VWL - Ricardo Theorem

Hallo,

ich setze mich seit einigen Tagen mit VWL auseinander, was anscheinend nicht eines meiner starken Fächer zu sein scheint. Jedenfalls habe ich momentan extreme Verständnisschwierigkeiten beim Ricardo Theorem. Theoretisch verstehe ich das Ganze zwar, aber rechnerisch dafür umso weniger.

Würde mich freuen, wenn mir jemand das ein oder andere anhand der folgenden Aufgabe erklären könnte. Die Musterlösung dafür habe ich zwar, aber ich werde daraus einfach nicht schlau.

Aufgabenstellung:

Im 2-Länder/2-Güter-Fall sind folgende Arbeitsproduktivitäten gegeben:

Gut 1 Gut 2 Arbeitseinheiten
Land A 0,25 0,50 1.000
Land B 0,20 0,33 600

Ermitteln Sie die Transformationskurven und interpretieren Sie deren Steigung. Für welche Austauschverhältnisse kommt Tausch zustande? Welches Land spezialisiert sich auf welches Gut?

Da ich nur die Arbeitsproduktivitäten gegeben habe muss ich ja ersteinmal berechnen wieviele Arbeitseinheiten ich für jedes Gut Landspezifisch benötige.
Also hätte ich dann für Land A für Gut1 250 und für Gut2 500 Einheiten. Bei Land B wiederum 120 und 198. Nachdem ich mit diesen Angaben die Transformationskurve eingezeichnet habe, würde ich dann die Opportunitätskosten berechnen:
Land A Gut1: -0,5 (250/500), Gut2: -2
Land B Gut1: -0,61, Gut2: -1,65
Sprich: 1 EH mehr von Gut1 würde einen Verzicht von 0,5 EH von Gut2 bedeuten usw. Ich würde mich dann bei Land A auf die Produktion von Gut1 und bei Land B (wegen geringerer Opportunitätskosten) auf Gut2 spezialisieren. Vorteilhaft wäre der Tausch für Terms of Trade von Gut1 zwischen -0,5 und -0,61 und bei Gut2 zwischen -1,65 und -2. Sicher bin ich mir bei der Sache allerdings nicht …

In meiner Musterlösung habe ich allerdings z.B. die Opportunitätskosten - 1/0,5 (Land A, Gut1) und - 1/0,61 (Land B, Gut1). Einleuchten tut mir das nicht wirklich.

Was als nächstes in der Lösung steht versteh ich garnicht. Es werden die beiden Steigungen von Gut1 der beiden Länder addiert und durch 2 geteilt und in der Zeichung dann von Gut2 bei Land A ausgegangen (500) das Ganze mit 0,55 multipliziert und bei Gut1 dann halt auf der vertikalen Achse eine Linie zu 275 (0,55*500) eingezeichnet.

Kann gut sein, dass ich da irgendwelches Basiswissen nicht verstanden habe oder sowas, aber ich weiß mir da momentan alleine einfach nicht zu helfen und hoffe deshalb, dass sich hier jemand liebes findet, der mir hilft.

Danke im Voraus,
Nico

Hallo Nico,

so weit weg warst Du nicht mit deiner Lösung.

Rechne mal die obere Tabelle in Arbeitseinheiten/Gut um, dann hast Du folgende Tabelle:

Land Gut 1 2
A 4 2
B 5 3,03

Du kommst dann auf folgende Austauschverhältnisse

Gut 1/ Gut 2 A: 2 (für Gut eins muss ich zwei mal mehr Arbeiten als für Gut zwei) ; B 5/3,03 = 1,65 (dito)

Mit negativem Vorzeichen hast du dann genau die Steigung der Transformationskurve in der Musterlösung (Musst halt die Brüche ausrechnen)

für einen TOT von Gut 1/ Gut 2 zwischen 1,65 und 2 lohnt sich damit Handel zwischen den Ländern.

Land A spezialisiert sich auf Gut 2 und Land B auf Gut 1. B bekommt mehr als die 1,65 Einheiten an Gut 1, die es im Autarkiefall für Gut 2 bekommt. A bekommt mehr als die 0,5 Einheiten an Gut 1 (Kehrwert!), die es sonst für Gut 2 bekommt. Sie profitieren also beide.

Bei den internationalen Austauschverhältnissen wird in der Musterlösung angenommen,dass sich der Preis genau in der Mitte einpendelt. Warum, kann ich Dir im Moment auch nicht erklären. Gab es noch irgendwelche Zusatzinformationen?

Der Rest ist wiederum einfach: Gut 1/Gut 2 ist nun 1,825. In der Lösung wird offensichtlich die Transformationskurve von A ausgerechnet. Würde es nur Gut 2 produzieren und konsumieren, hätte es 500 Einheiten zur Verfügung. (Wie anfangs ) Verkauft es alle Einheiten von Gut 2, die es produziert an B, hat es 500/1,825 Einheiten = 274 Einheiten von Gut 1 zur Verfügung. Damit hast Du die beiden Achsenschnittpunkte der Transformationskurve. Die Abweichung zu 275 ist rundungsbedingt, da 1/1,825 = 0,5479 ist.

Ich hoffe, ich habe Dir weiter geholfen.

Tschö

fx

Hallo Nico,

also leider ist das Ricardo Modell nicht unbedingt mein Spezialgebiet.
Laut meinen Unterlagen, würde ich sagen, dass
Land A keinen absoluten Vorteil bei der Produktion von Gut 1 und Gut 2 hat.
Berechnung: a1 (Arbeitskoeffizient Land A Gut 1) > a1* (Arbeitskoeffizient Land B Gut 1) und für Gut 2 a2 > a2*
Nun zu den Opprotunitätskosten:
Laut Unterlagen kannst du anhand der Arbeitskoeffizienten die Opportunitätskosten berechnen.
Sprich für Inland Arbeitskoeffizient Gut1 / Arbeitskoeffizient Gut2 und genauso für Land B.
Land A = 0,25 / 0,5 = 0,5 für Gut1
Land B = 0,2 / 0,33 = ca 0,61 für Gut1
0,5 1,65

Somit hätte Land B einen komparativen Vorteil bei Gut 2.
Daraus folgt, dass sich Land A auf Gut 1 spezialisiert und Land B auf Gut 2.

Bei dir in der Musterlösung steht ja 1/0,5 und 1/0,61. Das klingt für mich auch komisch da wir beide eigentlich richtig gerechnet haben und ich jetzt auch nicht wüsste was daran falsch sein sollte. Wenn ich mich recht erinnere könnte es sich dabei um das Grenzprodukt der Arbeit handeln. (Kehrwert des Arbeitskoeffizienten)Aber es ist nur eine Erinnerung und kann falsch sein.

Zur Transformationskurve des Inlandes benötigen wir L = Arbeit und daraus folgt:
L = L1 + L2 (eingesetzte Arbeit für Gut 1 und Gut2 des jeweiligen Landes)
Daraus ergibt sich die Produktionsfunktion Q1 = L1 / a1 und Q2 = L2 / a2.

Die Transformationskurve von Land A dürfte dann auf der y-Achse (Q2) von L/a2 hin zu der x-Achse (Q1) durch L/a1 verlaufen. Steigung wäre a1/a2 (Land A) Das gleich gilt für Land B.
Leider habe ich auch nicht das gewünschte Ergebnis von oben erhalten. (meine Zahlen fürs Inland waren: y-Achse 2000 x-Achse 4000 Steigung - 0,5)

Könnte ein Fehler in der Musterlösung vorliegen, denn ich wüsste absolut nicht wo genau der Fehler liegen sollte.
Es tut mir leid, dass ich dir nicht wirklich weiterhelfen konnte aber wie gesagt laut meinen Unterlagen müsste deine Rechnung zu 100 % stimmen.

Ich kann dir noch eine Literaturempfehlung bezüglich diesem Themas geben:
Paul R. Krugman / Maurice Obstfeld
Internationale Wirtschaft
ISBN 978-3-8273-7199-7 Buch anschauen

Sorry nochmals.

Mit freundlichen Grüßen

Michael

hallo Nico,

müsste mich auch erst einmal hinsetzen und wieder in die Berechnungen reindenken, dazu fehlt mir allerdings zurzeit die Zeit. Ich empfehle dir, dich mit Kommilitonen zusammen zu setzen, dann wird vieles sicher klarer. Oder ein anderer Wer-weiss-was-Experte schüttelt sich die Lösung aus dem Ärmel…

Sorry und Grüße,
tina

Alles soweit klar, aber wie kommst du auf die 1,825? Da bin ich gerade etwas ratlos. Möcht mich aber trotzdem für die Hilfe bedanken.

Zusatzinformationen gab es keine. Eben nur die Aufgabenstellung. Kann aber gut sein, dass der betreffende Dozent einfach so noch irgendwelche Informationen während der Lösung der Aufgabe dazugepackt hat. Kann mich leider nicht daran erinnern, weil das schon ne ganze Weile her ist.

Das ist einfach der Mittelwert aus 1,65 und 2. Nach Zusatzinformationen habe ich gefragt, weil man nicht so ohne weiteres davon ausgehen kann, dass der Preis genau der Mittelwert ist. Mit dem Mittelwert macht Dein Dozent eine sehr vereinfachte Annahme.