VWL: Warum steigt der Euro?

Hallo!

Ich habe folgende Erklärung dafür gefunden, verstehe sie aber nicht so ganz. Vielleicht könnt Ihr mir helfen!

Warum steigt der Euro?
Dafür gibt es drei Gründe:
*Erstens liegen die Zinsen in Europa höher als in Amerika. Das macht Europa als Anlagesphäre attraktiver, Kapital fließt vermehrt in die Euro-Zone, was den Euro steigen lässt.
–> Das versteh ich ja noch! ;o)

*Zweitens ist die Inflationsrate in der Euro-Zone niedriger als in den USA.
–> Warum ist die den niedriger? Ansonsten versteh ich das auch noch!

*Der dritte Grund schließlich ist das hohe US-Leistungsbilanzdefizit. Um dieses Defizit zu finanzieren, brauchen die USA einen permanenten Kapitalstrom in ihr Land. Dieses Defizit ist auf Dauer kaum zu halten.
–> Und das verstehe ich jetzt leider garnicht mehr! Wie beeinflusst dies den Dollar Kurs?

Im Voraus VIELEN DANK FÜR DIE HILFE!

Byebye Christian

Hallo!

Ich habe folgende Erklärung dafür gefunden, verstehe sie aber
nicht so ganz. Vielleicht könnt Ihr mir helfen!

Warum steigt der Euro?
Dafür gibt es drei Gründe:
*Erstens liegen die Zinsen in Europa höher als in Amerika. Das
macht Europa als Anlagesphäre attraktiver, Kapital fließt
vermehrt in die Euro-Zone, was den Euro steigen lässt.
–> Das versteh ich ja noch! ;o)

*Zweitens ist die Inflationsrate in der Euro-Zone niedriger
als in den USA.
–> Warum ist die den niedriger? Ansonsten versteh ich das
auch noch!

*Der dritte Grund schließlich ist das hohe
US-Leistungsbilanzdefizit. Um dieses Defizit zu finanzieren,
brauchen die USA einen permanenten Kapitalstrom in ihr Land.
Dieses Defizit ist auf Dauer kaum zu halten.
–> Und das verstehe ich jetzt leider garnicht mehr! Wie
beeinflusst dies den Dollar Kurs?

VWL ist bei mir schon ein bischen her, aber ich verscuh es trotzdem mal zu erklären:
Leistungsbilanzdefizit heisst: Die USA importiert mehr Waren als sie exportiert.
Um Ware zu importieren, also im Ausland einzukaufen müssen entweder Dollar in ausl. Währung z.B. € getauscht werden oder es wird in Dollar bezahlt und diese werden dann in die Heimatwährung des Lieferanten z.B. € getauscht.
Beim Export wäre es umgekehrt.
Da nun der Import größer ist als der Export führt dies zu einem größeren Angebot an Dollar.
Der Kurs bestimmt scih durch Angebot und Nachfrage.
Angebot > Nachfrage (siehe oben) --> Kurs fällt.

Grüße
Chris

Hallo Chris!

DANKE!! Du hast das Brett vorm Kopf entfernt!

Bye Chris

eine kleine Geschichte über ein großes Unternehmen
Hi,

DANKE!! Du hast das Brett vorm Kopf entfernt!

freut mich zu hören, aber ich möchte auch noch etwas beisteuern: Festgestellt wurde bereits, daß die USA mehr importieren als exportieren. Die Differenz muß irgendwo herkommen und sie kam in der Vergangenheit über Kapitalimporte, d.h. Darlehen an den US-Bundeshaushalt, Investition in US-Aktien usw.

Nun stellen wir uns die USA als Unternehmen vor. Dieses Unternehmen macht Jahrzehnten operative Verluste (analog Leistungsbilanzdefizit), die durch Schulden finanziert werden. Grundsätzlich macht das Unternehmen aber einen guten Eindruck, ist in vielen Bereichen Marktführer und hat Zins und Tilgung immer pünktlich bestritten. Seit einiger Zeit nehmen die Verluste nicht nur deutlich zu, sondern sie entstehen auch dadurch, daß dieses Unternehmen andere mit fiesen Geschäftspraktiken angreift und sich das eine Menge Geld kosten läßt, bspw. durch Anwälte, Industriespionage, daraus folgende Prozesse usw. usw.

Das Unternehmen beschäftigt sich also nicht mehr mit seiner wirtschaftlichen Entwicklung und deren Verbesserung sondern mit Nebenkriegsschauplätzen und es sieht nicht so aus, als ob sich das in der Amtszeit des gerade für weitere 4 Jahre bestätigten Vorstandsvorsitzenden ändern wird.

Würdest Du diesem Unternehmen noch mehr Geld leihen bzw. noch mehr seiner Aktien kaufen?

Siehst Du, und die gleichen Überlegungen haben die internationalen Investoren und verkaufen nun tendenziell ihre Dollars gegen Euro. Ob sie damit einen guten Tausch gemacht haben, wird sich noch herausstellen, aber solange diese Tendenz erhalten bleibt, fällt der Dollar gegen den Euro.

Gruß,
Christian

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Hi!

Würdest Du diesem Unternehmen noch mehr Geld leihen
bzw. noch mehr seiner Aktien kaufen?

Ja! Wenn zukuenftig die Oelquellen (Geldquellen) sprudeln. :o)
Nein! Wenn ich mir den CEO des Unternehmens anschaue. :o(

Thanks,
Bye Chris

VWL ist bei mir schon ein bischen her, aber ich verscuh es
trotzdem mal zu erklären:
Leistungsbilanzdefizit heisst: Die USA importiert mehr Waren
als sie exportiert.
Um Ware zu importieren, also im Ausland einzukaufen müssen
entweder Dollar in ausl. Währung z.B. € getauscht werden oder
es wird in Dollar bezahlt und diese werden dann in die
Heimatwährung des Lieferanten z.B. € getauscht.
Beim Export wäre es umgekehrt.
Da nun der Import größer ist als der Export führt dies zu
einem größeren Angebot an Dollar.
Der Kurs bestimmt scih durch Angebot und Nachfrage.
Angebot > Nachfrage (siehe oben) --> Kurs fällt.

Grüße
Chris

Hallo Ihr beiden!

Deine Erklärung ist Lehrbuchmäßig wunderbar. Da Geld-international mein Spezialgebiet ist wollte ich doch noch was beisteuern. Wechselkurse verhalten sich nämlich beobachtungsgemäß genau nicht so wie sie sich nach Lehrbuch verhalten sollten. Tatsache ist, daß Wechselkurse sich jahrelang weitab (= doppelt oder halbsoviel) von den Kursen entfernen die sie eigentlich haben sollten. Das hat ein bischen was damit zu tun, daß Zentralbanken ihre eigene Währung nach politischen Wünschen steuern aber hauptsächlich mit den Devisenspekulanten die lehrbuchmäßigen Gleichewichtskurse nullkommanull interessieren. Die Spekulanten machen fast den kompletten Umsatz an den Devisenbörsen und bestimmen somit die Kurse. Im Ergebnis ist die einzige Vorhersage die man über Wechselkurse machen kann die, daß sie keine Sprünge machen. Ansonsten lässt sich über Inflationsdifferenzen, zinsdifferenzen oder Export-Import-Verhältnisse gar nichts erklären. Die angegeben Erklärung von Chris ist dennoch wichtig und richtig weil die Über- und Unterbewertungen der Währungen langfristig um die Kurse pendeln die sich durch die von Chris dargestellten Erklärungsmodelle pendeln.

Die Unterbewertung des Euro kurz nach seiner Einführung war genauso wenig gerechtfertigt wie die derzeitige übertriebene Dollarschwäche.

Die Unterbewertung des Euro kurz nach seiner Einführung war
genauso wenig gerechtfertigt wie die derzeitige übertriebene
Dollarschwäche.

Wieso übertrieben? Von dem früheren Tiefpunkt von rd. 1,30 DM je Dollar sind wir übrigens noch gute zehn $-Cent entfernt.

Gruß,
Christian