So funktioniert Narkose
Moin,
endlich mal eine interessante Frage (c;!
Die moderne Narkose besteht heutzutage aus mehreren Komponenten, die gezielt bestimmte Funktionen dämpfen/ausschalten, welche während einer Operation stören würden. Früher verwendete man dazu jeweils einen Stoff, der alles erledigte aber in dermaßen hohen Konzentrationen, daß der „Kater“ hinterher gewiß war und man teilw. tagelang verpeilt war.
Wie Narkose genau wirkt, weiß auch heute so genau niemand und so lange niemand (zum Glück) genau weiß, wie das menschliche Gehirn funktioniert, wird das auch so bleiben.
Aber im Groben nimmt man ein Hypnotikum (schlafmittel), das v.a. die Hirnrinde, also den Ort des Bewußtseins ausschalten soll, dazu ein Schmerzmittel (Analgetikum), meist ein sehr starkes Opiat, das den schmerzhaften Input ins Gehirn dämpft.
Alternativ kann man auch dampfförmige Anästhetika, die v.a. hypnotische aber auch analgetische Wirkung haben anstatt eines Hypnotikums inhalieren lassen oder mit Lachgas analgetische Wirkung erzielen.
Dabei werden meist auch das Atem- und das Hustenzentrum ausfallen oder zumindest so insuffizient werden, daß der Patient ersticken würde bzw,. stark gefährdet wäre, seinen eigenen Mageninhalt zu verschlucken und dadurch eine Lungenentzündung zu bekommen. Also wird der Patient (meist sobald er schläft) „intubiert“, d.h. es wird ein Plastikschlauch in die Atemwege gebracht, der am Ende einen von Ballon hat, der dann von außen aufgeblasen wird und die Atemwege abdichtet. Über den Schlauch kann der Patient dann beatmet und die Narkose aufrecht erhalten werden.
Abhängig von Operationsanforderungen, individuellen und pharmakologischen Faktoren werden die unterschiedlichen ZNS-Areale eines Patienten individuell unterschiedlich tief betäubt. Die Kunst der Anästhesie besteht jetzt darin, zur richtigen Zeit die für den Patienten individuell richtige Dosis Medikament zu geben, daß der Patient zwar von der OP nix mitbekommt, aber am Schluß möglichst bald (OP-Zeit ist teuer) wieder selbst atmen und Schutzreflexe benutzen kann und der Kreislauf nicht zu sehr in den Keller geht.
Leider kann man die Narkosetiefe bis heute nicht direkt messen, der Anästhesist ist hier immer noch auf indirekte Parameter wie z.B. Blutdruck und Herzfrequenz, (evtl. auch EEG-Analyse angewiesen). Je nach Grunderkrankung des Patienten (z.B. Nervenschäden durch Diabetes oder Alkohol) sind vegetative Antworten auf Streß (z.B. Schmerz) aber evtl. beeinträchtigt, so daß man ganz schön im Dunkeln stehen kann.
Es gibt Forschungen, die besagen, daß ungefähr 1% aller Patienten während einer Narkose Wachphänomene zeigen. Das muß aber nicht gleich bedrohlich auf den Patienten wirken. Auch ist es manchmal schwer, zwischen Traum und Wachheit zu unterscheiden. Meistens sind es akustische Reize, die ins (v.a. Unter-)bewußtsein vordringen.
Zum Intubieren und bei Operationen, bei denen der Patient entspannte Bauchdecken braucht oder sich nicht bewegen darf (z.B. AugenOPs) werden Muskelrelaxantien benutzt, die dem Patienten die Möglichkeit nehmen, seine Muskeln anzuspannen. Hier muß man besonders aufpassen, denn wenn der Patient jetzt wach wird, kann er sich aktiv nicht bemerkbar machen, nur evtl. Herzfrequenzanstiege oder eben Schwitzen können auf eine zu flache Narkose hinweisen. Allerdings kann das auch auf andere Faktoren, wie z.B. Blutverlust zurückzuführen sein. Oder eben fehlen.
Der Alptraum aller Narkoseärzte ist ein Patient, der nur schlaffe Muskeln hat („relaxiert“ ist), aber wach ist (dabei aber nicht aktiv atmen kann) und evtl. noch zusätzlich zuwenig Schmezmittel hat. Dieser Patient fühlt sich extrem ausgeliefert und hat evtl. höllische Schmerzen, denen er nicht entfliehen kann.
Aber das ist gottseidank extrem selten und dank der heute verwendeten Überwachungsmöglichkeiten und zur Verfügung stehenden Medikamente.
Grüße,
Chris