Wächst Geld für Zinsen auf Bäumen?

Einfache Antwort:

Wo kommt Geld her:
Von der Zentral- und Notenbank. Die Verleiht es an die Geschäftsbanken. Die Zinsen welche die Geschäftsbank an die Notenbank zahlt ist der Gewinn des Staates (so ungefähr). Der Gewinn den die Geschäftsbank macht, wenn Sie das Geld weiterverleiht läuft in deren Besitzerkreis. Das Geld das der Kreditnehmer der Geschäftsbank für Zinsen zahlt muss er erwirtschaften.

Geld wird also durch die Notenbank „geschöpft“ und ist nicht von vornherein vorhanden.

Sie schöpft soviel Geld, wie es zu einem von ihr bestimmten Zinssatz Nachfrage gibt.

PS: Mich würde Deine Rechnung interessieren. Kannst du mir die schicken?
[email protected]

Ich bin zwar ein finanzpolitischer Laie, aber wächst das Geld nicht wirklich an den Bäumen (oder Büschen)?

So druckt doch die z.B. die Bundesbank einfach aus zermatschten und wieder dünn ausgewalkten Pflanzenfasern mit ein bischen Farbe frisches neues Geld.

Das wird dann natürlich immer mehr (Geldmengenwachstum) und damit weniger wert (Inflation).

Also ist das doch gar kein geschlossenes System, sondern ein dynamisches, oder?

Hi Mirea,

Ohne Verzinsung des eingesetzten Kapitals gibt niemand sein
Geld her.

Hm, wenn ich mir vorstelle, dass dann auch niemand Zinsen für
sein gebunkertes Geld auf der Bank bekäme, ginge das Geld dann
nicht automatisch vermehrt in den Umlauf, und würde damit die
Wirtschaft gehörig ankurbeln?

Reiche Leute können und wollen i.d.R. nicht ihr ganzes Geld einfach verprassen. Darum kaufen sie sich Firmen, Rohstoffe, Aktien … um wieder etwas zu produzieren oder zu dienstleisten. Damit verdienen sie mehr geld, als sie eingesetzt haben.

Eigentlich brauchen nur arme Schlucker wie ich Zinsen, da ich nicht über genügend Geld und know-how verfüge, um selbst was auf die beine zustellen. Bekäme ich keine Zinsen, würde ich mein Geld unters Kopfkissen legen, da ist es warm und sicher. Aber so, so leihe ich es (oder meine Bank) leuten, die damit besser umgehen können, und davon Firmen, Rohstoffe, Aktien … kaufen und damit mehr geld verdienen als sie einsetzen.

Gruß
achim

Hallo Sven,

ich musste erst mal drüber nachdenken :wink:

Ist die geldlose, lokale
Tauschwirtschaft nicht reizvoll? Wenn kein Geld da ist, aber
der Wille, Leistungen auszutauschen.

Meiner Meinung nach hat sowas noch nie funktionert. Übrigens
hat nach dem 2. Weltkrieg auch jeder mit 40 DM angefangen…

nicht wirklich, denn diejenigen die Betriebe oder Grundstücke hatten, mussten zwar Lastenausgleich bezahlen, hatten aber trotzdem mehr als 40 DM (das ist aber eine andere Kiste und spielt hier keine Rolle :wink:

Was sollen meine Kinder lernen? Sind alle begabt genug, um
Nanotechnologie studieren zu können? Was ist mit den
durchschnittlichen Kindern, die durchschnittliche Lehrberufe
lernen, und dann wird alles ins Ausland verlagert? Auch
umziehen?

Selbstverständlich braucht Deutschlan dnicht nur
Nanotechnologie-Experten. Aber was wir wohl nie wieder
brauchen werden, sind ungelernte Bandarbeiter. Bereits heute
werden hier nur noch Industriemechaniker eingesetzt
(Automobilbranche).

Als Mutter einer Tochter in der 9. Klasse Hauptschule habe ich Einblick in die Situation dort. Es gibt engagierte Lehrer aber auch welche, die mir auf meine Frage, wie der Leistungsstand der Klasse im Fach Englisch sei, antwortete: es gibt immer ein paar, die gut sind, der Rest eben nicht – und das ganz ohne sein Zutun, da die Schüler nur das lernen, was sie zuhause beigebracht bekommen. Er reißt sich wirklich kein Bein raus, keine Hausaufgaben, keine Anleitung, was zu lernen ist, aber wir haben schon lange auf Eigeninitiative umgestellt, ich kann diese Schule nicht alleine reformieren. Dann gebe ich meiner Tochter eben soweit notwendig selbst Stützunterricht. Nur für das Ergebnis der anderen Schüler sehe ich schwarz…

Gerade in DER ZEIT von letzter Woche war ein Artikel, dass die
Firma Braun, ihren Rasierer zwar immer noch mit Made in
Germany schmückt, aber weltweit die Fabriken gegeneinander
ausspielt, zum niedrigsten Preis zu liefern.

Wenn dem nicht so wäre, würden sich dann die deutschen Werke
anstrengen, um konkurrenzfähig zu sein ? Je höher die Kosten,
umso besser muss die Produktivität sein.

sind da nicht eher Versäumnisse der Firmenleitung, was neue Produkte angeht, neue Fertigungsmethoden, Eingehen auf die Demoskopie. Was ich damit meine, warum liest keiner die Alterskurven? Beispiel: Mit meinen Kindern hatte ich jedes Jahr erneut Probleme, Schuhe zu kaufen, da sie zu einem starken Jahrgang gehörten. Warum hat da kein Produzent auf den erhöhten Bedarf reagiert? Mittlerweile brauchen sie Erwachsenengrößen und das Problem ist weg. Weiteres Beispiel: Warum werden die Bedürfnisse älterer Konsumenten nicht wahrgenommen und z.B. Handys mit größerem Tastenfeld produziert?
Der Arbeiter am Band kann auf so was keinen Einfluss nehmen, da sehe ich die alleinige Verantwortung der leitenden Angestellten.

Asien, Afrika usw. macht mir noch nicht so viel Angst. Viel
schlimmer finde ich, dass die Arbeitskosten in Frankreich,
Österreich, Italien, England usw. um 40% unter den Kosten in
(West-)Deutschland liegen und trotzdem nagt dort keiner am
Hungertuch. DAS macht mir Angst !

Der „Wohlstand“ z.B. in Großbritannien ist deutlich niedriger als hier in Deutschland. Da wird es zu einer Angleichung nach unten bzw. einer weiteren Spaltung der Gesellschaft arm reich in Deutschland kommen.

Tja, selbst schuld, die „Geiz-ist-geil“-Welle ist nirgends
größer als in Deutschland. Warum kaufen die Deutschen auch
Autos aus dem Ausland ?

Wir haben ein Fahrzeug mit der Aufschrift Made in Germany, aber so sicher bin ich mir darüber angesichts der Globalisierung auch nicht mehr

Echt schrecklich finde ich aber, dass die leitende Kaste der
Konzerne so hohe Arbeitslöhne erhält, dass sie völlig abhebt
und ihre soziale Verantwortung für die Arbeiter und ihre
wirtschaftliche Verantwortung für die Binnennachfrage
vergessen.

Hohe Löhne in der leitenden Kaste ?

die liegen deutlich über 30 € / Std., wenn mehrere Mill. pro Manager fließen
Alle Gehälter jenseits von 250.000 € führen dazu, dass sich diese Personen die Welt der „Normalos“ nicht mehr vorstellen können.

Erzähl mir mal einer,
dass 5.000 DM mtl. unter der Würde eines Arbeiters sei…

Das war nie meine Intention. Es geht auch nicht allen Deutschen schlecht und alle wären arbeitslos. Aber ich mache mir Gedanken darüber, wo ich meine Kinder unterbringen kann, was ihnen hilft, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Da die andere Tochter auf dem Gymnasium ist und die auf der Hauptschule anschließend zur Wirtschaftsschule geht, geht es auch darum, welche Weichen zu einem aussichtsreichen Berufsfeld führen, nicht nur zu einer Beschäftigung für von der Hand in den Mund.

Ein einfaches weiter so, hilft nicht

Richtig, daher mal über
35 Stundenwoche
30 Tage Urlaub
13 - 14 Gehälter
voll Lohnzahlung im Krankheitsfall
Kündigungsschutz

und ähnliche Privilegien nachdenken.

als Ergebnis nähern wir uns wieder den Bedingungen, die 1900 vorlagen. Ein Übergewicht des Kapitals und reine Abhängigkeit des Faktors Arbeit. Oder brauchen wir wieder soziale Unruhen???

:open_mouth:der aber einfach mal

wieder mehr anstrengen und bessere Leistung liefern (z.B.
Patente…)

wo bleibt die Verantwortung der Manager? Die Konzerne sind nur juristische Personen, die können selbst gar nichts tun.
Mir erscheinen die Konzerne entwurzelt, in dem Sinne, dass sie auf der ganzen Welt zuhause sind und sich einen Dreck um Deutschland kümmern. Das macht mir Angst. Nur noch Gewinnmaximierung. Es genügt nicht mehr, dass es der Firma gut geht, sie will ausgezeichnete Ergebnisse. Am besten im zweistelligen Bereich. Die 30 DAY Unternehmen haben 117 % Gewinnzuwachs und haben als Dankeschön 20 000 Mitarbeiter entlassen.

Alles nur noch für den Shareholder Value, ohne die Interessen der Mitarbeiter oder des Gemeinwohls zu berücksichtigen. In Art 14 Grundgesetz steht immer noch „Eigentum verpflichtet“, dies gilt aber nicht für Konzerne. Die stellen sich einfach außerhalb des Gemeinwesens.

Wir beide können daran nichts ändern, es ist aber ein Thema, das mir wirklich unter den Nägeln brennt. Deshalb unterstütze ich auch graswurzeldemokratische Bewegungen.
Als Greenpeace gegründet wurde, dachte auch niemand daran, dass die mal mitregieren werden. Derartige Bewegungen sind auf jeden Fall besser als soziale Unruhen.

Nun denn
Viele Grüße
Cirwalda

Wozu ist wachstum notwendig
Hallo Cirwalda,

Unsere Wirtschaft benötigt immer ein Wachstum, um daraus die
Zinsen bezahlen zu können. Das führt dann zu dem Wachstum ohne
Ende, der Globalisierung.

Auch bei 0% Wachstum (oder weniger) kann ein geschlossenes System seine Zinsen zahlen. Das Geld ist halt nachher mit Zinsen nicht mehr Wert als vorher ohne. Inflation und Zins sind in erster Näherung einfach nur gleich groß.

Mit der Globalisierung mögen weitere Tortenstücke hinzukommen, aber das ist für unsere Wirtschaft (und deren Zinsen) nicht vorraussetzung.

Gruß
achim

Hallo Max,

Dann gibt es eben keine Zinsen mehr und
vielleicht auch den Ursprungsbetrag nicht. Dieses Risiko ist
eingerechnet. Im großen uund ganzen aber, über alle Kredite
gemittelt, können Zinsen gezahlt werden, weil der Durchschnitt
aller kreditfinanzierten Projekte Werte erzeugt.

Ist nachvollziehbar, danke für die Erklärung.

Was hältst Du von dem Gedankengang, dass die weltweit
steigende Verschuldung aller Länder irgendwie mit dem Zins-
und Zinses-Zins-System zusammenhängen könnte?

Ich halte ihn für absurd.

Aha. *BierundChipsrüberreich*

Gruss,
Mirea

PS: Mich würde Deine Rechnung interessieren. Kannst du mir die
schicken?
[email protected]

Die Rechnung ist auf einem Haufen verkritzelter Notizblätter in unserer Stammkneipe entstanden, ich werde mal meinen Freund fragen, ob er die noch im Kopf hat. Falls ja, melde ich mich.

Gruss,
Mirea

Hallo Wolfgang,

Nicht das Darlehen und auch nicht die Zinsen sind das Übel,
sondern die Menschen, die damit nicht umgehen können.

dann scheinen sämtliche Staaten dieser Erde in den letzten Jahrzehnten das Geld nur so zum Fenster rausgeschmissen zu haben. Einer privaten Firma hätte man den Geldhahn schon längst zugedreht. Wenn’s wirklich „nur“ daran liegt, sind die Politiker tatsächlich alle Stümper, die keine Ahnung zu haben scheinen.

Gruss,
Mirea

Hallo Wolfgang,

Welchen Sinn hat es, dass die Reichen, ohne Arbeit, ohne Ideen und Innovationen, aber für ihre Aktien :smiley:ividenden bekommen und damit immer reicher werden?

Ohne Verzinsung des eingesetzten Kapitals gibt niemand sein
Geld her.

Logisch, aber die Kapitalbesitzer müssen nicht lebenslang lernen oder Innovationen erfinden.
Es geht mir um das Ungleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit. (Keine Angst, ich bin kein Marxist, ich grübel nur über die Probleme).

Okay, jeder Arbeiter kann Aktien erwerben und daran teilhaben, aber mit Hartz IV ist damit Schluss)

Hartz IV ändert nichts Nennenswertes an der Zahl der Empfänger
staatlicher Unterstützung. Diese Leute konnten auch vorher
keine Aktion erwerben.

Die Gefahr ist, dass der Mittelstand nach unten durchbricht, sobald er arbeitslos wird. Wären genügend Arbeitsplätze da, wäre es ja kein Problem innerhalb von einem Jahr einen Job zu bekommen. Eng wird es, wenn das erste Jahr vorbei ist und immer noch kein Job gefunden wurde. Dann sind erst alle Ersparnisse aufzubrauchen, bevor man weitere staatliche Gelder bekommt. Ein Kumpel von mir hat nach „guten“ Jahren keine nennenswerten Rücklagen gehabt, musste seine Wohnung aufgeben bzw. in eine billigere ziehen und sein Auto verkaufen. Ein anderer arbeitet jetzt für 1/3 weniger Geld, dafür aber mit 1/3 mehr Arbeitszeit. So kurz vor Ablauf des Jahres musste er nehmen, was noch angeboten wurde…
Wir befinden uns also auf einer Spirale an unten, auch diejenigen, die wieder in Arbeitsverhältnisse zurückfinden.

Was macht ein Arbeitsloser, wenn er keine Arbeit findet? Lebenslanges Lernen, klar, aber was?

Die Menschen müssen breiter qualifiziert werden. Es beginnt
bei der Schulbildung. Wer die Gabe hat, das Abitur zu
erreichen, soll es machen, statt darauf zu verzichten, weil es
für den angestrebten Beruf nicht nötig ist. Bei der
Berufsbildung gilt das Gleiche: Das jedem individuell gegebene
Potential muß ausgeschöpft werden. Viele der heute
Arbeitslosen sind nicht bildungsfähig. Es fehlen elementare
schulische Voraussetzungen, viele Menschen sind des Lernens
entwöhnt oder erkannten den Wert von Bildung nie. Solche
Ignoranz fängt oft schon in der Grundschule an, wenn nämlich
lernwillige und leistungsstärkere Schüler verprügelt werden,
statt als Ansporn zu dienen.

Da stimme ich völlig mit dir überein. Dazu sollten aber die Schulen grundsätzlich erneuert werden. Voraussetzung dafür wäre eine Rückkoppelung der Ergebnisse der Schüler mit der Beurteilung der Lehrer. Ich habe oft erlebt, dass denen völlig egal ist, ob die Schüler den Stoff lernen oder nicht (es gibt auch motivierte Lehrer, es sollte nicht ein ganzer Berufsstand verunglimpft werden). Keinem Berufsstand ist es aber so egal, dass nachmittags ihre Versäumnisse ausgebügelt werden, entweder von den Müttern oder durch Nachhilfe. Wenn der Leistungsstand der Klassen am Schuljahresende geprüft würde, müssten die Lehrer Konsequenzen erleben, z.B. durch Nachschulungen während der Ferien.

Ist die geldlose, lokale Tauschwirtschaft nicht reizvoll?

Ja, aber schrecklich unpraktisch. Was machst Du, wenn die
Autowerkstatt für ihre Dienste unbedingt Schinken haben will,
Du aber gerade keinen Schinken hast? Der Erfindung des Geldes
war eben kein Zufall.

Mein Mann ist der geborene Händler, der würde das sicher besorgen :wink:

Wir
brauchen viel mehr Selbständige. Damit meine ich keine
Fingernagelstudios und Ebay-Händler als Ich-AGs und keine
Anbieter in bereits überbesetzten Marktsegmenten, sondern
qualifizierte Leute, die neue Produkte für neue Marktsegmente
entwickeln und produzieren.

stimmt, gerade damit haben wir große Probleme.

Echt schrecklich finde ich aber, dass die leitende Kaste der Konzerne so hohe Arbeitslöhne erhält, dass sie :völlig abhebt und ihre soziale Verantwortung für die Arbeiter und ihre wirtschaftliche Verantwortung für die :Binnennachfrage vergessen.

Die „leitende Kaste der Konzerne“ sind angestellte
Gehaltsempfänger, die dafür bezahlt werden, das eingesetzte
Kapital der Geldgeber zu verzinsen. Genau das tun diese
Angestellten, andernfalls wären sie ihren Job schnell los.

s. auch mein Posting an Sven
Genau damit weisen die Manager ihre Verantwortung für das Gemeinwohl und die Arbeiter von sich. Sie tun nur ihren Job. Der Konzern ist ein Ding, das im rechtsfreien Raum über allem schwebt. Die Manager kümmern sich nicht um die Arbeiter hier oder in China, nur um den Shareholder Value.

Ist die Gesellschaft davon überzeugt, dass es morgen besser geht als heute…

Wenn sich nichts ändert, wird sich die Anzahl der Erwerbslosen
kontinuierlich erhöhen. Unsere Volkswirtschaft ist als soziale
Marktwirtschaft auf die Füße gekommen. Zwischenzeitlich will
aber kaum noch jemand etwas von Marktwirtschaft hören. Wir
haben einen allgegenwärtigen, sehr teuren Staat, in dem mir
kein nicht reglementierter Bereich einfällt.
Eigenverantwortung ist als unsozial verschrien. Wir leisten
uns 4,8 Millionen Menschen im öffentlichen Dienst und in
öffentlich-rechtlichen Körperschaften, Beamtenrecht ist ein
eigenes Rechtsgebiet, aber eine Kultur der Selbständigkeit
fehlt uns. Genau die brauchen wir, neben einer Aufwertung von
Bildung. Bildung muß im Bewußtsein der Menschen wichtiger sein
als Pauschalurlaub. Wenn es aber um Bewußtseinsänderungen
geht, kommen wir mit Verwaltungsvorschriften nicht weiter.
Einsicht jedes Einzelnen ist gefragt. Wir brauchen den
Einzelnen mit der Bereitschaft, sein ganzes Wissen und seine
ganze Kraft in ein innovatives Produkt zu investieren, einen
Betrieb aufzubauen und im Laufe der Zeit Menschen zu
beschäftigen. Von diesen Einzelnen brauchen wir möglichst
viele.

soweit stimme ich mit dir überein, wobei der Gesetzgeber die Gesetzes- und Verordnungsflut verursacht hat. Nur dieser kann diesen Quatsch wieder beseitigen, nicht die Beamten. Wann kommt eigentlich ein wirklich einfaches Steuerrecht (nicht nur populistische Forderungen, sondern ein durchgedachtes System und der politische Wille zur Umsetzung)?

Dabei ist es wenig hilfreich, wenn solche ackernden
Zugpferde mit Reglementierungen, Beschimpfungen und
Vorbehalten überzogen werden, weil sie angeblich andere
Menschen ausbeuten.

Konzernchefs und ihre leitenden Angestellten beuten hier die Arbeiter und Angestellten „noch“ nicht aus, wohl aber die Arbeiter in den anderen Ländern mit Stundenlöhnen von 3 € bzw. bis zu 50 Cent. Ein Firmengründer, der heute anfängt, wird wohl nicht gleich mit Arbeitern im Ausland beginnen, also sehe ich den Zusammenhang nicht. Inwieweit sind sie Beschimpfungen und Vorbehalten ausgesetzt?

Hört sich alles ziemlich neoliberal an? Ist es auch! Wir
brauchen Leistungsträger, damit über irgendwo in der Welt
absetzbare Produkte Geld verdient wird und wir uns soziale
Träume überhaupt leisten können. Es ist geradezu banal: Wir
können nur verfrühstücken, was wir vorher auf die Rampe
gestellt und verkauft haben.

Neoliberalismus führt zur Abschaffung aller sozialer Errungenschaften, die seit 1900 erkämpft wurden. Wenn es den Firmen wirklich an die Substanz ginge, würde ich ja Zugeständnisse einsehen (oft wird auf hohem Niveau gejammert), aber bei zwei- oder dreistelligen Gewinnzuwächsen frage ich mich, wohin die Konzerne wollen. Binnennachfrage sollte nicht ohne Not einfach abgewürgt werden. Das sollten sogar Neoliberale in Erwägung ziehen. Oder regelt alles der Markt? Keiner kauft und der Konzern ist glücklich…

Nun denn
Viele Grüße
Cirwalda

Hallo Mirea!

Hm, wenn ich mir vorstelle, :dass dann auch niemand Zinsen :für sein gebunkertes Geld auf :der Bank bekäme, ginge das :Geld dann nicht automatisch :vermehrt in den Umlauf, und :würde damit die
Wirtschaft gehörig ankurbeln?

Geld ist ein Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen. Wenn es Geld kostenlos (also ohne Zinsen) gäbe, gäbe es auch Waren und Dienstleistungen zur kostenlosen Nutzung, denn Geld ist nur das Äquivalent für Waren und Dienstleistungen.

Kämst Du auf die Idee, jedem x-beliebigen Fremden kostenlos Dein Haus oder Dein Auto zur Verfügung zu stellen? Falls nicht, warum soll das Tauschmittel für Dein Haus oder Dein Auto kostenlos sein?

Nehmen wir an, Zinsen wären abgeschafft. Das Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen gäbe es also gegen das Versprechen, irgendwann den gleichen Betrag zurück zu zahlen. Welche Veranlassung gäbe es, das Versprechen einzulösen? Ob morgen oder erst in Jahren zurückgezahlt wird, ist dann egal. Dann wäre es auch egal, ob heute oder irgendwann in Jahren gearbeitet, also Werte geschaffen werden. Ich würde in solchem Fall erst einmal nicht arbeiten und alle anderen Leute auch nicht. Wozu auch - das Tauschmittel zum Erwerb aller Sachen gibts ja gratis. Wenn aber keiner arbeitet, wovon leben wir dann? Die Zinsen sind erforderlich, damit das Tauschmittel Geld überhaupt funktioniert. Schafft man Zinsen ab, schaffst Du das Geld gleich mit ab, wir kämen zur Waren-Tauschwirtschaft. Solche Tauschwirtschaft funktioniert aber nur von der Hand in den Mund in unmittelbarer Nachbarschaft. Ich mähe Deinen Rasen, Du paßt morgen auf meine Katzen auf. Ach, morgen paßt es nicht und ich soll trotzdem jetzt den Rasen mähen? Gut, dann paßt Du nächste Woche für 2 Tage auf meine Katzen auf. Was ist da passiert? Wir wollen den Zusammenhang von Leistung und Gegenleistung zeitnah. Andernfalls verlangen wir Zinsen. Die heißen dann zwar nicht Zinsen, aber was da abläuft, hat das Wesen von Zinsen. Zinsen sind also kein von Kapitalisten geschaffenes Teufelszeug. Zinsen liegen vielmehr in der menschlichen Natur, sie bringen den Faktor Zeit ins Tauschgeschäft, weil es uns i. a. nicht egal ist, wann die Gegenleistung für eine erbrachte Leistung erfolgt.

Zurück zum ersten Satz: Geld ist ein Tauschmittel. Geld ohne Zinsen ist gleichbedeutend mit kostenloser Nutzung von Waren. Es ist deshalb kein Zufall, daß die Leute, die für die Abschaffung der Zinsen plädieren, auch für die Abschaffung des individuellen Eigentums eintreten. Weil solches Spiel nur auf einer von der Außenwelt abgeschotteten Insel funktioniert, sind das Selbstversorgerträume. Sie entbehren jeglicher Realisierungsmöglichkeit, es sei denn, wir wollten tatsächlich nur damit leben, was wir mit Pferd und Holzpflug auf eigener Scholle anbauen. Sobald es darüber hinaus geht, ist niemand auf diesem Globus autark, sondern auf Handel angewiesen. Schon der Pfeffer für das Schnitzel ist auf heimischer Krume nicht zu ernten. Handel ohne ein allgemein anerkanntes Tauschmittel funktioniert nicht wirklich, also brauchen wir Geld. Und da schließt sich der Kreis: Geld braucht Zinsen, sonst hast Du kostenlose Nutzung von Geld und damit kostenlose Nutzung von Waren.

Gruß
Wolfgang

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hallo cirwalda,

wenn jemand nach guten jahren keine rücklagen gebildet hat, spricht das aber für die lebensuntüchtigkeit desjenigen, nicht gegen wirtschaftliche bedingungen.
die firmen, welche hohe geinnsteigerungen haben, sitzen im allgemeinen noch in d., lassen aber im ausland produzieren.
du kannst nicht die paar börsennotierten unternehmen als maßstab nehmen.

strubbel
@:open_mouth:)

Hallo Wolfgang,

Geld ist ein Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen. Wenn
es Geld kostenlos (also ohne Zinsen) gäbe, gäbe es auch Waren
und Dienstleistungen zur kostenlosen Nutzung, denn Geld ist
nur das Äquivalent für Waren und Dienstleistungen.

dass Geld nur ein Äquivalent für Waren und Dienstleistungen ist, stellt doch die Sache mit den Zinsen in Frage. Zumindest für meine Logik:wink:. Es ist okay, für Dienstleistungen und Waren einen Gegenwert zu verlangen, aber eben nicht mehr, als sie wert sind (Zinsen)! Das ist, als würde Geld Junge kriegen, oder eben auf Bäumen wachsen. Wenn Geld wirklich NUR ein Tauschmittel für eine äquivalente Gegenleistung wäre, gäbe es keine Zinsen! Das widerspricht sich doch total.*amKopfkratz*

Nehmen wir an, Zinsen wären abgeschafft. Das Tauschmittel für
Waren und Dienstleistungen gäbe es also gegen das Versprechen,
irgendwann den gleichen Betrag zurück zu zahlen. Welche
Veranlassung gäbe es, das Versprechen einzulösen?

Wieso? Könnte doch ebensogut vertraglich geregelt sein, in welchem Zeitraum es zurückgezahlt wird.

Ich würde in solchem
Fall erst einmal nicht arbeiten und alle anderen Leute auch
nicht. Wozu auch - das Tauschmittel zum Erwerb aller Sachen
gibts ja gratis.

Warum gäbe es das Geld gratis? Es geht ja nur um die Zinsenfrage, und ich verstehe nicht, warum man mit den Zinsen auch gleich das Geld als Tauschmittel abschaffen oder zum direkten Tauschhandel zurückkehren müsste. Gegen Arbeit gibt’s Geld - nach wie vor, das hat doch mit den Zinsen nichts zu tun? Warum braucht Geld Zinsen?

Na ja, ich geb’s auf, das widerspricht einfach meiner Logik, kann man nichts machen:wink:. Danke trotzdem für Deine Erklärungen.

Gruss,
Mirea

Hallo Mirea,

Warum gäbe es das Geld gratis? Es geht ja nur um die
Zinsenfrage, und ich verstehe nicht, warum man mit den Zinsen
auch gleich das Geld als Tauschmittel abschaffen oder zum
direkten Tauschhandel zurückkehren müsste. Gegen Arbeit gibt’s
Geld - nach wie vor, das hat doch mit den Zinsen nichts zu
tun? Warum braucht Geld Zinsen?

Vielleicht, weil diejenigen, die Geld (beruflich bedingt) verleihen, damit auch einen Aufwand haben (Kreditabwicklung, Bonitätsprüfung, bis hin zur Werbung) und dafür auch eine Marge benötigen, ähnlich wie jeder Händler.

Ich persönlich habe zusätzlich noch ein Problem mit Risiko, welches mir nicht vergütet wird (siehe meine vermietete Wohnung, die mir durch eine Mieterin verwüstet wurde, wodurch neben Mietausfall - sie zahlte einfach nicht - auch noch ein riesiger Renovierungsschaden entstanden ist).

Grüsse

Sven

Hallo Mirea,

Nicht das Darlehen und auch nicht die Zinsen sind das Übel,
sondern die Menschen, die damit nicht umgehen können.

dann scheinen sämtliche Staaten dieser Erde in den letzten
Jahrzehnten das Geld nur so zum Fenster rausgeschmissen zu
haben. Einer privaten Firma hätte man den Geldhahn schon
längst zugedreht. Wenn’s wirklich „nur“ daran liegt, sind die
Politiker tatsächlich alle Stümper, die keine Ahnung zu haben
scheinen.

Staaten kann man zwar auch darunter verstehen, ich glaube aber, Wolfang meinte damit eher die privaten Insolvenzfälle, die stetig steigen.

Grüsse

Sven

Hallo Achim,

Auch bei 0% Wachstum (oder weniger) kann ein geschlossenes
System seine Zinsen zahlen. Das Geld ist halt nachher mit
Zinsen nicht mehr Wert als vorher ohne. Inflation und Zins
sind in erster Näherung einfach nur gleich groß.

Das geht solange gut, wie keine IG Metall da ist, die größere Lohnerhöhungen als einfach nur den Inflationsausgleich fordert. Dazu müssen Produktivitätssteigerungen da sein bzw. (weil die halt auch nicht immer so einfach zu realisieren sind und übrigens Investitionen benötigen) ein (Umsatz-)Wachstum.

Grüsse

Sven

Hallo Mirea,

nach Svens Antwort hier ein konkretes Beispiel:

Nehmen wir an, Zinsen wären abgeschafft. Das Tauschmittel für
Waren und Dienstleistungen gäbe es also gegen das Versprechen,
irgendwann den gleichen Betrag zurück zu zahlen. Welche
Veranlassung gäbe es, das Versprechen einzulösen?

Wieso? Könnte doch ebensogut vertraglich geregelt sein, in
welchem Zeitraum es zurückgezahlt wird.

Ja, aber am Ende des Vertrages leihe ich die gleiche Summe wieder, und wieder, und wieder…

Niemand gibt mir dann Geld? O.k., dann zahle ich eine kleine Gebühr dafür (-> schon habe ich zinsen)

Warum sollte mir jemand Geld zinslos leihen?

  • Nur weil er es hat? In einem Tresor oder unterm Kopfkissen ist es auch gut aufgehoben.
  • Weil ich ihm dann einen gefallen Schuldig bin? Das ist dann ein geldwerter Vorteil (->Zinsen). Bei den Fuggern hat das wohl gut funktioniert. Christen durften seinerzeit keine Zinsen nehmen. Aber sie konnten den Kaiser so erpressen.
  • weil er ein guter Mensch ist? Ja, das wäre ein Grund! Aber was macht der Schuldner damit? Er verdient Geld. Und da der Schuldner auch ein guter Mensch ist, teilt er seinen Gewinn mit dem Verleiher (-> Zinsen)

Gruß
achim