Hallo Bernard,
Allerdings bin ich mir noch nicht so ganz sicher, ob
preussische Silbergroschen auch bei den Bayern galten. Ich
kann mir vorstellen, dass es da Unterschiede gab. Oder liege
ich verkehrt?
das war damals nicht viel anders als heute - mit Dollar oder Euro kann man nahezu weltweit bezahlen. Wie günstig (oder ungünstig) dabei das Kursverhältnis ist, ist allerdings eine andere Frage …
Ausserdem wurde wohl mit Gründung des Deutschen Reichs die
Mark eingeführt; das war ja wohl 1871, aber ob in Bayern die
Uhren anders gehen?
Die gingen genau ein Jahr nach. Doch dazu weiter unten.
In Preußen wurde seit 1750 der Taler als Silberwährung geprägt. Durch die Augsburger Reichsmünzordnung wurde 1559 der Reichsguldiner bzw. Gulden-Taler geschaffen; eine Großsilbermünze im Wert eines Goldguldens, die sich in Süddeutschland (‚Guldenländer‘) zur Kurantmünze entwickelte, während Norddeutschland an der Talerwährung festhielt. Nach der napoleonischen Zeit (großer Sprung …) gab es im wesentlichen die norddeutsche Talerwährung (1 Thaler = 30 Silbergroschen = 360 Pf., 14 Thaler = 1 Mark/235g Silber), die süddeutsche Guldenwährung (1 Gulden = 60 Kreuzer = 240 Pf.) und die österreichische Guldenwährung. Umgerechnet wurde 2 Taler preußisch = 3 1/2 Gulden süddeutsch = 3 Gulden/Forint österreich-ungarisch. Die süddeutsche Guldenwährung wurde 1837 von den süddeutschen Mitgliedern des Deutschen Zollvereins im Münchener Münzvertrag standardisiert. Durch diesen Vertrag wurde auch eine Relation des Gulden zum preußischen Taler festgelegt; spätestens seit diesem Termin ‚galten‘ also preussische Silbergroschen sogar in Bayern
. Im Dresdener Münzvertrag 1838 wurde sogar eine gemeinsame Währungseinheit (Vereinsmünze) des gesamten Zollvereins geschaffen, der Vereinsdoppeltaler oder sog. Champagnertaler, der sich allerdings keiner großen Beliebtheit erfreute. Das deutsch-österreichische Währungssystem hingegen wurde durch den Wiener Münzvertrag (1857) vereinheitlicht. Durch letzteren wurde der Vereinstaler als gemeinsame Währungseinheit vereinbart.
Nach der Reichsgründung 1871 erfolgte durch das Reichsmünzgesetz eine Umstellung auf Goldwährung, gleichzeitig wurde die Mark als Dezimalwährung im Wert eines Drittels des alten Vereinstalers eingeführt. Die herkömmlichen Münzen blieben jedoch zunächst in Umlauf. Scheidemünzen der neuen Währung kamen ab 1872 in Umlauf, sie ersetzten jedoch nur nach und nach die umlaufende alte Währung. 1873 wurden auch die Reichsgoldmünzen zu 10 und 20 Mark geprägt; sie gelangten jedoch erst 1914(!) in Umlauf; bis dahin wurden sie als Kriegsschatz im Juliusturm der Festung Spandau aufbewahrt. Die komplizierte Umrechnung (1 Gulden = 1,71 Goldmark) verstärkte den Druck auf eine Vereinheitlichung der umlaufenden Münzen.
Am 1. Januar 1875 traten dann in Preußen, Sachsen, Hessen und Baden die Bestimmungen des Reichsmünzgesetzes in Kraft, durch die die Goldmark à 100 Rpf. als allein verbindliche Währungseinheit eingeführt wurde. Württemberg folgte am 1. Juli, schließlich Bayern am 1. Januar 1876. Mit letzterem Datum erfolgte auch erst die offizielle Gründung der Reichsbank.
Der Vereinstaler blieb als Ausnahme weiterhin in Umlauf, bis er bis 1907 außer Kurs gesetzt wurde; er galt als Scheidemünze mit einem Wert von 3 Goldmark. Durch das Münzgesetz von 1908 wurde er durch die neugeprägten Dreimarkstücke ersetzt.
Soweit in grober Vereinfachung einStück deutsche Währungsgeschichte. Anders als Martin würde ich also die Obergrenze des fraglichen Zeitraums auf 1875 ansetzen.
Freundliche Grüße,
Ralf