'wärrden'

Es gibt weite Landstriche in Norddeutschland, in denen man umgangssprachlich „Hehr“ für „Herr“, „wehrfen“ für „werfen“ usw. sagt, in denen das aber zugleich als unfein gilt.
Ich glaube, das ist der Grund, warum viele, vor allem Berufssprecher, sich angewöhnt haben, überhaupt alle Silben mit ‚r‘ kurz zu sprechen, also auch „ärrst“, „Ärrde“, „wärrden“. (Graphematisch gibt es ja leider tatsächlich keinen Unterschied zwischen „werfen“ und „werden“.)
Mag sein, dass diese Kürzungen einmal zur Norm wärrden; ich empfinde sie als falsch und albern!

Also, das mußt Du schon genauer erklären!
Wo liegen denn diese „weiten Landstriche“? So groß ist diese Gegend hier ja nicht. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, aber so merkwürdig spricht hier keiner.

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Ich bin in Münster im schönen Westfalen geboren und aufgewachsen, und da kämpfen die Lehrer, Gesangspädagogen und Sprecherzieher von der Grundschule an gegen dieses Phänomen - und genau denselben „Kampf“ erlebe ich jetzt wieder von Lehrern in Hildesheim, obwohl diese Färbung hier deutlich schwächer ist.

Mir selbst geht es überhaupt nicht um diesen „Kampf“, ich habe nichts gegen westfälische oder ostfälische Sprachfärbung. Mir geht es um die Überreaktion der Berufssprecher, die dialektfrei und unfamiliär sprechen wollen und dabei alle Quantitäten in scheinbar entsprechenden Silben kürzen:
„ärrst“, „Ärrde“, „wärrden“.
Natürlich tun sie das nicht bewusst. Und der Grund ist im Übrigen auch nicht so wichtig. Aber die Tatsache ist unbestreitbar für jeden, der Ohren hat.

„ärrst“, „Ärrde“,„wärrden“

Mag sein, dass diese Kürzungen einmal zur Norm wärrden;

Sie sind es schon!
Die Regel, die Ausländer, die Deutsch lernen, lernen, lautet:

Ein Vokal ist kurz vor zwei oder mehr Konsonanten!

Zitiert nach: Häussermann et alii, Sprachkurs Deutsch, Bd. 3, S. 169.

Dabei ist es gleichgültig, ob das verdoppelte oder verschiedene Konsonanten sind. Es ist auch egal, ob es ein „rl“, ein „rf“ ist, oder „rd“ oder „rm“, oder ein „lm“, „nf“, „pf“. %\ - Dieses Zeichen heißt: *Schiefgriens*

ich empfinde sie als falsch und albern!

Dann, lieber Peter, stimmt mit deiner Empfindung was nicht!

  • Du kannst jetzt wie die Ehefrau in Loriots „Weiches-Ei-zum-Frühstück“-Sketsch weitermachen. :wink:

Als ich nach Emden kam, sagte ich - falsch! - Eehhmden, wurde aber sofort vom ärrsten Ämmddener korrigiert.

Hallo Peter !

Na gut, ich stelle mir unter Norddeutschland nicht Westfalen vor.
Das ist dann ein anderes Thema.
Gruß Werner

viel grauenhafter finde ich das im ruhrgebiet und auch im nördlicheren deutschland verbreitete überbetonen des „i“…
dat heisst nich „Dierk geht iergendwie nie in die Kierche“, dat heisst „Dirk geht irgendwie nie in die Kirche“, verdammich… hoffe, dass ich mich da verständlich ausgedrückt habe, sprachliches ins schriftliche zu übersetzen ist nicht so einfach.

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viel grauenhafter finde ich das im ruhrgebiet und auch im
nördlicheren deutschland verbreitete überbetonen des „i“…
dat heisst nich „Dierk geht iergendwie nie in die Kierche“,
dat heisst „Dirk geht irgendwie nie in die Kirche“,
verdammich… hoffe, dass ich mich da verständlich ausgedrückt
habe, sprachliches ins schriftliche zu übersetzen ist nicht so
einfach.

Ich finde westfälische bzw. Ruhrgebietsaussprache n i c h t grauenhaft!! Ich finde „offizielle“ Sprecher grauenhaft, die… aber das muss ich jetzt nicht nochmal wiederholen.
Peter

„ärrst“, „Ärrde“,„wärrden“

Mag sein, dass diese Kürzungen einmal zur Norm wärrden;

Sie sind es schon!
Die Regel, die Ausländer, die Deutsch lernen, lernen, lautet:

Ein Vokal ist kurz vor zwei oder mehr Konsonanten!

Lieber Fritz,
diese Regel hast du nicht verstanden. Sie gilt, wenn eine Silbe mit zwei Konsonanten e n d e t, also meinetwegen für „erst“ (aber Regeln haben immer auch Ausnahmen), aber ganz bestimmt nicht für „Er-de“ und „wer-den“.
Wenn mit meinem Gefühl was nicht stimmen sollte, dann befindet sich das Problem bei dir wohl weiter oben.
Peter

Lieber Peter,

du hast Recht:

Wenn mit meinem Gefühl was nicht stimmen sollte, dann befindet
sich das Problem bei dir wohl weiter oben.

Du hast ja so Recht! Ich habe, um eines faulen Wortwitzes willen, einen entscheidenden Aspekt deiner Äußerung außer Acht gelassen.
Verzeih mir bitte!

Mit zerknischten Grüßen
Fritz Ruppricht

Tja, wenn es denn wirklich Berufssprecher wären…
Lieber Peter, ich teile Deine Wahrnehmung, daß in Werbung, Funk und Fernsehen das lange e: immer öfter durch das -nach Siebs und Duden falsche - offene, kurze e ersetzt wird. Bei Wörtern wie „erste“, „Herde“ usw. schmerzt es mich tierisch. Und umgedreht (offenes kurzes wird zum langen, ins vokalische r aufgelösten) schmeeeaaatzt es mich auch…
Gut ausgebildete Berufssprecher wissen natürlich das lange geschlossene vom kurzen offenen zu unterscheiden. Allein - es scheint mittlerweile egal zu sein…Nenn mir, o Muse, die Ohren, die das noch differenzieren könnten!
Und ich heule Ozeane in mein Kissen…
Liebe Grüße vom Jürgen Kolb (Berufssprecher hr)

Auch hier muß ich wieder fragen: WELCHE Berufssprecher meinst Du denn? Die echten Profis wissen das wirklich zu unterscheiden!
Gruß Jürgen Kolb

Geteiltes Leid…
Lieber Jürgen,
das ist ja herzerquickend und ein starker Trost im Leide!
Danke,
Peter
(- wohne „leider“ im ndr-Bereich -)

o.k.
Okay, ich will keinen Berufsstand diskriminieren. Bei Medienschaffenden fällt es mir halt besonders auf. Es ist wohl auch nicht jeder Reporter ein ausgebildeter Sprecher.
Gruß,
Peter

Lieber Peter,
es ist MIR doch auch ein Trost im Leide zu wissen, daß es tatsächlich noch Ohren in diesem Lande gibt, die solch völlig „unbedeutende“ Dinge wahrnehmen und angemessen kommentieren.
Insofern: Ball zurück und vielen Dank.
Gruß
Jürgen
PS: Deine phonetische Umschrift ist ja keine API-Notation, wohl auch deshalb, weil der Zeichensatz nicht zur Verfügung stehen kann. Nach welchen Regeln transkribierst Du?
Dann könnten wir uns auch einmal in phonetischer Umschrift austauschen…