"Wahr"-nehmung und Wirklichkeit

ORIGINALE
Leider kannst du mein Spiel nicht begreifen. ICH entscheide einzig und allein, ob ich etwas lerne oder nicht, da kannst du noch so viele Argumente dagegen bringen, die zeigen nur deinen eigenen „intersubjektiven“ GLAUBEN. Oder bist du ein Wissenschaftler von Weltruf, der etwas NEUES weiß? Wenn ja, sag`s, ansonsten halte ich mich lieber an wohl-geschätzte ORIGINALE.
Penso

Leider kannst du mein Spiel nicht begreifen.

so so:smile:

ICH entscheide einzig und allein, ob ich etwas lerne oder nicht,

Und?

da kannst du noch so viele Argumente dagegen bringen,

Habe ich welche gebracht?

die zeigen nur deinen eigenen „intersubjektiven“ GLAUBEN.

Die gibt es def. nicht.
Die Def. Theorie so mal anzugucken ist ja sicher nicht Pflicht aber ratsam:smile:

Oder bist du ein Wissenschaftler von Weltruf, der etwas NEUES weiß?

Vieles altes und neues weiss ich, und kommen regelmässig immer neue dazu, auf manche habe ich schon den Stempel des Amtes auch:smile:).
Aber ich leide nicht unter Autoritätsgläubigkeit.

Wenn ja,
sag`s, ansonsten halte ich mich lieber an wohl-geschätzte
ORIGINALE.

Was spielen sie mit dir???:smile:)

Penso

Balázs

Hilfe

ORIGINALE.

Was spielen sie mit dir???:smile:)

Hilfe, wenn ich sie brauche, wende ich mich an dich, um mir erklären zu lassen, das Spiel der Originale :smile:))
Penso

Denkt immer daran:

„Ich weiss, dass ich nichts weiss“ - vom Kantschen „Ding an sich“ ganz zu schweigen…

Aha! Ein autonomes Wesen!
Gar Dogmatiker!
Motto: Was in meinem Kopf vorgeht, ist die Wahrheit"
Und was in Euren Hirnen vorgeht, das betrifft mich nicht…

Ich lese nur was von Menschen mit Weltruf…
u.s.w… u.s.w. ???

Traurig das!!

Lustig!

Traurig das!!

Du leidest am eigenen (intersubjektiven) Glauben und verwechselst dabei Humanismus mit Dogmatismus.

Ist für mich aber nicht traurig, sondern lustig! :smile:)
Penso

Nichtwissen

„Ich weiss, dass ich nichts weiss“ - vom Kantschen „Ding an
sich“ ganz zu schweigen…

Lern`mal, Sokrates wenigstens richtig zu zitieren, dann kann man dein Nichtwissen auch ernster nehmen :smile:
Penso

Ich weiss nicht, was ich nicht weiss !

-)

Was wirklich wirklich ist,

dass weiss mensch nun wirklich nicht !

MultiVista

P.S.

Hier mal was zur Ablenkung:

“Stoppt Vorurteile, rettet die Apokalypse!”

https://shuizid.wordpress.com/zitate/

Genau darauf wollte ich auch hinaus.

Hmm:smile:

So kann der Betroffene nicht SCHULDIG sein fuer seine tat,
wenn er von falsch interpretierten, falsch vernetzten
wahr-nehmungen ausgegangen ist…

Ja genau, wie der Ami verblüfft erzält; du, stelle dir das vor, der sagte mir, dass er ehrlich nicht wusste, dass der Revolver geladen war:smile:))

Hat Pappa ihm nicht beigebracht, dass ungeladene Waffen lebensgefährlich sein könnten?:smile:)))

Oder wie das Problem der uralte Witz scharf beleuchtet:

Verteidiger vor Gericht:
Eure Ehren, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse beweisen unmißverständlich, dass der freie Wille eine Illusion ist was unser Gehirn uns vorspielt,
deshalb beantrage/vordere ich für meinen Mandanten Freispruch.
Weil es ist damit kristallklar erwiesen, dass er unmöglich anders handeln konnte: Und legt triumphierend einen Stapel Artikel von der brandneuen, experimentell gewonnenen Daten und Beweisen namhaften Neurologen und Kognitionsforscher vor dem Richter.

Daraufhin unterbricht der Richter die Verhandlung und das Gericht zieht sich zum Beraten zurück.

Urteilsverkündung: Lebenslänglich.

Begründung: Das Gericht kam nach sorgfältigen Prüfung zum Ergebnis, dass die neue Erkenntnisse stichhaltig sind.
Und somit gelten für das Gericht auch:smile:

1 Like

Hallo MultiVista,

dazu sagte mein Opa: Unwissenheit/Irrtum schützt vor Strafe/Folgen nicht.

Gruß
MissSophie

Du leidest am eigenen (intersubjektiven) Glauben

Das behauptest du dauernd. Man ist aber nicht Taub.
Wie wehre mal, wenn du diese deine interessante Behauptung endlich etwas untermauern würdest???:smile:
Wurde schon verlangt.
Mann ist ja nicht Taub, gar Solipst oder doch?

Penso

Balázs

Denkt immer daran:

Keine Bange.
Seit mehr als sechzig Jahren kontinuierlich:smile:

„Ich weiss, dass ich nichts weiss“ -

Und das immer mehr und genauer:smile:

vom Kantschen „Ding an sich“ ganz zu schweigen…

Ist was man lassen sollte. Wo die Grenzen sind und das warum, ist was er uns klar aufzeigte.
Der Nachweis der erkenntnistiftenden, angeborenen Kategorien ist sein Verdienst was vom Ihm alleine (womöglich für immer) übriggeblieben ist.
Aristoteles und Leibniz wussten das schon intuitiv, den logischen d.h. nicht weiter hinterfragbaren Nachweis führten sie aber noch nicht.

Wer etwas erkennen sollte, muss das Zeug dazu schon selbst mitbringen.(Aristoteles)

So kann der Betroffene nicht SCHULDIG sein fuer seine tat,
wenn er von falsch interpretierten, falsch vernetzten
wahr-nehmungen ausgegangen ist…

Das ist grundsätzlich und uneingeschränkt richtig. Weder schuldig gegenüber sich selbst noch schuldig gegenüber anderen.

Dieses „falsch“ interpretieren/vernetzen der Wahrnehmungen ist für ihn ausgeschlossen. Daran gibt es für ihn keinen Zweifel.

Jetzt aber meine Gegenfrage: Weshalb hattest du eigentlich geschrieben:

Doch er trifft ein falsches Urteil.

?

Wenn er doch grundsätzlich „richtig“ interpretiert/vernetzt…

pasquino

Die Schwierigkeit fangt schon damit an, dass es genau nur zwei
Arten denkbaren Wahrheiten gibt.
Analytische und faktische.

Das sind keine Schwierigkeiten.
„Analytik“ ist Methode oder Verfahren, sicherlich keine Wahrheit.
„Fakt“ ist maximal intersubjektiv.

Objektivität im Zusammenhang mit Wahrnehmung ist aber intersubjektiv ausgeschlossen.

Subjektiv betrachtet dagegen ist Wahrnehmung objektiv und daher „Fakt“.

pasquino

das ist keine Rhetorik…

Berechtigte Frage.

Gemeint habe ich natuerlich „falsch“ gehandelt im Sinne der abendlaendisch-kulturell- christlich - gepraegten Gesellschaft.

Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ hier.
Es bleibt immer eine Frage der Perspektive.

Da sind wir wieder beim Thema.

Wenn alle sagen, er sei schuldig und muesse bestraft werden und erkomme in die Hoelle statt in den Himmel u.s.w. - dann heisst das uberhaupt nicht, dass dem so ist! Nur weil die meisten zu kurz denken, muss das nicht heissen, dass sie auch recht haben.

MultiVista

Hab mal aus meinem archiv was zusammengestellt noch:

Die Wahrheit über die Wahrheit
Aktuelle Wahrheitsinterpretationen aus der Philosophie postulieren, dass man bei jedem Kriterium entweder auch die Möglichkeit von Irrtümern bzw. Täuschungen einräumen muss, oder aber die Kriterien sich ebenso wenig eindeutig feststellen lassen, wie dies auf den Begriff der Wahrheit selbst zutrifft. Wir treffen nie auf objektive Wahrheit, sondern nur auf eine durch das menschliche Bewusstsein gefilterte.
Das heißt auch, dass man keine absoluten Wahrheitskriterien angeben kann, sondern solche Kriterien als Kennzeichen von wahren „Aussagen“ zu verstehen sind. Die Philosophie bevorzugt deswegen heute dafür den Begriff der „Richtigkeit“.
Philosophische Wahrheitstheorien
Korrespondenztheorie
Aristoteles, zahlreiche mittelalterliche Philosophen und Thomas von Aquin rechnet man der Korrespondenz- oder Adäquationstheorie zu. „Veritas est adaequatio rei et intellectus“. (Und in Bezug zu den platonischen Universalien: universalia sunt in re: Ideen, Abstraktionen haben keine Substanz sondern wohnen den Dingen inne). Die Wahrheit besteht, ihnen zufolge, aus der Übereinstimmung von Ding und Intellekt, bzw. Sache und Verstand. D. h., wenn man von einer Aussage behauptet, sie sei wahr, dann ist die auf diese Weise gebildete Aussage genau dann wahr, wenn die Ausgangsaussage wahr ist. Aristoteles: Zu sagen nämlich, das Seiende sei nicht oder das Nicht-Seiende sei, ist falsch, dagegen zu sagen, das Seiende sei und das Nicht-Seiende sei nicht, ist wahr. (Aristoteles, Metaphysik 1011 b 26ff.). D. h. falsch ist eine Aussage, welche von Seiendem aussagt, es sei nicht, oder von Nicht-Seiendem, es sei. Wahr dagegen ist die Aussage, welche von Seiendem aussagt, dass es ist, und von Nicht-Seiendem, dass es nicht ist. Wahres oder Falsches aussagen heißt damit immer Sein oder Nichtsein aussagen, wobei sich dies immer auf Seiendes oder Nicht-Seiendes bezieht. Kritik: Sobald es um abstrakte Eigenschaften oder Funktionen geht (Röte, Mut, Kraft) treffen die Aussagen der Korrespondenztheorie nicht mehr zu. Außerdem setzt diese Theorie eine paradigmatische Erkenntnissituation voraus (Regeln, Mustern, Beispielen folgend), in die sich Hypothesen, Modalitäten, Negationen und Generalisierungen nur schwer einfügen lassen.
Konsenstheorie
Karl-Otto Apel (* 1922) vertritt die Konsenstheorie. Sie besagt, dass eine Aussage dann wahr ist, wenn eine möglicherweise unendlich große Menge von Menschen unter idealen Kommunikationsbedingungen dieser Aussage zustimmen würde. Kritik: Ein Konsens zwischen den Mitgliedern einer Gemeinschaft kann durchaus auf einem Irrtum beruhen. Der Konsens sagt noch nichts über die objektive Wahrheit einer Aussage aus. Dies heißt, dass aufgrund einer übereinstimmenden Ansicht nur darüber entschieden ist, dass etwas jeweils für wahr gehalten wird, nicht aber auch darüber, ob der jeweils behauptete Sachverhalt tatsächlich besteht. Dieser Einwand wird vor allem von Vertretern des Empirismus erhoben.
Kohärenztheorie Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1715) und idealistische Philosophen gehören zu den Vertretern der Kohärenztheorie. Nach ihrer Auffassung besteht die Wahrheit einer Menge von Aussagen darin, dass sie untereinander kohärent, also widerspruchsfrei miteinander vereinbar sind. Kritik: Die Kohärenz eines Aussagesystems ist als Wahrheitskriterium deshalb nicht geeignet, weil es zu jedem in sich schlüssigen System A von Aussagen ein alternatives, ebenfalls kohärentes System B geben kann, das sich zwar auf denselben Gegenstand bezieht, aber zugleich mit System A unverträglich ist, so dass dann mehrere Wahrheiten nebeneinander bestünden.
Evidenztheorie Die Evidenztheorie gehört zu René Descartes (1596 - 1650), Franz Brentano (1838 - 1917) und Edmund Husserl (1859 - 1938). Ein Satz ist wahr, wenn er mit einem evidenten Urteil übereinstimmt, was der intuitiven Evidenz einer Aussage entspricht. Demzufolge ist die Wahrheit einer Aussage darin begründet, dass sie dem gesunden Menschenverstand unmittelbar einleuchtet und plausibel ist (Common sense). Kritik: Gegen das Kriterium der Evidenz spricht, dass es sich gerade im Bereich der Intuition auch um Täuschungen handeln kann.
Pragmatische Theorie
Die Auffassung, wahr sei, was für die Praxis fruchtbar und nützlich ist, entspricht einer pragmatischen Wahrheitstheorie. Kritik: Gegen den Aspekt der Nützlichkeit als Wahrheitskriterium spricht die Tatsache, dass sicherlich auch Irrtümer und Täuschungen nützlich sein können, und nicht auszuschließen ist, dass auch fehlerhafte Ansichten zu erfolgreichem Handeln führen. Dieser Einwand wurde bereits von Platon vorausgesehen, der Sokrates in seinen Dialogen den Beweis antreten lässt, dass was falsch ist, nicht nützlich sein kann und umgekehrt.
Redundanztheorie Frank Plumpton Ramsey (1903 - 1930) formuliert die Redundanztheorie: Das Wort „wahr“ ist überhaupt überflüssig.
Der kritische Rationalismus Karl Poppers
Es gibt keine absolute Sicherheit eine „statische Wahrheit“ vollständig erkannt zu haben, sondern nur die heute am besten haltbare „vermutete Wahrheit“. „Wir können zwar nicht sicher wissen, ob eine Theorie wahr ist, aber sehr wohl, dass eine bestimmte Theorie falsch ist: nämlich wenn ein Experiment sie widerlegt“. Durch dieses „Aussieben“ (Falsifikation) falscher Theorien kommen wir, so Popper, der Wahrheit immer näher, ohne sie jemals zu erreichen.
Mit Hilfe der Widerlegung soll jede aufgestellte Theorie aktiv angegriffen werden, und dies intensiv und immer wieder. Wird die Theorie nicht erfolgreich widerlegt, so heißt das nicht zwingend, dass sie wahr ist, sondern nur, dass sie eher der Wahrheit entspricht oder ihr näher kommt als eine vorherige und bereits widerlegte Theorie. In diesem erkenntnistheoretischen Prozess tastet man sich also förmlich an die Wahrheit heran, kann sie laut Popper eventuell auch erreichen, wird das Wissen über ihre Absolutheit aber prinzipiell nicht erlangen. In diesem Sinne ist das Streben nach Wahrheit und Erkenntnis ein dynamischer Prozess.
Dabei hält Popper, trotz seiner Schlussfolgerung, dass man nie wissen kann, ob man die absolute Wahrheit gefunden hat, an ihrer Existenz fest und lehnt den Relativismus, also die Abhängigkeit der Wahrheit von den Umständen, ab.
Um den Terminus „absolute Wahrheit“ richtig zu verstehen, muss man bedenken, dass dieser Terminus mehrere Bedeutungen hat: -Absolute Wahrheit ist absolutes Wissen über die Wirklichkeit insgesamt, das heißt, über die ganze Welt. -Absolute Wahrheit ist jener Teil der relativen Wahrheiten, der erhalten bleibt und im Prozess der Erkenntnisentwicklung anwächst.
-Absolute Wahrheit umfasst gewisse unwiderlegbare Resultate der Erkenntnis über einzelne Seiten untersuchter Objekte oder Klassen von Objekten in Form von Konstatierungen und Beschreibungen. -Absolutes Wissen ist endgültiges Wissen über einige bestimmte Aspekte der Wirklichkeit. Alle diese Bedeutungen stehen miteinander in Zusammenhang, aber nur in der ersten Bedeutung ist die absolute Wahrheit erschöpfendes, allgemeines, absolutes Wissen. Eng verwandt mit dem Begriff der absoluten Wahrheit ist der Begriff der objektiven Wahrheit. Objektiv wahr ist eine Behauptung, deren Inhalt der Wirklichkeit, der objektiven Welt entspricht und nicht vom Wollen und Wünschen des erkennenden Subjekts abhängt. Es ist klar, dass nicht in allen Ontologien die Existenz objektiver Wahrheiten angenommen werden kann. Mit dem Begriff der absoluten und der objektiven Wahrheit ist auch der Begriff der ewigen Wahrheiten eng verwandt (lat.: aeternae veritates). Dieser Begriff der in einigen metaphysischen oder religiösen Schriften verwendet wird, geht davon aus, dass jede Wahrheit ewig sein muss, d. h. unveränderlich für alle Zeiten und unter allen Bedingungen. Wenn sich die Wahrheit später ändert, so das Argument, bedeutet das, dass das, was man als Wahrheit angenommen hatte, keine Wahrheit ist. Bertrand Russell stellt drei Forderungen auf, denen seiner Meinung nach jede Theorie der Wahrheit genügen muss: Es muss Falschheit geben können. Wahrheit und Falschheit sind Eigenschaften von Glaubensüberzeugungen oder Aussagen. Die Wahrheit oder Falschheit hängt immer von etwas ab, das jenseits des Glaubens liegt. Russell vertritt nun eine Korrespondenz mit Fakten. Damit Falschheit möglich ist, darf das, womit der wahre Glaube übereinstimmt, nicht ein einzelnes Objekt sein. Der Glaube ist nach Russell ein Verhältnis zwischen dem Bewusstsein und einem Faktum, d. h. einem Komplex miteinander in Beziehung stehender Objekte. Ein Glaube ist wahr, wenn er mit dem assoziierenden Komplex, d. h. dem korrespondierenden Faktum, übereinstimmt, sonst ist er falsch.

Das psychologische Realitätskonzept der Wahrnehmung und mögliche Täuschungen.
Wahrnehmung bezeichnet im Allgemeinen den Prozess der Informationsaufnahme über die Sinne. Auch die aufgenommenen und ausgewerteten Informationen selbst werden gelegentlich Wahrnehmung(en) genannt. Die Fähigkeit zur Sinneswahrnehmung kann bewusst durch die sog. Aufmerksamkeit gesteigert werden.
Realität (Wirklichkeit) bezeichnet das, was unabhängig vom Subjektiven, also unabhängig von Wahrnehmung, Gefühlen und Wünschen, objektiv der Fall ist und existiert. Im engeren Sinne ist Realität der philosophischen und wissenschaftlichen Betrachtung und Erforschung zugänglich; Dinge der Realität sind also messbar, und können als Basis für Theorienbildung dienen.
In der Philosophie wird vielfach unterschieden zwischen der uns durch ihre Erscheinung gegebenen Realität und den „Dingen an sich“, die Träger der wahrnehmbaren und/oder messbaren Eigenschaften sind. Nach Kant hat Naturwissenschaft nur mit Erscheinungen zu tun, nie aber mit den Dingen an sich. Diese Differenz lässt sich auch durch die Begriffe intersubjektiv und objektiv ausdrücken, denn die Sinnesorgane des Menschen reduzieren die Wirklichkeit durch das Wahrnehmen herab, das Wahrgenommene entspricht also nicht der Realität. Da die Sinnesorgane der Menschen untereinander jedoch gleich aufgebaut sind, ist ein gemeinsames, also intersubjektives „Wissen“ von der Realität möglich.

Mehr?

Hier:

http://www.glauben-und-wissen.de/M30.htm

Von wegen „Mein Gehirn“ gehoert mir!

http://philo-welt.de/forum/thread.php?postid=364295#…

Das Andersartige, das Fremde läßt sich verstehen nur auf der Grundlage weitgehender Übereinstimmungen.
Die Alternative ist nicht das Mißverstehen, sondern der Zusammenbruch des Verstehens. Eines der wichtigsten allgemeineren Resultate dieser Argumentationslinie ist ein grundsätzlicher Antirelativismus. Der radikale Relativismus ist nicht eine falsche, sondern eine sinnlose Position, eine Position, die wir überhaupt nicht wirklich denken können.

Aber der grundsätzliche Antirelativismus ist, im erläuterten Sinne, vereinbar mit begrifflicher Relativität.
Die Theorie kommt in Schwierigkeiten, wenn ihre Belege verbreitete Widersprüche enthalten.
Widerspruch: verweist auf Relationen, in denen die Sätze zueinander stehen.
Das Netz der Äußerungen, die eine Interpretin im Szenario der radikalen Interpretation verstehen will, sollte weitgehend widerspruchsfrei organisiert sein – das ist eine Bedingung des Verstehens.

Und dasselbe gilt natürlich vom Netz der Meinungen, die den Interpretanden zugeschrieben werden.
Insgesamt nach Wahrheitsvorgabe dem Prinzip der Nachsicht zufolge zwei einzelne Prinzipien:
Die Interpretanden glauben das Offensichtliche.
Die Interpretanden glauben nicht offen und verbreitet an Widersprüche (dies impliziert eine elmentare Logik). Aber nicht alle linguistischen Äußerungen sind Reaktionen auf das Offensichtliche. Einige Äußerungen und Meinungen der Interpretanden sind nicht als linguistische Reaktionen auf das Offensichtliche, sondern nur als begründet durch andere Äußerungen und Meinungen verständlich; zwei weitere Pronzipien zu unterstellen:

Die Interpretanden bilden sich diejenigen Meinungen, für die ihre Gründe alles in allem sprechen…
und adjustieren angesichts widerspenstiger Phänomene ihr Meinungssystem so, daß sie möglichst wenige ihrer bisherigen Meinungen ändern müssen.
Diese vier Grundsätze sind für Davidson Implikationen des Prinzips der Nachsicht. Auch diese Grundsätze sind also nicht hermeneutische Empfehlungen, sondern Bedingungen des Verstehens, als Rationalitätsprinzipien mit einem normativen, nicht-nomologischen Status, konstitutiv sind für Wesen, die sprechen und handeln, eine nicht-optionale Normativität und Rationalität, die bei allen sprechenden und handelnden Wesen um dieselbe sein muß.

(a) Möglichkeit von falschen Meinungen und irrationalen Einstellungen?
Nach Davidsons Theorie klar: Asymmetrie zwischen Wahrheit und Falschheit, zwischen Rationalität und Irrationalität: Satz nur falsch und eine Meinung nur irrational zu nennen, wenn wir sie verstehen. Aber um sie zu verstehen, müssen wir, theoretisch gesehen, die Interpretationstheorie schon ein Stück weit aufgebaut haben. Das heißt wiederum, daß sich die Wahrheits- und Rationalitätsunterstellung, die mit dem Prinzip der Nachsicht ins Spiel kommt, schon ein Stück weit bewährt haben muß. Es muß zwischen Interpretin und Interpretand bereits ein gewisses Maß an Übereinstimmung im Für-Wahr-Halten von Sätzen geben, bevor überhaupt ein Satz als falsch identifiziert werden kann. Falschheit kann nur auf der Grundlage von Wahrheit, Irrationalität nur auf der Grundlage von Rationalität überhaupt sichtbar werden, während das Umgekehrte nicht gilt. Eine alternative Beschreibung dieser Asymmetrie ist, daß es buchstäblich keinen Sinn macht, gewissen Interpretanden – Wesen, die wir verstehen wollen – überwiegend falsche Meinungen oder irrational organisierte Meinungen zuzuschreiben. Das zu tun heißt vielmehr, ihnen überhaupt keine Meinungen zuzuschreiben. Und dasselbe gilt für Sätze und Äußerungen. (d) Konkret: wenn eine Interpretationstheorie bereits ein Stück weit etabliert ist und dann eine empirische Anomalie auftaucht, heißt das, daß die Theorie ein T-Theorem der Form

(T1) s ist wahr gdw p
enthält, während es jetzt einen weiteren Beleg der Form
(T2)
s ist wahr gdw q gibt, wo p und q unvereinbar sind.

In dieser Hinsicht gibt es für die Interpretin drei Möglichkeiten:
(a) Sie adjustiert die Theorie, so daß der Widerspruch verschwindet
(b) sie erklärt ihren eigenen Satz q für falsch
© sie erklärt den Satz s der Interpretandin für falsch.

Möglichkeiten (b) und ©:
Unterscheiden zwischen dem, was wahr ist, und dem was für wahr gehalten wird. In (b) ist s wahr, während q nur für wahr gehalten wird, und in © ist q wahr, während s nur für wahr gehalten wird. Das heißt, daß wir Meinungen postulieren: Das, was für wahr gehalten wird, aber nicht notwendiger weise wahr ist, ist gerade Gegenstand von Meinungen. Der Begriff der Meinung gerade die Funktion hat, den Unterschied zwischen dem, was wahr ist, und dem, was für wahr gehalten wird, aufzufangen. Weil eine
Interpretationstheorie vor dem Hintergrund weitgehender Übereinstimmung im Für-wahr- Halten zwischen Interpretin und Interpretandin niemals alle empirischen Belege vollständig wird konsistent integrieren können, muß die Interpretin überhaupt Meinungen und insbesondere falsche Meinungen zuschreiben – sich selbst und anderen. Das ist ein tieferer Grund dafür, daß die mentale Ebene in die Interpretationstheorie eingeführt werden muß.
Die Interpretattionstheorie kann nicht nur von (falschen) Meinungen reden, sie muß von ihnen reden: die Interpretin muß Meinungen zuschreiben, um Interpretationsprobleme zu lösen, also um das Verstehen zu optimieren.

Triangulation
Aus Davidsons Bedeutungstheorie folgt der semantische Externalismus, also die These, daß der Gehalt unserer Äußerungen, Meinungen und Begriffe zum Teil durch Fakten bestimmt ist, die außerhalb unseres Geistes liegen und uns unbekannt sein können. In diesem Kontext bringt Davidson deutlicher als in seinen früheren Arbeiten zur Geltung, wie intim die Interpretationstheorie auf die kausale Referenztheorie bezogen ist.
Wie wir wissen, muß nach Davidson das Verstehen gänzlich unbekannter Sprachen in Situationen radikaler Interpretation fundiert und begonnen werden, und zwar im wesentlichen durch zwei Dinge:
erstens, die situativen Anlässe für zustimmende Äußerungen der Interpretanden werden beobachtet;
zweitens, diese Beobachtungen werden verglichen mit den sprachlichen Reaktionen der Interpreten auf dieselben situativen Anlässe.

Diese Beschreibung macht deutlich, daß Begriffe nicht vor ihrer Anwendung gebildet werden, sondern daß sie entstehen aus linguistischen Reaktionen auf äußere Situationen oder Ereignisse. Wir lernen den Gebrauch von Wörtern und das Erfassen ihre Referenz dadurch, daß unser Sprachverhalten auf wichtige Gegenstände in unserer Umwelt konditioniert wird. In dieser Idee steckt offenbar die kausale Referenztheorie. Denn dieser Mechanismus von Interpretation und Spracherwerb funktioniert nur deshalb, weil unsere Worte, Sätze und Gedanken in den einfachsten und grundlegenden Fällen gerade auf diejenigen Dinge oder Situaitonen in der Welt Bezug nehmen, durch die sie als linguistische Reaktionen verursacht werden. Und das ist gerade die Kernthese der kausalen Referenztheorie.
Daraus folgt für Davidson, daß Personen in exakt identischen mentalen Zuständen dasselbe meinen und doch auf Verschiedenes referieren können: das Mentale garantiert nicht die Eindeutigkeit der Referenz. Bedeutungen sind also nichts rein Subjektives oder Privates, sie stecken nicht nur im Kopf. Und das ist die Kernthese des Externalismus.

Genauer:
Den T-Theoremen liegt offenbar die Beobachtung zugrunde, daß verschiedene Wesen durch dieselben oder durch ähnliche Faktoren in der Welt kausal dazu veranlaßt werden, darauf linguistisch zu reagieren. Aber diese linguistischen Reaktionen müssen regelmäßig und systematisch sein. Und es scheint, als müsse hier theoretisch schon vorausgesetzt werden, daß diese Wesen sich auf eine objektive Welt beziehen. Diese Folgerung ist aber nach Davidson vorschnell.
Wir müssen uns nämlich fragen, wie die Ähnlichkeit der Faktoren festgelegt wird, die dann ähnliche Äußerungen und Gedanken hervorrufen. Wie können wir die Gegenstände unserer Äußerungen und Gedanken überhaupt identifizieren? Die entscheidende Idee ist hier, daß die Fähigkeit zur Identifikation der Gegenstände unseres Denkens und Redens nicht Voraussetzung, sondern Ergebnis von Prozessen ist, die im Rahmen der Etablierung von T-Theoremen ablaufen.

Alle Lebewesen reagieren auf die objektive Welt und deren Gegenstände – u.a. indem sie einige Reize als in höherem Maße ähnlich und relevant klassifizieren als andere Reize. Und Lebewesen derselben Art nehmen diese Ähnlichkeitsklassifikation ihrerseits auf ähnliche Weise vor. Das alles sind Reaktionsweisen, die sich evolutionär herausgebildet haben.
Aber nur Menschen, oder besser nur Wesen, die eine Sprache meistern, haben einen Begriff von
Objektivität, können Bezug nehmen auf die objektive Welt und ihre Gegenstände und können
sagen, daß Lebewesen Reize unter Ähnlichkeitsrelationen klassifizieren.

Eine notwendige Bedingung für diese spezifische Kapazität, das ist Davidsons zentrale These, ist, daß
Sprecherinnen stets dreierlei tun:

  • daß sie auf die Situationen und Umgebungen achten, die zu bestimmten linguistischen Reaktionen Anlaß geben;
  • daß sie auf die linguistischen Reaktionen anderer Personen in jeweils ähnlichen Situationen achten;
    und
  • daß sie die linguistischen Reaktionen der anderen Personen mit ihren eigenen linguistischen Reaktionen vergleichen.

Mehr ??

Du leidest am eigenen (intersubjektiven) Glauben

Das behauptest du dauernd. Man ist aber nicht Taub.
Wie wehre mal, wenn du diese deine interessante Behauptung
endlich etwas untermauern würdest???:smile:

Dann fang mal an Davidson zu studieren:

Donald DAVIDSON Das Andersartige, das Fremde läßt sich verstehen nur auf der Grundlage weitgehender Übereinstimmungen. Die Alternative ist nicht das Mißverstehen, sondern der Zusammenbruch des Verstehens. Eines der wichtigsten allgemeineren Resultate dieser Argumentationslinie ist ein grundsätzlicher Antirelativismus. Der radikale Relativismus ist nicht eine falsche, sondern eine sinnlose Position, eine Position, die wir überhaupt nicht wirklich denken können. Aber der grundsätzliche Antirelativismus ist, im erläuterten Sinne, vereinbar mit begrifflicher Relativität. Die Theorie kommt in Schwierigkeiten, wenn ihre Belege verbreitete Widersprüche enthalten. Widerspruch: verweist auf Relationen, in denen die Sätze zueinander stehen. Das Netz der Äußerungen, die eine Interpretin im Szenario der radikalen Interpretation verstehen will, sollte weitgehend widerspruchsfrei organisiert sein – das ist eine Bedingung des Verstehens.
Und dasselbe gilt natürlich vom Netz der Meinungen, die den Interpretanden zugeschrieben werden. Insgesamt nach Wahrheitsvorgabe dem Prinzip der Nachsicht zufolge zwei einzelne Prinzipien: Die Interpretanden glauben das Offensichtliche. Die Interpretanden glauben nicht offen und verbreitet an Widersprüche (dies impliziert eine elmentare Logik). Aber nicht alle linguistischen Äußerungen sind Reaktionen auf das Offensichtliche. Einige Äußerungen und Meinungen der Interpretanden sind nicht als linguistische Reaktionen auf das Offensichtliche, sondern nur als begründet durch andere Äußerungen und Meinungen verständlich; zwei weitere Pronzipien zu unterstellen: Die Interpretanden bilden sich diejenigen Meinungen, für die ihre Gründe alles in allem sprechen… und adjustieren angesichts widerspenstiger Phänomene ihr Meinungssystem so, daß sie möglichst wenige ihrer bisherigen Meinungen ändern müssen. Diese vier Grundsätze sind für Davidson Implikationen des Prinzips der Nachsicht. Auch diese Grundsätze sind also nicht hermeneutische Empfehlungen, sondern Bedingungen des Verstehens, als Rationalitätsprinzipien mit einem normativen, nicht-nomologischen Status, konstitutiv sind für Wesen, die sprechen und handeln, eine nicht-optionale Normativität und Rationalität, die bei allen sprechenden und handelnden Wesen um dieselbe sein muß. (a) Möglichkeit von falschen Meinungen und irrationalen Einstellungen? Nach Davidsons Theorie klar: Asymmetrie zwischen Wahrheit und Falschheit, zwischen Rationalität und Irrationalität: Satz nur falsch und eine Meinung nur irrational zu nennen, wenn wir sie verstehen. Aber um sie zu verstehen, müssen wir, theoretisch gesehen, die Interpretationstheorie schon ein Stück weit aufgebaut haben. Das heißt wiederum, daß sich die Wahrheits- und Rationalitätsunterstellung, die mit dem Prinzip der Nachsicht ins Spiel kommt, schon ein Stück weit bewährt haben muß. Es muß zwischen Interpretin und Interpretand bereits ein gewisses Maß an Übereinstimmung im Für-Wahr-Halten von Sätzen geben, bevor überhaupt ein Satz als falsch identifiziert werden kann. Falschheit kann nur auf der Grundlage von Wahrheit, Irrationalität nur auf der Grundlage von Rationalität überhaupt sichtbar werden, während das Umgekehrte nicht gilt. Eine alternative Beschreibung dieser Asymmetrie ist, daß es buchstäblich keinen Sinn macht, gewissen Interpretanden – Wesen, die wir verstehen wollen – überwiegend falsche Meinungen oder irrational organisierte Meinungen zuzuschreiben. Das zu tun heißt vielmehr, ihnen überhaupt keine Meinungen zuzuschreiben. Und dasselbe gilt für Sätze und Äußerungen. (d) Konkret: wenn eine Interpretationstheorie bereits ein Stück weit etabliert ist und dann eine empirische Anomalie auftaucht, heißt das, daß die Theorie ein T-Theorem der Form (T1) s ist wahr gdw p enthält, während es jetzt einen weiteren Beleg der Form (T2) s ist wahr gdw q gibt, wo p und q unvereinbar sind. In dieser Hinsicht gibt es für die Interpretin drei Möglichkeiten: (a) Sie adjustiert die Theorie, so daß der Widerspruch verschwindet (b) sie erklärt ihren eigenen Satz q für falsch © sie erklärt den Satz s der Interpretandin für falsch. Möglichkeiten (b) und ©: Unterscheiden zwischen dem, was wahr ist, und dem was für wahr gehalten wird. In (b) ist s wahr, während q nur für wahr gehalten wird, und in © ist q wahr, während s nur für wahr gehalten wird. Das heißt, daß wir Meinungen postulieren: Das, was für wahr gehalten wird, aber nicht notwendiger weise wahr ist, ist gerade Gegenstand von Meinungen. Der Begriff der Meinung gerade die Funktion hat, den Unterschied zwischen dem, was wahr ist, und dem, was für wahr gehalten wird, aufzufangen. Weil eine Interpretationstheorie vor dem Hintergrund weitgehender Übereinstimmung im Für-wahr- Halten zwischen Interpretin und Interpretandin niemals alle empirischen Belege vollständig wird konsistent integrieren können, muß die Interpretin überhaupt Meinungen und insbesondere falsche Meinungen zuschreiben – sich selbst und anderen. Das ist ein tieferer Grund dafür, daß die mentale Ebene in die Interpretationstheorie eingeführt werden muß. Die Interpretattionstheorie kann nicht nur von (falschen) Meinungen reden, sie muß von ihnen reden: die Interpretin muß Meinungen zuschreiben, um Interpretationsprobleme zu lösen, also um das Verstehen zu optimieren. Triangulation Aus Davidsons Bedeutungstheorie folgt der semantische Externalismus, also die These, daß der Gehalt unserer Äußerungen, Meinungen und Begriffe zum Teil durch Fakten bestimmt ist, die außerhalb unseres Geistes liegen und uns unbekannt sein können. In diesem Kontext bringt Davidson deutlicher als in seinen früheren Arbeiten zur Geltung, wie intim die Interpretationstheorie auf die kausale Referenztheorie bezogen ist. Wie wir wissen, muß nach Davidson das Verstehen gänzlich unbekannter Sprachen in Situationen radikaler Interpretation fundiert und begonnen werden, und zwar im wesentlichen durch zwei Dinge: erstens, die situativen Anlässe für zustimmende Äußerungen der Interpretanden werden beobachtet; zweitens, diese Beobachtungen werden verglichen mit den sprachlichen Reaktionen der Interpreten auf dieselben situativen Anlässe. Diese Beschreibung macht deutlich, daß Begriffe nicht vor ihrer Anwendung gebildet werden, sondern daß sie entstehen aus linguistischen Reaktionen auf äußere Situationen oder Ereignisse. Wir lernen den Gebrauch von Wörtern und das Erfassen ihre Referenz dadurch, daß unser Sprachverhalten auf wichtige Gegenstände in unserer Umwelt konditioniert wird. In dieser Idee steckt offenbar die kausale Referenztheorie. Denn dieser Mechanismus von Interpretation und Spracherwerb funktioniert nur deshalb, weil unsere Worte, Sätze und Gedanken in den einfachsten und grundlegenden Fällen gerade auf diejenigen Dinge oder Situaitonen in der Welt Bezug nehmen, durch die sie als linguistische Reaktionen verursacht werden. Und das ist gerade die Kernthese der kausalen Referenztheorie. Daraus folgt für Davidson, daß Personen in exakt identischen mentalen Zuständen dasselbe meinen und doch auf Verschiedenes referieren können: das Mentale garantiert nicht die Eindeutigkeit der Referenz. Bedeutungen sind also nichts rein Subjektives oder Privates, sie stecken nicht nur im Kopf. Und das ist die Kernthese des Externalismus. Genauer: Den T-Theoremen liegt offenbar die Beobachtung zugrunde, daß verschiedene Wesen durch dieselben oder durch ähnliche Faktoren in der Welt kausal dazu veranlaßt werden, darauf linguistisch zu reagieren. Aber diese linguistischen Reaktionen müssen regelmäßig und systematisch sein. Und es scheint, als müsse hier theoretisch schon vorausgesetzt werden, daß diese Wesen sich auf eine objektive Welt beziehen. Diese Folgerung ist aber nach Davidson vorschnell. Wir müssen uns nämlich fragen, wie die Ähnlichkeit der Faktoren festgelegt wird, die dann ähnliche Äußerungen und Gedanken hervorrufen. Wie können wir die Gegenstände unserer Äußerungen und Gedanken überhaupt identifizieren? Die entscheidende Idee ist hier, daß die Fähigkeit zur Identifikation der Gegenstände unseres Denkens und Redens nicht Voraussetzung, sondern Ergebnis von Prozessen ist, die im Rahmen der Etablierung von T-Theoremen ablaufen.
Alle Lebewesen reagieren auf die objektive Welt und deren Gegenstände – u.a. indem sie einige Reize als in höherem Maße ähnlich und relevant klassifizieren als andere Reize. Und Lebewesen derselben Art nehmen diese Ähnlichkeitsklassifikation ihrerseits auf ähnliche Weise vor. Das alles sind Reaktionsweisen, die sich evolutionär herausgebildet haben. Aber nur Menschen, oder besser nur Wesen, die eine Sprache meistern, haben einen Begriff von Objektivität, können Bezug nehmen auf die objektive Welt und ihre Gegenstände und können sagen, daß Lebewesen Reize unter Ähnlichkeitsrelationen klassifizieren. Eine notwendige Bedingung für diese spezifische Kapazität, das ist Davidsons zentrale These, ist, daß Sprecherinnen stets dreierlei tun: - daß sie auf die Situationen und Umgebungen achten, die zu bestimmten linguistischen Reaktionen Anlaß geben; - daß sie auf die linguistischen Reaktionen anderer Personen in jeweils ähnlichen Situationen achten; und - daß sie die linguistischen Reaktionen der anderen Personen mit ihren eigenen linguistischen Reaktionen vergleichen. Schematisch formuliert: P1 und P2 finden O’s ähnlich P1 beobachtet, daß P2 die O’s ähnlich findet (und ggf. umgekehrt) P1 beobachtet, daß P2 auf ähnliche Weise O’s ähnlich findet wie P1 selbst, i.e. daß P1 und P2 in dieser Hinsicht ähnlich reagieren. Es ist zu sehen, daß diese Struktur gerade für die radikale Interpretation gilt, wenn P1 die Interpretin und P2 die Interpretandin ist.
Der dritte Schritt ist hier für Davidson entscheidend: der Vergleich von Reaktionen auf Ähnlichkeits-Klassifikationen und v.a. die Feststellung der Ähnlichkeit dieser Reaktionen bei verschiedenen Sprecherinnen ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem objektiven Weltbezug. Davidson nennt diese Struktur auch Triangulation, denn sie besteht im wesentlichen darin, daß sich für P1 die Linien, die von einem x in der Welt zu P2 und von einem y zu P1 laufen und die Reaktionen von P2 auf x und P1 auf y symbolisieren, so schneiden, daß x = y wird: x = y O(x) O(y) P2 P1 Und P1 beobachtet P2 mit dem Ergebnis, daß P1 diese Dreiecksstruktur erfaßt Also ist gegenseitige Beobachtung in diesem Sinne notwendig, aber nicht hinreichend für den objektiven Weltbezug.
Ein weiteres wichtiges Element ist, wie Davidson sagt, die Kommunikation. Die Pointe der Sprache und Kommunikation ist, anderen etwas mitzuteilen und von anderen etwas zu erfahren, und dafür müssen wir unseren Lautproduktionen und mentalen Zuständen gegenseitig Gehalte zuschreiben (im ursprünglichen Modell der Interpretationstheorie ist das nicht mehr die Stufe der Belege, sondern die Ebene der Konstruktion der Theorie). Wenn das gelingt, wissen wir, was die Gegenstände unseres Redens und Denkens sind, und wir entdecken auch, daß diese Gegenstände geteilte Gegenstände sind (das ist, wie wir wissen, eine Implikation gelingenden Verstehens). Diese Einsicht ist ein weiteres wesentliches Element unseres Weltbezuges. Die Interaktion, die mit gegenseitiger Beobachtung und Kommunikation einhergeht, ist für Davidson der soziale Hintergrund der Sprache. Sozial ist dieser Hintergrund also nicht etwa, weil er eine normative Struktur aufweist, sondern weil es sich schlicht um Interaktionen zwischen Personen handelt. Aus dem Bisherigen folgt: manch einflußreiche Thesen der Philosophie stellen sich als bloße Mythen heraus:
(a) Mythos des Relativen: Die Weltbezüge verschiedener Sprecherinnen und Kulturen sind radikal relativ in dem Sinne, daß sie - durch verschiedene Begriffschemata vermittelt sind, die einen gegebenen Inhalt ordnen und semantisch inkommensurabel sind, - sinnvoll vom Standpunkt eines „Gottes“ aus als prinzipielle Vereinseitigungen beschreibbar sind. (b) Mythos des Gegebenen: Unsere inneren gehaltvollen Wahrnehmungsepisoden („Sinnesdaten“) - sind einerseits Teil des Reiches der Natur und insofern kausal von externen Ereignissen hervorgerufen, - sind aber zugleich andererseits im logischen Raum der Gründe das tiefste und sicherste Fundament aller unserer Erkenntnisse der externen Welt und dienen insofern als Gründe für andere Überzeugungen. © Mythos des Subjektiven: das Subjektive, also das Reich des Mentalen - hat semantisch, epistemologisch und moraltheoretisch das Primat für alle Erklärungen externer Zustände, - so daß gezeigt werden muß, und auch gezeigt werden kann, wie ein verläßlicher Übergang aus dem Subjektiven in das Objektive der externen Welt gelingt. Diese drei Thesen sind wahrhaft Mythen, also zwar einflußreich, aber grundfalsch, denn eine adäquate (Davidsonianische) Bedeutungstheorie zeigt, - daß Sprachen und gehaltvolle Gedanken prinzipiell verstehbar sein müssen, so daß verschiedene Sprachen prinzipiell ineinander übersetzbar sein müssen, - daß die Vorstellung eines Schema-Inhalt-Dualismus inkohärent ist und der Gottesstandpunkt nicht einmal sinnvoll beschrieben, geschweige denn eingenommen werden kann, - daß das Reich der Natur und der logische Raum der Gründe getrennt werden müssen und es daher nichts epistemisch Gegebenes gibt, das als rein kausale Wirkung zugleich die Rolle von Gründen spielen könnte, - daß das angeblich subjektive Reich der Bedeutungen wesentlich von externen Zuständen und ihren kausalen Wirkungen abhängt, - daß unsere Gedanken ihrem Gehalt nach auch anderen Interpretationen zugänglich sind und wir uns prinzipiell nicht besser verstehen, als andere uns verstehen (d.h. daß Verstehen unserer eigenen Gedanken im Prinzip auch nur die Form einer Interpretation hat, wie sie die Interpretationstheorie theoretisch beschreibt, und daher unter denselben theoretischen Vorbehalten steht), - und daß daher vom Subjektiven nur bleibt, daß jede Person ihre eigenen Gedanken hat und zu ihren eigenen Gedanken einen priviligierten Zugang hat, in dem Sinne, daß sie am besten und sichersten wissen kann, welche Gedanken gerade in ihr vorkommen (d) Mythos der Sprachregeln: natürliche Sprachen - bestehen aus einer Menge von linguistischen Regeln - und werden beherrscht und gesprochen vor allen Menschen, die diesen linguistischen Regeln folgen. Aber - wenn S der Regel R folgt, dann ist R für S explizit gegeben, also sprachlich: (Zirkularität); - Sprache: Menge von Äußerungen, die im Davidsonianischen Sinne interpretierbar sind, d.h. aus einer empirisch adäquaten Bedeutungstheorie folgen; - Erst das Verfügen über natürliche Sprachen ermöglicht das Regelfolgen; - Es handelt sich um nicht-optionale Normativität, nicht (wie beim Regelfolgen) um optionale Normativität.

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