hallo kroeger,
ja, wenn man für würdig befunden worden wäre, dies zu Beginn schon zu erfahren …
Die Zahl der Rezeptoren eines Sinneseindrucks zur alleinigen Größe zu machen, die über den „Realitätsgehalt“ (oder den Eindruck von Realitätsgehalt) einer virtuellen Realität entscheidet, wenn bedient - das ist eine grobe, weil technisch-mechanistische Betrachtung dieser (hochinteressanten) Frage.
Zum Beispiel:
ich schrieb Dir über die umfangreichen corticalen Repräsentanzen des Geruchssinns - im menschlichen Gehirn! - und diese führen auf verschiedenen, auch schon untergeordneten, Ebenen zu einer breiten Verknüpfung eines Geruchsbündels mit einem Bündel an Erinnerungen unterschiedlichster Qualitäten. Du brauchst es nur an Dir selbst zu testen - bestimmte Gerüche führen Dich sofort und ohne Umwege zu bestimmten Situationen Deiner Kindheit oder Jugend zurück, sehr oft zu sehr kompexen Erinnerungen, in denen optische, akustische, olfaktorische und emotionale Erinnerungen gebündelt auftreten können.
Das ergibt sich aus der Vernetzung des Geruchssinns/seiner Fasern mit verschiedenen Gehirnarealen und mit verschiedenen Erinnerungs-/ Gedächtnisbereichen des Gehirns. - Wäre der optische Sinn nicht vielfach mit anderen, auch z.B. Gedächtniszentren, verknüpft - Du würdest einen Bleistift zwar beschreiben können, aber seine Funktion und seine Eigenschaften nicht erinnern … was nützen dann noch so viele optische Rezeptoren? Wenige würden genügen - das „Bild“ eines Bleistifts ist gespeichert (wenn Du nicht seit Geburt blind warst)und könnte bei Abruf auch lückenhaft Gesehenes ergänzen, ihm Bedeutung geben, ja allein durch Betasten des Gegenstandes wüßtest Du, wie er aussieht, Du brauchtest keinen einzigen optischen Eindruck, außer dem in der Erinnerung gespeicherten … es liegt also nicht an der Zahl der Rezeptoren.
Wie diese Vernetzungen für den Hörsinn aussehen, weiß ich jetzt nicht, aber genau das spielte für Deine Arbeit eine entscheidende Rolle. Daß das so ist, könnte Dir jeder Geräusche-Hersteller für Hörspiele schon sagen. Wie kann man ein Türequietschen alltäglich klingen lassen - wie bedrohlich? Ich glaube, am differenziertesten könnte Dir solch eine Frage ein Neuropsychologe oder ein Neurophysiologe beantworten. Daß aber solche Vernetzungen unbedingt notwendig sind, zeigt eine Erkrankung, die „Seelentaubheit“ heißt. Man hat akustische Eindrücke, unter Umständen ohne jede Einschränkung (= alle Rezeptoren arbeiten ohne Einschränkung) - aber es kommt nicht zu einem sinnvollen Geräusch/ Musik/ Spracheindruck u.ä…
Aufgrund seiner bodenlosen Neugier und seines unglaublichen Einfallsreichtums wäre es ein Glücksgeschenk für Dich und Deine Frage, Du könntest mit Manfred Spitzer in Ulm Kontakt bekommen (Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Klinik der Universität Ulm, Leimgrubenweg 12, 89075 Ulm). Versuchen würde ich das, vielleicht kannst Du ihn für Deine Fragestellung gewinnen. Vielbeschäftigter und vielgefragter Mann - beschreib ihm so kurz, klar und prägnant wie möglich Deine Frage und halt nicht mit Deinen Absichten hinterm Berg. Versuchs einfach …
Anderfalls (und vorbereitend) lies, was Du im Internet über „Agnosie“ findest (dich dürfte natürlich die akustische interessieren, und was zu ihr führt, und also welche Verbindungen von Höreindrücken wohin geleitet werden müssen, um auch eine wirkliche Zuordnung, einen „Sinn“ in einem Höreindruck zu erkennen, usw., so daß Du herausfinden könntest, welche „Ebenen“ mit zu bedienen sind bei Schaffung einer „realistischer“ wirkenden akustischen Realität; man hat so etwas immer erst durch Störungen solcher Vernetzungen herausgefunden), was Du über „Hirnwerkzeugstörungen“ findest, lies Damasio, Descartes Irrtum, lies Oliver Sacks „Vom Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ … und schau in die von mir angegebenen Bücher rein. Leider hast Du Dir da eines der komplexesten Gebiete der Neurolopsychologie ausgesucht … zu Deinem Glück (vielleicht)- eines der spannendsten.
Gruß, I.