Hallo,
„Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit hat 1989 eine Studie
erstellt.
Das ist die „Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke - Phase B“.
Danach liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu
einem Super-GAU in Deutschland kommt, bei zwei Prozent.
Ich habe diese Studie nicht im Original, aber vielfach wird zitiert, dass das festgestellte Risiko 0.1% betrage, und zwar pro Kraftwerk und auf die Laufzeit von 40 Jahren. Beispiel-Quelle: http://www.ippnw.de/default.php?/s,1/o,article,1240
Das bedeutet, dass ein willkürlich herausgegriffenes Kraftwerk innerhalb der nächsten 40 Jahre mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.1% in die Luft fliegt.
Auf
die rund 150 Atomkraftwerke in Europa hochgerechnet, ergibt
sich ein Restrisiko von 16 Prozent.[…]“
Wie man auf die 16% für 150 Kraftwerke kommt, ist mir unklar. Ich hätte es jetzt so gerechnet:
p(SuperGAU pro KKW und 40 Jahre) = 0.1%
p(KKW bleibt die nächsten 40 Jahre heile) = 100% - 0.1% = 99.9%
p(150 KKW bleiben alle die nächsten 40 Jahre heile) = 99.9%^150 = 86%
p(mindestens eines der 150 KKW geht in den nächsten 40 Jahren hopps) = 100%-86% = 14%.
Zum einen verstehe ich nicht, was ein „Super-GAU“ sein soll.
Per definition ist ein GAU („Größter Anzunehmender Unfall“) ein Störfall maximaler Stärke, der gerade noch von den Sicherheitssystemen der Anlage aufgefangen werden kann. Das KKW hat nach einem GAU innen zwar einen Totalschaden, der Schaden bleibt aber auf die Anlage beschränkt. Statt GAU wird daher auch das Wort „Auslegungsstörfall“ verwendet, was besser verdeutlicht, dass es hier um den größtmöglichen Störfall geht, für den die Sicherheitssysteme ausgelegt sind. Beim Super-GAU hingegen übersteigt der Schaden die Auslegung: neben dem KKW wird auch die Umgebung mit in Leidenschaft gezogen.
Irgendwie erinnert mich das an den Tod, der nur noch von einem
Super-Tod übertroffen werden kann. 
Jup. Wenn jemand einen „Super-Tod“ stirbt, heist das im übertragenen Sinne, dass er weitere Personen mit in den Tod reißt…
Zum anderen werden hier Prozentangaben benutzt, ohne einen
Bezug zu nennen: 2% von was?
Stimmt. Das ist ein Unding. Leider plappern viele sowas nach, ohne sich im geringsten mal Gedanken drüber zu machen.
Das Ergebnis, der von der Dame zitierten „Risikostudie A“
(Referenzanlage Biblis B besagte, dass das Risiko für einen
GAU bei ca. 10^(-5) Unfällen pro Anlage und Jahr beträgt. Gehe
ich von damals 17 Deutschen Kernkraftwerken aus und lege eine
Betriebsdauer von 30 Jahren zugrunde, so ergebn sich laut Adam
Riese 0,025 Unfälle. Wie ich es auch drehe und wende, die
Zahlen dieser Dame kann ich einfach nicht nachvollziehen.
Hmm, ich auch nicht. Nach obigem Rechenschema komme ich auf ein Risiko von 0.04% pro KKW und 40 Jahre, nicht auf 0.1%. Bei 17 KKWs ergibt sich als Risiko für mind. 1 SuperGAU in 40 Jahren ein Wert von 0.68%. Bei 150 KKWs wären das 5.8% Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eines davon innerhalb von 40 Jahren in die Luft fliegt.
LG
Jochen