Wallraff - eine neue Geschichtsschreibung?

Der Fall Wallraff steht für mich exemplarisch für folgende, fatale Entwicklungen:

  1. Die Unschuldsvermutung wird umgekehrt – unser Rechtssystem verändert sich.
  2. Aufzeichnungen von unbekannten Verbrechern gelten als glaubwürdig.
  3. Die Geschichte der Bundesrepublik – die Errungenschaften der Linken – soll dahingehend denunziert werden, dass der DDR die Urheberschaft für die linken Bewegungen der 68er Zeit und 70er Jahre zugeschrieben werden soll.
  4. Hierfür wird die bundesdeutsche Linke systematisch verleumdet.

Eure Meinung bitte.

Grüsse, Lothar Struck

Hallo Lothar,

Der Fall Wallraff steht für mich exemplarisch für folgende,
fatale Entwicklungen:

  1. Die Unschuldsvermutung wird umgekehrt – unser
    Rechtssystem verändert sich.

Das denke ich nicht. Eine Anklage darf ruhig erfolgen, die Frage ist, wie dann die Verurteilung aussieht. Da Wallraff ja nicht vor Gericht steht, sehe ich hier kein Problem.

  1. Aufzeichnungen von unbekannten Verbrechern gelten als
    glaubwürdig.

So unbekannt sind die „Verbecher“ nicht.

  1. Die Geschichte der Bundesrepublik – die
    Errungenschaften der Linken – soll dahingehend
    denunziert werden, dass der DDR die Urheberschaft für die
    linken Bewegungen der 68er Zeit und 70er Jahre zugeschrieben
    werden soll.

Das sehe ich nicht.
Allerdings sehe ich, dass die DDR westdeutsche linke Terroristen aufgenommen hat.

  1. Hierfür wird die bundesdeutsche Linke systematisch
    verleumdet.

Das glaube ich nicht. Es wird die bundesdeutsche linksradikale mit der DDR in Verbindung gebracht, was ja nunmal den Fakten entspricht.

Grüße,

Mathias

Hallo Lothar!

Der Fall Wallraff steht für mich exemplarisch für folgende,
fatale Entwicklungen:

  1. Die Unschuldsvermutung wird umgekehrt – unser
    Rechtssystem verändert sich.

Das ist eine Entwicklung, die ich mit Sorge zur Kenntnis nehme. Aber ganz anders als Du. Ich wundere mich, warum das Argument der Unschuldsvermutung als Schutz für bestimmte in die Kritik geratenen Personen/Organisationen mißbraucht wird. Stell Dir einmal vor, Helmut Kohl hätte sich so verhalten bei der Spendenaffäre. Er hätte alles als suspekte Verschwörungstheorie erklärt und die neue Logik „man muß auf absurde Kritik nicht reagieren, weil man damit den Verschwörer stärkt und sich somit unmoralisch verhält“ auf sich bezogen. Nein, Schutz für den Privatmenschen ja, aber Menschen in der Öffentlichkeit müssen sich kritischen Fragen stellen und entsprechende Zweifel an Vorwürfen entkräften. Sonst wird die Demokratie zur Farce. Das ist, je nach dem welchem politischen Coleur man sich verpflichtet fühlt, mal mehr und mal weniger schmerzhaft. Wenn also ein Wallraff in die Schlagzeilen gerät, dann möchte ich Aufklärung. Wenn sich dann aus den Fakten geborene Spekulationen als absurd erweisen, ist wohl jedem geholfen, auch dem, der in der Kritik steht.

  1. Aufzeichnungen von unbekannten Verbrechern gelten als
    glaubwürdig.

Absolut nicht. Die Aufzeichnungen der Stasi sind nur als Indiz zu betrachten. Die moralische Auseinandersetzung um die Schuldfrage, kann nur jeder für sich selbst beantworten. Durch das Auftauchen in den Stasi-Akten ist noch keine Schuldfrage geklärt. Die kommt dann später durch die Erläuterungen. Manfred Stolpe hat diese öffentliche Diskussion gesucht und beispielhaft seine Rolle in der Geschichte erläutert. Damit hat er mehr Glaubwürdigkeit erlangt, als wenn er seine IM-Vergangenheit einfach nur mit dem Verweis auf „Gefasel von unbekannten Verbrechern“ abgetan hätte.

  1. Die Geschichte der Bundesrepublik – die
    Errungenschaften der Linken – soll dahingehend
    denunziert werden, dass der DDR die Urheberschaft für die
    linken Bewegungen der 68er Zeit und 70er Jahre zugeschrieben
    werden soll.

Nein, keine Urheberschaft. Allerdings eine politisch gewollte Unterstützung jener Kräfte, die die „BRD“ umstürzen wollte. Die Revolution frisst bekanntlich ihre Kinder. Gesellschaftliche Errungenschaften bleiben. Morde (Terrorismus) und Kontakte zu totalitären, die eigene Bevölkerung unterdrückenden Staaten (DDR), sind die Schattenseiten. Ein Ignorieren dieser Schattenseiten führt zur politischen Einseitigkeit, die letztlich undemokratisch ist.

  1. Hierfür wird die bundesdeutsche Linke systematisch
    verleumdet.

Das kann nur eine ganz subjektive Empfindung sein. Wenn man sich politisch von der Mitte weg in die eine oder andere Richtung bewegt, wird der Gegenwind stark. Wenn Du eine Systematik vermutest, wer definiert den dann das System? Industriebosse und Unions-Politiker in konspirativen Frühstücks-Kartellen? Mit schwarzen Aktenkoffern voller Geld, die abwechselnd den Besitzer wechseln? Ein Zerrbild der Wirklichkeit, die von der Linken gefördert wird. Umgekehrt ist das alles auch zu beobachten. Wenn die eine Seite in die Kritik gerät, wirft die andere Seite mit Dreck. Es kommt halt immer auf die Brille an, durch die man die Wirklichkeit zu erkennen glaubt. Rechte wie linke Zerrbilder zu erkennen, wird zunehmend schwieriger, weil beide auch immer ein Stück Wahrheit in sich tragen.

Guten Tag, Lothar

Der Fall Wallraff steht für mich exemplarisch für folgende,
fatale Entwicklungen:

  1. Die Unschuldsvermutung wird umgekehrt – unser
    Rechtssystem verändert sich.

Könnte man meinen. Obwohl ich schon der Meinung bin, daß die Gauck - Behörde ( Birthler ), sich an die Gestzeslage halten muß ! Andersherum : Es wird einem Bürger nur dann die Rolle eines ( z.B) IM zugeschrieben, wenn dies aus seinen eigenen Unterlagen hervorgeht, und gleichzeitig in den Unterlagen Betroffener nachzuvollziehen ist. Mathematisch muß also eine eineindeutige Zuordnung vorliegen, und nur dann , so erlaubt es das Gesetz, kann zweifelsfrei davon augegangen werden, daß die Bahauptung, jemand hat für diesen Dienst gearbeitet, aufrechterhalten werden.

Für mich im Moment schwer vorstellbar, daß Birthler diejenige sein soll, die genau diesen sensiblen Punkt umgeht.

  1. Aufzeichnungen von unbekannten Verbrechern gelten als
    glaubwürdig.

Ja und nein. Zum einen sind die vorstehend genannten Regularien zwingend erforderlich, andererseits ist es natürlich auch vorstellbar,
daß es bei " ausgesuchten" Personen von der Behörde selbst, oder auch Dritter unterlaufen wird.

  1. Die Geschichte der Bundesrepublik – die
    Errungenschaften der Linken – soll dahingehend
    denunziert werden, dass der DDR die Urheberschaft für die
    linken Bewegungen der 68er Zeit und 70er Jahre zugeschrieben
    werden soll.

Urheberschaft sicherlich nicht, aber das der Dienst der DDR so ziemlich alles unterlaufen und unterwandert hat, was gerade in der Studentenszene ( der Linken ) zu gebrauchen war, zeigt der Fall TOPAS ( Rupp ), der als Bundesbürger schon mit Beginn seines Studiums für die Auslandsabwehr gearbeitet hat, und bis zum Zusammenbruch des Ostblocks so ziemlich alles von der NATO preisgegeben hat, was ihm in die Hände kam.

  1. Hierfür wird die bundesdeutsche Linke systematisch
    verleumdet.

Verleumdet nicht, teilweise benutzt, ja.

Gruss - TOM

Hallo Lothar,

es ist erstaunlich wie die Birthler-Inquisition arbeitet. Sind es Politiker wie Helmut Kohl oder Schily ist die Herausgabe der bei der Inquisition gelagerten Dokumente nicht zweckmässig, da der Wahrheitsgehalt der Informationen durch eine „Stasi-Einheit“ zweifelhaft ist.

Ich glaube aber weniger, dass es hier um eine Richtung geht. Es scheint eher so, dass mit den Informationen der Inquisition unliebsame Personen jeder Clouleur entsprechend denunziert werden sollen.

Andererseits muss man sich auch klar sein, dass in den früheren Jahren durchaus im Westen einige mit der Stasi durchaus zusamengearbeitet haben, wenn sie politischen Gegnern im Westen schaden konnten. Auch ist es durchaus sehr gut vorstellbar, dass viel im Westen, einschl. heutiger Grüner im Bundestag, für den Sozialismus des Osten sehr viel Bewunderung und auch euphorische Werbung betrieben haben und dadurch in die Nähe der Stasi gelangt sind.

Ich bin für die Offenlegung aller Daten dieser Rosenholz-Datei. Auch wenn wir davon ausgehen müssen, dass die CIA die Daten bereits bereinigt hat und heute westdeutsche und ostdeutsche Politiker durchaus von, von der CIA ausgehenden organisierten Kriminalität, erpressbar sind. Trotzdem hätte ich gerne jene 50.000 Westdeustchen gewusst, die Stasi-Diener gewesen sind. Ich sehe es nicht ein, dass im Osten jeder Lokführer, der einmal mit einem Stasi-Mann zu tun hatte, verteufelt wird, während bei uns im Westen die Täter ungeschoren bleiben.

Strafrechtlich sind sie mit wenigen Ausnahmen ohnehin Dank dem Korruptionssystem der USA und des offenkundigen freudigen Abwartens der Regierungen unter Kohl und Schröder bis die Straftaten verjährt sind nicht zu fassen.

Kohl und Schröder haben durchaus vorgesorgt, dass Stasi-Leute im Westen unbehellig bleiben.

Gruss Günter

  1. Die Unschuldsvermutung wird umgekehrt ? unser
    Rechtssystem verändert sich.
  2. Aufzeichnungen von unbekannten Verbrechern gelten als
    glaubwürdig.

Das geht doch schon seit über zehn Jahren so. Es hat bloß niemanden interessiert, solange es nur Ossis betraf.

Guten Morgen, Lothar,

ich habe in meinen Unterlagen nochmal nachgesehen,und zitiere hier mal aus dem Schreiben der Behörde Birtler, was die Zweifelsfreiheit der " Klarnamen " betrifft. :

" In den Unterlagen zu Ihrer Person befinden sich zwar die Berichterstattungen von IM ( inoffizielle Mitarbeiter ) des Staatssicherheitsdienstes mit den oben genannten Decknamen, in den entsprechenden Unterlagen zu den IM müssen aber ebenfalls Hinweise auf Ihr Person oder andere Bezugspunkte ZU ihnen aufgefunden werden, da der Gesetzgeber den zweifelsfreien Nachweis verlangt,daß die bekannzugebenden Klarnamen wirklich zu den IM , die in den Unterlagen zu Ihrer Person genannt werden.

Die Bekanntgabe der Klarnamen zu diesen Decknamen ist aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage nicht möglich, da die entsprechenden Unterlagen zu den IM entweder vernichtet oder noch nicht aufgefunden worden sind.

Die Voraussetzungen für die bekanntgabe der Klarnamen nach § 13 Abs. 5 Stasi - Unterlagengesetz liegen somit zur Zeit nicht vor. "

Nimmt man diese Zeilen an mich als Betroffenen zum Maßstab, sollten wir davon ausgehen, daß es sehr wohl mehr als nur Indizien dafür gibt, daß Herr Wallraff mit drinhing in diversen Sauerein, da die Bekanntgabe eben seines Namens seine Basis auf v.g. Paragraphen hat.

Gruß - TOM

Hallo Lothar,

dazu passt eine heutige Publikation in der Zeitung „Freitag“:

http://www.freitag.de/2003/38/03380301.php

Gruß