Hallo Uwe,
beim WI wird ein großer Teil der Unterrichtsstunden am PC abgearbeitet. D.h. Du siehst in der Zeit gar keinen Lehrer. Meist sitzt Du 3 x am PC und hast dann eine Lehrerstunde zusammen mit anderen Schülern auf demselben Niveau in einer kleinen Gruppe. Zusätzlich kannst Du an Konversationsgruppen teilnehmen. In der Praxis klappt das meist einmal pro Woche, nur selten häufiger. Lehrer- und Konversationsstunden solltest Du möglichst früh buchen. Wenn nämlich die Kapazitäten ausgereizt sind, musst Du länger warten oder mit einem unpassenden Termin vorlieb nehmen. Zu Engpässen kann es auch an den Rechnern kommen. Bei manchen Terminen kann es auch zu Wartezeiten kommen (wenn die Schule gut ausgelastet ist). Am besten gehst Du vor Vertragsunterzeichnung ein paarmal zu Deinen Lieblingszeiten gucken, ob dann noch genug Platz wäre. Computerstunden wurden damals bei mir nicht reserviert. Meist hatte ich Glück, aber auch mal Pech und ich musste warten.
Da ein sehr großer Teil des Unterrichts am Rechner stattfindet und fast ohne Personalaufwand funktioniert, finde ich die angegebene Stundenanzahl, die einem vor Vertragsabschluss angegeben wird, sehr grenzwertig! Außerdem haben ich den starken Eindruck gehabt, dass potentielle Kunden gern mal ein paar Stufen zu niedrig eingeschätzt werden und man deshalb für Lerninhalte bezahlt, die man eigentlich weitgehend beherrscht. Das ist besonders übel, wenn man eine gewisse Zahl von Niveaustufen einkauft. Besser ist da die All-you-can-learn-Variante. Da kann man dann schnell durch den gekannten Stoff flitzen und schnell zu dem kommen, was man wirklich braucht.
Grundsätzlich sind die Preise verhandelbar. D.h. es gibt keine fixe Preisliste, sondern der Betreuer versucht aus jedem Kunden möglichst viel herauszukitzeln. Dazu hat er eine Preisliste mit Maximalpreisen und vergibt bei Bedarf Rabatte, wenn der Kunde abspringen will. Irgendwo hat der natürlich auch eine Schmerzgrenze. Grundsätzlich kann man in der Urlaubszeit im Sommer die Kurse günstiger ergattern als jetzt in der Hauptsaison.
Der Lernerfolg ist grundsätzlich nicht schlecht, abgesehen davon, dass die Mehrheit auf viel zu niedrigem Niveau anfängt und man ihnen gern vormacht, wer-weiß-was gelernt zu haben.
Mein Fazit: Das Lernkonzept ist nicht schlecht, aber die Kurse sind viel zu teuer. Es kann sich lohnen, wenn man ganz viel Zeit übrig hat, einen All-you-can-learn-Kurs über einen bestimmten Zeitraum zu buchen und dort wirklich fast täglich (bestenfalls tagsüber) anzutanzen und zu lernen ohne Ende. Dabei sollte man unbedingt auf die rechtzeitige Buchung der Lehrertermine und Konversationsstunden achten - sonst wird man ausgebremst. Auf diese Art und Weise wird man einen reellen Gegenwert für sein Geld bekommen und nach einiger Zeit den Schulleiter ein wenig verärgern (aber das macht nichts). Den Lehrern ist das ziemlich egal. Sie werden pro Stunde bezahlt. Apropos Lehrer: Sie sind Muttersprachler, meist ohne Lehrerausbildung und arbeiten nach einem strengen Lehrplan. Das klappt auch. Man kann so auf Amerikaner während eines Auslandsjahres in Europa treffen oder Engländer, die sich in eine Deutsche verliebt haben und zu ihr gezogen sind. Qualifizierte Lehrer wird man nur sehr selten treffen. Es ist nicht wie z.B. beim Institut Francais (für Französisch), wo man nur Franzosen mit Hochschulabschluss als Lehrer hat und was bei Leuten, die nur einmal pro Woche Unterricht wünschen viel billiger ist. Nur als Beispiel.
Wenn Du also lernen willst wie ein Blöder, buche den All-you-can-learn-Kurs und vergesse das Handeln nicht. Suchst Du aber eine Sprachschule für ein bis zwei Abende pro Woche im Gruppenunterricht, bist Du beim WI falsch. Solche Leute hätten die gern - die lassen sich am besten melken. Aber dafür gibt es sicher bessere Anbieter. Selbst eine VHS hat manchmal richtig qualifizierte Leute. Mein neuer Spanisch-Lehrer dort hat früher an der Uni spanische Literatur gelehrt. Solch eine Qualifikation wirst Du bei WI kaum finden können. Damit will ich nicht sagen, dass die WI-Lehrer ihren Job schlecht machen, sondern nur, dass WI sie billig einkauft, aber sehr hohe Preise von den Kunden verlangt. Meiner Meinung nach geben die viel zu viel Geld für diese Consulter aus, die neue Kunden werben. Das Geld sollten sie lieber in den Unterricht stecken. Meine Meinung
.
Und die angegebenen Unterrichtstunden enthalten auch die selbstständige Arbeit mit dem Computerprogramm. Ziehe ungefähr 3/4 davon ab und Du hast die tatsächlichen Lehrerstunden. Wenn man die dem Preis entgegensetzt, stehen einem die Haare zu Berge.
Zum Glück hatte ich meinen All-you-can-learn-4-Monats-Kurs in einem (internen
) Preisausschreiben gewonnen und hatte viel Zeit zum Lernen
. Über einen bezahlten 6-Stufen-Kurs würde ich mich wohl heute noch ärgern. Die wollten sogar, dass ich dafür einen Kredit aufnehme *kopfschüttel*.
Ob und wie sich das Lehrmaterial seit meiner Zeit (2003 oder 2004?) geändert hat, weiß ich natürlich nicht. Am Computer ging es um eine Fortsetzungsgeschichte mit leicht lächerlichem Inhalt. Die handelnden Personen benahmen sich manchmal etwas absonderlich. Außerdem gab es landeskundliche Elemente und auch mal ein Lern-Spiel. Auf den höheren Stufen begann eine neue Geschichte, die in einer Werbeagentur spielte und ziemlich Business-lastig (und langweilig) war. Zusätzlich wurden die Aufgaben in den Büchern zuhause bearbeitet. Manche Aufgaben waren o.k., andere etwas öde. Aber das kommt in anderen Büchern auch mal vor. In den letzten Bänden wurde es richtig hart, in der Mittelstufe ging es aber noch locker zu. Die Unterstufe habe ich nicht kennengelernt. Fragen dazu konnten dann im Unterricht besprochen werden.
Man sollte WI als das sehen, was es ist: Als ein gewinnorientiertes Unternehmen mit einem sehr starken Marketing. Unternehmensziel: Gewinnmaximierung. Gemeinnutz, Förderung der Verbreitung der Landessprache oder öffentliche Förderung sind dort Fremdworte. Im Gegensatz zur VHS oder dem Institut Francais.
Viele Grüße
Anne
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