Hallo
Wobei noch hinzugefügt werden sollte, dass anfangs insbesondere echte (beide Anlagen vorhanden) oder optische (ausserlich nicht eindeutig zu erkennen, zB. beim Klinefelter-Syndrom) Zwitter in ein definierbares Geschlecht (und das war der Einfachheit halber eher das weibliche) umoperiert wurden. Und das bereits als Kind, damit sie noch in die entsprechende Rolle hineinerzogen werden konnten (psychologische Anschauung des Behaviorismus gehört dazu)
Hormone sind noch nicht solange entdeckt (ab den 30ger Jahren gings erst richtig los, bis auf einzelne Erstbeschreibungen ab 1902 bezogen auf alle Hormone, incl Insulin u Co.), und bis sie wirklich auch Therapeutisch angewendet wurden und nicht nur experimentell verging noch eine ganze Weile.
Seit den 70gern wurde Sexualwisschenschaft nicht nur medizinisch abgehandelt, sondern auch soziologisch etc. wodurch erst ein Nachdenken diesbezüglich stattfinden konnte, dass sich Geschlecht nicht nur über die Organe definieren lässt.
Die Methoden wurden dann eben von den Operationen, die zuvor an Zwitterkindern durchgeführt wurden, abgeschaut.
Und selbst da gab es noch Ärzte, die versuchten eher durch Psychotherapie solche „Verirrungen“ der Geschlechtszugehörigkeit zu behandeln. Selbst heute denkt vermutlich manch einer, dass das Trans/Intersex. genausogut psychotherapeutisch behandelbar wäre oder gar eine psychische Ursache hätte sofern nicht wirklich etwas organisch bedingt/angeboren zu sehen ist (sprich echte Zwitter).
Wirklich als eine Art gängige Therapie für Erwachsene kann man das erst seit den spät80ger/90ger sagen, seitdem auch sonst die Ansicht der Verwandelbarkeit/Modellierbarkeit des eigenes Körpers (eben die Schönheitschirurgie) sich immer mehr verbreitete und sich nicht nur auf die Faltenglättung beschränkte (sondern auch Fettabsaugen, Veränderung der Gesichtskonturen etc. dazukamen) und nicht mehr nur Filmstars (Erhalt der Berufsfähigkeit, nicht nur Geldbedingt) vorbehalten blieb. (seit etwa 200 gibt es im Bereich Geschichte nd Genderforschung vermehrt Studien zum Körperbild diverser Epochen)
Mit genaueren Daten kann ich aus dem Stehgreif nicht dienen, aber Magnus Hirschfeld dürfte als wichtiger Autor aus den ersten Jahren des 20. Jh. auch in diesem Bereich (wird meist unter Homosexualität erwähnt) gelten.
Dann hab ich noch Handwörterbuch der Sexualwissenschaft : Enzyklopädie d. natur- u. kulturwiss. Sexualkunde d. Menschen / hrsg. v. Max Marcuse um 1925
oder auch
Anfänge der Sexualwissenschaft : historische Dokumente / Ausw., Kommentar und Einf. von Erwin J. Haeberle
Implizite Sexualpädagogik in der Sexualwissenschaft : 1886 - 1939 / Marcus Wawerzonnek
Making sex : body and gender from the Greeks to Freud / Thomas Laqueur
Ältestes Werk, das ich fand, zur Operation in dem Bereich:
Herrn Georg Arnaud Anatomisch-Chirurgische Abhandlung über die Hermaphroditen : aus dem Franz. übers. / Georges Arnaud de Ronsil 1777
oder, nicht unbedingt mit chirurgischer Abhilfe
Über angeborne menschliche Mißbildungen im Allgemeinen und Hermaphroditen insbesondere : Ein Beitrag zur Physiologie, pathologischen Anatomie und gerichtlichen Arzneiwissenschaft ; Mit 2 color. Kupfern / von Johann Feiler 1820
am passensten vielleicht: Hermaphroditismus, sexuelle Hypoplasie und Intersexualität / von Herbert Saupe 1937 (Dissertation aus Leipzig)
oder: Über die Intersexualität beim Menschen : unter Berücksichtigung der psychischen und hormonalen Besonderheiten / von H. J. Lammers 1956
Gruß Susanne