Wann faengt die Erziehung an?

Hallo zusammen,

ich werde in ca 5 monaten vater und habe in letzter zeit auch sehr viel mit meiner 10 monate alten nichte zu tun. Jetzt frag ich mich in letzter zeit immer oefter: Kann man bei einem neugeborenen oder kleinkind schon von erziehung reden bzw. kann man da schon anfangen falsches verhalten zu bestrafen oder ist das kind da noch zu klein um so etwas zu verstehen und wenn ja ab welschem alterfaengt man mit der eigentlichen erziehung an???

Hallo stefano,

was ist falsches Verhalten? Muß man falsches Verhalten bestrafen oder gibt es andere Möglichkeiten damit unmzugehen? Was ist Strafe?
Das wären alles so Fragen, über die es sich in diesem Zug mal lohnt nachzudenken.

Irgendein Mensch hat mal sowas geschrieben wie: Erziehung ist gutes Vorbild sein. Dies trifft es in meinen Augen am besten. Das kannst Du quasi vom Augenblick der Geburt sein.

Ein Erziehungsratgeber der keiner ist, sind die Kloetersbriefe
http://www.kloetersbriefe.de/
Die finde ich persönlich sehr lesen- und bedenkenswert.

Alles Gute
FS

Hallo,

die „Erziehung“ fängt vom ersten Tag an!
Durch tägliche Rituale (wichtig für Kinder) lernt das Kind schon fürs Leben.
Durch euer Verhalten zueinander und miteinander, das nimmt ein Kind auch auf, das prägt fürs Leben.
Ich denke mal am Anfang „erzieht“ man ein Baby automatisch mit.

Alles Gute

Hi,

ab welschem alterfaengt man mit der eigentlichen
erziehung an???

Erziehung fängt schon im Kopf an - lange vor der Geburt. Nur leider machen sich viel zu wenig Eltern schon früh genug Gedanken, was sie ihrem Kind mitgeben wollen.

Gruß,

Anja

Hallo Stefanos,

ab welschem alterfaengt man mit der eigentlichen
erziehung an???

spätestens mit der Geburt.
Du kannst aber auch schon jetzt mit Deinem Kind reden, es streicheln und der Mutter gut sein, das Kind wird es spüren.

Uns spätestens, wenn Du das Kind ‚richtig‘ anfassen kannst, ist es unmöglich ihm zu viel Liebe und Zuneigung zu geben.

Das größte Geschenk an Kinder ist Zeit, die man ihnen widmet. Und glaube mir, die Verzinsung ist enorm!

Gandalf

Hallo,

ich möchte den anderen zustimmen: Erziehung fängt am ersten Tag an, die Gedanken daran schon früher.
Aber: Erziehung ist nicht das:

kann man da schon anfangen falsches verhalten zu bestrafen
oder ist das kind da noch zu klein um so etwas zu verstehen

Was kann ein Neugeborenes denn falsch machen?
Ein sechsmonate altes Kind, das nach der Mama schreit - was nervig sein kann - ist das etwas, was man „ab-erziehen“ möchte?
Erziehung hat nur bedingt etwas mit Strafen zu tun.
Es gibt viele moderne Erziehungsratgeber, am besten mal einlesen.

Gruß
Elke

Noch was

Hallo Stefano,

Kann man bei einem
neugeborenen oder kleinkind schon von erziehung reden bzw.
kann man da schon anfangen falsches verhalten zu bestrafen

wenn das für Dich Erziehung ist (= Bestrafen), dann solltest Du bis zum Zeitpunkt der Geburt massiv etwas an Deiner Einstellung tun.
Erziehung ist nicht Strafen, sondern Lieben.
Du kannst ein Kind nicht mit Strafen dazu bringen, das zu tun was Du möchtest. Nur durch Vorbild, Anerkennung, Liebe und (vor allen Dingen?!) durch Konsequenz.

Gandalf

Hallo Stefano,

es ist vermutlich wie immer bei jedem Kind anders - generell kannst Du Deinem Kind nicht zu viel Zärtlichkeiten und Nähe zukommen lassen - gerade Babys brauchen die Nähe, wollen manchmal Tage lang getragen werden, die Nähe der Bezugsperson spüren - auch nachts gibt es immer mal wieder Phasen, wo sie nicht alleine einschlafen können, weil sie Angst haben, sich einsam fühlen etc. Wir haben unser Baby normal in sein Bettchen gebracht und wenn es wach wurde in unser Bett geholt - ab und an schläft er durch, manchmal braucht er uns noch zum kuscheln und das scheinbar ganz dringend.
In den ersten 6-8 Monaten kannst Du nur Grundlagen legen, welche das Baby unbewusst wahr nimmt - angenommen sein, geliebt werden, beschützt sein etc.

Irgendwann bei manchen früher bei anderen später merkst Du, dass Dein Kind anfängt mit Verhalten von Euch und der Umgebung herum zu experimentieren - was passiert, wenn ich XXX mache. Das ist der Zeitpunkt wo Du anfängst bewusst zu „erziehen“. Also Dein Verhalten überdenkst, welches Du dem Kind präsentierst und eben auch nicht - wo Du anfängst auf Dinge zu bestehen etc.

Bsp. am Esstisch: Kind manscht und panscht - immer wieder geduldig die Essensstücke auf den Teller zurück legen - irgendwann nach Tagen versteht das Kind aha - Essen gehört auf den Teller wenn ich es aus der Hand lege. Irgendwann weißt Du das das Kind es verstanden hat und dann kommt z.B. eine Phase in der alles was das Kind nicht mehr essen will etc. nicht nur einfach auf den Boden geworfen wird, sondern durch den halben Raum fliegt - da greift man dann schon eher ein, indem man den Wurfarm festhält und Nein sagt bis hin zur Wegnahme des Essens und als letzte Konsequenz ausschluss vom Tisch… Erziehung besteht aus vielen Nuancen.

Die Tage hat mein Mann sich weggeschmissen vor lachen - ich habe unserem Zwerg etwas verboten und es ihm auch ganz aufgeregt erklärt warum er es nicht darf - er uns aktuell ausspielend rennt zu Papa und äfft mich in Mimik, Gestik und Tonfall 1:1 nach. Unser Zwerg ist 14 Monate alt. Spätestens da weißt Du - jetzt beginnt Erziehung :o)

Viel Spaß beim erst mal kuscheln und Baby genießen - hör auf Dein gefühl und wenn Deines versagt, dann hilft das Deiner Frau. Hör Dir die vielen Ratschläge aus der Umgebung an, lass Dich nicht irre machen, und geht Euren Weg.

Gruß,
Alexandra

Hallo,

Kann man bei einem
neugeborenen oder kleinkind schon von erziehung reden bzw.
kann man da schon anfangen falsches verhalten zu bestrafen
oder ist das kind da noch zu klein um so etwas zu verstehen
und wenn ja ab welschem alterfaengt man mit der eigentlichen
erziehung an???

Erziehung läuft während unterschiedlicher Altersstufen auch ganz unterschiedlich ab. Natürlich kann ein Kleinkind noch nicht verstehen, warum etwas so oder so ist / sein soll.

Sehr kleine Kinder lernen zum einen durch Nachahmung sehr viel, zum anderen auch mit dem Gedanken an: „welche (auch körperlichen) Auswirkungen hat dies auf mich persönlich“? Nur weil man einem Kind sagt: „der Herd ist heiß, fass ihn nicht an“, wird es nicht unbedingt die Finger davon lassen. Nachdem es sich einmal die Finger verbrannt hat, wird es das Verbot sehr genau verstehen und befolgen… (Nein, dies ist keine Aufforderung zum Schlagen, nach dem Motto, alles was Papa verbietet (und nicht befolgt wird), bringt Prügel ein.)

Später kommen noch andere Motivationen hinzu, warum jemand sich an Ge- oder Verbote hält, hinzu.

Aber sind wir doch mal ehrlich: Nur, weil ich (als erwachsener Mensch) verstehe, dass man etwas so und nicht anders tut, mache ich das trotzdem nicht immer so :wink:
Erziehung ist also nicht alles…

Hallo!

Auch meine Meinung ist, dass Erziehung gleich vom ersten Tag an beginnt.

Meine Tipps:
Sei ein gutes Vorbild - von Anfang an. Schon ganz kleine Kinder lernen durch „abgucken“ und nachahmen.
Besser ist es zudem, das richtige Verhalten Deines Kindes zu loben und belohnen, als schlechtes Verhalten zu bestrafen. Das funktioniert übrigens auch bei Erwachsenen ziemlich gut: denk mal an Dich persönlich: wann würdest Du besonders gut, effizient und motiviert arbeiten: nach einer Standpauke oder nach einem riesen-großen Lob von Deinem Chef???
Und nebenbei: nie vergessen, Dich in die Welt/Sichtweise Deines Kindes hineinzuversetzen. Dann versteht man das Verhalten der Kinder oft viel besser :wink:

VG

Genau das hätte ich auch geantwortet
Hallo!

Und möchte es deshalb unterstreichen.

Grob würde ich sagen ab dem späteren Krabbelalter fangen die lieben Kleinen bewusst an, Ihre Grenzen zu erkunden. Das merkt man meist recht deutlich.

Vorher ist Bedürfniserfüllung angesagt und ich sehe keinen Grund, dies nicht zu tun. Ein Kind/Säugling, dass Vertrauen in seine Eltern hat, wird zufriedener sein und im allgemeinen etwas ruhiger als eines, dass sich dessen unsicher ist.

„Bestrafen“ finde ich in fast jedem Alter das falsche Wort. Konsequenzen halte ich für angebracht und auch für lehrreicher. Belohnungen für den besseren Ansporn um erwünschtes Verhalten zu verstärken.

Es gibt unendlich viele Bücher zum Thema, ich finde es hilfreich, ein paar (möglichst unterschiedliche Autoren) zu lesen. Einfach um auch zu sehen, wie breit die Palette an „richtiger“ Erziehung sein kann und um zu lernen, dass es keine Patentlösungen für einzelne Probleme gibt. Empfehlen würde ich die Bücher von Herrn Rogge, der vermittelt eine gewisse Gelassenheit und stärkt Eltern den Rücken, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Hier ein klein bißchen Lektüre zu einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt:
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_H…
http://www.bmj.bund.de/enid/Publikationen/Gewaltfrei…
http://www.berlin.de/lb/lkbgg/gewalt_und_kriminalita…

Schöne Grüße und alles Gute für den Nachwuchs!
kernig

Falsches Verhalten bestrafen
Hallo

wenn das für Dich Erziehung ist (= Bestrafen), dann solltest Du bis zum Zeitpunkt der Geburt massiv etwas an Deiner Einstellung tun.

Das finde ich natürlich auch.

Erziehung ist nicht Strafen, sondern Lieben.

Genau. Durchs Leben begleiten. Antworten geben, Aufmerksamtkeit schenken, mit dem Kind spielen, dem Kind Freiheiten lassen und dabei drüber wachen, dass ihm nichts passiert. Mit dem Kind rumtoben, es tragen, Huckepack nehmen, alle Kleinkinderspiele mit ihm spielen (wie Hoppe Hoppe Reiter usw.). Mit dem Kind malen. Ihm vorlesen.

Später, wenn man mit ihm reden kann, ggf. mit dem Kind zusammen überlegen, wie manche Sachen besser klappen könnten . Wenn das Kind das dann ausprobiert: Fragen, ob es funktioniert hat, und wie es war. usw. usw.

Du kannst ein Kind nicht mit Strafen dazu bringen, das zu tun was Du möchtest.

sondern im Gegenteil, man kann es sogar mit Strafen davon abhalten.

Unerwünschtes Verhalten sollte man einfach nicht weiter beachten und das Erwünschte Verhalten durch das Schenken von Aufmerksamkeit verstärken.

Man kann Kinder regelrecht darauf fixieren, dass sie das unerwünschte Verhalten, das eigentlich (d. h. ohne „Erziehung“) nur mal phasenweise aufgetreten wäre, immer wieder und wieder zeigen, und zwar indem man das Kind wegen dieses Verhaltens ablehnt und/oder bestraft.

Kinder hören oft nicht auf ihre Eltern, weil die keine guten Argumente haben, oder gar nicht damit rechnen, dass ihr Kind auf Argumente reagieren könnte.

Viele Grüße
Simsy

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Hallo,
Erziehung ist ein weites Feld, in dem man viel Spass haben kann, das einen aber auch viiiiiele Nerven kostet. Bestrafen finde ich sinnlos, es führt nur zu Machtkämpfen und aus solchen gehen immer BEIDE Parteien (also Eltern UND Kind) als Verlierer heraus. Als Lektüre kann ich das Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ von dem Kinderpsychologen Michael Winterhoff sehr empfehlen. Da ist mir der ein oder andere Kronleuchter aufgegangen über unsere heutige Gesellschaft… Ich versuche mehr oder weniger erfolgreich die beschriebenen Fehler zu vermeiden.
Viel Spass für die Kuschelzeit und auch für die anstrengenden Zeiten.

Zum Buch
Hallo auch1

Als Lektüre kann ich das Buch „Warum unsere
Kinder Tyrannen werden“ von dem Kinderpsychologen Michael
Winterhoff sehr empfehlen.

Ich habe das Buch auch gelesen und fand es einleuchtend. Allerdings hat mich gestört, dass es recht einseitig ist. Im Prinzip widerholt er immer und immer wieder seine eine und einzige Erziehungsidee. Und die Kinder werden immer ein wenig als „böse“ hingestellt, als würden sie Tyrannen sein wollen…

Sicher lesenswert, ein paar der typischen Fehler sind wirklich schön geschildert und es auch wert, sie zu vermeiden. Aber den Tenor fand ich persönlich ein wenig unschön.

Schöne Grüße
kernig

Hi,

also „falsches Verhalten“ gibt es erstmal nicht - gerade Säuglinge haben wenig Bedürfnisse: Schlafen, Trinken, Stoffwechsel, Körperkontakt/Zuwendung. Wenn die irgendwie befriedigt werden sollen, melden sie sich, indem sie schreien. Oder wenn sie mal Blähungen haben. Um mehr dreht sich deren Welt noch nicht, darum können sie sich nicht „falsch verhalten“. Und auch später probieren Kinder zwar mal ihre Grenzen aus, das gehört aber zur Entwicklung dazu und sollte nicht bestraft werden.

Darum meine ich, dass du deine Einstellung zur Kindererziehung überdenken und da ganz anders rangehen solltest. Ich weiß nicht, ob es hier schon genannt wurde, aber ich kann das Buch „Das Geheimnis glücklicher Kinder“ von Steve Bidulph empfehlen. Der nennt kein Patentrezept (das gibt es nicht, Kinder sind Individuen), sondern gibt einfach verschiedene mögliche Tipps und vor allem einen Einblick in die Welt aus Sicht der Kinder.

Ansonsten kann ich nur raten: Jetzt schon über den Bauch mit dem Kind Kontakt aufnehmen, damit es deine Stimme kennen lernt. Und später: Beobachte dein Kind! Du bekommst schnell mit, was es will oder braucht. Und viel viel viel Körperkontakt. Wenn dann die Beziehung zwischen euch stimmt, ist der Anfang gemacht. :smile:

Gruß
Cess

Hallo Stefano,

Erziehung fängt in dem Moment an, in dem das Kind auf der „Welt“ ist. Es ist an Euch es zu einem mündigen und selbstständigen Menschen zu „erziehen“. Dabei ist dieses Idiom vielleicht falsch gewählt. Besser wäre zu formen. Dem Kind Anreize, Anregungen, Verständnis, Liebe usw. zu geben und vor allen Dingen seine Entwicklung, angepasst auf sein(e) Persönlichkeit, zu fördern. Das denke ich, ist das ganze „Geheimnis“.

Glückwunsch zu eurem Kind.

Gruß Dieter

Hallo Stefano,

(…) Dabei ist dieses Idiom
vielleicht falsch gewählt. Besser wäre zu formen.

Ich finde auch diesen Terminus ungünstig. Kinder sind keine Klumpen Play-Doh-Knete. Der Versuch Kinder in eine Form zu pressen, obgleich er landläufig praktiziert wird, geht häufig schief.
Kinder sind Menschen, die Charakter und Temperament mitbringen und ihren eigenen Entwicklungsplan. Was ihnen gänzlich fehlt, ist Erfahrung. Und das ist die Aufgabe der Eltern:

Dem Kind

Anreize, Anregungen, Verständnis, Liebe usw. zu geben und vor
allen Dingen seine Entwicklung, angepasst auf sein(e)
Persönlichkeit, zu fördern. Das denke ich, ist das ganze
„Geheimnis“.

genau, das sehe ich auch so, eine sichere Bindung ist jedoch unerlässlich.
zu den vielen hilfreichen Literatur-Tipps möchte ich noch zwei hinzufügen:

Jesper Juul - Aus Erziehung wird Beziehung
Carlos Gonzales - In Liebe wachsen

Glückwunsch zu eurem Kind.

Auch von mir

Gruß Nicolle

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http://www.ariva.de/junge-raspel_a186281

Für richtige Strafen ist ein Baby wohl noch ein bisschen zu klein, Kausalität lernt es erst mit der Zeit. Aber so etwas wie einen Tagesrythmus kann man von Anfang an bei bringen. Wenn das Kind eine feste Zeit fürs essen und fürs schlafen gewohnt ist gibts da weniger Probleme mit dem Einschlafen o.Ä.
Bei mir als Baby haben meine Eltern jeden Abend so gestaltet. Er wurde gegessen, dann wurde ich ruhig und mit streicheln umgezogen, mir wurde etwas vorgesungen und dann ging es ins Bett. Solche Regelmäßigkeiten helfen schon sehr…

sagen wir mal so:
in den ersten „dummen Monaten“, wie man es früher, glaube ich (fälschlicherweise) nannte, ist es in erster Linie Deine Pflicht, Deinem Kind bedingungslose Liebe entgegenzubringen.
Ansonsten, wenn Du ein gesunder Mensch bist, merkst Du schon ganz von alleine, wann alles weitere los geht.