Hallo Jenny!
Ich habe dort [in der Schule] gelernt, dass der ursprüngliche Hintergrund der
Schreibschrift, ein ununterbrochenes Schriftbild ist […]
Das ist durchaus so. Im alten Rom (und im Neoklassizismus) meißelte man Inschriften in Großbuchstaben. Sobald man einen Griffel oder Pinsel in die Hand nimmt und auf Pergament oder Papier schreibt, entwickelt man das Bedürfnis, schneller zu schreiben - Großbuchstaben sind da unpraktisch. So entwickelte sich eine sogenannte Currentschrift (von lat. currere - laufen, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Schreibschrift), die dazu neigt (nicht zwingend erfordert!), Buchstaben zu verbinden. Meist entstanden Kleinbuchstaben erst aus dieser Kurrentschrift. (Beim Griechischen Alphabet bin ich mir sicher, dass zuerst die Kurrentschrift da war; beim Lateinischen nicht so sehr.)
Das bringt aber mit sich, dass Kleinbuchstaben der Kurrentschrift näher stehen als Großbuchstaben. Kleinbuchstaben lassen sich ohne weiteres verbinden, Großbuchstaben fallen immer heraus. Man hat früher (Mittelalter? In Geschichte bin ich 'ne Null
) auch alles kleingeschrieben, wenn man’s nicht hervorheben wollte. (Immer hervorzuheben waren Eigennamen, Wörter wie Gott, Herr, König …) Dadurch konnte man sehr lange Texte sehr schnell schreiben.
Der Name Philip ist dafür ein gutes Beispiel. Aus Gewohnheit
und „Bequemlichkeit“ im Schriftverlauf würde man das P und das
h nicht unbedingt miteinander verbinden.
Verlangt ja auch keiner. (Zumindest nicht von erwachsenen Menschen.) Es liefe auch dem Sinn der Schreibschrift zuwider, wenn man bemüht etwas verbinden müsste, dadurch jedoch langsamer schreibt.
Mir stellt sich nun die Frage, ob eine „Urform“ und daran
gebundene Vorgaben existieren und diese irgendwo definiert
sind […]
Jeder, der schreiben lernt, braucht irgendeine Grundlage. Diese nennt sich heutzutage „Schulausgangsschrift“. Es soll ja schließlich nicht jeder nach Gutdünken die Buchstaben verbinden, sonst könnte man das Ergebnis irgendwann gar nicht mehr lesen, weil jeder ganz anders schreibt - die Handschrift entwickelt sich ja weiter.
(Soweit ich weiß, gibt es in Griechenland keine einheitliche Schulausgangsschrift - mit dem Ergebnis, dass handschriftliche griechische Texte tatsächlich kaum lesbar sind, außer für den, der sie verfasst hat.)
Die jeweilige Schulausgangsschrift sieht in der Tat vor, alle Buchstaben miteinander zu verbinden (Beispiele siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Ausgangssch…); aber bei den Großbuchstaben stellt es sich in der Tat schnell als unpraktikabel heraus. Die deutsche Ausgangsschrift (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:smiley:eut…) erlaubte weitaus geschmeidigere Verbindungen auch nach Großbuchstaben, sodass auch erwachsene Menschen mit einer ausgeprägten eigenen Handschrift die Verbindungen nicht unterließen: Hier http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Brief_Schille… sieht man ein Beispiel von Friedrich Schiller, das als letztes Wort in der 6. Zeile „Plan“ stehen hat. Deutlich ist die Verbindung erkennbar, die er sicher auch beim Namen „Philipp“ gemacht hätte.
Liebe Grüße
Immo