Wann immer es und das?

Da mir meine Fragen wirklich sehr präzise beantwortet werden, steht die nächste Frage schon vor der Tür!

Wann und wie benutzt man im Satz es oder das? Was ist der Unterschied? Würde mich über Besipiele sehr freuen.

Vielen Dank im Voraus und ein schönes WE.

Ich fange mal mit den eindeutigen Varianten an.

Es
„Es“ ist zunächst einmal ein Personalpronomen, wird also üblicherweise gesetzt, um die Nennung eines Substantives/Nomens zu vermeiden. Das ist oft hilfreich, um Wiederholungen zu vermeiden.
Beispiel: „Nachdem das Tier gegessen hatte, legte es sich schlafen“ statt „legte das Tier sich schlafen“.
Die zweite häufige Verwendung von „es“ ist schon etwas seltsamer. Ich würde sagen, es (als Ersatz für „es“ :wink: ) steht dann für eine Allgemeinheit; allzu gut ist das aber auch nicht formuliert…
Beispiele:
„Es regnet“/„Es ist kalt“, „Es gibt…“, „Wie geht es dir?“, „Es ist anzunehmen, dass…“ (= „Man kann annehmen, dass…“)

Jetzt zu einer schwierigeren Variante:
„Es ist seltsam, dass du das jetzt sagst“.
Hier ist der Nebensatz „dass du das jetzt sagst“ das Subjekt, also das, was in diesem Satz irgendetwas tut (genauer: Es ist irgendetwas).
Man könnte auch sagen „Dass du das jetzt sagst, ist seltsam“. Wenn man den Nebensatz aber ans Ende setzen möchte, braucht man am Anfang noch einen Ersatz: „es“.
Genauso in „Es gefällt mir nicht, das zu tun“ oder „Es bekommt mir nicht, das zu essen“

Das
Die einfachste und häufigste Verwendung von „das“ ist die als Artikel. d.h. es wird vor ein Wort gestellt, damit dieses überhaupt dastehen kann.
„Das Kind spielt“ statt „Kind spielt“. Ein Substantiv/Nomen erhält immer (fast immer!) einen bestimmten Artikel (der/die/das) oder einen unbestimmten Artikel (ein(er)/eine/ein(es)). Der bestimmte Artikel meint damit etwas bestimmtes, der unbestimmte etwas … *Trommelwirbel* … unbestimmtes.
Beispiele an den letzten Sätzen: [Für die/das ist es dieselbe Regel]
„… erhält einen bestimmten Artikel“ => es gibt mehrere bestimmte Artikel, aber nur einen davon erhält das Substantiv.
„… erhält den bestimmten Artikel“ würde aussagen, dass es genau einen bestimmten Artikel gibt, dass man also mit Bestimmtheit sagen kann, dass es diesen einen erhält.
„Der bestimmte Artikel meint…“ darf dennoch verwendet werden, hier ist mit „der bestimmte Artikel“ genau der Artikel gemeint, der bereits ausgewählt wurde und der vor dem Wort steht.
Beispiel:
„Ich sehe einen Hund [noch ist es einfach nur irgendein Hund]. Der Hund läuft nach hause [hier ist es ein bestimmter Hund: der, den ich gerade erwähnt habe]“

Und dann gäbe es noch „das“ als sogenanntes Demonstrativpronomen. Dann wird es verwendet, um auf irgendetwas zu verweisen, was bereits erwähnt wurde/bekannt ist. Auch hier ist die Regel für der/die die gleiche. Mit einer Ausnahme: Wenn man sich nicht auf ein bestimmtes Wort bezieht, sondern auf eine Aussage/Tatsache/…, dann verwendet man „das“.
Beispiele:
„Dort steht ein Baum. Den hatte ich bisher noch nie gesehen.“
„Dort steht eine Blume. Die hatte ich bisher noch nie gesehen.“
„Dort steht ein Auto. Das hatte ich bisher noch nie gesehen.“ (Ja, ich weiß, ich bin sehr einfallsreich)
Aber:
„Das macht keinen Sinn“. Hier bezieht man sich auf etwas, was zuvor gesagt wurde, verwendet also „das“ statt „der“ oder „die“.
Ich hoffe, das (!) war jetzt verständlich erklärt.
Jetzt fällt dir vielleicht auf, dass sowohl „es“ und „das“ für vorher genannte Wörter stehen.
Tja, dieser Unterschied ist nicht ganz einfach zu erklären…
Ich würde es so formulieren: „der/die/das“ hat als Demonstrativpronomen eine stärkere Betonung auf das Zurückweisen/das sich-auf-etwas-Beziehen, ist manchmal auch „präziser“, d.h. es wird etwas konkreteres gemeint. „er/sie/es“ steht als Pronomen einfach nur als Ersatz da.
Beispiel:
„Ich verstehe das nicht“ => „Genau das verstehe ich nicht“/„Ich habe hiermit ein konkretes Problem“
„Ich verstehe es nicht“ => „Ich verstehe gerade gar nichts“/„Es ist mir einfach völlig unverständlich“
(In solchen Sätzen kann übrigens wieder nur es/das stehen, nicht er/sie/der/die)
Oder:
„Siehst du den Mann dort? Er geht gerade über die Straße“
„Siehst du den Mann dort? Der hat mich bestohlen!“
Im ersten Satz wird er etwas genauer beschrieben, nichts spektakuläres. Im zweiten Satz betont man besonders, dass er der Dieb war, nicht irgendein anderer.
Wenn du also betonen möchtest, dass du gerade etwas vorher erwähntes meinst, sage „der/die/das“. Wenn du „einfach normal weiterredest“, sage „er/sie/es“.

So, ich hoffe, das war jetzt alles verständlich und vollständig.

mfg,
Che Netzer

Hallo Che Netzer

Ich fand Ihre Ausführungen ausgezeichnet, kann eigentlich nichts beifügen, ausser eine Anmerkung zur Gross-, Kleinschreibung:

Nach viel, etwas, manch, allerlei, nichts schreibt man Adjektive gross.

Nichts Nützliches, viel Spannendes, Etwas Gutes

Ausnahme: nichts, etwas, manch, … anderes
Er hat nichts anderes gesagt.

Aber: Er hat nichts Neues erzählt.

Gruss Vreni