Wann ist ein Mensch gut?

Aus einem Thread im Europapolitik-Brett hat sich folgende Frage entwickelt:

Wann ist ein guter Mensch wirklich ein guter Mensch?

Ich habe behauptet, dass ein Mensch nicht wirklich gut ist, wenn er nur deshalb nichts Schlechtes tut, weil er Angst vor Gott hat.
Fuer mich ist ‘Angst vor den Folgen’ als Motivation dafuer, Schlechtes zu unterlassen, nicht genug. Von mir aus ist ein Mensch, der Schlechtes aus Angst unterlaesst, im besten Fall ein “Wischi-Waschi-Mensch”, aber kein per se guter Mensch. Wobei es im Endeffekt egal ist, ob es sich bei dieser Angst um Angst vor weltlichen Folgen oder vor goettlichem Zorn handelt.
Fuer mich ist das ‘negative Berechnung’ – genauso wie Gutes tun und auf Belohnung hoffen, ebenso aus Berechnung geschieht.
Ich versuche meine Handlungen mit meinem Gewissen zu vereinbaren: fuer mich selbst habe ich den ethischen Grundsatz, dass ich andere so behandle, wie ich selbst gern behandelt werde. Ich erwarte weder eine Belohnung dafuer im ‘Leben danach’ noch eine Strafe, wenn ich diesem Grundsatz nicht gerecht geworden bin.

Also: ethisch gesehen, von mir aus auch religioes gesehen: wann ist ein Mensch gut?

Gruesse, Elke

hi,

Wann ist ein guter Mensch wirklich ein guter Mensch?

wenn er schlechtes unterläßt. das ist mindestanforderung. wirklich gut ist einer, der sich hinreißen läßt, was gutes zu tun. aber daß einer ein engel ist und sich zb. für andere aufopfert, kann man gar nicht ernsthaft erwarten. im gegenteil, das finde ich befremdlich.

Ich habe behauptet, dass ein Mensch nicht wirklich gut ist,
wenn er nur deshalb nichts Schlechtes tut, weil er Angst vor
Gott hat.

wieso nicht? das ergebnis zählt.

Fuer mich ist ‘Angst vor den Folgen’ als Motivation dafuer,
Schlechtes zu unterlassen, nicht genug.

möglich. aber wenn derjenige mir das leben rettet, weil er überzeugt davon ist, daß gott das will, dann soll es mir recht sein. ich wurde gerettet - das zählt. der rest ist sein persönliches problem, das mich doch gar nichts angeht.

my 2 cents
datafox

Hallo, liebe Elke,
das der Mensch böse ist, hat schon ganz am Anfang der Bibel wohl Gott selbst gesehen:
_ 1.Mose 6,5
Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, 6 da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden_

Aus welchem Grunde nun wohl ein Mensch das „Gute“ tut, ist am Ende sicher nicht so wichtig. Die große Frage allerdings dabei ist: ist das, was ein Mensch für gut erachtet auch in jedem Fall für andere gut? Wieviel Leid über die Menschheit kam, weil jemand nur das Gute wollte, davon künden Bände von Geschichtsbüchern. Wann immer jemand nicht nur das Gute will sondern sogar noch mein Bestes, dann werde ich wirklich misstrauisch.

Daher halte ich es mit Wilhelm Busch und schließe wie jener die „Fromme Helene“ mit
Das Gute - dieser Satz steht fest -
ist stets das Böse, was man läßt!
Grüße
Eckard.

Aus einem Thread im Europapolitik-Brett hat sich folgende
Frage entwickelt:

Wann ist ein guter Mensch wirklich ein guter Mensch?

Ganz einfach…wenn sein Verhalten dem entspricht, was die derzeit herrschende moralische Meinung für gut erachtet.

Früher war ein guter Ehemann einer, der seine Frau selten schlug, gut versorgte und wenig trank. Heute gehört mehr dazu, mindestens der Abwasch. :wink:

Du kannst also keine von einer ethischen Grundströmung unabhängige Antwort auf diese Frage finden.

Gruß Maid:smile:

Aus einem Thread im Europapolitik-Brett hat sich folgende
Frage entwickelt:

Wann ist ein guter Mensch wirklich ein guter Mensch?

Ich habe behauptet, dass ein Mensch nicht wirklich gut ist,
wenn er nur deshalb nichts Schlechtes tut, weil er Angst vor
Gott hat.
Fuer mich ist ‘Angst vor den Folgen’ als Motivation dafuer,
Schlechtes zu unterlassen, nicht genug.
Gruesse, Elke

Hallo Elke,
mit Deiner Behauptung hast Du Recht.
Wenn man schlechtes wirklich als schlecht sieht und deshalb! nicht tut,
dann fängt es an ob ein Mensch gut ist oder nicht.
Da fängt aber das Problem an:was ist gut,richtig?
Es gab Zeiten,da war gut oder richtig was heute als verbrechen gilt.
Hier widerspreche ich Maid der sagte,gut ist „was die derzeit herrschende moralische Meinung für gut erachtet“.
Aber wer entscheidet was gut ist oder nicht,wenn das sich im Laufe der Zeit ändern könnte oder woanderst oder von einem anderen eben anderst gesehen wird.Hier kommt nun mal die höchste Autorität-Gott ins Spiel.
So steht,wie in einer Antwort schon erwähnt,wie man selbst behandelt werden will,sollte man auch andere behandeln.
Gruss Gerhard

vielleicht hilft hier die einschlägigie etymologie zu ‚gut‘ (s. dort)

Hallo Elke!

Wann ist ein guter Mensch wirklich ein guter Mensch?

Ich habe behauptet, dass ein Mensch nicht wirklich gut ist,
wenn er nur deshalb nichts Schlechtes tut, weil er Angst vor
Gott hat.

Gerade im christlichen Denken gibt es sowas wie ‚in Gedanken sündigen‘, wahrscheinlich in anderen Religionen auch. Das heißt ja, daß schon der Gedanke an Mord, ohne ihn jemals durchzuführen, bereits eine Sünde ist.

Fuer mich ist ‘Angst vor den Folgen’ als Motivation dafuer,
Schlechtes zu unterlassen, nicht genug.

Jedes Rechtssystem beruht auf diesem Prinzip. Jedesmal, wenn der eine oder andere Rechtsbruch stattgefunden hat, finden sich wieder ein paar, die schreien, daß offenbar die Strafe zu niedrig sei.
Hätten wir die von Dir beschriebene Reife, bräuchten wir keine Gesetze.

Von mir aus ist ein
Mensch, der Schlechtes aus Angst unterlaesst, im besten Fall
ein “Wischi-Waschi-Mensch”, aber kein per se guter Mensch.

Damit hast Du wahrscheinlich recht, aber in Gedanken habe ich schon vieles gestohlen, Menschen ermordet usw; ob es wirklich die Angst vor den Folgen war, die mich daran hinderte, es doch durchzuführen, wage ich nicht zu beschwören.

Wobei es im Endeffekt egal ist, ob es sich bei dieser Angst um
Angst vor weltlichen Folgen oder vor goettlichem Zorn handelt.
Fuer mich ist das ‘negative Berechnung’ – genauso wie Gutes
tun und auf Belohnung hoffen, ebenso aus Berechnung geschieht.

Viel schlimmer finde ich, daß wir auf eine Gesellschaftsform hinsteuern, die Taten, die in meinem persönlichen Denken bereits ein Rechtsbruch wären, gutheißen („der stärkere gewinnt“, „Dummheit muß bestraft werden“, „hätten Sie das Kleingedruckte gelesen“, die Todesstrafe, wenig Reiche vs viele Arme), zusteuern.

Ich versuche meine Handlungen mit meinem Gewissen zu
vereinbaren: fuer mich selbst habe ich den ethischen
Grundsatz, dass ich andere so behandle, wie ich selbst gern
behandelt werde.

Ist ja ein hehrer Grundsatz, solange Du keine Masochistin bist :wink:.

Ich erwarte weder eine Belohnung dafuer im
‘Leben danach’ noch eine Strafe, wenn ich diesem Grundsatz
nicht gerecht geworden bin.

Was dann? Wie beschreibst Du Dein Gewissen?

Also: ethisch gesehen, von mir aus auch religioes gesehen:
wann ist ein Mensch gut?

Ich glaube mit „Unterlassen einer schlechten Tat“ ist es noch nicht getan, denn das tun viele (um nicht zu sagen: wegschauen, wenn wo Unrechtes passiert).

Es gibt nichts Gutes,
außer man tut es!

Erich Kästner

Ich glaube, wir belügen uns in dieser Hinsicht alle ein bißchen, dnen wir wissen alle, daß wir weit mehr Gutes tun könnten. Wenn wir bedenken, wieviel Umsatz einerseits das Weihnachtsgeschäft gebracht hat und wieviele Menschen täglich verhungern, erfrieren, ihre Kinder auf den Strich schicken müssen…
Wenn man bedenkt, daß zehnmal mehr Geld für das Töten von Menschen ausgegeben wird, als für das (Über-)Leben.
Wenn man bedenkt, daß Neid und Mißgunst die Wirtschaftsmotoren schlechthin sind und nicht etwa die Nächstenliebe.

Der Mensch ist durch und durch schlecht und er hilft sich nur durch Selbstgerechtigkeit über sein schlechtes Gewissen.

my 2 (€-)Cents

Gollum

Aus welchem Grunde nun wohl ein Mensch das „Gute“ tut, ist am
Ende sicher nicht so wichtig. Die große Frage allerdings dabei
ist: ist das, was ein Mensch für gut erachtet auch in jedem
Fall für andere gut?

diese Frage wird uns wohl immer quälen: und schon fangen wir an zu definieren, was böse ist… böse wie die reine Luft für den Fisch

Hallo Maid.

Ganz einfach…wenn sein Verhalten dem entspricht, was die
derzeit herrschende moralische Meinung für gut erachtet.

Ja und nein. Ich denke wesentlicher ist hier, dass jemand vor sich selber gerecht handelt und erst einmal sich selbst hier als Maßstab nimmt. Daraus abgeleitet wird er dann auch daran arbeiten, dass er damit ständig wächst und dass er/sie seinen Maßstab auch an der Gesellschaft bemisst, aber danach ausrichten halte ich für wenig sinnvoll.

Schalom,
Eli

hi,

Ganz einfach…wenn sein Verhalten dem entspricht, was die
derzeit herrschende moralische Meinung für gut erachtet.

du meinst „gut“ im deskriptiven sinne. natürlich stimmt es dann, daß dann auch ein „braver“ kz-aufseher „gut“ war - denn er hat gesetzesgetreu gehandelt.

Du kannst also keine von einer ethischen Grundströmung
unabhängige Antwort auf diese Frage finden.

eine einfache antwort auf die frage „was ist normativ gut“ kann man finden, wenn man das prinzip anwendet „was du nicht willst daß dir man tu…“ ein prügelnder ehemann war vielleicht mal gesellschaftlich geachtet, aber was würde derjenige sagen, wenn ER ständig verprügelt würde? und was würde der aufseher davon halten, wenn ER in den ofen wanderte? ich denke dieses einfache prinzip (kategorischer imperativ in weiterer folge) ist ein recht guter ansatz, der ganz ohne absolute normen auskommt. naja vielleicht mit nur wenigen annahmen: nämlich daß kein mensch leiden will und daß jeder mensch zur abstraken einsicht fähig ist, was passieren würde, „wenn alle so handeln würden“.

gruß
datafox

Hallo Elke,

Wann ist ein guter Mensch wirklich ein guter Mensch?

Also: ethisch gesehen, von mir aus auch religioes gesehen:
wann ist ein Mensch gut?

Für mich ist ein Mensch *gut*, wenn er aus reinem Herzen heraus handelt. Soll heißen, er handelt ausschließlich ‚für‘ den anderen, und mit keinem Gedanken für sich selbst. Da ich genau das auch als Liebe bezeichne, kann ich eigentlich auch sagen, ein Mensch, der liebt (wirklich lieben kann), ist gut.

Natürlich bedingt diese Liebe (Güte), sich stets der eigenen Beweggründe bewußt zu werden. Ist mein Handeln in erster Linie gut für mich, oder dem anderen? Diese Überprüfung kann unter Umständen sehr hart sein, sowohl nach außen hin als hartherzig erscheinen, als auch einem selbst wohlmöglich sehr hart treffen. Denn gut für den anderen kann möglicher Weise heißen, den anderen gehen lassen zu müssen.

Eltern z. B., die ihr Kind zur Selbständigkeit anleiten/erziehen, sind gut. Sie fördern ihr Kind zur Eigenständigkeit, was letztlich heißt, es wird sich irgendwann von ihnen abnabeln, und auf eigenen Beinen stehen. Dagegen kann ich nichts Gutes daran sehen, wenn Eltern ihren Kindern alles abnehmen, sie dadurch hindern, Verantwortung für sich zu erlernen. Diese Liebe/ Güte ist reichlich egoistisch, lediglich gut für die Eltern. Nach außen hin sieht aber genau das fürsorglich aus, und wird zumeist als gut ver/erkannt.

Wir sind umgeben von solchen Schein- und Trugbildern, an die wir uns längst gewöhnt haben, da wir mit ihnen als moralisch ‚Richtig‘ aufwachsen. Daher ist es oft auch so schwer, zu erkennen, was wirklich gut ist.

lieben Gruß, und ein liebevolles neues Jahr, jedem hier,
fionny

Hallo fionny!

Für mich ist ein Mensch *gut*, wenn er aus reinem Herzen
heraus handelt. Soll heißen, er handelt ausschließlich ‚für‘
den anderen, und mit keinem Gedanken für sich selbst.

Und wenn der Gedanke lautet: „Wenn ich das jetzt mache, komme ich bestimmt in den Himmel“? Ist Selbstlosigkeit nur irdisch?

Grüße

Gollum

Hallo Gollum,

Für mich ist ein Mensch *gut*, wenn er aus reinem Herzen
heraus handelt. Soll heißen, er handelt ausschließlich ‚für‘
den anderen, und mit keinem Gedanken für sich selbst.

Und wenn der Gedanke lautet: „Wenn ich das jetzt mache, komme
ich bestimmt in den Himmel“? Ist Selbstlosigkeit nur irdisch?

Wenn das der Grund für meine Güte/Liebe wäre, würde ich mir die Hölle auf Erden schaffen. Ich weiß jetzt nicht, was Du unter Selbstlos verstehtst. Ich denke nicht, daß Güte oder Liebe selbstlos sein muß, es ist doch eher genau das Gegenteil. Wie soll ich gut sein können, wenn ich nicht einmal in der Lage bin, zu mir selbst gut zu sein?
Ich nehme legiglich den Egoismus raus, denn der paßt nicht zur Güte. Güte ist kein Geschäft oder Handel, sie ist einfach nur, ohne jede Erwartung. Und wenn jemand gut zu mir ist, dann ist er nur wirklich gut mit mir und für mich, wenn er mich mit keinerlei Erwartungen unter Druck setzt.

Hast Du eine solche Güte schon einmal bewußt erleben dürfen?
lieben Gruß,
fionny

Hi,

Für mich ist ein Mensch *gut*, wenn er aus reinem Herzen
heraus handelt. Soll heißen, er handelt ausschließlich ‚für‘
den anderen, und mit keinem Gedanken für sich selbst. Da ich
genau das auch als Liebe bezeichne, kann ich eigentlich auch
sagen, ein Mensch, der liebt (wirklich lieben kann), ist gut.

Also Menschen, die aufgrund ihrer eigenen Geschichte nicht in der Lage sind, zu lieben, können nicht gut sein?

Natürlich bedingt diese Liebe (Güte), sich stets der eigenen
Beweggründe bewußt zu werden.

Hier widerlegst Du Dich selbst. Selbstlose Liebe ohne eigene Beweggründe???
Ich glaube nicht an den berühmten „Altruismus“, selbst Mutter Theresa hat auf Dauer nur „in Güte“ handeln können, weil sie sich eine Lobby geschaffen hatte, die ihre Bemühungen (die ich keineswegs entwerten möchte) unterstützte. (Einmal husten und ein Rettungsteam wird per Hubschrauber eingeflogen). Sie hat durchaus ihren Selbstwert über ihr Gutes-tun bezogen, also „hatte“ sie doch auch etwas davon, oder?
LG,
Anja

Danke und…
Erstmal allen danke fuer die Antworten.
Food for thought.

Zwar hat das ganze eine andere Richtung angenommen,
als ich urspruenglich gehofft hatte. In Zukunft
werd ich mich bemuehen, meine Ueberschriften
besser zu formulieren.
Mir ging’s mehr um die andere Seite der Medaille:
„Wenn mich nur die Angst vor Gott davon abhaelt,
Schlechtes zu tun, ist das noch gut?“
Weshalb ich die Frage auch hier, und nicht im
Philosophiebrett gestellt habe. Was nicht heisst,
dass ich eure Antworten nicht schaetze, wie geschrieben,
sie haben mich zum Weiterdenken animiert.

So, jetzt geh ich erstmal (Gedanken) verdauen und
dann seh’ ich weiter,

Gruesse,
Elke

Hallo fionny!

Für mich ist ein Mensch *gut*, wenn er aus reinem Herzen
heraus handelt. Soll heißen, er handelt ausschließlich ‚für‘
den anderen, und mit keinem Gedanken für sich selbst.

Und wenn der Gedanke lautet: „Wenn ich das jetzt mache, komme
ich bestimmt in den Himmel“? Ist Selbstlosigkeit nur irdisch?

Wenn das der Grund für meine Güte/Liebe wäre, würde ich mir
die Hölle auf Erden schaffen.

Dies ist der Beweggrund vieler religiöser Menschen, warum das „die Hölle auf Erden“ sein soll, ist mir schleierhaft.

Ich weiß jetzt nicht, was Du
unter Selbstlos verstehtst.

Handeln, ohne einen Gedanken an sich selbst zu verschwenden.

Ich denke nicht, daß Güte oder
Liebe selbstlos sein muß, es ist doch eher genau das
Gegenteil.

Wie bitte? Das Gegenteil von Selbstlosigkeit ist der Egoismus und Egoismus ist nur die Selbstliebe. Tut mir leid, für mich sind Deine Angaben entweder ungenau oder widersprüchlich.

Wie soll ich gut sein können, wenn ich nicht einmal
in der Lage bin, zu mir selbst gut zu sein?

Warum bedingt das eine das andere? Waren Mutter Teresa, Albert Schweitzer, der Pilot, der Tschernobyl gelöscht hat, Jeanne d’Arc gut zu sich selber oder zu den anderen? Haben sie irgendwann an sich selber gedacht?

Ich nehme legiglich den Egoismus raus, denn der paßt nicht zur
Güte.

Jetzt sind wir an dem Punkt, auf den ich hinaus wollte: Ist Egoismus nur materiell zu sehen? Wie ist es mit dem spirituellen Egoismus („Ich rette meine Seele, egal, was es kostet“ überspitzte Formulierung&gt:wink:.

Güte ist kein Geschäft oder Handel, sie ist einfach nur,
ohne jede Erwartung.

Also auch nicht, um Gottes Segen zu erhalten?

Und wenn jemand gut zu mir ist, dann ist
er nur wirklich gut mit mir und für mich, wenn er mich mit
keinerlei Erwartungen unter Druck setzt.

Volle Zustimmung.

Hast Du eine solche Güte schon einmal bewußt erleben dürfen?

Ich kann die Beweggründe für die Güte, die mir bereits widerfahren ist, nicht herausfinden, nehme aber an, daß da auch selbstlose Menschen dabei waren. Ich verurteile das ja auch nicht, ich hinterfrage bloß die Beweggründe.

lieben Gruß,

Gollum

Hallo Anja,

Für mich ist ein Mensch *gut*, wenn er aus reinem Herzen
heraus handelt. Soll heißen, er handelt ausschließlich ‚für‘
den anderen, und mit keinem Gedanken für sich selbst. Da ich
genau das auch als Liebe bezeichne, kann ich eigentlich auch
sagen, ein Mensch, der liebt (wirklich lieben kann), ist gut.

Also Menschen, die aufgrund ihrer eigenen Geschichte nicht in
der Lage sind, zu lieben, können nicht gut sein?

Menschen, die warum auch immer, nicht in der Lage sind zu lieben, sind zumeist sich selbst und der Umgebung äußerst negativ, somit zerstörerisch eingestellt. Aber soweit wollte ich gar nicht hinaus, weil mir das zu generell wird.
Gut/Güte fängt mit den kleinen Taten an. Wenn ich den Vögeln im Garten zu Zeiten, in denen sie kein Fütter finden können, welches streue, damit sie keinen Hungertod leiden müssen, ist das gut.
Gebe ich ihnen aber auch Fütter, wenn sie durchaus die Möglichkeit hätten, welches in der Natur zu finden, dann zerstöre ich ihre Fähigkeit sich selbst das Futter zu suchen. Sie sind sich schließlich in ihrer Abhängigkeit meiner Gnade ausgeliefert, und das kann nicht gut sein.

Natürlich bedingt diese Liebe (Güte), sich stets der eigenen
Beweggründe bewußt zu werden.

Hier widerlegst Du Dich selbst. Selbstlose Liebe ohne eigene
Beweggründe???

Ich spreche hier nicht von selbstloser Liebe, die gibt es einfach nicht. Jemand der sein Selbst los ist, der wird nicht in der Lage sein, Liebe oder Güte zu geben, er wird sie nicht einmal erkennen. So jemand fungiert zumeist als Werkzeug für andere, und kann ausgesogen werden. Er hat also keinen Bezugspunkt zu sich selbst, und ist orientierungslos.

Ich glaube nicht an den berühmten „Altruismus“, selbst Mutter
Theresa hat auf Dauer nur „in Güte“ handeln können, weil sie
sich eine Lobby geschaffen hatte, die ihre Bemühungen (die ich
keineswegs entwerten möchte) unterstützte. (Einmal husten und
ein Rettungsteam wird per Hubschrauber eingeflogen). Sie hat
durchaus ihren Selbstwert über ihr Gutes-tun bezogen, also
„hatte“ sie doch auch etwas davon, oder?

Sie hat sich ihr Paradies auf Erden geschaffen, indem sie einfach nur sich selbst gelebt hat. Dennoch mußte auch sie erst ihren Weg gehen, bis es für sie einfacher wurde, durchzusetzen, woran sie glaubte. Sie hat ihre Kräfte eingesetzt, für Menschen, die nicht in der Lage waren, für sich zu verhandeln. Sie hat für Menschen in Not gehandelt und verhandelt, nicht für sich. Das diese Menschen ihr Dank zollten, und sie dadurch an Anerkennung gewann, ist nur zurecht. Die Kräfte, die sie daraus zog, hat sie aber wieder in bedürftige Menschen investiert, indem sie sich einsetzte. Und das konnte sie nur, weil sie sich in ihrer Güte, die sie im Herzen trug, voll und ganz lebte.

lieb gegrüßt,
fionny

Hallo Gollum,

Dies ist der Beweggrund vieler religiöser Menschen, warum das
„die Hölle auf Erden“ sein soll, ist mir schleierhaft.

Weil ich verpassen würde zu leben, wenn ich es damit verbringen würde, zu (er)warten, daß ich in den Himmel komme. Und da Gott sich auf keine Verträge einläßt, ist er dafür ein äußerst schlechter Verhandlungspartner.
Mir ist ein Stück Himmel auf Erden jetzt und hier lieber, daran zu arbeiten lohnt sich…mit jeden Tag einen kleinen Baustein mehr.

Handeln, ohne einen Gedanken an sich selbst zu verschwenden.

Ähm, ich meine geschrieben zu haben, ‚mit keinen Gedanken *für* sich selbst‘. Das heißt nicht, daß er seine Gedanken nicht auch bei sich hat. Muß er schließlich ja, wenn er überprüfen will, ob seine Motivation erstlinig zu seinen Vorteil ausgelegt ist, oder für den/die anderen, oder dessen Sache.
Wenn ich der alten Dame im Haus die schweren Taschen die Treppen hinauf trage, dann habe ich allenfalls Rückenschmerzen, also alles andere als irgendeinen Gewinn. Ich mach es dennoch, nicht für mich, sondern ausschließlich für diesen Menschen, für sie bedeutet es in diesem Moment eine wahre Last, die ich ihr ein Stückweit abnehmen kann.

Wie bitte? Das Gegenteil von Selbstlosigkeit ist der Egoismus
und Egoismus ist nur die Selbstliebe. Tut mir leid, für mich
sind Deine Angaben entweder ungenau oder widersprüchlich.

Das Gegenteil von Selbstlos ist wenn dann, sich Selbst sein. Und sich Selbst sein bedingt nun mal, mit sich selbst in Anerkennung, Güte, Liebe zu leben. Um dieses Selbst schützen zu können, benötigen wir eine ganze Portion Egoismus. Ist dieser nicht vorhanden, werden wir sehr schnell unser Selbst los. Der Egoismus dient also als Schutzmechanismus. Wir können unser Selbst damit vor Heucheleien schützen, davor schützen, benutzt zu werden. Andere Bezeichnungen wären Selbstwert, Würde.
Genau dieser Mechanismus, der uns Selbst schützen soll, meldet sich aber auch, wenn er Gelegenheiten bemerkt, andere ‚Selbst‘ für sich zu nutzen. Und hier fängt die eigene Verantwortbarkeit an, die Überprüfung. Darf ich die Situation, die Hilflosigkeit, das Leid eines anderen nutzen, um meinem Selbst etwas Gutes zu tun, oder werde ich jetzt einfach nur tätig, weil ich den anderen mag, und möchte, daß es ihm wieder gut geht.
Lege ich meine Motivation nur darauf aus, Profite zu erlangen (wie z. B. in den Himmel kommen), werde ich irgendwann nur noch in meiner Welt leben, mich Selbst nur noch lieben. Andere wären für mich nur Mittel zum Zweck. Auf direkten Weg zur Hölle auf Erden würde ich in einer krankhaften Eigenliebe ( Narzissmus ) verfallen. Reichlich einsam, nur noch sich selbst lieben zu können.

Warum bedingt das eine das andere? Waren Mutter Teresa, Albert
Schweitzer, der Pilot, der Tschernobyl gelöscht hat, Jeanne
d’Arc gut zu sich selber oder zu den anderen? Haben sie
irgendwann an sich selber gedacht?

Ganz einfach, weil alles bei einem selbst anfängt. Menschen, die sich selbst hassen, verabscheuen, die tragen dies auch nach außen. Menschen, die sich selbst lieben, zu sich selbst gut sind, tragen dies ebenso nach außen. Genau so, wie ein jeder mit sich selbst umgeht, so geht er auch mit anderen um. So, wie innerlich zu sich selbst gestanden wird, so reflektiert es nach außen.

Jetzt sind wir an dem Punkt, auf den ich hinaus wollte: Ist
Egoismus nur materiell zu sehen? Wie ist es mit dem
spirituellen Egoismus („Ich
rette meine Seele, egal, was es kostet“ überspitzte
Formulierung&gt:wink:.

*g* ich muß meine Seele nicht retten, sie befindet sich nicht in Gefahr. Stets wird das kleine Ding liebevoll behütet, und im Schoß der Güte gehalten.

Also auch nicht, um Gottes Segen zu erhalten?

Nein, den erhielt ich schon bei meiner Geburt. Mir wurde ein Licht geschenkt, einfach so. Was ich damit anstellen würde, wurde ganz mir allein überlassen. Und ich fand das Licht so schön, daß ich beschloß, es ganz tief in meinen Herzen zu bewahren. Immer dann, wenn mir jemand begegnet, dessen Licht nicht mehr so hell leuchten will, entzünde ich es mit meiner kleinen Flamme neu, einfach so.

Und wenn jemand gut zu mir ist, dann ist
er nur wirklich gut mit mir und für mich, wenn er mich mit
keinerlei Erwartungen unter Druck setzt.

Volle Zustimmung.

Und wieso glauben dann so viele Menschen, daß sie Leistungen bringen müssen, um in den Himmel, in das Paradies zu kommen? Wieso glauben so viele Menschen, daß Gott etwas von ihnen erwartet, sie sogar unter Druck setzen würde, ja sogar über sie richtet. Will Gott gar nicht wirklich gut zu den Menschen sein, oder ist er einfach nur falsch verstanden worden. Kommen, oder sind gar die Seelen der Menschen nicht alle irgendwann in den Schoß seiner Güte?

Ich kann die Beweggründe für die Güte, die mir bereits
widerfahren ist, nicht herausfinden, nehme aber an, daß da
auch selbstlose Menschen dabei waren. Ich verurteile das ja
auch nicht, ich hinterfrage bloß die Beweggründe.

Selbstlos waren diese Menschen sicher nicht, aber wenn Du keine Beweggründe erfahren kannst, mit welchen Hintergedanken diese Menschen gut zu Dir waren, dann ist das gut, denn dann war dessen Güte echt, eben nur für Dich.

lieben Gruß,
fionny

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Maßstab für ‚gut‘
Hallo Elke,

Mir ging’s mehr um die andere Seite der Medaille:
„Wenn mich nur die Angst vor Gott davon abhaelt,
Schlechtes zu tun, ist das noch gut?“

die Frage ist, welchen Maßstab für „gut“ Du anlegst.

Menschlich gesehen würde ich sagen, wenn die Wirkung positiv ist, ist die Handlung gut.

Aus Gottes Sicht betrachtet, gibt es gar keinen „guten Menschen“.
„Alle Menschen sind Sünder und haben nichts aufzuweisen, was Gott gefallen könnte.“ (Röm.3,23)

Allerdings sollte nicht die „Angst vor Gott“ sondern die „Liebe zu Gott“ Beweggrund sein, „Gutes“ zu tun.

Gruss Harald

Hallo Harald,
Danke fuer den spaeten Beitrag.

Allerdings sollte nicht die „Angst vor Gott“ sondern die

„Liebe zu Gott“ Beweggrund sein, „Gutes“ zu tun.

Darum ging’s mir.

Aber das:

Aus Gottes Sicht betrachtet, gibt es gar keinen „guten
Menschen“.
„Alle Menschen sind Sünder und haben nichts aufzuweisen, was
Gott gefallen könnte.“ (Röm.3,23)

bestaetigt mich in meiner Ablehnung der christlichen Religion.

Gruesse, Elke