Hallo Gollum,
Dies ist der Beweggrund vieler religiöser Menschen, warum das
„die Hölle auf Erden“ sein soll, ist mir schleierhaft.
Weil ich verpassen würde zu leben, wenn ich es damit verbringen würde, zu (er)warten, daß ich in den Himmel komme. Und da Gott sich auf keine Verträge einläßt, ist er dafür ein äußerst schlechter Verhandlungspartner.
Mir ist ein Stück Himmel auf Erden jetzt und hier lieber, daran zu arbeiten lohnt sich…mit jeden Tag einen kleinen Baustein mehr.
Handeln, ohne einen Gedanken an sich selbst zu verschwenden.
Ähm, ich meine geschrieben zu haben, ‚mit keinen Gedanken *für* sich selbst‘. Das heißt nicht, daß er seine Gedanken nicht auch bei sich hat. Muß er schließlich ja, wenn er überprüfen will, ob seine Motivation erstlinig zu seinen Vorteil ausgelegt ist, oder für den/die anderen, oder dessen Sache.
Wenn ich der alten Dame im Haus die schweren Taschen die Treppen hinauf trage, dann habe ich allenfalls Rückenschmerzen, also alles andere als irgendeinen Gewinn. Ich mach es dennoch, nicht für mich, sondern ausschließlich für diesen Menschen, für sie bedeutet es in diesem Moment eine wahre Last, die ich ihr ein Stückweit abnehmen kann.
Wie bitte? Das Gegenteil von Selbstlosigkeit ist der Egoismus
und Egoismus ist nur die Selbstliebe. Tut mir leid, für mich
sind Deine Angaben entweder ungenau oder widersprüchlich.
Das Gegenteil von Selbstlos ist wenn dann, sich Selbst sein. Und sich Selbst sein bedingt nun mal, mit sich selbst in Anerkennung, Güte, Liebe zu leben. Um dieses Selbst schützen zu können, benötigen wir eine ganze Portion Egoismus. Ist dieser nicht vorhanden, werden wir sehr schnell unser Selbst los. Der Egoismus dient also als Schutzmechanismus. Wir können unser Selbst damit vor Heucheleien schützen, davor schützen, benutzt zu werden. Andere Bezeichnungen wären Selbstwert, Würde.
Genau dieser Mechanismus, der uns Selbst schützen soll, meldet sich aber auch, wenn er Gelegenheiten bemerkt, andere ‚Selbst‘ für sich zu nutzen. Und hier fängt die eigene Verantwortbarkeit an, die Überprüfung. Darf ich die Situation, die Hilflosigkeit, das Leid eines anderen nutzen, um meinem Selbst etwas Gutes zu tun, oder werde ich jetzt einfach nur tätig, weil ich den anderen mag, und möchte, daß es ihm wieder gut geht.
Lege ich meine Motivation nur darauf aus, Profite zu erlangen (wie z. B. in den Himmel kommen), werde ich irgendwann nur noch in meiner Welt leben, mich Selbst nur noch lieben. Andere wären für mich nur Mittel zum Zweck. Auf direkten Weg zur Hölle auf Erden würde ich in einer krankhaften Eigenliebe ( Narzissmus ) verfallen. Reichlich einsam, nur noch sich selbst lieben zu können.
Warum bedingt das eine das andere? Waren Mutter Teresa, Albert
Schweitzer, der Pilot, der Tschernobyl gelöscht hat, Jeanne
d’Arc gut zu sich selber oder zu den anderen? Haben sie
irgendwann an sich selber gedacht?
Ganz einfach, weil alles bei einem selbst anfängt. Menschen, die sich selbst hassen, verabscheuen, die tragen dies auch nach außen. Menschen, die sich selbst lieben, zu sich selbst gut sind, tragen dies ebenso nach außen. Genau so, wie ein jeder mit sich selbst umgeht, so geht er auch mit anderen um. So, wie innerlich zu sich selbst gestanden wird, so reflektiert es nach außen.
Jetzt sind wir an dem Punkt, auf den ich hinaus wollte: Ist
Egoismus nur materiell zu sehen? Wie ist es mit dem
spirituellen Egoismus („Ich
rette meine Seele, egal, was es kostet“ überspitzte
Formulierung>:wink:.
*g* ich muß meine Seele nicht retten, sie befindet sich nicht in Gefahr. Stets wird das kleine Ding liebevoll behütet, und im Schoß der Güte gehalten.
Also auch nicht, um Gottes Segen zu erhalten?
Nein, den erhielt ich schon bei meiner Geburt. Mir wurde ein Licht geschenkt, einfach so. Was ich damit anstellen würde, wurde ganz mir allein überlassen. Und ich fand das Licht so schön, daß ich beschloß, es ganz tief in meinen Herzen zu bewahren. Immer dann, wenn mir jemand begegnet, dessen Licht nicht mehr so hell leuchten will, entzünde ich es mit meiner kleinen Flamme neu, einfach so.
Und wenn jemand gut zu mir ist, dann ist
er nur wirklich gut mit mir und für mich, wenn er mich mit
keinerlei Erwartungen unter Druck setzt.
Volle Zustimmung.
Und wieso glauben dann so viele Menschen, daß sie Leistungen bringen müssen, um in den Himmel, in das Paradies zu kommen? Wieso glauben so viele Menschen, daß Gott etwas von ihnen erwartet, sie sogar unter Druck setzen würde, ja sogar über sie richtet. Will Gott gar nicht wirklich gut zu den Menschen sein, oder ist er einfach nur falsch verstanden worden. Kommen, oder sind gar die Seelen der Menschen nicht alle irgendwann in den Schoß seiner Güte?
Ich kann die Beweggründe für die Güte, die mir bereits
widerfahren ist, nicht herausfinden, nehme aber an, daß da
auch selbstlose Menschen dabei waren. Ich verurteile das ja
auch nicht, ich hinterfrage bloß die Beweggründe.
Selbstlos waren diese Menschen sicher nicht, aber wenn Du keine Beweggründe erfahren kannst, mit welchen Hintergedanken diese Menschen gut zu Dir waren, dann ist das gut, denn dann war dessen Güte echt, eben nur für Dich.
lieben Gruß,
fionny