Wann ist Organischer Anbau organisch?

Hallo,

wann ist/sind mein Gemuese/mein Obst/meine Kraeuter „organisch“?
Ich habe gehoert, wenn man aus einem normalen Saatgut erntet, daraus wieder neue Pflanzen zieht etc. sei die achte Ernte als organisch anzusehen (wenn natuerlich alle anderen Randbedingungen in Sachen Schaedlingsbekaempfung, Duengung etc. eingehalten wurden.

Ich kann dazu keine Literatur/Links finden.
Weiss jemand mehr?

Gruss

Michael

Wenn organische Chemie dran beteiligt ist
http://de.wikipedia.org/wiki/Organische_Chemie

Oder hat da einer den Begriff „organic“ aus dem Englischen nicht übersetzt. Hier würde man „biologisch“ sagen. Was aber im Kern genauso falsch ist, da alle Lebewesen per Definition biologisch sind.

Gruß

Stefan

Hallo,

wann ist/sind mein Gemuese/mein Obst/meine Kraeuter
„organisch“?

ohne Dir alle Illusionen zerstören zu wollen:
alle Pflanzen sind organisch.
Du kannst auch biologisch sagen.

Was Du aber vermutlich meinst ist ökologischer Landbau
und das ist ein weites, weites Feld.
Beinahe jeder „club“ ob nun Demeter, einer der großen Discounter mit eigener Öko-Hausmarke und natürlich alle Erzeugerfirmen, die sich Öko aufs Label schreiben, verstehen etwas anderes darunter und versuchen auf andere Weise ihr Ziel zu erreichen

Ich habe gehoert, wenn man aus einem normalen Saatgut erntet,
daraus wieder neue Pflanzen zieht etc.

Vorsicht! Saatgut ist nicht gleich Saatgut.
Es gibt Saatgut, das Du (theoretisch) überhaupt nicht zur Weitervermehrung verwenden darfst, weil es dem Patentrecht des Herstellers unterliegt, der natürlich wieder Tütchen mit Samen verkaufen will
Oder einem Landwirt einige Kilo davon.

Es gibt Samen, die nicht mehr die identische Kinder bekommen, teils mit listigen, teils mit unerwünschten Auswirkungen auf Essbarkeit
sogenannte F1-Hybriden, bei denen immer nur die erste Generation auch erste Wahl ist

und es gibt Samen, deren Anbau (theoretisch)verboten ist, weil sie EU-Richtlinien nicht mehr entsprechen

sei die achte Ernte als
organisch anzusehen

7 ist eine heilige Zahl. Das hat mit organisch erst mal nichts zu tun. Wenn Du von konventionell auf ökologisch umsteigen willst, kommt es auf den vorhandenen Boden an und darauf ob und womit er kontaminiert ist (wenn Du das überhaupt so sehen willst). Nur daraus und aus Deiner weiteren Vorgehensweise errechnet sich die Dauer

Sollte der Garten für die Kräuter an einer dichtbefahrenen Straße liegen, mitten im Industriegebiet etc. denke an den Feinstaubeintrag. Guter Willen und Expertenwissen reicht manchmal nicht/hilft nicht

(wenn natuerlich alle anderen

Randbedingungen in Sachen Schaedlingsbekaempfung, Duengung
etc. eingehalten wurden.

Ich kann dazu keine Literatur/Links finden.

aus gutem Grund.
Wäre richtig, richtig schön, wenn es dafür ein Patentrezept gäbe, das man einfach nur befolgt und alles ist gut.

Weiss jemand mehr?

ich weiß, dass Öko mindestens zu 50% Philosophie ist. Natürlich sollte man versuchen, im eigenen Garten nur Kompost zu verwenden, freundliche Bedingungen für Kleinst- bis größere Lebewesen zu schaffen und auf Spritzmittel und Dünger aus Flaschen und Kartons zu verzichten. Für den Eigenbedarf sind sie nämlich weitestgehend überflüssig.

Doch organisch ist auch Round-up. Nämlich organische Chemie.

viele grüße
Geli

Begrifflichkeiten
Hi!
Wann ist kontrollierter Anbau „kontrolliert“? Wenn der Bauer mal vorbeischaut?
Ein ungeschützter Begriff, den jeder verwenden darf, um sein Gemüse gewinnbringend zu verkaufen.
Ebenso ist das mit „organisch“.

wann ist/sind mein Gemuese/mein Obst/meine Kraeuter
„organisch“?

Biologisch/Ökologisch sind geschützte Begriffe mit klar definierten Bedingungen:
was-wir-essen und Wiki fassen das ganz gut zusammen.

Dazwischen gibt es vielerlei Nuancen und Spielarten. Privat in Deinem Garten darfst Du eh tun und lassen, was Du willst. Gewerblich müssen Regeln eingehalten werden.

Ich kann dazu keine Literatur/Links finden.
Weiss jemand mehr?

Ich nehme an, du meinst biologisch oder ökologisch? Google mal nach diesen Begriffen.
Soweit ich mich erinnere, verwendet demeterden Begriff „organisch“ häufiger, evtl. ist es auch das, was Du meinst.

Grüße
kernig

Keiner versteht mich, neuer Versuch
Hallo Ihr drei,

leider hat keiner von Euch eine zielfuehrende Antwort gegeben.

Ich habe weder nach potenzieller Feinstaubbelastung noch nach patentierten oder Hybridsamen gefragt.
Und wenn ich richtig verstehe, sollte ich mit „7 ist eine heilige Zahl“ wohl eher ins Esoterikbrett gescheucht werden :wink:
Dass ich mit eigenem Kompost duenge und keine synthetischen Pflanzenschutzmittel benutze, versteht sich doch wohl von selbst.

Deshalb ein neuer Versuch:

Um „organic food“ (insofern war der Hinweis auf eine ggf. schlechte Uebersetzung richtig) herzustellen sind laut der US-Zertifizierungsstelle USDA auch organisch hergestellte Samen zu verwenden „sofern verfuegbar“.

Wenn ich jetzt im Handel normalen Samen kaufe und beim Anbau alle biologischen Standards beachte, weiss ich dennoch nicht, wie die Samen behandelt waren.

Wenn ich aus jener Pflanzung wieder Samen gewinne, gelten die dann schon als „organic“ oder sind mehrere Generationen (vom Hoerensagen = 8) erforderlich, bis das akzeptierbar ist.

Kann nirgens (auch bei USDA nicht) etwas darueber finden!

Gruss

MIchael

Mahlzeit,

Wenn ich aus jener Pflanzung wieder Samen gewinne, gelten die
dann schon als „organic“ oder sind mehrere Generationen (vom
Hoerensagen = 8) erforderlich, bis das akzeptierbar ist.

da hat Dir doch Geli schon geschrieben, daß es zig Verbände mit zig Bewertungen gibt.
Die strengeren Verbände (Demeter, Bioland) könntest Du als Maß nehmen.

Kann nirgens (auch bei USDA nicht) etwas darueber finden!

Dann scheint das ein mittleres Geheimnis zu sein, oder Deine Annahme ist nicht korrekt.
Wobei ich mich allerdings frage, was das United States Department of Agriculture mit Ökolandwirtschaft zu schaffen hat.

Hast Du schon mal direkten Kontakt (Telefon, oder Mail) zu Bio-Verbänden in den USA aufgenommen, oder nur im Netz gesucht? Vorsicht, Bio-Food hat in USA die gleiche Bedeutung wie hier bei uns Genprodukte.

Gandalf

anderer Ansatz
Hi!

Um „organic food“ (insofern war der Hinweis auf eine ggf.
schlechte Uebersetzung richtig) herzustellen sind laut der
US-Zertifizierungsstelle USDA auch organisch hergestellte
Samen zu verwenden „sofern verfuegbar“.

Warum möchtest Du gerade auf den US-amerikanischen Standard hinaus?
Und verwende lieber den Begriff Bio oder Ökologisch, die sind hier geläufiger.

Wenn ich jetzt im Handel normalen Samen kaufe und beim Anbau
alle biologischen Standards beachte, weiss ich dennoch nicht,
wie die Samen behandelt waren.

Die Saatguthersteller bieten teilweise auch Saatgut in „Bio“-Qualität an (google Suche nach "Bio Saatgut). Bei den Anbietern könnte man mal nachfragen, was das „Bio“ denn ausmacht?

Mich treibt eine andere Frage um: Was befürchtest Du denn, könnte in Saatgut der 2. oder 3. Generation noch enthalten sein, was nach 7 oder 8 Generationen verschwindet?
Oder geht es um quasi die „Verwilderung“ der Sorten?

Ich habs, glaub ich immer noch nicht verstanden :smile:

Grüße
kernig

EU-‚Bio‘ oder US-‚organic‘?
Servus,

bisher konnte ich Deinen Ausführungen nicht entnehmen, ob Du den amerikanischen Begriff verwendest, weil Du auf US-Recht Bezug nimmst, oder ob es Dir um europäisches Recht geht.

Betreffend europäisches Recht kann ich Dir weiterhelfen, da gilt die EG-Öko-Basisverordnung Nr. 834/2007 vom 28.06.2007. Diese sieht vor, dass Lebensmittel, die mit dem EU-Bio-Logo gekennzeichnet vertrieben werden, aus Saat- oder Pflanzgut erzeugt werden, dessen Erzeugung ebenfalls nach den Bestimmungen dieser Verordnung und der Durchführungsverordnung (EG) 889/2008 vom 05.09.2008 erfolgt ist. Lediglich Saat- und Pflanzgut darf aus konventionell erzeugtem Saat- und Pflanzgut erzeugt sein.

Das bedeutet konkret, dass nach europäischem Recht bereits die zweite Folgegeneration von Pflanzen das „Bio“-Logo (und damit auch das deutsche „Bio“-Siegel) tragen darf.

Zu der Sache mit den sieben plus 1 Jahren: Innerhalb dieses Zeitraums findet keine signifikante Veränderung des genetischen Materials statt. Nutzpflanzensorten einschließlich Hochleistungszüchtungen streuen aber genetisch so breit, dass nicht nur innerhalb dieser Zeit, sondern bereits nach einer Generation eine Anpassung der Phänotypen an die lokalen Bedingungen stattfindet, wenn man das Saatgut von gut entwickelten Pflanzen für die Nachzucht nimmt. Diesen Effekt kann man bei vielen Gemüsesorten durch Nachzucht aus eigenem Saatgut nutzen - insbesondere bei alten Landsorten, die genetisch sehr breit streuen, kann das unter problematischen Bedingungen nützlich sein.

Schöne Grüße

Dä Blumepeder

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Hallo

wie kommst du auf die 8 Generationen? Da müsstest du ja 8 Jahre lang Saatgut züchten, bei mehrjährigen Pflanzen, die erst nach einigen Jahren erstmals tragen, eventuell sogar dein Leben lang.

Eigene nachgezogene Samen sind Bio - schon in der ersten Generation, egal ob die Mutterpflanze aus einem konventionellen oder einem Biokorn gezogen wurde.

Natürlich nur, wenn du einen bio-zertifizierten Betrieb hast und zwar seit mindestsn zwei Jahren - in den ersten zwei Jahren ist jeder neue Biobetrieb ein sog. Umstellbetrieb - und das gilt für alles, was auf diesem Hof produziert wird.

Du darfst konventionelles, unbehandeltes (= ungebeiztes) Saatgut nur verwenden, wenn du von der Kontrollstelle die Bestätigung erhälst, dass die von dir gewünschte Sorte zur Zeit nicht in Bioqualität auftreibbar ist und ein ausweichen auf andere Sorten nicht möglich ist - aber auch dann ist es normale Bioware - egal ob du Zucchini als Gemüse erntest, oder die Samen der Zucchini für Saatgut verwendest.

Man sagt allerdings, dass es ca sieben Generationen braucht, um Hybridsaatgut sortenfest zu bekommen - und es gibt Bio-Verbände (Demeter zB), die sich sehr intensiv mit der Sortenfestigkeit beschäftigen. Das hat aber nichts mit organisch (=bio, öko) zu tun, sondern mit Saatgutzucht im allgemeinen und hat vor allem ethische Gründe (Möglichkeit, sich jederzeit eigens Saatgut nach zuzüchten, ohne von den internationalen Saatgutmultis abhängig zu sein)

Die von dir erwähnte USDA ist übrigens keine US-Kontrollstelle, sondern einfach das US-Landwirtschaftsministerium. Die dort entwickleten Biolandbau-Gesetze werden von unabhängigen Kontrollstellen (zb OCIA) kontrolliert und zertifiziert.

Gruss, Sama

Danke Sama / Blumepeder
Danke Ihr beiden.
Das hat mir wirklich weitergeholfen, der Rest war wenig hilfreich.

Gruss und schoene Weihnachten

Michael