Wann Karriere für Kind unterbrechen?

Hallo,

ich bin seit mehreren Jahren verheiratet und bin in einer Führungsnachwuchspostion. Ich werde sowohl von den Vorgesetzten als auch von der Firma gefördert. Dabei ist mir die Stelle meines Chefs, der in 2-3 Jahren in Rente gehen wird, in Aussicht gestellt worden. Auch andere Positionen werden mir in 1-3 Jahren in Aussicht gestellt, wenn a) ich will b) eine Stelle frei ist.
Ich mache auch meinen jetztigen Job gerne und habe superviel Spass dabei. Allerdings ist das kein Job für immer. Ich möchte doch noch auf der Karrieretreppe etwas höher.

Allerdings bin ich inzwischen 32 und da stellt sich mir die Frage, wann ich Kinder möchte, denn Kinder möchte ich gerne haben. Sorge macht mir, dass die Häufigkeit von Gendefekten mit zunehmenden Alter der Eltern exponentiell zunimmt. Mein Mann und ich wünschen uns zwei Kinder. Für mich würde das eine Auszeit vom Job für zweimal ein Jahr bedeuten. Mein Mann überlässt die Entscheidung „wann“ mir, da er gerne Kinder möchte, aber auch weiss, dass mir mein Job wichtig ist. Für uns beide kommt nicht in Frage, dass er die Elternzeit nimmt. Und direkt wieder arbeiten gehen nach der Geburt eines Kindes möchte ich nicht.

Fall 1) Ich demnächst schwanger. Aber wer weiss, ob die Fördermaßnahmen dann in meinem Job weitergemacht werden.
In meiner Branche ist ein Jahr eine lange Zeit. Da ist das Wissen schon veraltet. Das heisst, ich wäre nach jeder Elternzeit raus aus dem Job. Andererseits nehmen wir in meiner Branche an, dass die Wirtschaftskrise erst in 3-5 Jahren vorbei sein wird, so dass ich beim „Aufstieg“ wieder dabei wäre. Das würde heissen, dass sich dann interessante Jobmöglichkeiten eröffnen würden. Aber vielleicht müsste ich mich dann neu beweisen?? Wer weiss, ob mein Chef dann noch da wäre. Und wer weiss, ob mich ein neuer Chef genauso fördern würde.

Fall 2) Ich verschiebe das schwanger werden noch 3-4 Jahre. Aber ob ich in der Zeit wirklich Karriere machen, kann mir niemand garantieren. Und selbst wenn ich diese mache, werde ich die Arbeit in einer Position für die Elternzeit unterbrechen, in der ich mich erst eingearbeitet habe. Zudem wäre ich dann schwanger, wenn der Aufschwung kommen würde und wäre zu einer Zeit im Abseits, wenn es viele spannende Möglichkeiten geben würde. Mit zunehmenden Alter besteht die Gefahr von Gendefekten, aber die Schwangerschaft fällt einem wahrscheinlich auch scwerer. Auf der anderen Seite hätte ich dann Karriere gemacht. Und selbst wenn es dann nicht weiter aufwärts geht, hätte ich schon etwas erreicht. Allerdings weiss man auch nicht, ob das Kinder kriegen so einfach klappt und wir hätten weniger Zeit für medizinische Maßnahmen als wenn man das früher feststellt.

Was meint Ihr? Wie habt Ihr das für Euch gelöst?

Beste Grüße
Anita

Ganz ehrlich? Ich kenn die Diskussion persönlich.

Das Thema Kinder sollte mehr von Herzen als vom Kopf kommen. Kinder sind anstrengend und werfen gerne mal Lebensplanungen über den Haufen. Insofern solltest Du für Dich ergründen, ob du jetzt Kinder willst oder nicht. Wenn ja, bekomm sie. In einer guten Firma findet sich dann auch kein Nachteil daran. Wenn doch, war es die Firma auch nicht wert zu warten :smile:

Und Nachtrag: Ja, wenn man Pech hat, bekommt man die Kinder nicht gleich nach einem Monat, sondern erst nach einem Jahr oder noch später. Wenn dann die Zeit knapp wird und man über „hätte/könnte/würde“ zu diskutieren anfängt, kann es emotional sehr anstrengend werden.

Hallo,

ich bin hin- und hergerissen. Einerseits halte ich es für erstrebenswert, nicht nur blind und hormongesteuert an dieses Thema heranzugehen, andererseits lesen sich Deine Zeilen schon ziemlich krass und auch ein wenig „naiv“ (möcht’ ich’s mal nennen).

Du kannst weder Zeugung noch Schwangerschaft noch Geburt noch Elternschaft so durchplanen, daß es auf Deine zwei Fälle sinnvoll anwendbar wäre. Period!

Darüber hinaus sind auch Deine Karriereplanungen ziemlich vage - klar, liest sich alles sehr konkret, aber auch im Berufsleben gibt es so viele Unwägbarkeiten, zu denen ja noch Veränderungen der persönlichen Präferenzen hinzukommen (Mensch entwickelt sich ja stetig und ändert auch mal Pläne), daß ich an Deiner Stelle diesem Thema nicht soviel Gewicht zumessen würde, wie Du es offenbar tust.

Die medizinischen und auch persönlichen Argumente, die Du ja selbst „pro früher“ bringst, wiegen da imho sehr viel mehr, und deshalb würde ich mich neben dem Bauchgefühl eher davon leiten lassen.

Mit konkreteren persönlichen Erfahrungen kann ich leider nicht dienen, da uns die Entscheidung recht leicht gemacht wurde, um es mal so schwammig zu formulieren.

Gruß,

Malte

Ein guter Chef…
Hallo

Ich schließe mich im Sinne den Vorpostern an, Deine „Gegen-Kind-Bald-Argumente“ sind nicht hinreichend substanzhaltig insbesondere statistisch längst nicht so gut belegt wie das „Pro-Kind-Bald“ Argument medizinischer Gesundheit.

Hierzu möchte ich noch etwas Knallharte Realität einfließen lassen:
Ein guter Chef beißt sich nicht durch wenn’s schwer wird (so viel zum Thema „werde ich danach noch gefördert?“) und ist in der Lage, seine Prioritäten richtig zu setzen - und wer immer nur an Karriere, aber nicht an die wirklich wichtigen Dinge im Leben denkt, dessen Prioritäten wage ich in Frage zu stellen.

Ohne jetzt „der Manager“ zu sagen: Heutzutage können es sich die Spitzenfrauen in Wirtschaft und Politik ohne Weiteres leisten, Kinder zu haben und trotzdem die Karriereleiter weiter zu erklimmen; gerade in den Positionen im Rampenlicht ist die Quote derer, die Kinder haben gar nicht so gering.

Ganz pragmatisch setze ich noch einen oben drauf: Wer es schafft, Kinder zu managen (die 1000 Dinge, welche wegen Kindern ständig „dringend sind“ und die Kinder bei Laune halten) wird im Job auch mit Mitarbeitern besser klar kommen: auch wenn es komisch klingt, sooo verschieden sind Kinder und Mitarbeiter da gar nicht: sie wollen (bzw. „sollen wollen“) das Richtige tun, wollen Aufmerksamkeit, wollen respektiert und gewürdigt werden etc etc.
Die Erfahrung von Kindern würde ich als „Life Coaching durch Junior-Berater“ (scnr) ansehen und als massive Karriereförderung auf menschlicher Sicht betrachten.

Und dann gibt’s noch den Aspekt der Realität:
Eine Frau, die eigentlich Kinder möchte und es für die Karriere nicht tut beißt sich spätestens in 30 Jahren gepflegt kräftig in den Hintern, weil selbst im Chefsessel eines Konzerns mit Zigmillionen auf dem Bankkonto dann etwas Wichtiges im Leben fehlt, wovon die „kleinen Mitarbeiter“ jeden Tag voll Freude in der Kantine erzählen.

Gruss,
Michael
(der irgendwann Vaterschaftsurlaub nehmen wird - und mit der Firma schon alles geregelt hat)

Hallo,
egal wie du es machst, DEN „richtigen“ Zeitpunkt gibt es nicht.

Man kann nicht davon ausgehen, wenn ihr jetzt mit dem Versuch anfangt, dass es sofort klappt. Um so älter du wirst, um so mehr Probleme kann es geben. Daher mein Rat: lieber jetzt als später.

Ich bin auch in einer Branche, wo „1 Jahr raus“ bereits das Aus bedeuten kann. Deshalb habe ich während der Elternzeit den Kontakt zu meinem Arbeitgeber gehalten und auf verringerter Stundenbasis gearbeitet, vielleicht ist so etwas auch bei dir möglich.

Alles Gute Beatrix