Vor knapp zwei Wochen ist mein Vater gestorben. Ich war bei ihm als er starb. Dachte immer, daß ich so etwas überhaupt nicht schaffen würde, aber es ging wirklich gut. Sein Leiden hatte ein Ende. Seitdem habe ich nur kurz einige male weinen können. Ich bin gläubig und weiß, daß er nun an einem guten Ort sein wird. Früher dachte ich immer, wenn ich ein Elternteil verliere, dann geht die Welt für lange Zeit unter. Ich habe meinen Vater sehr sehr lieb gehabt. Kann ich nicht trauern, muß ich nicht trauern, oder wann kommt es? Fast habe ich Angst davor.
Hallo Enni,
es gibt keine Norm oder Richtschnur für „richtiges“ Trauern. Trauer kommt nicht immer als geballte Ladung, die kaum überwindlich scheint. Wer bereits wie Du durch Sterbebegleitung verabschiedet und getrauert hat, verarbeitet den Verlust anders.
Bei mir kam die Trauer auch nicht massiv, aber immer wieder kommt ein Gefühl des Verlustes und der Trauer, wenn der Verstobene wieder in`Gedächnis gerufen wird. Sei es durch Gegenstände, Ereignisse oder Erzählungen.
Kein dramatisches Trauerempfinden zu haben, bedeutet nicht, gefühllos zu sein.
Viele Grüße
tantal
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Sein Leiden
hatte ein Ende.
das ist ein grund, „froh“ zu sein.
Seitdem habe ich nur kurz einige male weinen
können.
es gibt keinen zwang und keinerlei verpflichtung zur
trauerdarbietung, auch nicht dir selbst gegenüber. du warst bei ihm
und hast getan, was in deiner möglichkeit steht. das ist schon mehr,
als üblich.
Kann ich nicht
trauern, muß ich nicht trauern, oder wann kommt es? Fast habe
ich Angst davor.
vielleicht kommt es noch. aber du wirst vielleicht eher deinen
verlust betrauern, das ist was anderes.
es gibt auch sowas wie einen „filter“, der dich selbst davor bewahrt,
von emotion erschlagen zu werden. und das ist gut so.
du „mußt“ nicht trauern in einer vorgegebenen art.
kein grund zur sorge. alles gute,
e.c.
Hallo,
ich fürchte, ich kann dir nicht wirklich helfen…
Mir geht es genau so und mir gehen die gleichen Gedanken durch den Kopf.
Ich erkläre es mir so, dass der Abschied noch zu Lebzeiten stattfand. Vermutlich (ich rate mal) war dein Vater krank und sein Zustand hat sich zuletzt immer weiter verschlechtert. Du hast wahrscheinlich jeden Tag etwas Abschied genommen. Zuletzt weiß man nicht, ob es - wenn man geht - der letzte Abschied ist und so verabschiedet man sich meist mehrmals, bis der Angehörige schließlich verstirbt. Der Prozess, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen ist m.E. schon ein Teil der Trauerverarbeitung.
Einige Menschen erkennen aber vor Verdrängung nicht, wann es soweit ist und verarbeiten die Erkrankung des Angehörigen anders. Diese Menschen durchleben dann die Trauerphasen meist intensiver.
Gruß
Tato
Hallo Enni,
ohne Fachwissen vorweisen zu können, halte ich die Trauer für ein egoistisches Gefühl. Jeder Mensch muss irgendwann sterben, und wenn jemand sein Leben gut gelebt hat, gibt es eigentlich keinen Grund traurig zu sein … außer dass er einem fehlt. Das Loch in einem selbst verursacht die Schmerzen.
Es gibt da absolut keine Regeln, wann man auf welche Weise trauern sollte, und die Tatsache, dass du dich an dieses Forum wendest zeigt doch, wie wichtig dir die Sache ist.
Ich glaube, auch die Tatsache, dass du dich von deinem Vater verabschieden konntest, hat dir geholfen, mit dem Verlust fertig zu werden.
Zoelomat
Mit der Zeit!
Du trauerst auf deine Weise. Es gibt keine Regeln fürs Trauern. Dein Herz jammert, deine Seele sehnt sich nach seinem Vater.
Du hast Erinnerungen an diesen Menschen aus frühester Kindheit. Er ist ein grosser Teil deines Lebens und er wird immer am Leben bleiben so lange du dich erinnerst. Und das wirst du dein Leben lang tun.
Du wirst ihn nie vergessen! Als ich meinen Vater verlor zerbrach für mich eine Welt zusammen und ich weine heute noch um ihn. Selbst nach 25 Jahren. Mein Mann verlor seinen Vater vor über 10 Jahren und hatte auch so etwas ähnliches wie Schuldgefühle, weil er beim Tode und der Beerdigung nicht weinte.
Als wir letztes Jahr eine Nachbarin beerdigten, die er nicht kannte, weinte er aus vollem Herzen, weil er dabei an seinen Vater dachte.
Deine Zeit der Trauer und des Abschieds von deinem Vater wird dich immer begleiten.
Die einen schreien es sofort heraus die anderen schleppen es Jahre mit sich. Wahrscheinlich gehörst du zu denen die ihre Zeit brauchen um sich vom Toten zu verabschieden.
Wünsche dir alles erdenlich Gute im Leben
Krümel
Vielleicht . . .
Hallo Enni,
. . . vielleicht ist es Deine „fast habe ich Angst davor“, die (noch) den Zugang zu Deiner Trauer verhindert. Ggf. „überkommt“ Dich die Trauer in einem Moment, wo Du es am wenigsten erwartest - kommen wird sie . . .
Hallo enni,
Du solltest keine Angst vor der Trauer haben. Wie hier ja schon gesagt wurde, jeder trauert anders und jeder findet seinen eigenen Weg, mit dem Verlust umzugehen.
Ich finde nicht, dass Trauer ein egoistisches Gefühl ist, auch wenn ich die Meinung akzeptiere.
Ein Mensch, der einem sehr viel bedeutet hat, reisst eine Lücke, wenn er nicht mehr da ist. Warum sollte man darüber nicht traurig sein?
Der Tod meines Vaters traf mich aus heiterem Himmel. Ich war noch sehr jung.
Ich habe meiner Tochter viel von ihm erzählt und so ist er in der Erinnerung noch irgendwie da.
enni, mein herzliches Beileid.
Du wirst Deinen Weg finden und ein „falsch“ oder „richtig“ gibt es da nicht. Vielleicht hast Du schon in der Zeit, in der Du ihn begleitet hast, einen ganzen Teil Deiner Trauerarbeit geleistet.
Liebe Grüße
usch
Hallo Enni!
Ich kann dir nur aus der Theorie antworten.
Nach Elisabeth Kübler-Ross gibt es fünf Stadien von Trauer und Abschied.
Diese sind
- Schock und Ablehnung
- Zorn und Wut
- Kummer, Schmerz und Verhandeln
- Depression und Rückzug
- Hinnahme und Frieden
Soviel ich gehört habe, finden diese i.d.R. bei trauernden Menschen statt. Daher könnte es ja sein, dass deine Trauer erst später kommt?
Um mit den Gefühlen, die bei dir hochkommen, besser umgehen zu können, bzw. um sie besser annehmen zu können, wäre es vielleicht hilfreich, wenn du dich damit näher beschäftigst?!
Ich könnte dir jetzt noch mehr aus meinen Unterlagen abschreiben, bin jedoch zu müde…
Es gibt jedoch ein Buch von ihr, vielleicht findest du etwas beim googlen?
Liebe Grüße
jeanne