Wann und wie sage ich es meinem kind

hallo zusammen, ich hoffe, ich finde hier einige tips, anregungen, hilfe zu diesem thema:

die tochter ist 5 jahre alt, den richtigen vater hat sie nie kennengelernt. er hat sich auch nicht um sie bemüht. inzwischen bin ich verheiratet und wir haben noch ein kind bekommen. da unsere tochter bald zur schule geht, wollten wir ihr vorher erklären dass ihr papa nicht der „richtige“ ist. wir befürchten, dass die kleine es irgendwann von jmd anders erfahren könnte. der erzeuger lebt noch in selbem dorf und es gibt keinerlei kontakt zu ihm - im gegenteil, ich mache gern einen bogen um ihn. da sie nächstes jahr eingeschult wird, wollten wir ihr es noch gerne vorher sagen. wie gesagt, der erzeuger lebt im selben dorf, und bevor die kleine es von jmd fremden erfährt wollten wir ihr das lieber sagen.
wir wissen nicht genau, wann ist es der richtige zeitpunkt einem kind zu sagen, dass es einen anderen vater hat?? und muss es sein, dass man ihr jetzt schon erklärt, WIE ein kind entsteht??
hat da jmd erfahrung oder gibt es spezielle lektüre??? ich bedanke mich jetzt schon! schön, dass es solche foren gibt!
lieben gruß, carola

Hallo Carola,
gibt es nicht eine Erziehungsberatungsstelle in deiner Nähe? Die sind doch eigentlich Experten in solchen Fragen.

Falls nicht ( oder falls du da nicht hingehen möchtest) würde ich es vielleicht so machen: Ich würde mit ihr über Familie redenund was eine Familie ausmacht und dass Zeugung eben manchmal nicht ein Bestandteil ist, der soziale Vater aber 1000 mal wichtiger und besser ist als die Vater, der nur biologischer Vater ist, aber vor allem darauf bauen, was Familie ist und es an eurer Familie verdeutlichen. Eben dass dein Mann etwas bestimmtes tut, weil er der Vater ist und so , dass er sich um sie und die Schwesterkümmert, weil er der Vater ist und wenndas klar ist, den Unterschied zwischen biologischund sozial verklickern und es ihr dann sagen. In meinem Bekanntenkreis gab es einen ähnlichen Fall, das Kind und das Kind war zunächst sehr verunsichert und hat den sozialen Vater immer wieder auf die Probe gestellt, sie hat ihn in den unmöglichsten Situationen gefragt, warum er ihr was erlaubt und oder was verbietet und er hat immer ganz stoisch darauf geantwortet " Weil ich dein Vater bin und dich liebe" Naja, das mit dem lieben hat er manchmal weggelassen, vor allem wenn er sie wegen irgendetwas bestraft hat, das wäre dann doch zu schwer gewesen zu verstehen. Dadurch ist die ganze Sache zwar erst richtig im Dorf bekannt geworden, aber das war auch egal. Nach einem guten Vierteljahr war dann Ruhe, sie hat kapiert, dass er ihr Vater ist und hat nur in der Pubertät ein einziges Mal gesagt, dass er ihr nichts zu sagen haben,weil er nicht ihr echter Vater sei, danngabes da nochmaleine Diksussion und seit dem verstehen sich die beiden nur noch —eben wie Töchter und Väter sich verstehen.
Ich wünsche dir, dass du es auch gut hinbekommst

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am besten gestern
Hallo Carola,

ich kenne die Problematik etwas anders: unsere Kinder
sind adoptiert.
Sag nicht, das sei einfacher zu erklären. Ist es nicht.
Nur ist manches anders.

Es gibt übrigens Bücher für genau diese Situation (am
besten in einen guten Buchladen gehen und beraten lassen -
Patchworkfamilie, Stieffamilien usw. sind Stichworte -
ich will jetzt nicht selbst bei google suchen, weil
ich ja nur links zutage fördern könnte, ohne zu wissen,
ob die Bücher wirklich gut sind --> deshalb BUCHLADEN).

Du kannst ganz einfach anfangen: Man braucht eine Mama
und einen Papa, um ein Baby zu machen. Manchmal können
diese Mama und dieser Papa aber nicht zusammenbleiben.
… usw.

Ganz wichtig:

  1. kein schlechtes Wort gegenüber dem Zeugungsvater.
    Dein Kind wird sich irgendwann (vielleicht nicht jetzt,
    aber irgendwann, als 1/2 dieses Mannes definieren, da ist
    es gut kein schlechtes Bild von ihm zu haben). Man kann die
    widrigsten Umstände positiv ausdrücken (Kinder, die aus
    einer Vergewaltigung entstanden, bekommen oft gesagt, dass
    Herkunftsvater und -mutter sich nur kurz gekannt haben) OHNE
    ZU LÜGEN.
    Ihr habt euch lieb gehabt, lieb genug ein Kind zu bekommen,
    aber manchmal entwickeln sich Dinge anders, wie man vermutet.

  2. eine gute Bezeichnung für den Erzeuger finden.
    Bei Adoption wird zum Beispiel von der „Bauchmama“ geredet.
    Wenn dir gar kein guter Name einfällt (z.B. Papa zu deinem
    Mann, Vati, wenn ihr über den Erzeuger redet), nimm den
    Vornamen. Unsere Kinder bezeichnen ihre Erzeugereltern mit
    den Vornamen.

  3. Dem Kind vor allen Dingen das Gefühl vermitteln:
    das ist nicht, was man geheimhalten muss. Es ist etwas
    Natürliches. Viele Kinder haben mehr als einen Papa (Beispiele!).
    Das erreichst du, indem du auf keinen Fall das Gefühl
    vermittelst, dass es dir unangenehm ist darüber zu sprechen.
    Sollte es dies aber sein (und dein Posting lässt es vermuten),
    dann übe dieses Gespräch allein, mit deinem Mann, bis du
    sicher bist, was und wie du es sagen willst und wie du
    Rückfragen behandelst. Schneid das Thema immer mal wieder
    von dir aus an, wenn die Situation sich ergibt. So lernt
    deine Tochter, dass es einfach ein Teil eurer Geschichte
    ist, nichts Schlimmes.
    Um Missverständnisse zu vermeiden: man kann Kinder dennoch
    zu verstehen geben, dass es etwas Privates ist, was man
    nicht jedem auf die Nase binden muss. ABer im Endeffekt
    entscheidet deine Tochter selbst, wie sie mit der Situation
    umgeht und wem sie es erzählt.

  4. Deine Tochter hat das Recht auf ihren Herkunftsvater.
    WEnn er dieses Recht nicht ausübt, ändert das nichts an
    ihrem Recht. Wie das konkret aussieht, kann man nicht
    entscheiden, ohne viel mehr Details zu kennen.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass deinem Mann
    durch dieses Wissen, dass es da „noch einen Papa gibt“
    nichts genommen wird. Wir schaffen es ja auch, mehr
    als ein Kind zu lieben.

Gruß
Elke

Hi,

und
muss es sein, dass man ihr jetzt schon erklärt, WIE ein kind
entsteht??

zum ersten kann ich nichts sagen. Aber als ich in die Schule kam, wusste ich schon längst, wie ein Kind entsteht. Da gibt es auch gute Bücher für kleine Kinder. Warum sollte sie das jetzt noch nicht wissen?

Gruß
Cess

!!!
Hi,

ich möchte hinter Elkes Beitrag drei ganz dicke Ausrufezeichen setzen !!!
Die Kinder meiner Schwester sind ebenfalls adoptiert. Und auch sie haben ihren Kinder sehr früh diese Tatsache vermittelt.
Es wäre der totale Super-Gau, wenn Eure Tochter die Wahrheit von Dritten erfährt. Irgendwann wird das zwangsläufig so sein, nur wann, weiß halt leider kein Mensch. Je größer der Kreis der „Mitwisser“ ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit dafür. Und die Tatsache, daß der Erzeuger im selben Ort (sogar Dorf?) wohnt, läßt den Kreis der „Wissenden“ sicher nicht schrumpfen…
Es gibt wirklich gute Möglichkeiten schon einem Kleinkind solche Umstände zu erklären. Entscheidend ist wirklich, das Ganze nicht zu groß aufzubauschen. Richtig vermittelt, kann es für Kinder so banal sein, wie die Frage ob jemand zwei, drei oder keine Geschwister hat.

Gruß Stefan

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Buchempfehlung
Hallo,

ein Buch zum Thema, das unsere Kinder und wir sehr gut fanden:
http://www.amazon.de/gp/product/3765556459/302-61079…

Lieben Gruß
Dantis

So früh wie möglich

wir wissen nicht genau, wann ist es der richtige zeitpunkt
einem kind zu sagen, dass es einen anderen vater hat?? und
muss es sein, dass man ihr jetzt schon erklärt, WIE ein kind
entsteht??

Keine schlechte Sache, dass Du dir darüber Gedanken machst, klar.

Meine Freundin hat mit sieben Jahren erfahren, dass ihr Vater nicht auch ihr Erzeuger ist. Ganz nebenbei übrigens …

Diese Sache geht ihr heute noch nach. Allerdings dürfte der Schock wohl ungleich höher sein, wenn sie’s wesentlich später, Beispielsweise mit achzehn, erfahren hätte. Das Gefühl dass einen die Eltern 18 Jahre lang belogen haben, ist dann nämlich viel intensiver und traumatisierender. Daher würde ich es ihr so früh wie möglich sagen.

Mit meiner Freundin habe ich zwei Kinder im Alter von 3 und 4 Jahren. Der Große (Leonhard) weiß schon woher die Kinder kommen. Er weiß zwar nicht im Detail wie sie gemacht werden, aber den Klapperstorch als Babylieferant gab’s für ihn noch nie. Eine Sache die wir für richtig halten. Was ist schließlich verwerflich daran?

Leonhard ist ein sehr neugieriges Kind das einem wirklich Löcher in den Bauch fragen kann. So blieb es nicht aus, dass er im Fernsehen eine schwangere Frau gesehen hat. Da wollte er wissen warum sie so dick ist.
Nun, was sollten wir da machen? Ein Kind anlügen weil sich die Eltern schämen? Nein, das kam nicht in Frage. Und so erfuhr er Kindgerecht, dass Babies entstehen, wenn sich eine Frau und ein Mann lieb haben. Er sah inzwischen in einem Kindgerechten Buch einen Querschnitt einer Gebährmutter mit einem Fötus. Im Fernsehen hat er durch Zufall eine Geburt miterlebt. Für ihn ist das also eine ganz natürliche Sache.

Wenn deine Tochter danach fragt, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Gespräche wie „Kind, wir müssen mal was bereden“ sind meiner Ansicht nach völlig daneben.

Kinder nehmen sowas normaler Weise einfach zur Kenntnis und laufen nicht rot an. Und wenn Du es deiner Tochter ebenso unbeschämt sachlich erklärst, wird es für niemanden peinlich. Peinlich sind nur Eltern die Märchen erfinden.

Gruß, Marcus :smile:

Hi Markus,
Ganz kleines Nebenbei von mir:

Wenn deine Tochter danach fragt, ist der richtige Zeitpunkt
gekommen.

Dann kann es manchmal schon zu spät sein. Manche Kinder
fragen nicht. Deshalb bin ich dafür, immer wieder
„Gesprächsöffnungen“ zu geben, also ein Thema anschneiden,
sehen, wie die Reaktion ist --> selbst angemessen reagieren.

Gespräche wie „Kind, wir müssen mal was
bereden“
sind meiner Ansicht nach völlig daneben.

Das sehen wir beide genauso.

Gruß
Elke

Ich glaube kaum, dass …
… man dies besser ausdrücken kann als du es hier getan hast, daher ein dickes, fettes * von mir!
Gruß
Renate