Liebes Forum,
Was hat es zu bedeuten, wenn in Kritiken von „musikalischer“ Qualität bei Prosa die gesprochen wird?
Ist da von klanglichen Eigenschaften der gewählten Worte die Rede?
Oder von inhaltlichem Aufbau, von Rhythmus und Struktur?
Gibt es womöglich eine Melodie des Inhalts?
Vereinfacht: Könnte so eine „musikalische“ Qualität von Prosa auch von Fremdsprachlern bemerkt werden?
Grüsse und Danke
Hannes
Hallo Hannes,
jede gute Prosa hat m.E. musikalische Qualität. So wie ich das - im übrigen nicht feststehend definierte Attribut - sehe, besitzt jede/r Verfasser/in guter erzählender Prosa ein Gespür für die Melodie eines Satzes und den Klang von Worten. Nicht umsonst gibt es auch außerhalb der Lyrik zahlreiche klangliche Stilmittel in der Sprache - Alliterationen, Wiederholungen usw… Das hat - je nach Kontext - mit besserer Einprägung und Intensivierung zu tun.
Nicht wenige Menschen lesen, wenn sie ein Buch lesen, sich selbst im Geiste den Text vor, und dann kann eine gelungene musikalische Sprache sehr intensiv wirken.
Einer der Autoren der Weltliteratur, bei denen sich das am besten feststellen läßt, ist Rudyard Kipling (z.B. in seinen Just-So-Stories), dessen klangmalerische Prosa sich auch für den Nichtmuttersprachler als ‚musikalisch‘ erkennen läßt. Leider gehen bei einem Großteil von Übersetzungen solche oft sehr sorgfältig gewobenen Strukturen verloren.
Dennoch ist ‚musikalische Qualität‘ eine subjektive Zuschreibung, was man bei keiner Interpretation vergessen sollte.
Gruß,
Pengoblin