War hat sich im Warmwasserboiler verändert?

Hallo,

seit einigen Jahren läuft bei uns zur Erzeugung des Warmwassers und zur Heizungsunterstützung erfolgreich eine Kombination aus einer Solarthermie-Anlage und einem wasserführenden Kachelofen.

Jetzt haben wir leider seit einigen Wochen ein Problem mit dem Warmwasserboiler (300L), das sich wie folgt zeigt:
Der Boiler ist von der Sonne oder dem Ofen gut geheizt, sagen wir mal, dass er in den oberen Schichtungen 55°C und in den unteren 35°C hat.
Nun geht jemand Duschen. Dann habe er beim ersten kurzen Abduschen sehr schön warmes Wasser. Nach dem er das Wasser dann abgedreht und sich einseift hat, hat er beim Abduschen der Seife kurz noch schön warmes, doch dann wird das Wasser auf einen Schlag lauwarm.
Wenn man sich nun die Temperaturen am Boiler ansieht, dann haben die sich kaum verändert, höchsten um je 3-5°C, d.h. oben sind es noch immer über 50°C und unten 30°C.

Es macht also den Eindruck, als ob das kältere Wasser aus den unteren Schichtungen direkt durch die oberen warmen Schichtungen durchgerissen wird.
Wenn man nun eine ¾ bin 1 Stunde wartet, dann haben sich die Schichtungen wieder beruhigt und das Spielchen kann von vorne losgehen.

Nun stellen sich mir natürlich die Fragen:
War ist in dem Boiler los, was hat sich verändert?
Was kann ich tun, um den guten alten Zustand wieder herzustellen?

Ich würde mich freuen, wenn jemand einen Tipp für mich hat.

Viele Grüße Traktori

Vielleicht hat sich nur der Brauchwassermischer am Speicher mit Kalk verlegt (oder er ist defekt).
Wie sieht es mit dem Rückschlagventil aus?
Wenn das verklemmt ist, kann durchaus eine so hohe Strömungsgeschwindigkeit entstehen, dass das kalte Wasser durch die Schichten im Speicher „schießt“

Hallo und herzlichen Dank für die superschnelle Antwort.

Vielleicht hat sich nur der Brauchwassermischer am Speicher
mit Kalk verlegt (oder er ist defekt).

Ich denke, dass das ausgeschlossen werden kann, da das warme Wasser direkt aus dem Boiler entnommen wird und erst an der Abnahmestelle gemischt wird.

Wie sieht es mit dem Rückschlagventil aus?
Wenn das verklemmt ist, kann durchaus eine so hohe
Strömungsgeschwindigkeit entstehen, dass das kalte Wasser
durch die Schichten im Speicher „schießt“

Das hört sich gut an und würde sich mit unseren Beobachtungen decken.

Nun habe ich leider „noch“ nicht die Ahnung von solchen Boilern und bräuchte etwas Hilfe.

So wie ich es erkennen kann, ist der Boiler recht einfach aufgebaut, wenn man mal nur die Brauchwasserseite beachtet.
Ganz unten strömt das kalte Wasser ein und wird als warmes Wasser am höhten Punkt abgenommen.

Ich denke, dass ein Rückschlagventil im Zulauf sein müsste, oder? Direkt sehen kann man jedoch keines. Gegenüber des Zulaufs ist jedoch eine Revisionsöffnung angebracht. Könnte es als sein, dass sich das Ventil innerhalb des Boilers befindet?

Viele Grüße

Ich denke, dass das ausgeschlossen werden kann, da das warme
Wasser direkt aus dem Boiler entnommen wird und erst an der
Abnahmestelle gemischt wird.

Normalerweise muss sichergestellt werden, dass zu heißes Wasser aus einem Warmwasserbeireiter austritt. Entweder wird die max. Speichertemperatur auf 60°C begrenzt (was bei Solaranlagen aus energetischer Sicht nicht viel Sinn macht) oder es wird über einen Brauchwassermischer Kaltwasser beigemischt.
Es gibt eine Vielzahl von Herstellern und Bauformen aber alle müssen in der Warmwasserleitung eingebaut werden und haben eine Verbindung mit dem Kaltwasser, schau mal hier, oder google doch mal.
http://www.pressebox.de/pressemeldungen/watts-indust…

Wie sieht es mit dem Rückschlagventil aus?
Wenn das verklemmt ist, kann durchaus eine so hohe
Strömungsgeschwindigkeit entstehen, dass das kalte Wasser
durch die Schichten im Speicher „schießt“

Im Regelfall ist eine Sicherheitsgruppe so Aufgebaut:
Absperrventil, Rückschlagventil, Sicherheitsventil und Entleerungshahn. Anschließend direkt in den Speicher. Manchmal ist auch noch ein Ausdehnungsgefäß verbaut. Der Anschluss für den Brauchwassermischer geht auch irgendwo zwischen dem Rückschlagventil und dem Speicheranschluss weg.

So wie ich es erkennen kann, ist der Boiler recht einfach
aufgebaut, wenn man mal nur die Brauchwasserseite beachtet.
Ganz unten strömt das kalte Wasser ein und wird als warmes
Wasser am höhten Punkt abgenommen.

Im Prinzip: Ja.

Ich denke, dass ein Rückschlagventil im Zulauf sein müsste,
oder? Direkt sehen kann man jedoch keines. Gegenüber des
Zulaufs ist jedoch eine Revisionsöffnung angebracht. Könnte es
als sein, dass sich das Ventil innerhalb des Boilers befindet?

Auf keinem Fall. Das ist nur eine Revisionsöffnung (evtl. kann da noch ein Wärmetauscher oder so eingebaut werden).

Es gibt auch noch so genannte KFR-Ventile, da sind Absperrhahn und Rückschlagventil in einem Gehäuse untergebracht (eher Selten), oder es ist eine komplette Sicherheitsgruppe (als Kompaktbauteil) eingesetzt worden (auch eher Selten).

Hallo Herr Saller,

herzlichen Dank für die ausführlichen Erklärungen.

Ich habe mir die Sicherheitsgruppe noch mal sehr genau angesehen und das Rückschlagventil gefunden. Es war so unscheinbar, dass ich es erst nicht als solches erkannt habe. Schön ist, dass es zwischen zwei Absperrventilen verbaut ist. Es ließ sich so sehr gut und ohne große Wasserspiele ausbauen.
Es stellte sich heraus, dass das Rückschlagventil im geöffneten Zustand verklemmt war. Durch leichten Druck konnte ich das Klemmen wieder lösen. Alles noch schön gereinigt und wieder eingebaut.
Siehe da, der erste Test verlief positiv, es scheint alles wieder so zu sein wie es soll.

Verstanden habe ich jedoch noch nicht ganz, wieso ein Rückschlagventil das im Zulauf sitzt verhindert, dass das kalte Wasser durch denn Boiler schießt.
Die einzige Erklärung die ich hierzu hätte, ist die: Da der Ventilteller federbelastet ist und somit gegen das einströmende Wasser drückt, wird der Zufluss etwas gedämpft. Jedoch finde ich die Feder hierfür recht lasch.
Nach meiner Vorstellung kann doch eigentlich nur die gleiche Menge an Wasser mit der gleichen Strömungsgeschwindigkeit in den Boiler einströmen, wie entnommen wird.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir die Sache noch erklären könnten.

Viele Grüße und herzlichen Dank für die tolle Hilfe.

Verstanden habe ich jedoch noch nicht ganz, wieso ein
Rückschlagventil das im Zulauf sitzt verhindert, dass das
kalte Wasser durch denn Boiler schießt.

Dem ist auch nicht so. Das Rückschlagventil soll lediglich verhindern, dass warmes Wasser aus dem Speicher in das Netz zurückgedrückt wird wenn sich das Wasser im Speicher beim Erwärmen ausdehnt.

Nach meiner Vorstellung kann doch eigentlich nur die gleiche
Menge an Wasser mit der gleichen Strömungsgeschwindigkeit in
den Boiler einströmen, wie entnommen wird.

Richtig. Aber wenn weniger Wasser in den Speicher strömt als an der Armatur entnommen wird (das Rückschlagventil war ja nicht ganz auf, was nach Bernoulli einen niedrigeren Druck während der Strömung nach sich zieht), mischt sich in der Armatur kaltes Wasser (höherer Druck, da voller Durchfluss) dazu.
Wenn die Armatur nicht ganz geöffnet wird, wird in dem Fall das Wasser „heißer“.
Ps.
Die Führung und den Bolzen des Ventiltellers mit Armaturenfett (ungiftig und Wasserfest) schmieren, dann hält der Kalk nicht so leicht (die Dinger sind Werkseitig nicht geschmiert und „kleben“ deshalb ziemlich leicht fest.
Außerdem ist es eine reine Preisfrage. Ich habe bei mir ein Kugel-Rückschlagventil und kein Problem (kostet halt ab 80 €).
Anderseits ist es fraglich wie wichtig ein Rückschlagventil überhaupt ist. Außer dass das Sicherheitsventil tropft und verkalkt bringt es nicht viel (meist sind sie eh fest). Schlimmstenfalls kommt irgendwo statt kaltem Wasser anfangs etwas lauwarmes Wasser aus einem Hahn oder einer Armatur.
Ich sag jetzt nicht, dass man den Einsatz einfach weg lassen könnte (der Deckel passt auch ohne Einsatz auf das Gehäuse), weil das nicht der Norm entspricht und deshalb auch nicht sein darf.
Aber was nicht da ist macht auch keine Probleme :wink:.

Wow, das ist doch eine ausführliche Erklärung.
Ja, wenn man die Sache mit den Erklärungen durchdenkt, dann ist plötzlich alles wieder klar. Da merkt man erst einmal wie weit verborgen das eigene Physikwissen ist :smile:

Danke und viele Grüße, der Traktori

Guten Tag,

Wie sich leider herausstellte, was das Problem mit den Ventil nicht das einzige.
Zwar war nun der plötzliche Temperaturabfall weg, doch wie sich in der Praxis zeigte bestand weiterhin das Problem mit der geringen Temperatur. D.h. an dem Abnahmestellen konnte nicht die Temperatur abgenommen werden, die eigentlich möglich gewesen wäre.

Durch eine Tipp von außerhalb konnte ich das Problem jetzt jedoch lösen, es wurde durch eine defekte Thermostatarmatur verursacht.
Ja, die Armatur lässt das kalte Wasser ins warme Wasser passieren und mischt so die Temperatur komplett runter. Da die Thermostatarmatur die erste Armatur nach dem Boiler ist, bekamen alle folgenden Abnahmestellen das kältere Wasser.

Nach dem Austausch der Thermostatarmatur war alles wieder so wie es sein sollte.

Festzustellen bleibt zuletzt, es war also nicht nur ein Fehler, sondern es waren gleich zwei die zur gleichen Zeit auftraten und sich addierten.
Wer kommt schon darauf…

Also traue nie einem Rücklaufventil oder einer Thermostatarmatur :smile:

Gruß Traktori

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