hallo,
ich muss für Latein die Fragestellung bearbeiten „War Perikles Fluch oder Segen für Athen“. Ich habe ein paar Bücher mit seiner Biographie usw., aber ich lese immer und immer wieder, dass man es nicht auf Perikles zurückführt z.B. das er nur mit Worten die Baupolitik auf der Akropolis angetrieben hat. Hat jemand Fakten zu >irgendeinem
Hallo,
soso, da muss heutzutage also der Lateinunterricht den verschwundenen Griechischunterricht auffangen.
Maßgeblich für das Bild Perikles’ wurde die Überlieferung seiner Rede auf die gefallenen Athener im Peleponesischen Krieg. Nachzulesen bei Thukydides.
Aber auch wenn es kein Proseminar ist: die Quellenkritik nicht vergessen!
Gruß,
Andreas
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Hallo,
er war wohl Beides nicht.
Um eines nicht zu vergessen: Athen war eine Demkokratie. Und der liebe Herr Perikles wurde gewählt und lange Zeit für gut befunden, später abgewählt und nochmals wiedergewählt am Ende. Also müssen die Athener wohl mehr oder weniger zufrieden gewesen sein mit ihm.
Ich finde es ziemlichen Käse, wenn nach Tausenden von Jahren wir Heutigen so was beurteilen sollen. Erstens wissen schließlich, was rausgekommen ist am Ende - das wußten die Zeitgenossen logischerweise nicht und zweitens urteilen wir mit ganz anderen Maßstäben.
Natürlich hat Perikles zu einem großen teil das ermöglicht, was wir heute als die große zeit der Antike sehen. Er hat schließlich all die Protzbauten aus der Staatskasse bezahlt, die wir heute noch bewundern. Er hat den Athener seiner Zeit das gegeben, was diese wollten: Ein Leben im Luxus.
Die andere Seite ist, daß er das aus der gemeinsamen Kasse des attischen Bundes bezahlt hat und damit andere Mitgliedern des Bundes vor den Kopf gestoßen hat. Und er hat auf die versuche einzelner Mitglieder, aus diesem ja freiwilligen Bund auszutreten, sehr unschön reagiert - mit Krieg und Zerstörung. Das war nicht gerade die feine Art.
Nur - das war seinen Wählern in Athen herrlich gleichgültig, so lange der Krieg schön weit draußen blieb un d keiner hatte da was dagegen.
Viel gerühmt ist Perikles für sein Friedensabkommen mit Persien - auch von Historikern. Aber genau das war ein großer taktischer Fehler. Ohne die Perser als potentiellen Feind war nämlich der attische Bund eigentlich sinnlos. Und genau dieser Frieden hat den Weg frei gemacht für den späteren langen Kampf der griechischen Staaten untereinander - der potentielle Gegner, der eine Einigung der griechischen Staaten hätte erzwingen können, war ja weg.
Ja - und im Krieg zeigte sich das eigentliche Proplem. Perikles mag ein guter Verwalter und Finanzier gewesen sein - ein wirklich großer Staatsmann war er leider nicht. Als Rhetoriker war er meisterlich - das zeigt die berühmte Trauerrede. Aber leider hatte er keine wirkliche strategische Linie, keinen Plan und keine Idee, die Athen und seinen Bundesgenossen wirklich aus der Scheiße geholfen hätte.
Es war wie heute: Wer dem Volk die größtem versprechungen macht, der wird gewählt. Nach tragfähigen Lösungen für die Zukunft fragt dabei gar nicht erst einer. Und raus kommt dann eine Truppe, die sich irgendwie durchwurstelt so wie unsere pommersche Pastorentochter - oder auch ein Perikles.
Gernot Geyer