Hallo,
Die Antwort hängt davon ab, ob der Vorgang (das Ereignis) von dem abhängt, was vorher passiert ist.
Man spricht entsprechend von _abhängigen oder aber von unabhängigen Ereignissen.
Das Werfen einer Münze oder eines Würfels sind Beispiele für unabhängige Ereignisse. Ob bei der Münze im aktuellen Wurf Kopf oder Zahl zeigt, ist NICHT abhängig davon, welches Ergebnis der vorige Wurf hatte. Die Münze hat kein Gedächtnis. Egal, wie oft du die Münze wirfst, die Wahrscheinlichkeit für Kopf oder Zahl sind immer gleich (je 50%, wenn die Münze fair ist). Auch wenn du (un)glücklicherweise bereits 100-mal hintereinander Zahl geworfen hast und persönlich denkst „jetzt MUSS aber mal Kopf kommen!!!“ so ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei 101sten Wurf Kopf kommt, trotzdem immer noch (nur) 50%.
Anders, wenn es sich um anhängige Ereignisse handelt. Das Ziehen eines Loses aus einer Lostrommel ist ein Beispiel dafür (gezogene Lose werden üblicherweise nicht wieder in die Lostrommel zurückgetan, sondern weggeworfen). Denke dir eine Lostrommel mit 10 Losen. Ein Los davon ist das Gewinnerlos, der Rest sind Nieten. Die Wahrscheinlichkeit, beim ersten Versuch das Gewinnerlos zu ziehen, ist 1:20, also 5%. Nach diesem Versuch sind aber nur noch 19 Lose in der Trommel. Die Wahrscheinlichkeit, beim 2. Versuch das Gewinnerlos zu ziehen, ist 1:19. Allerdings stimmt das nur, wenn beim ersten Versuch eine Niete gezogen wurde - sonst ist das Gewinnerlos ja weg!
Wenn man bei solchen abhängigen Ereignissen wissen will, wie die Wahrscheinlichkeit für das Ereignis beim N-ten Versuch ist (N ist irgendeine ganze Zahl größer Null), dann rechnet man aus, wie wahrscheinlich das Ereignis (N-1)-mal in Folge NICHT auftritt, und multipliziert das mit der Wahrscheinlichkeit, dass es beim N-ten mal dann tatsächlich auftritt. Für die Lose würde das zB. so aussehen, wenn du wissen willst, wie Wahrscheinlich es ist, genau beim 4. Zug das Los zu ziehen:
Die W’keit, eine Niete zu ziehen, ist im ersten Zug 19:20 = 95%. Im zweiten Zug ist sie 18:19 = 94,7%, im 3. Zug ist sie 17:18 = 94.4%. Die W’keit, in allen drei Zügen eine Niete zu ziehen ist 95%*94.7%*94.4% = 85%. Die W’keit, im 4.Zug das Gewinnerlos zu ziehen, ist 1:16 = 6,25%. Multipliziert ergibt sich eine W’keit von 85%*6,25% = 5,3%, genau im 4. Zug das Gewinnerlos zu ziehen.
Du siehst, bei abhängigen Ereignissen kann die Sache kompliziert werden…
LG
Jochen_