Hallo Anja,
Es ist oft genug eine Grenzüberschreitung in diesem Sinne.
Aber für mich ist es nur eine weitere Grenzüberschreitung,
wenn ich dann auch noch angesprochen werde und vor allem ein
Gegengruß erwartet wird.aber diese Grenzüberschreitungen sind etwas Unvermeidliches,
sie sind nichts Böswilliges. Sie sind eine Begleiterscheinung
der Tatsache, daß wir mit vielen Anderen auf dieser Welt
leben. Wir brauchen einander und wir stören einander - und ich
glaube, in diesem Spannungsfeld sind all diese Rituale
entstanden.Ich kann schon verstehen, wenn jemandem die Grüßerei mit
fremden Menschen als lästig erscheint, mir als Stadtmensch
geht das auch mitunter auf die Nerven, wenn ich auf dem Land
bin. Noch mehr nervt mich das „erweiterte Grüßen“ (= Grüßen +
anschließendem Small Talk), eine Art von Kontaktpflege, die
es, glaube ich, vor allem auf dem Land gibt.Aber auch wenn es nervt, es wäre ausgesprochen unklug, sich
diesen Ritualen zu entziehen. Dieser ganze Aufwand ist gut
investiert, denn er bedeutet so etwas wie Zugehörigkeit zu der
jeweiligen Gemeinschaft. An barocken Ausschmückungen läßt sich
ja sparen.Man könnte sich ja auch respektvoll ignorieren, trifft man
sich z.B. in der freien Natur, und woanders hin schauen.
Um nicht zu stören.Nur fürchte ich, daß das vom Anderen nicht so verstanden wird.
Wenn jemand nur woanders hinschaut, käme das bei mir ganz
unvermeidlich als Abweisung und Arroganz an.
hmm, ein weites Feld, wirklich.
Ich empfinde den Gruß als Störung, und Du oder ein Anderer den Nichtgruß als Abweisung. Blöd.
Was soll man da nur machen, damit beide sich gut damit fühlen?
Ich weiss es bisher wirklich nicht.
Habe mich für das Nichtgrüßen entschieden, wenn nicht mein Herz spontan grüßen will,als kleineres Übel,und ja, das ist eine Abweisung, aber keine generelle.
Solange Konventionen Richtlinien schaffen, wird viel in ein Abweichen hineininterpretiert, schade.
Danke Dir sehr für Deine Einschätzung, ich habe das Gefühl, in den meisten Fällen wird es so sein, wie Du es schreibst.
Gruß,
Anja