Warum begrüßen wir uns

Hi,

bin ja bekannt für meine manchmal, na sagen wir mal vorsichtig, einfältigen Fragen aber seit ein paar Tage frage ich mich folgendes:

Warum begrüßen sich wildfremde Menschen zum Beispiel beim Arzt im Wartezimmer oder auch im Fahrstuhl beim Ein- und Aussteigen?

Ich meine ich habe noch nie erlebt das mich im Supermarkt jemand verkniffen anschaut und ein „guten Morgen“ rausquetscht (von der Kassiererin mal abgesehen) oder in der S-Bahn mir jemand gegenübersteht und beim aussteigen noch einen schönen Tag wünscht. *** flirten mal ausgenommen ***

Hat es also was mit der Größe des Raums zu tun, oder taucht das Phänomen nur auf wenn man gemeinsam leidend wartet. Will man sich schon mal für den Fall bekannt machen, dass etwas Schlimmes passiert. Ich meine ich Grüsse ja immer freundlich mit, weiss nur nicht warum.

Vielen Dank und Viele Grüsse
Me

hi

Warum begrüßen sich wildfremde Menschen zum Beispiel beim Arzt
im Wartezimmer oder auch im Fahrstuhl beim Ein- und
Aussteigen?

Ich denke, das ist so, weil es da meist so eng zugeht, dass man automatisch in den „Intimbezirk“ des Fremden hineingerät und ihm so „friedliche Absichten“ vermitteln möchte - also so eine Art „sorry dass ich da eindring, aber ich kann nicht anders, ich geh auch gleich wieder“

Gruß H.

Hi,

Warum begrüßen sich wildfremde Menschen zum Beispiel beim Arzt
im Wartezimmer oder auch im Fahrstuhl beim Ein- und
Aussteigen?

begrüßt wird (potentiell) immer dann, wenn Menschen in eine wie auch immer geartete Beziehung zueinander treten. Das ist im Supermarkt im Falle der anderen Kunden nicht so (die laufen nur an Dir vorbei, Du bist nur einer von vielen und gleich wieder weg), bei dem Personal jedoch schon (bei meinem Edeka hier grüßt sogar der Regaleinräumer den vorbeilaufenden Kunden!).

In Wartezimmer oder Fahrstuhl ist diese Beziehung nur im Hintergrund, meist wortlos, aber doch da - Du verbringst eine gewisse Zeit mit diesen Menschen in einem Raum mit stetigem Blickkontakt und demselben Ziel.

Hier in meinem neuen Domizil, einer ruhigen Sackgasse, grüßen sogar wildfremde Spaziergänger, wenn ich auf der Terrasse sitze - die Bezihung besteht daraus, dass sie sich das Haus - „mein“ Haus - für einen Moment anschauen und damit so Art „virtuell“, mit ihren Blicken, in meine weitere Intimsphäre eindringen.

Die Straßenbahn wäre grundsätzlich auch so ein Fall, aber dort sind es wohl a) zu viele Leute, b) ein nicht genug abgegrenzter Raum und c) zuviel Fluktuation.

Soweit meine Theorie :smile:

Gruß(!),

Malte

Hallo noch mal und danke für deine Antwort die mich aber weiter ins Grübeln bringt. Geht es denn nur mir so, dass ich diese Form der Höflichkeit als äußerst künstlich und oftmals überflüssig empfinde?

Grüße :o)Me

Huhu, also wenn ich die Leute beim Arzt grüsse dann heißt es beim reingehen ins Wartezimmer eher soviel wie, boh ey, ihr seit noch alle vor mir dran? Mir geht es viel schlechter sieht das denn keiner. Bei denen die nach mir kommen heißt es eher ätschibätsch

-) liebe Grüsse

Me

Hallo noch mal und danke für deine Antwort die mich aber
weiter ins Grübeln bringt. Geht es denn nur mir so, dass ich
diese Form der Höflichkeit als äußerst künstlich und oftmals
überflüssig empfinde?

Das geht sicher nicht nur Dir so, aber eben auch nicht allen anderen - mir zum Beispiel nicht.
Eine Begrüßung eröffnet die Möglichkeit, zu kommunizieren, falls das gewünscht - oder notwendig! - wird. Ist es nicht wesentlich gekünstelter und „seltsamer“, wenn jemand, der wortlos zu Dir in den Fahrstuhl steigt, Dich plötzlich wegen irgendetwas anspricht?

Die Begrüßung transportiert ein „Ich hab Dich wahrgenommen, ich sehe, dass Du da bist und falls das notwendig ist, beachte ich Dich!“.

Ein Fehlen der Begrüßung hingegen transportiert „Ihr seid Luft für mich, und vielleicht trete ich euch auf die Füße, weil ich euch gar nicht sehe.“.

Die Begrüßung übernimmt also auch die Funktion einer Art Aufmerksamkeitsankündigung, Höflkichkeit im voraus sozusagen. Sie manifestiert ein „Wir teilen die Situation gerade, und was immer auch passiert - wenn etwas passiert - erleben wir gemeinsam.“

Dazu kommt dann noch das, was Du schon vermutetest - dass die Begrüßung als Rechtfertigung für das Verletzen von Intimsphäre dient.

Im Fahrstuhl rückt man sich prinzipbedingt ziemlich auf die Pelle, man kommt sich so nahe, wie man es normalerweise einem wildfremden nicht gestatten würde. Durch die Begrüßung ist der wildfremde aber nicht mehr ganz so wildfremd, und wir können die Nähe besser tolerieren.

Beim Arzt ist das ähnlich - Krankheit ist ja eine höchstpersönliche Angelegenheit, und allein schon, dass die anderen sehen, dass Du einen Grund hast, zu diesem oder jenem Arzt zu gehen, verletzt Deine Intimsphäre. Um die Verletzung abzumildern, kann man also grüßen, was unterschwellig das Unwohlsein aller lindert.

Gruß,

Malte

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hi

ich kann nur malte seinen beitrag bekräftigen. ist gut erklärt. aber mich kotzt es oft an, dass ich manchmal grüßen „muss“, obwohl ich gerade gar keinen Bock dazu habe.

Aber als kind wird anstand eingebleut…da bleibt vieles hängen lol

lg

nina

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Auch hi,

aber mich kotzt es oft an, dass ich manchmal grüßen „muss“, obwohl ich gerade gar keinen Bock dazu habe.

Ich finde es schön, gegrüßt zu werden - und damit auch zu grüßen - egal in welch einer Situation.

Für mich heißt es: den anderen wahrnehmen und selbst wahrgenommen werden.

Jedes Tier ‚grüßt‘ - auf seine Weise. Warum sollte der sog. ‚zivilisierte‘ Mensch meinen, den anderen ignorieren zu können, nur weil es einen gerade ‚ankotzt‘ ???

Adlergruß

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Hallo,

in ländlichen Gegenden grüßt man auch, man grüßt wildfremde Leute und man wird begrüßt.

Beste Grüße ;o)

Heike

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hi nochmal

Geht es denn nur mir so, dass ich
diese Form der Höflichkeit als äußerst künstlich und oftmals
überflüssig empfinde?

Ob du es als normal oder gekünstelt empfindest, kommt evtl. auch daher wo du aufgewachsen bist ?

Ich bin z.B. in zwei Dörfern aufgewachsen - in dem einen hat man auf der Strasse nur die Menschen gegrüßt, die man persönlich kannte (kommt man sich auf dem Bürgersteig gegenseitig in den „individualabstand“ wurde allerdings immer ‚gegrüßt‘ - sei es auch nur durch Augenkontakt und Nicken)

Im anderen Dorf hat einfach immer jeder jeden gegrüßt (obwohl das damals auch schon an die 2000 Einwohner waren) aber dort gehörte es einfach zum guten Ton jeden zu grüßen

Das war eine ziemliche Umstellung für mich, als ich dann in diverse Städte aufs Gymnasium musste und einen die „Einheimischen“ komisch anschauten, wenn man sie wie gewohnt (die anderen aus „meinem“ Dorf und ich ) auf der Strasse grüsste

*schulterzuck*

Komme ich in mein „Hauptheimatdorf“ zurück, ist es übrigens auch heute noch (viel viele Jahre später und nochmal 3000 Einwohner mehr dort) so, dass jeder jeden grüsst ;o) und mich einen Haufen Leute noch mit Vornamen ansprechen :o)))

Liebe Grüße :o)

H.

Hi Malte,

begrüßt wird (potentiell) immer dann, wenn Menschen in eine
wie auch immer geartete Beziehung zueinander treten. Das ist
im Supermarkt im Falle der anderen Kunden nicht so (die laufen
nur an Dir vorbei, Du bist nur einer von vielen und gleich
wieder weg), […]

Da stimme ich dir zu.

[…] (bei meinem Edeka hier grüßt sogar der Regaleinräumer den
vorbeilaufenden Kunden!).

Geht mir bei „meinem“ Minimal auch so, allerdings erst nach einer gewissen Zeit (die Kassierer/innen räumen dort auch ein), nachdem man sich an der Kasse nicht mehr nur das „Pflicht-Hallo“ zuwirft, sondern auch mal ein persönliches Wort wechselt (Kassiererin: „Oh SOWAS führen wir? Schmeckt das?“)
Neulich fragte mich nebenbei ernsthaft eine Kassiererin, ob ich nicht einen guten Chat kenne, ihre Tochter interessiere sich für sowas… (sehe ich so aus? :wink: Die Antwort tut an dieser Stelle nichts zur Sache…

In Wartezimmer oder Fahrstuhl ist diese Beziehung nur im
Hintergrund, meist wortlos, aber doch da - Du verbringst eine
gewisse Zeit mit diesen Menschen in einem Raum mit stetigem
Blickkontakt und demselben Ziel.

Grüßen im Fahrstuhl kenne ich nur aus dem Hochhaus, in dem ich Jahre gewohnt habe. In dem Falle spielt aber schon wieder eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl mit hinein, da man im selben Haus wohnt (auch bei 180 Parteien…) Im Kaufhaus wird eher nur in kleineren Fahrstühlen gegrüßt (deine Theorie?)

Die Straßenbahn wäre grundsätzlich auch so ein Fall, aber dort
sind es wohl a) zu viele Leute, b) ein nicht genug
abgegrenzter Raum und c) zuviel Fluktuation.

Ich habe es im Bus schon oft erlebt, dass der Fahrer grüßt, wenn man einsteigt (Einstieg eben nur vorn). Klar, wieder das Verhältnis, der Fahrer fährt mich persönlich; im Taxi grüße ich ja auch.

Soweit meine Theorie :smile:

Der stimme ich in vielem zu.

Auch Gruß
Markus

Hallo,

in ländlichen Gegenden grüßt man auch, man grüßt wildfremde
Leute und man wird begrüßt.

Hi!

Warum eigentlich?
Komme aus der Stadt, und das Grüßen hier im Dorf geht mir schon auf die Nerven, die Anonymität hat was sehr angenehmes unbelästigtes für mich.
Wenn dann aber auf den Wanderwegen jeder jeden grüßt, dann kann ich das gar nicht mehr nachvollziehen.
Oder wie ein Beitrag oben, da sitzt man auf seiner Terasse zu Hause, freut sich über die Ruhe die man hat, und wildfremde Leute dringen da ein.

Wie geht man damit nur um? Ich will ja weder wem signalisieren, Dich ignoriere ich, noch will ich eine Grenze überschreiten, die mir wichtig ist.

Gruß,
Anja

Huhu, also wenn ich die Leute beim Arzt grüsse dann heißt es
beim reingehen ins Wartezimmer eher soviel wie, boh ey, ihr
seit noch alle vor mir dran? Mir geht es viel schlechter sieht
das denn keiner. Bei denen die nach mir kommen heißt es eher
ätschibätsch

-) liebe Grüsse

Me

Hallo,

Oder wie ein Beitrag oben, da sitzt man auf seiner Terasse zu
Hause, freut sich über die Ruhe die man hat, und wildfremde
Leute dringen da ein.

ich bin der mit der Terrasse :smile: Wir haben zwei davon, eine nach hinten raus und eine nach vorn.
Hinten haben wir (spätestens ab nächsten Sommer, wenn wir die nächste Pflanzzeit mitgenommen haben) unsere Ruhe. Vorn ist es etwas kommunikativer, so dass wir wählen können. Außerdem können wir die Hecke so hoch wachsen lassen, wie wir möchten. Also alles halb so wild.

Außerdem finde ich es ganz gut, etwas kommunikativer zu sein. Ich hab die letzten Jahre im Ruhrpott gelebt, das war Anonymität und „Ruhe“ pur - an der Einsamkeit kann man kaputt gehen…

Das muß natürlich jeder selbst wissen, wie er’s gerne mag - aber das kann ja auch jeder tun.

Gruß,

M.

Fühle dich Begrüßt.

Es geht gar nicht so sehr um das Grüssen als solches, auch in Hamburg gibt es Ecken, wo man sich auf der Strasse begrüßt, alten Damen die Taschen mit dem Einkauf raufträgt oder im Bus aufsteht :wink:

Wenn man jemanden vom sehen her kennt grüssen fast alle die ich kenne nahezu automatisch aber stell dir doch mal das Gesicht vor, wenn du z.B. bei Aldi am Samstagmorgen in der Schlange an der Kasse stehst und die Leute vor und hinter dir freundlich Grüsst. Da rechnet keiner mit und alle würden ins Grübeln kommen. Beim z.B. Arzt sind mir so selten wie ich gehe die Leute im Wartezimmer meist sogar noch viel fremder und dennoch grüssen sich mich (was ich in dem Moment als komisch empfinde, mich aber gleichzeitig verpflichtet fühle zurückzugrüssen.

Und noch mehr Grüsse
Me

Zustimmung und…

begrüßt wird (potentiell) immer dann, wenn Menschen in eine
wie auch immer geartete Beziehung zueinander treten.

…es scheint, dass in anderen Ländern die Menschen offener für Beziehungen untereinander sind. So ist es z.B. in Australien überhaupt keine seltenheit, dass die Einsteigenden in den Bus ein freundlichen „G´day“ sagen. und das auch in den wenigen Großstädten, die es dort gibt.

PP

Hallo MeToo,

mir fällt noch ein, auch am Land ist es üblich, daß wildfremde Menschen einander grüßen, wenn sie einander ansichtig werden. In der Stadt kommt das nicht vor.

Ich glaube, ein Mensch grüßt einen anderen Menschen, wenn er eine Grenze zu ihm überschreitet. Das ist nicht immer die „Intimzone“, wie sie in engen Räumen überschritten würde.

Stell Dir vor, Du wanderst irgendwo in der Natur, in den Bergen, bist alleine mit Dir, führst vielleicht Selbstgespräche… Plötzlich kommt Dir irgendwer entgegen, und Du must Dich jetzt etwas kontrollierter verhalten. Und in diesem Zwang zu kontrollierterem Verhalten besteht die Grenzüberschreitung, egal, ob am Land, oder in einem Fahrstuhl.

Das Grüßen heißt so etwas wie: „Ich muß Dich jetzt durch meine zeitweilige Anwesenheit ein wenig stören, und Du mich auch, aber ich tue Dir nichts, bin kein Feind, und ich nehme an, Du umgekehrt auch nicht.“

Wenn Du einmal, um ein Experiment zu machen, das Grüßen in solchen Situationen unterläßt, wie geht es Dir dann? Falls Du Dich dann unwohl fühlst, hat das, glaube ich, nicht nur mit Höflichkeitserziehung zu tun.

Dieses Grüßen und die übrigen Höflichkeitsformen sind nie sinnlos. Sie mögen von Land zu Land wechseln und sich mit der Zeit verändern. Warum es sie überhaupt gibt und warum in bestimmten Formen, wäre (oder ist) ein höchst interessanter Forschungsgegenstand.

Grüße,

I.

auch dir danke (owt)

auch dir danke (owt)

Hallo!
Das macht alles viel Sinn,was Du schreibst.
Es ist oft genug eine Grenzüberschreitung in diesem Sinne.
Aber für mich ist es nur eine weitere Grenzüberschreitung, wenn ich dann auch noch angesprochen werde und vor allem ein Gegengruß erwartet wird.
Man könnte sich ja auch respektvoll ignorieren, trifft man sich z.B. in der freien Natur, und woanders hin schauen.
Um nicht zu stören.

Gruß,
Anja

mir fällt noch ein, auch am Land ist es üblich, daß wildfremde
Menschen einander grüßen, wenn sie einander ansichtig werden.
In der Stadt kommt das nicht vor.

Ich glaube, ein Mensch grüßt einen anderen Menschen, wenn er
eine Grenze zu ihm überschreitet. Das ist nicht immer die
„Intimzone“, wie sie in engen Räumen überschritten würde.

Stell Dir vor, Du wanderst irgendwo in der Natur, in den
Bergen, bist alleine mit Dir, führst vielleicht
Selbstgespräche… Plötzlich kommt Dir irgendwer entgegen, und
Du must Dich jetzt etwas kontrollierter verhalten. Und in
diesem Zwang zu kontrollierterem Verhalten besteht die
Grenzüberschreitung, egal, ob am Land, oder in einem
Fahrstuhl.

Das Grüßen heißt so etwas wie: „Ich muß Dich jetzt durch meine
zeitweilige Anwesenheit ein wenig stören, und Du mich auch,
aber ich tue Dir nichts, bin kein Feind, und ich nehme an, Du
umgekehrt auch nicht.“

Wenn Du einmal, um ein Experiment zu machen, das Grüßen in
solchen Situationen unterläßt, wie geht es Dir dann? Falls Du
Dich dann unwohl fühlst, hat das, glaube ich, nicht nur mit
Höflichkeitserziehung zu tun.

Dieses Grüßen und die übrigen Höflichkeitsformen sind nie
sinnlos. Sie mögen von Land zu Land wechseln und sich mit der
Zeit verändern. Warum es sie überhaupt gibt und warum in
bestimmten Formen, wäre (oder ist) ein höchst interessanter
Forschungsgegenstand.

Grüße,

I.

oder sich einfach nur im vorbeigehen anlächeln (zeigt kleinen kindern ja auch das man ihnen wohlgesonnen ist)

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Hallo Anja,

Es ist oft genug eine Grenzüberschreitung in diesem Sinne.
Aber für mich ist es nur eine weitere Grenzüberschreitung,
wenn ich dann auch noch angesprochen werde und vor allem ein
Gegengruß erwartet wird.

aber diese Grenzüberschreitungen sind etwas Unvermeidliches, sie sind nichts Böswilliges. Sie sind eine Begleiterscheinung der Tatsache, daß wir mit vielen Anderen auf dieser Welt leben. Wir brauchen einander und wir stören einander - und ich glaube, in diesem Spannungsfeld sind all diese Rituale entstanden.

Ich kann schon verstehen, wenn jemandem die Grüßerei mit fremden Menschen als lästig erscheint, mir als Stadtmensch geht das auch mitunter auf die Nerven, wenn ich auf dem Land bin. Noch mehr nervt mich das „erweiterte Grüßen“ (= Grüßen + anschließendem Small Talk), eine Art von Kontaktpflege, die es, glaube ich, vor allem auf dem Land gibt.

Aber auch wenn es nervt, es wäre ausgesprochen unklug, sich diesen Ritualen zu entziehen. Dieser ganze Aufwand ist gut investiert, denn er bedeutet so etwas wie Zugehörigkeit zu der jeweiligen Gemeinschaft. An barocken Ausschmückungen läßt sich ja sparen.

Man könnte sich ja auch respektvoll ignorieren, trifft man
sich z.B. in der freien Natur, und woanders hin schauen.
Um nicht zu stören.

Nur fürchte ich, daß das vom Anderen nicht so verstanden wird. Wenn jemand nur woanders hinschaut, käme das bei mir ganz unvermeidlich als Abweisung und Arroganz an.

Grüße,

I.