… dazu möchte ich ein paar Sätze schreiben, nachdem es hier auf diesem Brett weiter unten eine hitzige Debatte über die Qualität der Reisebüroberatung gab.
Den 11.9.01 nahm die TUI in Österreich zum Anlass, um sich von vielen Arbeitnehmern, die älter als 35 waren und ein Einkommen über Euro 1.500.-- hatten, zu trennen. Darunter war auch ich mit damals 19 Jahren Reisebüroerfahrung. Weil sie zu teuer waren und das Zauberwort der damaligen wie heutigen Zeit „sparen“ und „Kosten senken“ heißt, hat man „Maßnahmen setzen müssen, die für Aussenstehende oftmals nicht verständlich erscheinen“ O-Ton der Geschäftsleitung.
Anstelle der hochwertigen Spezialisten mit viel Wissen wurden wenige Monate später billige junge Arbeitskräfte gesucht.
Da wurde nicht lange darüber nachgedacht, ob mangelnde Erfahrung auch irgendwann zu nicht richtiger Beratung führen könnte; da wurde nicht darüber nachgedacht, ob durch nicht mögliches Wissen - weil ja noch sehr jung - einfach irgendetwas daher geblabbert wird; die Kosten müssen gesenkt werden, das wurde erreicht, alles andere wird sich schon zeigen (z.B. in der TUI Aktie jetzt um die E 8.-- anstelle E 33.–…)
Fazit - alles, was nicht im Computer steht, weiss man dann halt nicht und kann es auch dem Kunden nicht weitergeben.
Das ist die Reisebürofront. Nun zur Fluglinienfront: Dort heißt das Zauberwort ebenfalls „Kosten senken“ - allerdings in der Form, dass den Reisebüros immer mehr Provision gekürzt wird und Flugzeuge, die zuerst buchbar waren, urplötzlich aus dem Reservierungssystem verschwinden - zurück bleiben verärgerte Kunden, die natürlich denken, ihr Reisebüro sei deppert. Aber natürlich werden auch bei den Fluglinie teurere, erfahrenere Kräfte gegen junge (billige) ausgetauscht. Und wer wird sich schon reinhängen, grantige Passagiere vertrösten, wenn er dafür nicht ordentlich entlohnt wird.
Abschließend ein kleines Rechenbeispiel: junges Mäderl am Schalter mit einem Gehalt im Monat von E 1.500.-- kostet in Österreich dem Unternehmer rund E 2.200.-- samt Steuern und Abgaben. Somit müsste die junge Dame jede Stunde, 38,5 mal in der Woche, vier Wochen lang im Monat mindestens Euro 15.-- VERDIENEN, nur um ihre EIGENEN Kosten hereinzubringen. Büromiete, Computersystemmieten (so um die Euro 200.-- pro Terminal/Monat), Gewinn (von irgendwas muss ja der Unternehmer auch leben) usw. usw. noch gar nicht berücksichtigt!
Jetzt soll die Arme jemanden eine Stunde für einen Flug nach Barcelona beraten, an dem sie irgendwo in der Größenordnung von Euro 10.-- verdienen kann - WENN sie die Buchung bekommt! Und das müsste sie wie eine Maschine 154 Stunden Monat für Monat machen.
Freunde, DAS GEHT EINFACH NICHT - da wird dann der willigste Mitarbeiter irgendwann einmal lustlos! Da ist einfach eine personelle Fehlentwicklung.
Und, verzeiht mir den Seitenhieb, und wieviele gehen zuerst einmal ins Reisebüro, um sich die Infos zu holen, um dann wo auch immer güüüüüüüünstig zu buchen…
Zu diesem Thema gäbe es ja viel zu schreiben. Ich wollte einfach nur einmal ein paar mögliche Hintergründe für die sicherlich auch zurecht bestehende Unzufriedenheit bei Konsumenten aufzeigen.
Ich stehe auch gerne jederzeit für individuelle Anfragen zu diesem Themenkreis zur Verfügung, sei es hier im wer-weiss-was oder auch in meinen privaten Foren (die sind eh’ noch leer…)
unter http://members.eunet.at/mosaik
Peter / mosaik
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