Warum bin ich so wie ich bin?

Hallo Leute,

am letzten Wochenende habe ich persönlich mal wieder über die Stränge geschlagen. Was heißt, daß ich das liebste was ich habe sehr verletzte.

Wenn ich so darüber nachdenke, dann zeichnet sich bei mir Verhaltensmuster ab, was da bedeutet: „Immer eins drauf legen“.

Mit anderen Worten, wenn andere Leute 2 Bier trinken, dann trinke ich 3. Wenn andere Flirten um zu wissen ob man aktraktive ist, dann muß ich anfassen. Wenn andere sich weiterbilden, dann muß ich ein Fernstudium machen…

Ich möchte diese Situationen für mich auflösen und weiß nicht wie. Kann es sein, daß ich stets mir und anderen was beweisen muß, und wenn ja warum? Liegen die Probleme in meiner Kindheit?

Ich habe von „Familienaufstellung nach Hellinger“ gehört. Kann mir das weiterhelfen.

Ich bin im Augenblick über meine Erkenntisse über mich selber sehr geknickt, und hoffe daß mir hier jemand einen Tipp geben kann wie ich mir selber helfen kann. Bzw. wie ich verstehen kann, warum ich so bin wie ich bin, damit ich mit mir selber ins Reine kommen kann.

Gruß und Dank
Rudi

Warum nicht ?
Hi,

die erste, grosse Hürde hast Du bereits genommen : Du hast Dein (gefühltes) Fehlverhalten selbst erkannt. Das ist ein wichtiger Schritt.

Wenn das nur ab und an mal vorkommt, würde ich das als (Frauen würden sagen: typisch) männliches Gehabe bezeichnen. Das hat jeder von uns mal.

Wenn Du selbst oder Dein Umfeld das als „krankhaft“ bezeichnen und Du das nicht bewusst abstellen kannst, hilft m.E. nur eine Verhaltenstherapie. Es ist durchaus möglich, und vielleicht sogar wahrscheinlich, dass die Gründe dafür in der Vergangenheit, evtl. sogar in Kindheit und Erziehung liegen.

Von Familienaufstellungen halte ich persönlich nicht viel, bin da aber auch kein Fachmann. Ich glaube aber auch nicht, dass Dir das in Deiner Situation weiterhilft, denn es handelt sich ja nicht um einen familiären Konflikt und daraus entstehenden Abhängigkeiten.

Gruss Hans-Jürgen
***

‚Each one kills the thing he loves‘

Hallo Rudi

Dieses kleine Lied (damals in Fassbinders „Querelle“ von der wunderbaren Jeanne Moreau gesungen)fiel mir sofort ein, als Du schriebst, dass Du das, was Du liebst, quälst oder so ähnlich.
Über Bert Hellingers Familienaufstellungen haben wir uns ja hier schon enügend das Maul zerrissen, das brauchen wir, glaube ich, nicht zu wiederholen.
Naja, ich sag manchmal zu meinen Patienten, wenn die im Zweifel sind, ob sie ne Therapie machen sollen (wenn Freund Horst sagt: „Ey, so ne Krücke brauchste doch nich als Mann, ey.“): „Es ist nicht die Frage, ob Sie eine machen sollen, sondern auch, ob Sie genug dafür mitbringen, eine machen zu KÖNNEN. Es ist nach wie vor ein Privileg, jedenfalls, was analytisch orientierte Therapien betrifft.“
Gruss, Branden

Hi,

warum du so bist, wie du bist?

Drei Faktoren:

Deine Biologie gibt dir eine ganze Menge mit, grundlegende Verhaltensweisen aller Menschen und auch Charakterzüge, Temperament, Intelligenz.

Deine Psychogenese prägt dich. Die Psychogenese ist die Entwicklung deiner Psyche in der Kindheit und Jugend, vor allem im Wechselspiel mit den Eltern und nahen Bezugspersonen. Aber auch Ereignisse können sich auswirken, z.B. das Erleben eines Unfalls kann eine Traumatisierung darstellen.

Deine Sozialisation, also die Wertevermittlung durch die Gesellschaft, tut ihr übriges.

Die biologischen Grundlagen wird man nicht los, aber Fehlentwicklungen im Bereich der Psychogenese, die zu Persönlichkeitsstörungen oder ander anderen psychischen Störungen führen bzw. beitragen, kann mann teilweise beeinflussen, durch Psychotherapie.

Jetzt gibt es verschiedene Methoden der psychotherapie, wissenschaftlich fundierte, z.B. die kognitive Verhaltenstherapie, und auch unwissenschaftliche, z.B. die Familienaufstellung nach Hellinger.

Ich würde zu einer wissenschaftlich fundierten Metode anraten.

Gruß

Yoyi

PS: Ein populärwissenschaftliches Buch, daß ich Leuten, die nicht psychisch krank oder schwer gestört sind, aber ihr Verhalten gern vor dem Hintergrund psychotherapeutischer Methoden reflektieren und verändern möchten, gern empfehle, ist:

Freeman, A., DeWolf, R.: Die 10 dümmsten Fehler kluger leute, Wie man klassischen Denkfallen entgeht, München (Piper) 1997

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Hans-Jürgen

Wenn Du selbst oder Dein Umfeld das als „krankhaft“ bezeichnen
und Du das nicht bewusst abstellen kannst, hilft m.E. nur eine
Verhaltenstherapie.

!!! Die Verhaltenstherapie kann er immer noch versuchen, wenn er für die analytisch orientierte „nicht genug mitbringt“.
Lass ihm doch erstmal die Wahl.
Gruss, Branden

Hallo Branden,

!!! Die Verhaltenstherapie kann er immer noch versuchen,
wenn er für die analytisch orientierte „nicht genug
mitbringt“.

eine Verhaltenstherapie dauert meistens nicht so lang und kann, wenn angezeigt, effektiver Abhilfe schaffen. Wenn sie nicht hilft, kann er immer noch eine tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Therapie machen. Ich würde daher erst einmal die Therapie machen, die in kürzerer Zeit Linderung verspricht, als mich erst 3 Jahre psychoanalysieren zu lassen, um dann festzustellen: „Schade, ich hätte doch die 8 Wochen VT machen sollen.“ :smile:

Beste Grüße,

Oliver Walter

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Hallo Oliver
Natürlich gibt es Erfahrungen in beide Richtungen. Jeder sollte halt gucken, was ihm liegt. Dafür sind ja auch Probestunden da.
Gruss, Branden

hallo branden,

könntest du deine aussage etwas erläutern?
wieso previleg, meinst du auf geistiger ebene genug mitzubringen (offenheit, erfahrung, leidensdruck, reflexionsvermögen), oder doch eher finazieller (ich vermute du meinst schon ersteres).Wer ist eher ungeeignet deiner meinung nach?

will eventuell vielleicht auch mal ne tiefenpsy. fundierte analyse machen und das ganze fing auch wie bei rudi mit der frage an, warum bin ich so wie ich bin an…

ist dein buchtip etwa so wie die anleitung zum glücklichsein?

schönen tag noch
daniel

„Es ist nicht die Frage, ob Sie eine machen sollen,
sondern auch, ob Sie genug dafür mitbringen, eine machen zu
KÖNNEN. Es ist nach wie vor ein Privileg, jedenfalls, was
analytisch orientierte Therapien betrifft.“
Gruss, Branden

Was ist ‚Familienaufstellung‘
Hi Jungs,
bin scheinbar nicht so oft hier im Brett, wie ich es vielleicht sein sollte.
Den Begriff „Familienaufstellung“ hab ich noch nie gehört, deswegen würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir genau sagen könntet, was das ist (bitte via email, um dieses Brett nicht zu sprengen).
Im voraus vielen Dank für eure Mühe.
Gruß *wink* Daggi

Hi Daniel

wieso previleg, meinst du auf geistiger ebene genug
mitzubringen (offenheit, erfahrung, leidensdruck,
reflexionsvermögen), oder doch eher finazieller (ich vermute
du meinst schon ersteres).Wer ist eher ungeeignet deiner
meinung nach?

Genau. Auf geistiger, meinte ich. Es wurde ja mal den Analytikern der Vorwurf gemacht, sie würden nur YAVIS-Patienten behandeln (=young,attractive,vital,intelligent,social), das ist nur zum Teil richtig. Intelleigenz und Introspektionsvermögen (=Einsichtsfähigkeit) müssen groß genug sein, sonst gehts schief.

will eventuell vielleicht auch mal ne tiefenpsy. fundierte
analyse machen

Das ist doch eine gute Idee. Die tiefenpsych. fund. Therapie ist sozusagen eine Schwester der Analyse. Etwas dialogischer halt, und nur einmal wöchentlich. Mach ich hauptsächlich, dieses Verfahren.

ist dein buchtip etwa so wie die anleitung zum glücklichsein?

Du meinst offenbar Watzlawicks „Anleitung zum UNglücklichsein(!)“
Äh-meintest Du meinen Buchtipp Jose Brunner:stuck_out_tongue:syche und Macht ???
Da gehts um Freud.

Gruss, Branden

Hi Jungs,

Hi Meechen,

hier die Selbstdarstellung:
http://www.hellinger.com/deutsch/index.html. Das Thema wurde
auch schon im Forum diskutiert, im Archiv findest Du einiges
unter „Familienaufstellung“ und „Hellinger“.

Hi Kamel,

hab gesucht, ist mir aber auch nicht schlüssig. Was versteht man nun darunter? Rubbeln die dem Papi einen hart oder was? :smile:

fragt:
Frank