Warum bricht immer das Heck eines Fahrzeugs aus?

Hallo,
kann mir bitte jemand erklären, warum ein Fahrzeug mit starrer Hinterachse immer dort ausbricht und nicht vorne an der gelenkten Achse.
Könnte man das mit hinten breiteren und weicheren Reifen als vorne verhindern?

Bricht ein Fahrzeug, bei dem beide Achsen gelenkt sind, also dann nicht mehr nur hinten aus, sondern auch mal vorne in Extremsituationen?

Danke für die Antwort.
Tim

Hi,

die Zentrifugalkraft ist hinten größer.

nicki

Hallo,
kann mir bitte jemand erklären, warum ein Fahrzeug mit starrer
Hinterachse immer dort ausbricht und nicht vorne an der
gelenkten Achse.

Hallo Tim,

stimmt überhaupt nicht. Allerdings bist du so jung, dass du keine Autos mehr kennst, die ein wirklich kritisches Fahrverhalten haben. Im Prinzip hängt das von der Lastverteilung auf die Achsen ab: Heckmotorfahrzeuge wie der VW-Käfer und alte Porsches flogen daher wie von dir beschrieben mit dem Heck voraus in die Botanik. Anders bei Frontantrieblern: die schieben über die Vorderräder nach aussen, ws man aber nicht als „Wegbrechen“ empfindet - da man nicht gegensteuern muss, sondern nur stärker einschlagen, ist das leichter beherrschbar. Schliesslich gab es auch Sportwagenkonzepte (Mittelmotor), die von vornherein eine gleichmässige Verteilung haben sollten.

Heute sind fast alle Autos so gut durchkonstruiert, dass das Fahrverhalten neutral ist, also sie schieben in der Kurve seitwärts weg. Kommt dann noch ein elektronisches Regelsystem dazu, schaffst du es nicht mehr, irgendwas wegbrechen zu lassen.

Gruss Reinhard

stimmt überhaupt nicht. Allerdings bist du so jung, dass du
keine Autos mehr kennst, die ein wirklich kritisches
Fahrverhalten haben. Im Prinzip hängt das von der
Lastverteilung auf die Achsen ab: Heckmotorfahrzeuge wie der
VW-Käfer und alte Porsches flogen daher wie von dir
beschrieben mit dem Heck voraus in die Botanik. Anders bei
Frontantrieblern: die schieben über die Vorderräder nach
aussen, ws man aber nicht als „Wegbrechen“ empfindet - da man
nicht gegensteuern muss, sondern nur stärker einschlagen, ist
das leichter beherrschbar. Schliesslich gab es auch
Sportwagenkonzepte (Mittelmotor), die von vornherein eine
gleichmässige Verteilung haben sollten.

Ok. Wenn die Last ungleich auf die Achsen verteilt ist, dann brauchen die Räder an der schwerer belasteten Achse länger die Seitenführungskräfte aufzubauen und schon muss man durch zusätzliche Kräfte eben dann diese Achse in der Zeit, in der diese Seitenführungskräfte aufgebaut werden, stabiliesieren, was bestimmt in Extremfällen nicht mehr möglich ist und das Fahrzeug bricht aus.

Aber irgendwas muss es doch auch damit zu tun haben, dass die ungelenkte Achse starr ist (siehe Formel 1. Da wird doch auch ein Mittelmotor verwendet und trotzdem bricht das Hech meistens weg). Weil angeblich kann man das Kurvenfahren mit 2 gelenkten Achsen statt nur mit einer gelenkten Achse stabiliesieren. Das hängt doch bestimmt damit zusammenm, dass die Seitenführungskraft der gelenkten Räder mehr Drehmoment erzeugen und die starre Achse auf Grund der Radstellung das irgendwann nicht mehr ausgleichen kann, oder?

Moin, Nick,

die Zentrifugalkraft ist hinten größer.

warum das denn - weil die Hinterachse später in die Kurve kommt? Das erinnert stark an Karl Valentin, der stieg immer vorn in die Tram ein, damit er früher ankommt.

Gruß Ralf

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Moin, Tim,

das gilt nur für den Antrieb auf der Hinterachse. Hinterradantrieb erzeugt Schub von hinten, das ist nie so stabil wie Zug von der Vorderachse. Mit der Lenkung hat das wenig zu tun, wahrscheinlich gar nichts. Das siehst Du schon beim Geradeauslauf: Genügend Gas vorausgesetzt machen sich sofort die Ungleichmäßigkeiten bemerkbar und der Hecktriebler bricht unweigerlich aus, wogegen der Fronttriebler ein bisschen schwänzelt und dann davonzieht.

Gruß Ralf

Hallo Tim,

kann mir bitte jemand erklären, warum ein Fahrzeug mit starrer
Hinterachse immer dort ausbricht und nicht vorne an der
gelenkten Achse.

Das stimmt nicht.

Wenn wir 4 identische Reifen zu Grunde legen, ist eine reine Frage der Lage des Schwerpunktes.

Beim Mittelmotor-Konzept hat man den Schwerpunkt genau in die Mitte der 4 Auflagepunkte gesetzt. Dadurch kann man grössere Querbeschleunigung erreichen, allerdings verliert dann das Fahrzeug den Bodenkontakt mit allen vier Reifen gleichzeitig. Es gibt also praktisch keinen Warnbereich innerhalb dessen man noch etwas gegensteuern kann.

Mit ESP usw. versucht man heute die Physik etwas auszutricksen.

Übrigens:
Wenn die Vorderachse den Bodenkontakt zuerst verliert, nennt sich das Untersteuern. Das Gegenteil ist das Übersteuern.
http://de.wikipedia.org/wiki/Untersteuern

MfG Peter(TOO)

Aber irgendwas muss es doch auch damit zu tun haben, dass die
ungelenkte Achse starr ist (siehe Formel 1. Da wird doch auch
ein Mittelmotor verwendet und trotzdem bricht das Hech
meistens weg). Weil angeblich kann man das Kurvenfahren mit 2
gelenkten Achsen statt nur mit einer gelenkten Achse
stabiliesieren. Das hängt doch bestimmt damit zusammenm, dass
die Seitenführungskraft der gelenkten Räder mehr Drehmoment
erzeugen und die starre Achse auf Grund der Radstellung das
irgendwann nicht mehr ausgleichen kann, oder?

Hallo,

ich bin weder Konstrukteur noch Fahrer in der Formel 1, aber da stimmt glaube ich einiges nicht:

  1. Es geht kaum hecklastiger als beim Formel1-Auto - vor dem Mittelpunkt sind nur die Füsse des Fahrers, und ich schätze mal ohne Frontspoiler würde das Ding schon bei geringen Geschwindigkeiten die Schnauze in die Höhe strecken.

  2. In der Formel 1 gibt es kein Differential, m.a.W. beide Hinterräder drehen sich synchron, daher kann man ohne durchdrehende Hinterräder überhaupt keine Kurve fahren (wenn man die Lenkung einschlägt, fährt das Ding einfach geradeaus weiter, weil die Haftung hinten viel höher ist). Anders gesagt, jede Kurve mit einem Formel1 muss sozusagen durch das Ausbrechen des Hecks eingeleitet werden.

Mit Drehmomenten hat das Ganze kaum was zu tun, und dass man mit einer gelenkten Hinterachse stabiler fahren könnte, widerspricht glaube ich jeder Erfahrung, die man mit solchen Konstruktionen gemacht hat. Ich hätte auch ungern 2 Lenkräder zu bedienen :smile:

Gruss Reinhard

Also gut, das Gewicht muss gleich verteilt sein.
Aber warum sind dann Autos, bei denen alle Achsen gelenkt sind stabieler in der Kurve?
Die Autos gibt es wirklich, das sind so kleine Prototypen mit Solar usw.
Hab ich mal im Fernsehen gesehen und dazu kam eben der Kommentar, dass das Auto auf Grund der 2 gelenkten Achsen statt einer stabiler in der Kurve sei.

Ist da jetzt was dran?

kann mir bitte jemand erklären, warum ein Fahrzeug mit starrer
Hinterachse immer dort ausbricht und nicht vorne an der
gelenkten Achse.

So weit ich weiß, werden Autos heute so konstruiert, dass sie bevorzugt vorn ausbrechen, weil die Insassen bei einem Frontalaufprall ab besten geschützt sind.

Hier auch mal meine Weisheiten aus der Formel 1 (Aufmerksames Verfolgen des Trainings inklusive des Fahrerfunkverkehrs hilft da schon.) und einigen „Schleuderkursen“.

Ein Formel 1 Auto kann sowohl hinten ausbrechen (übersteuern) als auch vorne (untersteuern). Wenn es richtig abgestimmt ist (Spoiler, Federn usw.) passiert das alles praktisch gleichmäßig und damit ist man am schnellsten. Übersteuern korrigiert man durch gegenlenken, untersteuern ist „gutmütiger“, weil man bei eingeschlagenen Rädern geradeaus schiebt, dadurch Geschwindigkeit verliert und die Räder irgendwann wieder greifen, sofern nicht vorher ein Baum die Fahrt bremst.