Warum Brüssel 'Hauptstadt' der EU

Hallo,

woher kommt es (geschichtlich), dass Brüssel die „Hauptstadt“ der EU ist?

Danke!

Gruß
Josch

Hallo Josch.

Genaues kann ich leider nicht bieten, sprich keine Quellenangaben,
ABER:

Die EU ging ja im Weitesten Sinne aus der Montanunion hervor, die der franz. Außenminister Schumann und Adenauer mal angeleiert hatten. http://de.wikipedia.org/wiki/Montanunion

In den 50er Jahren war das Verhältnis D/F so kurz nach dem 2. Weltkrieg noch nicht sooooooo das gelbe vom Ei (ist es ja heute auch nicht, aber damals wars eben noch schlechter), so dass keine der Parteien unter dem Eindruck von Versailles, der franz. Kapitulation, den 2 deutschen Kapitulationen etc etc. einen solch wichtigen Vertrag im „Feindesland“ unterzeichnen wollte… Also wählte man Belgien, durch das in allen vorangegangenen Kriegen mit schöner Regelmäßigkeit die unterschiedlichsten Truppen verschiedenster Nationen „durchgerumpelt“ waren…

s.a.: http://de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Wirtschafts…

Evtl findest Du was auf den Seiten der Europäischen Union

http://de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Gemeinschaft

Wie gesagt: meine bescheidene Meinung hierzu, explizite Quellenangaben konnte ich nicht liefern.

Hoffe, trotzdem weitergeholfen zu haben

Grüße

Midir

Ohne das jetzt rechechiert zu haben, würde ich mal auf Proporzgründe tippen. Brüssel liegt werder in Frankreich noch in Deutschland, wodurch keiner der beiden großen Gründungsstaaten sich bevorzugt oder benachteiligt fühlen konnte. Zudem ist das Land selbst kulturell sowohl romanisch als auch „germanisch“ geprägt, sozusagen selbst eine „Mini-EG“.

Hallo,

also bitte nicht den Begriff Hauptstadt - ich fürchte, wenn das einer offiziell so nennen würde, gäbe es Zoff ohne Ende.
Denn den gibt es sowieso. Eifersüchtig wachen vor allem die Franzosen darüber, daß ja kein anderes Land auch nur ein Zipfelchen mehr bekommt, als sie selber haben. deshalb tagt ja auch das Parlament der EU mitunter in Strassbourg - die Grande Nation gönnt einfach jeinem anderen Land den alleinigen Parlamentssitz.
Nun ja - Druck erzeugt Gegendruck. Und so war Brüssel damals der kleinste gemeinsame nenner, auf den man sich einigen konnte. Keins der größeren Länder hätte einem anderen Großen die Ehre gegönnt - das war alles.
Übrigens ist das heute noch so. Das Gezerre über den Sitz von Frankfurt für die EZB war doch ähnlich. Und der erste Bankchef, ein Niederländer, ging nur gegen das versprechen durch, daß er nach halber Amtszeit zurücktreten und dann einen Franzosen dranlassen sollte. Hat er aber dann wohl doch nicht gemacht - er wollte einfach nicht…

Gernot Geyer

Servus!

Brüssel ist "Hauptstadt der EU, weil hier der Europäische Rat, die Kommission, der Ministerrat und das Europäische Parlament ihren Sitz haben. Es ist also eine „de facto-Hauptstadt“. Und das auch erst seit 1992, seit die Regierungen der EU-Staaten in Edinburgh beschlossen haben, aus dem „vorläufigen Arbeitsort“ der genannten Insititutionen einen endgültigen „Sitz“ zu machen.
Allerdings werden Straßburg als zweiter Tagungsort des Europäischen Parlaments und Luxemburg als Sitz der Kontrollorgane der EU, des Europäischen Gerichtshofs und des Rechnungshofs, energisch dagegen protestieren, Brüssel als alleinige Hauptstadt an zu sehen.

Für Brüssel sprach anfangs wenig:
Die wichtigsten Gründungsverträge wurden in Paris (Montanunion) und Rom (EWG) geschlossen. Brüssel war damals zwar schon relativ wichtig als belgische Hauptstadt und Industriestadt, aber sonst…?
Die NATO nistete sich ja erst später (1967) in Brüssel ein, nachdem sie aus Paris vertrieben worden war.
Vorteile für Brüssel: Belgien war nicht wichtig. Brüssel liegt nicht in einem der drei großen Gründerstaaten der EWG (Frankreich, Deutschland, Italien). Und: Belgien liegt schön mittig in der 6er-EWG und ist mehrsprachig.

1951 planten die Gründungsstaaten der Montanunion, alle Institutionen der Union in Brüssel anzusiedeln - gegen den Willen des belgischen Ministerpräsidenten übrigens, der angeblich Lüttich bevorzugte.
Am Ende einigte man sich auf Luxemburg. *no comment*

Dort war allerdings kein Gebäude zu finden, das groß genug für das Parlament der Montanunion war. Im nahen Straßburg schon: Im Sitzungssaal des Europarats. Also tagten dort ab 1952 die Europa-Parlamentarier.
Straßburg gilt übrigens auch als Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung. Wie praktisch!

Nun legte sich jedoch Brüssel wieder ins Zeug: Nach und nach wurden viele wichtige Europa-Institutionen (v.a. Kommission und Ministerrat) nach Brüssel geholt, bis es den Parlamentariern praktisch und sinnvoll erschien, dort, wo die wichtigen Entscheidungen fallen (die sie ja beschließen bzw. absegnen), auch zu tagen. Ende des Dramas: Das Parlament tagt jetzt in Brüssel UND Straßburg, wobei Brüssel die Hauptstadtfunktionen hat.

Finanzen und Recht blieben in Luxemburg zurück.

Sonst noch Fragen? Gebe gern lang, ausschweifend und europäisch Auskunft. *grns*

VG
Christian

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Weil Jacques Brel da geboren wurde.
Gruß,
Branden