Hallo Asi,
das ist eine komplizierte Sache, bei der Tausende von Gründen eine Rolle gespielt haben. Hier nur einige:
1.) Die Landungsboote wären weiter westlich den höheren Seegang der ja von der Biscaya-Seite hereindrückt wahrscheinlich nicht mehr gewachsen gewesen.
2.) Die Befestigungsanlagen zogen sich ja bis weit in die Bretagne, insofern hätte man ja sehr weit bis nach Westen (und dann Süden) gehen müssen um die zu umgehen. Dazu hätte aber weder der Treibstoff der Landungsboote noch der Treibstoff der Flottenzerstörer gereicht.
3.) Bei einer Landung in der Normandie kämpfte man (obwhol man ja schon nicht den kürzesten Weg gewählt hatte) immer noch in der Reichweite eigener Flugplätze und hatte gerade einmal ein paar Stunden Fahrt bis zu den eigenen Häfen. Bei einer Landung weiter westlich wäre eine Luftlandeoperation zur Ablenkung und Zersplitterung des Gegners nicht mehr möglich gewesen (der Erfolg der Invasion beruhte ja auch darauf, dass die 82. und die 101. Airborne deutsche Einheiten nach hinten zogen).
4.) Tatsächlich waren die Landungsstrände unter verschiedenen Erwägungen zwar nicht die technisch einfachsten, aber auch nicht die schwierigsten Landungsbereiche. Die hohen Verluste lagen teilweise auch daran, dass bestimmte Techniken (z.B. der Rohrtorpedo) einfach nicht genügend getestet waren.
5.) Man hatte ja auch ein Wetterproblem. Nicht umsonst war die Invasion bereits einmal wegen des Wetters verschoben worden. Eine Landung weiter westlich hätte bedeutet, die Zeit, in der sich die Boote auf See befanden zu erhöhen. Damit wäre jedoch die Einsatzbereitschaft der Truppen durch Seekrankheit gesunken. Die Alliierten setzten also nur um, was sie bei Torch bereits gelernt hatten.
6.) Die Abschnitte wurden auch unter dem Gesichtspunkt gewählt, dass die zusätzlichen Verteidigungsmaßnahmen Rommels, vor allem der sogenannte „Rommelspargel“ in diesen Abschnitten noch nicht installiert war. Erst bei der Invasion zeigte sich, dass auch in den Abschnitten Utah und Omaha-Beach Rommelspargel gepflanzt worden war (es handelte sich um Pfähle, die unter Wasser eingerammt waren und an der Spitze Bündel aus T-Minen trugen).
usw, usw …
Tatsache ist, dass, auch wenn uns heute die Verluste horrend erscheinen, die Verluste sich eigentlich im normalen Rahmen derartioger amphibischer Operationen bewegten. Nur bei Torch lagen die Verluste außergewöhnlich niedrig, zumindest, was die eigentliche Landung anging. Aber das war größtenteils Glück und schlampige Arbeit der Italiener.
Gruß
Peter B.
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