Hallo zusammen!
Servus!
Ich habe gerade mit einem Freund über folgendes Problem
nachgegrübelt:
Nun heisst es ja: „Ich schieße den Ball auf den Baum.“ Aber
andererseits: „Der Ball landet auf dem Baum.“
Alternativ wäre bspw. „Ich schieße den Ball auf das Auto.“
Aber andererseits: „Der Ball landet auf dem Auto.“
Es handelt sich doch wohl jeweils um den Akkusativ Singular,
oder sind die letzteren Varianten Dativkonstruktionen? Auf was
landet der Ball? Auf dem Auto. Oder etwa: Auf wem landet der
Ball? Aber das würde doch schräg klingen…
Noch vertrackter wird es, wenn man sich überlegt: „Der Ball
schlägt auf dem Boden auf.“ Und andererseits „Der Ball schlägt
auf den Boden auf.“
Und ebenso: „Der Ball rollt über den Boden.“ Aber
andererseits: „Der Ball landet auf dem Boden.“
Wir gebrauchen das als Muttersprachler ja ganz intuitiv, aber
vielleicht kann hier ein Fachkundiger kurz Klarheit schaffen.
Vielen Dank im Voraus
Welchen Kasus ein Objekt bekommt, hängt in erster Linie vom Verb ab. Die meissten Verben vergeben an das Objekt einen Akkusativ, manche einen Dativ, wieder andere (und wenige) einen Genitiv.
(1) Der Präsident gedenkt der Opfer (Genitiv)
(2) Der Präsident hilft den Opfern (Dativ)
(3) Der Präsident rettet die Opfer (Akkusativ)
Bestimmte andere Verben verlangen als Argument eine Präpositionalphrase, wie z.B. legen:
(4) Ich lege den Apfel auf den Tisch, aber
(5) Der Apfel liegt auf dem Tisch
(6) #Ich lege den Apfel
(7) *Ich lege den Apfel den Tisch
(8) *Ich lege den Apfel auf dem Tisch
(9) *Der Apfel liegt auf den Tisch
Hier bestimmt die Präposition, in welchem Kasus das Objekt steht. Im obigen Beispiel vergibt „auf“ einmal den Akkusativ (mit „legen“), andernseits den Dativ (mit „liegen“). Hier kommt ein dritter Faktor dazu: die Verbsemantik.
Verben der Bewegung lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: die einen beschreiben einen aktiven Prozess (irgendjemand macht irgendwas mit irgendwem/was), die anderen einen Zustand (irgendwas macht irgenwas). Also im ersteren Fall ist der Handelnde im Vordergrund, im zweiten das, mit dem was gemacht wird/wurde. Letztere Verben implizieren immer, das etwas getan wurde, und das Ergebnis nun Gegenstand des Satzes ist: wenn etwas liegt, wurde es vorher gelegt, wenn etwas landet, wurde es vorher gestartet/geschossen usw. Die Verben der ersten Gruppe verwenden stets die Version von auf, die den Akkusativ weitergibt, während letztere die Dativ-variante benutzen. Die unterschieldichen Kasus helfen also dabei, die unterschiedlichen Bedeutungen der Verben zu unterscheiden.
Es kann auch vorkommen, dass du einunddasselbe Verb mit zwei subtil verschiedenen Bedeutungen verwenden kannst. In diesen Fällen ist der Kasus das einzige, an dem du die konkrete Verwendung des Verbes ablesen kannst. „rollen“ ist ein gutes Beispiel:
(10) Der Ball rollt auf den Boden
(11) Der Ball rollt auf dem Boden
Im ersten Satz ist „rollen“ in der Lesart verwendet, die eine aktive Handlung beschreibt. Der Ball vollzieht (auf einer abstrakten Ebene) die Handlung, eine anderso (z.B. auf dem Tisch) gestartete Bewegung auf dem Boden fortzusetzen. Der zweite Satz lässt diese Bedeutung nicht unbedingt vermuten, er sagt nur, dass der Ball im Moment auf dem Boden rollt, dass er sich also im Zustand des Rollens befindet.