Warum einmal 'den' und einmal 'dem'?

Hallo zusammen!

Ich habe gerade mit einem Freund über folgendes Problem nachgegrübelt:

Nun heisst es ja: „Ich schieße den Ball auf den Baum.“ Aber andererseits: „Der Ball landet auf dem Baum.“

Alternativ wäre bspw. „Ich schieße den Ball auf das Auto.“ Aber andererseits: „Der Ball landet auf dem Auto.“

Es handelt sich doch wohl jeweils um den Akkusativ Singular, oder sind die letzteren Varianten Dativkonstruktionen? Auf was landet der Ball? Auf dem Auto. Oder etwa: Auf wem landet der Ball? Aber das würde doch schräg klingen…

Noch vertrackter wird es, wenn man sich überlegt: „Der Ball schlägt auf dem Boden auf.“ Und andererseits „Der Ball schlägt auf den Boden auf.“

Und ebenso: „Der Ball rollt über den Boden.“ Aber andererseits: „Der Ball landet auf dem Boden.“

Wir gebrauchen das als Muttersprachler ja ganz intuitiv, aber vielleicht kann hier ein Fachkundiger kurz Klarheit schaffen.

Vielen Dank im Voraus

hi

Es handelt sich doch wohl jeweils um den Akkusativ Singular,

oder sind die letzteren Varianten Dativkonstruktionen?

ja

Auf was landet der Ball? Auf dem Auto. Oder etwa: Auf wem landet der
Ball? Aber das würde doch schräg klingen…

deswegen heisst es auch immer „auf wem oder was“ landet der Ball … man tut sich also leichter bei der Beurteilung von Fällen das „oder was“ dazu zu sagen ;o)

Noch vertrackter wird es, wenn man sich überlegt: „Der Ball
schlägt auf dem Boden auf.“ Und andererseits „Der Ball schlägt
auf den Boden auf.“

ich würde fragen "auf wem oder was " schlägt etwas auf ? also Dativ …

Und ebenso: „Der Ball rollt über den Boden.“

über „wen oder was“ rollte der Ball … Akkusativ

andererseits: „Der Ball landet auf dem Boden.“

auf „wem oder was“ landet der Ball … Dativ

Gruß H.

*auchnurMuttersprachler*

Hallo zusammen!

Noch vertrackter wird es, wenn man sich überlegt: „Der Ball
schlägt auf dem Boden auf.“ Und andererseits „Der Ball schlägt
auf den Boden auf.“

Geht beides. Bastian Sick hat mal darüber geschrieben. Darin heißt es auch: Klopft man an die Tür oder an der Tür?
Geht auch beides.
Es ist eine Frage, was man stärker in den Fokus des Interesses rückt. Ich klopfe an die Tür hat den Fokus auf Tür. Ich klopfe an der Tür hat den Fokus auf dem Klopfen.

Gruß Frank

Hallo

auch!

Nun heisst es ja: „Ich schieße den Ball auf den Baum.“ Aber
andererseits: „Der Ball landet auf dem Baum.“
Alternativ wäre bspw. „Ich schieße den Ball auf das Auto.“
Aber andererseits: „Der Ball landet auf dem Auto.“

Du unterscheidest die Antwort auf verschiedene Fragen:
wohin? --> Akkusativ als Kasus der Richtung/Erstreckung: auf den Baum / auf das Auto
wo? --> Dativ als Ausdruck von Ruhe/Zustand: auf dem Baum, auf dem Auto.

Noch vertrackter wird es, wenn man sich überlegt: „Der Ball
schlägt auf dem Boden auf.“ Und andererseits „Der Ball schlägt
auf den Boden auf.“

Geschmackssache.

Und ebenso: „Der Ball rollt über den Boden.“

Siehe oben!
„über dem Boden“ wäre Antwort auf die Frage „Wo rollt der Ball?“
So wie

andererseits: „Der Ball landet auf dem Boden.“

WO landet er?
Gruß an euch alle (nicht: an euch allen)!
Hannes

Es ist tatsächlich so, dass auf die Frage „wo“ eine Präposition mit Dativ, auf „wohin“ eine Präposition mit Akkusativ folgt. (Die einzige Ausnahme, die mir spontan einfällt, ist „zu wem“.)

Hexerls Aussage, die Frage sei „auf wem oder was?“, kann ich nur widersprechen. Die Frage nach dem Dativ lautet immer „wem“, auch bei Gegenständen. (Vgl. „Wem gebe ich neues Papier? – Meinem Drucker.“ und nicht „Was gebe ich neues Papier?“)
Mit einer Präposition sieht das Ganze natürlich vollkommen anders aus, denn die Fragen „auf wem?“ bzw. „auf wen?“ können sich nur auf Personen beziehen. Bei Dingen lautet die Frage in beiden Fällen: „worauf?“.
Im Alltag kommt diese Form mit „wo®-“ den meisten Menschen zu gehoben vor, weshalb in der Umgangssprache tatsächlich „was?“ für den Dativ einspringt (z.B. „Von was ist denn dieses Teil abgefallen?“), aber wirklich nur nach Präpositionen und wirklich nur umgangssprachlich!

Aber wenn Du jetzt überlegst: „Auf wen liegt der Ball?“ – Das geht doch nun wirklich nicht.

Und abschließend noch etwas zu „Der Ball rollt über den“ bzw. „über dem Tisch.“
Da der Akkusativ nur eine Richtung ausdrückt, geht er hier auch als Antwort auf die Frage „wo entlang?“ durch. Der Ball der über dem Tisch rollt – „wo rollt er?“ – steht hingegen mit dem Tisch nicht in Verbindung. Wenn über dem Tisch eine durchsichtige Glasplatte ist und der Ball dort entlangrollt, kommt das z.B. in Betracht. Ist die Glasplatte noch größer und der Ball liegt erst am Schluss über dem Tisch, kann man wieder sagen, der Ball sei über den Tisch gerollt (jetzt als Antwort auf „wohin?“).

Ich hoffe, es ist alles klar geworden, denn im Grunde liegt es wirklich nur daran, ob ich „wo?“ fragen kann (dann Dativ) oder eben nicht (dann Akkusativ).

Gruß,
Immanuel

Hallo zusammen!

Servus!

Ich habe gerade mit einem Freund über folgendes Problem
nachgegrübelt:

Nun heisst es ja: „Ich schieße den Ball auf den Baum.“ Aber
andererseits: „Der Ball landet auf dem Baum.“

Alternativ wäre bspw. „Ich schieße den Ball auf das Auto.“
Aber andererseits: „Der Ball landet auf dem Auto.“

Es handelt sich doch wohl jeweils um den Akkusativ Singular,
oder sind die letzteren Varianten Dativkonstruktionen? Auf was
landet der Ball? Auf dem Auto. Oder etwa: Auf wem landet der
Ball? Aber das würde doch schräg klingen…

Noch vertrackter wird es, wenn man sich überlegt: „Der Ball
schlägt auf dem Boden auf.“ Und andererseits „Der Ball schlägt
auf den Boden auf.“

Und ebenso: „Der Ball rollt über den Boden.“ Aber
andererseits: „Der Ball landet auf dem Boden.“

Wir gebrauchen das als Muttersprachler ja ganz intuitiv, aber
vielleicht kann hier ein Fachkundiger kurz Klarheit schaffen.

Vielen Dank im Voraus

Welchen Kasus ein Objekt bekommt, hängt in erster Linie vom Verb ab. Die meissten Verben vergeben an das Objekt einen Akkusativ, manche einen Dativ, wieder andere (und wenige) einen Genitiv.

(1) Der Präsident gedenkt der Opfer (Genitiv)
(2) Der Präsident hilft den Opfern (Dativ)
(3) Der Präsident rettet die Opfer (Akkusativ)

Bestimmte andere Verben verlangen als Argument eine Präpositionalphrase, wie z.B. legen:

(4) Ich lege den Apfel auf den Tisch, aber
(5) Der Apfel liegt auf dem Tisch
(6) #Ich lege den Apfel
(7) *Ich lege den Apfel den Tisch
(8) *Ich lege den Apfel auf dem Tisch
(9) *Der Apfel liegt auf den Tisch

Hier bestimmt die Präposition, in welchem Kasus das Objekt steht. Im obigen Beispiel vergibt „auf“ einmal den Akkusativ (mit „legen“), andernseits den Dativ (mit „liegen“). Hier kommt ein dritter Faktor dazu: die Verbsemantik.

Verben der Bewegung lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: die einen beschreiben einen aktiven Prozess (irgendjemand macht irgendwas mit irgendwem/was), die anderen einen Zustand (irgendwas macht irgenwas). Also im ersteren Fall ist der Handelnde im Vordergrund, im zweiten das, mit dem was gemacht wird/wurde. Letztere Verben implizieren immer, das etwas getan wurde, und das Ergebnis nun Gegenstand des Satzes ist: wenn etwas liegt, wurde es vorher gelegt, wenn etwas landet, wurde es vorher gestartet/geschossen usw. Die Verben der ersten Gruppe verwenden stets die Version von auf, die den Akkusativ weitergibt, während letztere die Dativ-variante benutzen. Die unterschieldichen Kasus helfen also dabei, die unterschiedlichen Bedeutungen der Verben zu unterscheiden.

Es kann auch vorkommen, dass du einunddasselbe Verb mit zwei subtil verschiedenen Bedeutungen verwenden kannst. In diesen Fällen ist der Kasus das einzige, an dem du die konkrete Verwendung des Verbes ablesen kannst. „rollen“ ist ein gutes Beispiel:

(10) Der Ball rollt auf den Boden
(11) Der Ball rollt auf dem Boden

Im ersten Satz ist „rollen“ in der Lesart verwendet, die eine aktive Handlung beschreibt. Der Ball vollzieht (auf einer abstrakten Ebene) die Handlung, eine anderso (z.B. auf dem Tisch) gestartete Bewegung auf dem Boden fortzusetzen. Der zweite Satz lässt diese Bedeutung nicht unbedingt vermuten, er sagt nur, dass der Ball im Moment auf dem Boden rollt, dass er sich also im Zustand des Rollens befindet.

Hallo,

Immanuel!
Ich hoffe, es ist alles klar geworden,

Das mag schon sein. Aber mir ist nicht ganz klar, was mir unklar gewesen sein soll.
Schönen Gruß!