Prinzip der maximalen Ehrlichkeit
Hallo,
Warum Entropie? Und warum zeigt der
Entropiepfeil in die
Richtung, in die er zeigt?
Um die Frage zu beantworten, muss man erst das Konzept der Entropie näher beleuchten.
Angenommen du hast ein System, das aus vielen (Größenordnung 1023) Teilchen besteht. Die Zustände dieses Systems könnten z.B. der Ort und die Geschwindigkeit jedes einzelnen Teilchens sein. Die Gesamtzahl der Systemzustände ist also astronomisch groß.
Die knifflige Aufgabe der Thermodynamik ist es nun, eine Wahrscheinlichkeitsverteilung für all diese Zustände im thermodynamischen Gleichgewicht (GGW) zu finden. Damit wäre es möglich ist, gewisse makroskopische Größen per Mittelwertbildung über diese Verteilung zu bestimmen und das System wäre damit im Griff.
Das Vorgehen zur Lösung dieses Problems ist nun ebenso genial wie einfach:
(1) Definition der Entropie
Zunächst sucht man eine Funktion, die nur von der (gesuchten) Verteilung abhängt und ein Maß für die Unwissenheit über das Systems ist. Diese Funktion wird als Entropie bezeichnet.
(2) Prinzip der maximalen Ehrlichkeit
Nun verlangt man, dass die Verteilung im GGW so ist, dass das quantisierte Unwissen (eben die Entropie) unter der Nebenbedingung des vorhandenen Wissens maximal ist.
Damit ist gewährleistet, dass die angenommene Verteilung die best mögliche ist, da sie so weit wie möglich von Willkür frei ist. (Wäre die Entropie nicht maximal, würden Annahmen im System stecken, die in keinster Weise abgedeckt sind. Durch die Forderung, dass die Entropie maximal ist, werden diese willkürlichen Annahmen eliminiert.)
Dieses Vorgehen hat sich bestens bewährt und die Modelle, die sich daraus ergeben (z.B. die ideale Gasgleichung) stimmen vorzüglich mit den Messwerten überein.
Zusammenfassung:
Die angenommene Verteilung und damit letztendlich das naturwissenschaftliche Modell, das man damit über das betrachtete System erhält, ist also nach dem Prinzip der maximalen Ehrlichkeit gerade so gewählt, dass die Entropie im thermodynamischen Gleichgewicht maximal ist. Und folglich wächst die Entropie in einem System, das sich noch nicht im GGW befindet, zeitlich an.
Gruß
Oliver