Woher kommt das aber, dass man machen Akkorde als wohlklingend
empfindet und manche als „schief“?
Weil das Ohr nicht alle Schiefheiten geradebiegt.
Ich vermute, dass es mit der Informationsverarbeitung der
Signale vom Ohr zu tun hat.
Auch.
wenn
gewisse Nerven zugleich angesprochen werden und andere nicht.
Die Basiliarmembran im Ohr kann unterschiedliche Tonhöhen wahrnehmen, indem je nach Tonhöhe ein anderer Nerv in der Basiliarmembran angerührt wird.
Wenn das so sein sollte, welchen Sinn hätte das
evolutionsbedingt, dass man werten kann, ob Töne zueinander
passen oder nicht.
Man gewinnt ein Schönheitsempfinden vergleichbar dem des Auges, wenn es gewisse „reine“ Gestalten wie Kugel, Ei oder menschliche Silhouette wahrnimmt; vom Kleinkind her hängt es möglicherweise mit der ruhigen und gleichförmig weichen Stimme der Mutter zusammen. Die Informationsverarbeitung der Signale im Ohr ist zweitrangig gegenüber der schlichten Wahrnehmung von physikalischer Stimmigkeit/Einfachheit und Schrillheit/Kompliziertheit. Somit sind die Postings von Adam und Thomas sehr einseitig, das von Michael Bauer deutlich besser, wenngleich sie alle nicht Unrecht haben.
Es gibt eine physikalisch messbare Stimmigkeit der Töne, wie sie Michael Bauer beschreibt, und die führt dazu, dass Töne zusammenpassen. Das Gehirn ist fähig, solche Stimmigkeiten bis zu einem gewissen Grade für sein gewohntes Schönheits-(und Stimmigkeits-)empfinden herzustellen, also wenn zwei Töne sich so verhalten wie 1:1,999, dann macht das Gehör daraus vereinfachend ein Verhältnis 1:2. Somit sind auch die Stimmungen von Klavieren usw. (googeln unter „gleichschwebende Stimmung“ oder „gleichschwebende Temperatur“) meist gerade richtig genug, dass das Ohr die Richtigkeit selbsttätig ergänzt. Allerdings empfindet das Ohr zwei Töne mit tatsächlichem Verhältnis 1:2 nochmal als deutlich schöner, weicher zusammenklingend, braver/langweiliger und etwas leiser.
Wenn man die reinen Intervalle ausser der Oktave (Verhältnis 1:2:4:8:16:32:64…) auf einem Tasteninstrument spielen will, braucht man wenigstens 30 Tasten/Töne pro Oktave, um einigermassen fortschreitende Musik zu produzieren. Das wäre ein nur äusserst schwer spielbares Instrument mit wenigstens rund 30 Tönen pro Oktave. Daher gleicht man ein wenig aus. Bspw. könnte ich auf einem Klavier mit reinem C-Dur- und F-Dur-Akkord keinen D-moll Akkord spielen, das klänge total schief und dissonant, das Ohr würde sowas nicht ausgleichen; so ein Instrument wäre kaum brauchbar, es wäre denn, man gäbe ihm zusätzliche Tasten für d-moll und ähnliche oft im Zusammenhang mit C-Dur und F-Dur verwendete Klänge, und dann kommt man eben auf wenigstens 30 Tasten pro Leiter, um anständig spielen zu können; Versuche diesbezüglich werden übrigens zuhauf gemacht und sind auch zuhauf schon gemacht worden, vgl. z. B. die sehr schöne „mitteltönige Stimmung“ (in Gebrauch auf Instrumenten aus der Zeit zwischen 1400 und 1700), auf welcher man von den (2x)12 auf der herkömmlichen Tastatur möglichen Dur-(und moll-)Klängen immerhin (2x)acht brauchen konnte, weil die Quinte des Dreiklanges etwas zu klein und die Terz rein waren; diese Instrumente wurden dann erweitert auf bis zu 20 Tasten pro Leiter. Bei Lauten wurden ebenso Versuche gemacht mit reinen Klängen; es wurden Instrumente mit acht Saiten entwickelt, die schwer zu spielen waren, aber schön klingen.
Die reinsten Klänge erreicht man gewöhnlich mit dem Streichquartett. Geübte Spielerinnen und Spieler können dort die Tonhöhe der Reinheit des Klanges bis zu einem gewissen Grade anpassen. Also wenn Du ganz reine Klänge hören willst, bist Du bei guten Streichquartetten am besten beraten.
@Adam: Die Sache mit der Quarte ist eine alte Chimäre aus der Musiktheorie. Selbstverständlich ist die Quarte im Sextakkord oder im „Vierklang“ (Grundstellung des Dreiklanges mit Verdoppelungen) immer konsonant, aber über dem Bass als gedachtem („nicht-physikalisch konsonantem“) Grundton dissonant. Das war grundsätzlich immer in jedem abendländischen Musikstil so, ja überhaupt in jedem gelehrten Kompositionsstil, der einigermassen differenzierte Musik erfand; aber die Lehrbücher haben es nicht immer gleich behandelt. Wenn man ein zweistimmiges Stück aus lauter Konsonanzen herstellen will, kann man logischerweise keine Quarte verwenden, weil sie dann sonst immer über dem Bass stünde und dissonant wäre. Stellt man aber ein Stück aus drei und mehr Stimmen her, kann die Quarte zwischen zwei andern Stimmen als dem Bass stehen und ist unproblematisch, weil sie vom Ohr als Quint/Terz/Sext zum Grundton aufgefasst wird.
Vielen Dank
Gruß
Tim
Gruss
Mike