Hi Andreas,
ich habe neulich einen interessanten Text gelesen, der allerdings deutlich zu lang wäre, um ihn hier wiederzugeben, und den ich auch nicht digital verfügbar habe. Ich finde aber die darin enthaltene Argumentation nicht schlecht, weshalb ich sie kurz darstellen will.
Der Autor beschreibt, dass bei Tieren die differenzierte Betrachtung der Welt, wie wir sie kennen, nicht ausgeprägt ist. Sie denken in Kategorien, in fast schon symbolischen Begriffen, die sich um Revierabgrenzung und Rangordnung drehen. Wichtig für das ruhige Dasein eines Tieres ist demnach zum Beispiel, dass es weiß, welche anderen Lebewesen ihm überlegen, welche ihm unterlegen sind, egal ob dies Menschen oder Tiere sind. In diesem Text wird der Beweis versucht, dass es einem Tier egal ist, ob es am Ort A oder am Ort B ist, solange es seine Bedürfnisse befriedigt sieht. Um es an einem Nicht-Haustier zu verdeutlichen: Der Löwe merkt nicht, so behauptet der Autor des Textes, oder es kümmert ihn zumindest nicht, ob in Afrika seine Bedürfnisse klare Rangordnung, Fressen, Bewegen, Ruhen und Vermehrung erfüllt werden oder in Hagenbeck. Einem Husky ist es angeblich egal, ob er in Alaska jeden Tag Auslauf hat oder in Schkeuditz. Wichtig ist vor allem die Kontinuität. Deshalb, so argumentiert der Autor weiter, brechen Zootiere aus ihren Gehegen auch nur dann aus, wenn sie durch einen Störfaktor verunsichert werden und sich vertrieben fühlen. Ein Gepard in einem perfekt eingerichteten Zoogehege käme nie auf die Idee, mal schauen zu gehen, was denn hinter den Gittern liegt, da ihm nichts fehlt. Du als Mensch kannst natürlich feststellen, ob Du tatsächlich eine Wohnung in München Innenstadt hast oder ob Du auf einem Acker in Nordhessen bist, wo sie ein paar Pappkulissen und Straßenschilder aus Bayern aufgestellt haben. Einen Zustand zu simulieren, in dem sich ein Tier wohl fühlt, ist aber ungleich einfacher. Deshalb glaube ich, obwohl ich kein großer Befürworter von Haustierhaltung bin, dass es Haustieren per se nicht schlecht gehen muss. Dass viele Menschen es nicht verstehen oder nicht in der Lage sind, sich über die Bedürfnisse ihres Tieres zu informieren und diese zu simulieren, steht auf einem anderen Blatt.
Die Quelle (ISBN 3596156653 Buch anschauen) ist zwar Belletristik, aber ich finde die Theorie schlüssig.
Gruß
Christopher
