ich habe mich neulich mit einem depressiven Kollegen unterhalten, er sagte, wenn er depressiv ist, hört er gerne ruhige Musik bzw. Musik, die zu seiner Stimmung passt. Mir ist dabei an mir aufgefallen, dass es mir ähnlich geht. Geht es mir gut, höre ich eher fröhliche Musik usw.
Aber warum macht man das? Wäre es nicht viel sinnvoller fröhliche Musik zu hören, wenn es einem schlecht geht, genauso wie man Kaffee trinkt, wenn man morgens nicht aus dem Knick kommt?
ich habe mich neulich mit einem depressiven Kollegen
unterhalten, er sagte, wenn er depressiv ist, hört er gerne
ruhige Musik bzw. Musik, die zu seiner Stimmung passt. Mir ist
dabei an mir aufgefallen, dass es mir ähnlich geht. Geht es
mir gut, höre ich eher fröhliche Musik usw.
Aber warum macht man das? Wäre es nicht viel sinnvoller
fröhliche Musik zu hören, wenn es einem schlecht geht,
An dieser Stelle fällt mir auf, dass du ein emotionales Geschehen mit dem Verstand erklären willst.
genauso
wie man Kaffee trinkt, wenn man morgens nicht aus dem Knick
kommt?
Nun, Müdigkeit ist für mich kein ‚Gefühl‘, wie Fröhlichkeit oder Traurigkeit.
Müdigkeit möchte ich morgens ja loswerden und trinke deshalb - sinnvollerweise - Kaffee.
Bin mal auf eure Antworten gespannt.
Gefühle sollten ausgelebt werden. Wenn ich also in trauriger Stimmung bin, unterstützt mich traurige Musik darin, meine traurigen Gedanken zu bearbeiten und diese Trauer zu überwinden.
Wenn ich gut drauf bin, unterstützt mich die Musik in der guten Laune und kann dazu beitragen, dass sie länger anhält.
Sollte ich mich entscheiden, ein trauriges Gefühl loszuwerden, weil mich das Trauern nicht weiterbringt, dann höre ich durchaus mal Musik, die fröhlicher ist als meine Stimmung.
Ist für mich so alles plausibel. Wie siehst du das?
ich glaube du hast meine Aussage „Bin auf eure Antworten gespannt“ falsch verstanden" Ich hätte eher schreiben sollen „Bin auf die Antworten gespannt“ wollte hier keine Diskussion von Stapel brechen.
Ich „sehe“ das wohl genauso, obwohl ich eher der Typ bin der - zumindest verucht - sich nicht zu sehr von Gefühlen leiten zu lassen.
Was mich interessiert hat war eigentlich, warum man das gerade so macht, wie ich im Bespiel des depressiven Kollegen geschrieben hatte.
Wenn es so ist, dass man Gefühle ausleben sollte, will ich dem nichts entgegensetzen.
Bei einem psychisch gesunden Menschen dienen depressive Stimmungen zweifellos einem bestimmten nützlichen Zweck, Ausruhen, zur Besinnung kommen, usw. Deswegen ist es wahrscheinlich gar nicht gut, künstlich aus dieser Stimmung heraus zu kommen, und deswegen geht uns in diesem Zustand alles was aufmuntern soll, eher gegen den Strich.
Auch bei Müdigkeit sollte man eigentlich ja keinen Kaffee trinken, sondern ausschlafen. Kaffee ist ja ein künstliches Mittel, das indirekt wirkt. Streng genommen ein Suchtmittel und Gift.
ja denke ich mittlerweile auch, vielleicht hat es wirklich seinen Zweck und ist vielleicht sogar sinnvoll, aber man gibt einem Depressiven ja z.B. Medikamente, damit er seine negativen Gedanken vergisst. Das ist ja dann auch künstlich.*grübel*
aber man gibt
einem Depressiven ja z.B. Medikamente, damit er seine
negativen Gedanken vergisst. Das ist ja dann auch
künstlich.*grübel*
Vergleichbar mit dem Kaffee, mit dem wir künstlich unsere Müdigkeit vertreiben.
Hier sind Medikamente allerdings überlebensnotwendig.
Du musst unterscheiden zwischen gesund und krank.
Es gibt im psychischen Apparat ein grundsätzlichen Streben nach Konsistenz. In depressivem Zustand zur Stimmung passende Musik zu hören passt zu dieser Konsistenz.
Inkongruenz ist weniger erwünscht und wird unbewusst vermieden (denn deren Auflösung bedeutet Arbeit), weshalb entsprechende unpassende Musik vermieden wird. Hört man dennoch absichtlich unpassende Musik können mehrere Dinge passieren… Am wahrscheinlichsten ist eine Umdeutung, es gibt einige Musikrichtungen (Irisch-Keltisch angehauchte zum Beispiel) die auf verschienene Stimmungen hin interpretiert werden kann.