Warum -ing Form statt Nomen?

Hallo!

Mir ist in englischen Text aufgefallen, dass anstelle eines Nomens (das durchaus existiert) häufig die -ing Form der Verbform erscheint, selbst wenn ein entsprechendes Substantiv existiert.

Bsp.:

„After quarelling with his brother, Franklin…“
anstelle:

„After a quarrel with…“ (Nach einem Streit mit seinem Bruder, …)

Weshalb ist das so ? Gibt es dafür Gründe?

Lg
Jenna

-ing Form = Gerundium

Hallo!

Mir ist in englischen Text aufgefallen, dass anstelle eines
Nomens (das durchaus existiert) häufig die -ing Form der
Verbform erscheint, selbst wenn ein entsprechendes Substantiv
existiert.

Bsp.:

„After quarelling with his brother, Franklin…“
anstelle:

Ist das im Deutschen nicht genauso?
„Nach dem Streiten mit seinem Bruder, Hans …“

„Streiten“ mag kein so schönes Beispiel sein und der Satzbau ist falsch, aber:

„Nach dem Spielen ging Franz nach Hause …“

ist doch ok.

„After a quarrel with…“ (Nach einem Streit mit seinem
Bruder, …)

Dito:
„Nach dem Streit …“

Weshalb ist das so ? Gibt es dafür Gründe?

Die Regeln dafür kenne ich leider nicht, ein Blick in die Wikipedia hilft aber vielleicht weiter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gerund#Im_Englischen

Frank

Hi Frank

Ein Gerundium hat meines Wissens nach eine Zwischenstellung zwischen Nomen und Verb. Dies erklärt aber noch nicht, warum ein Gerundium anstelle eines ‚reinen‘ Nomens gebraucht wird.

Ist das im Deutschen nicht genauso?
„Nach dem Streiten mit seinem Bruder, Hans …“

Hier würde man im Deutschen nicht „Streiten“ benutzen, klingt nicht richtig.

„Streiten“ mag kein so schönes Beispiel sein und der Satzbau
ist falsch, aber:

„Nach dem Spielen ging Franz nach Hause …“

ist doch ok.

stimmt, hier ist es im deutschen richtig. Spielen betont eher den Verlauf würde ich sagen. Zwischen Deutsch und Englisch gibt es offenbar Unterschiede, aber woher weiß ich, wann ich im Englischen ein Gerundium einsetzen muss und wann lieber ein Nomen?

Gruß, Jenna

Hi,

beide Sätze sind aber richtig. Die ing-Form betont aber im Gegensatz zum Nomen die Prozesshaftigkeit des ganzen.

die Franzi

Hi miezekatze,

ja, das habe ich auch vermutet (s.u. meine Antwort auf Franks Beitrag

Im Englischen wird jedoch in vielen Kontexten mehr zum Gerundium gegriffen als zum Nomen anders als im Deutschen.

Kann man etwas ableiten, gibt es schon Regeln ?

Lg
Jenna

Hi,

Die ing-Form betont aber im Gegensatz zum Nomen die Prozesshaftigkeit des ganzen.

(Zitat aus meinem Artikel)

Die ing-form ist außerdem formeller. da du vermutlich mehr Engl liest als sprichst, musst du zwangsläufig mehr ing-forms finden. Regel gibt es keine.

die Franzi

Hi,

mir geht es auch nur um das schriftsprachliche Englisch. Das mündliche sei ausgeklammert. Meine Frage war daher nicht, ob ein Nebensatz durch eine - ing Form ersetzt wird (wie es hier der Fall wäre: „After he had quarrelled --> After quarelling“) sondern warum nicht gerne auch ein Substantiv gebraucht wird, falls eines existiert: „After a quarrel“.
Im Deutschen würde man nicht sagen „Nach dem Streiten“. Es würde „Nach dem Streit“ bevorzugen. Mit anderen Verben kann es jedoch umgekehrt sein.
Die Frage war, was den Unterschied zwischen beiden Sprachen in diesem Punkt ausmacht.

Lg, Jenna

Hi,

langsam verzweifle ich hier…

Englisch kann wählen zwischen „After quarrelling“, „After he had quarrelled“ und „After a/the quarrel“. Die ing-form betont das Prozesshafte, die Dauer, der REst nicht. Die ing-form kommt im schriftlichen Englisch etwas häufiger vor als im gesprochenen Englisch, weil es formaleres Englisch ist. Schreiben kann man aber alle drei Formen, und sprechen auch, alle sind korrekt, auch im Schriftenglisch. Regeln für die Verwendung gibt es keine, das ist, bis auf die Prozesshaftigkeit und den Stil, persönlicher Geschmack.

Im Deutschen würde man nicht sagen „Nach dem Streiten“. Es würde „Nach dem Streit“ bevorzugen.

Er liegt sich mit seinem Bruder oft in den Haaren. Nach dem Streiten sind beide immer noch stundenlang nicht ansprechbar.
Ich hatte gestern einen Streit mit meiner Schwester. Nach dem Streit bin ich ihr bis heute morgen aus dem Weg gegangen.
Er hat sich mit seinem Bruder gestritten und geschlagen, sie haben diskutiert und auch gelacht. Nach dem Streiten sind sie aber gemeinsam zum Kuchenessen gegangen.

Wenn du hier was lieber magst, ist das Dein persönlicher Geschmack. Regeln gibt es auch hier keine.

Nochmal: Weder für das Englische, noch für das Deutsche gibt es Regeln, wann man das Verb, das Substantiv oder (im Englischen) die ing-form verwendet. Keine, Gar nicht. Geschmackssache.

die Franzi

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Hi Miezekatze,

ich glaube wir reden aneinander vorbei. Meine Wahrnehmung ist eine andere.
Dass es um Prozesshaftigkeit geht bei der Auswahl der -ing Form hatte ich schon selbst geschrieben. Dass Stil eine Rolle spielt, ist ebenfalls klar.
Meine Frage war vielmehr, warum hat sich das im Englischen so entwickelt (sprachgeschichtlich gesehen)? Diese sehr starke Tendenz zur Gerundivform, die im deutschen auch in formalen Texten meinem Eindruck weniger häufig vorkommt. Der Eindruck kann natürlich täuschen.

lG
Jenna

Hi,

dass Du meinst, dass es im Englischen eine starke Tendenz zum Gerundiv gibt, hat einen einfachen Grund: Es fällt dir im Englischen auf, weil es im Deutschen gar nicht geht - wir haben kein Gerund. Strenggenommen handelt es sich bei „After quarrelling with his brother…“ um eine absolute Partizipialkonstruktion, die ing-form ist hier genaugenommen ein present participle. Das Deutsche hat ein Partizip I (streitend, lesend, sehend, …), aber es kann keine absoluten Partizipialonstruktionen bauen. Das Deutsche verwendet das Partizip I als Adjektiv oder adverbial http://www.canoo.net/services/Controller;jsessionid=…
Jemand, der des Deutschen in der Theorie besser mächtig ist, mag dir erklären, warum das Deutsche Konstruktionen wie „Mit seinem Bruder gestritten habend, …“ nicht mag / verwendet.

Ich kann dir allerdings erklären, wie es dazu kam, und noch dazu kann ich es Dir für beide erklären.
Warum ist es so? - Darum.
Und das ist die Wahrheit, keine Ironie, und schon kein Sarkasmus. Der Grund ist tatsächlich „Darum.“ Ironie bzw. Verzweiflung würde die ERweiterung „Um Studenten und Schüler zu ärgern.“ hinzufügen würde.

die Franzi

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Hi miezekatze,

die Terminologie geht ziemlich durcheinander.

Auf dieser Seite
http://www.english-study.de/grammatik/gerunds_gerundium

wäre die -ing Form nach „After…“ ein
Gerundium

s. Überschrift „Gerundium und Partizip Präsens (Present Participle)“, Bsp
2a.

Wahrscheinlich ist es am besten sich von der Terminologie gänzlich zu lösen und sich nur die unterschiedlichen Gebrauchsweisen anzusehen…

lg
Jenna

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stimmt, hier ist es im deutschen richtig. Spielen betont eher
den Verlauf würde ich sagen. Zwischen Deutsch und Englisch
gibt es offenbar Unterschiede, aber woher weiß ich, wann ich
im Englischen ein Gerundium einsetzen muss und wann lieber ein
Nomen?

Keine Ahnung, ob man das wirklich tatsächlich so pauschal sagen kann, aber ich würde wagen, zu behaupten, das Englische hat einfach eine Tendenz zum Gerund.

Allgemein wird im Englischen vieles, was im Deutschen mit einem Substantiv oder auch Adjektiv* ausgedrückt wird, eher mit einer Verform ausgedrückt.

Oftmals gibt es auch nur die Gerund-Form:
EN: I’ve done the shopping.
DE: Ich hab den Einkauf erledigt. oder
Ich war einkaufen.

See what I mean?

Ansonsten erwähnte wohl jemand, dass nach ‚after‘ das gerund sehr üblich ich (after DOING something**, e.g. ‚after doing the shopping, I went home‘).

gruss, isabel

*ich hab mal verzweifelt nach einer GUTEN Übersetzung für ‚schleimig‘ gesucht: Über einen Text, der davon nur so triefte, wurde gesagt ‚schleimiger geht’s ja nicht mehr‘. Lauter professionelle Übersetzer überhäuften mich mit Adjektiven, die es aber alle nicht trafen.
Warum nicht? Weil das einzige, was im Englischen gut klingt, lautete:
‚You couldn’t suck up more if you tried!‘

**und Iren sagen dann auch noch sowas wie:
‚I’m after doing the shopping‘
wenn ausgedrückt werden soll ‚I HAVE (just) DONE the shopping‘. Das ist eine Konstruktion, die der irischen Sprache (also dem Gälischen) entnommen ist. But I don’t want to confuse you!

Hi,

stimmt, hab ich zu oberflächlich nachgelesen.

Wahrscheinlich ist es am besten sich von der Terminologie gänzlich zu lösen und sich nur die unterschiedlichen Gebrauchsweisen anzusehen…

Jetzt hast du es! :smile:
Die Schulgrammtik die vor mir liegt (Ungerer et al., Learning English, A Guide to Grammar. Klett Verlag) hat alleine 9 Paragraphen zur Verwendung des Gerund, davon einige eine ganze Seite lang und jeder mit mind. einer Ausnahme. Allen aber ist gemein, dass sie Konstruktionen angeben, in denen das Gerund steht.

die Franzi

Hi,

ich würde wagen, zu behaupten, das Englische hat einfach eine Tendenz zum Gerund.

Genau, oder andersrum formuliert: Das Deutsche liebt Substantive, das Englische bevorzugt Verben.

das einzige, was im Englischen gut klingt, lautete:

‚You couldn’t suck up more if you tried!‘

Das liegt daran, das in beiden Sprachen Bilder verwendet werden, um diesen Charakterzug / dieses Verhalten zu beschreiben. Aber es sind eben verschiedene Bilder - die beide trotzdem etwa lästiges / ekliges beschreiben (ich bin keine Englischmuttersprachlerin, aber ich glaube jetzt mal, dass es nicht DAS „suck“ ist - das soll ja Spaß machen, hab ich mir sagen lassen, und dann würde das Bild ja nicht mehr funktionieren)

die Franzi

Hi,

Sowohl „Nach dem Streiten“ als auch „Nach dem Spielen“ sind im Deutschen möglich, nur dadurch, dass der Infinitiv benutzt wird, klingt es so, als würde ein Punkt auf der Tagesordnung erledigt. Das ist beim Spielen legitim - das plant man, man freut sich drauf, man beendet es - falls man die Zeit hat - ordnungsgemäß, bevor man etwas anderes anfängt … mit Streiten verbindet man das in der REgel nicht, daher klingt es schief im Ohr. Wenn man sich allerdings ein altes Ehepaar vorstellt, in einem alten Märchen, dasseit gefühlten 100 Jahren verheiratet ist, in einer einsamen Hütte lebt und nichts anderes zu tun hat zur Unterhaltung als den täglichen Streit, dann könnte man sich folgenden Märchenauszug denken…
„… waren schon ewig verheiratet, und sie kannten einander so gut. Das einsame Leben machte ihnen nichts aus, im Gegenteil … beide waren arge Hitzköpfe und konnten sich auf wunderbare Weise über die kleinsten Kleinigkeiten in die Haare gelangen. Aber auf genauso wundersame Weise beruhigten sie sich jedes Mal nach dem Streiten, setzten sich auf die Ofenbank und sahen den Flammen zu. …“

die Franzi