Warum ist ein Hausbau so teuer?

Hallo,

hab in verschiedenen Internetforen gestoebert und bin immer auf exorbitante Preise fuer einfachste Bauvorhaben gestossen.

Als Laie kann ich mir jedoch nicht erklaeren wie diese zustande kommen. Steine sind nicht so teuer, das Decken einziehen wahrscheinlich auch nicht, die Leitungen koennen nicht die Welt kosten und ein Dach besteht auch nur aus Holz und Ziegeln. Die Arbeiter brauchen fuer den Bau auch keine 5 Jahre und der Papierkram, Architekt ist zwar teuer aber kann doch auch nicht fuenfstellig sein…

Weiss jemand was einen Hausbau so teuer macht bzw. was die extrem teueren Posten sind?

Gruss und Dank

Desperado

P.S.: Wenn jemand noch eine ungefaehre Prognose fuer einen Reihenhausanbau, ca. 120 qm ohne Keller machen kann waere das nicht schlecht.

Hallo Desparado,

Deine „Beobachtung“ bezüglich der Kosten ist leider nicht nur auf den Hausbau i. S. v. tatsächlicher Errichtung beschränkt, sondern beginnt weit vorher: Spekualtion um Bauerwartungsland, Preis für Bauland, Maklercoutrage und ggf. Bauträgervergütung, Erschließungskosten, Baugenehmigung usw. usf…

Auch nach Fertigstellung des Gebäudes fallen weitere Kosten (einmalig und laufend) an: Anschlusskosten an das Energieversorgungsnetz (Telefon, Wasser, Abwasser, Strom und ggf. Gas), Pflasterung von Hofeinfahrt und Terrasse, Carport oder Garage, Zaunanlage, Gartenanlage, Gartenbepflanzung, Inspektionskosten (z. B. für Heizungsanlage), Instandhaltungskosten für Haus und Garten (Farben, Malerarbeiten) . . .

Dazwischen fallen die Kosten für den eigentlichen Hausbau an. Darauf kannst Du zwar beträchtlich Einfluss nehmen, indem Du die Größe variierst, musst allerdings immer gesetzliche Vorgaben einhalten (Z. B. bezügl. Dämmung und ggf. First- oder Traufhöhe, Dachart, Dachneigung, Dachziegelfarbe, Farbe und Art der Verblendung, Fenster usw. usf.). Obwohl man meinen könnte, dass aufgrund dieser Rahmenbedingungen gar kein großer Unterschied möglich ist, lohnt sich eine umfassende Beratung durch einen Architekten, auch und besonders unter dem Aspekt Kostenersparnis, und natürlich der Preisvergleich. Mitunter sind Festpreisangebote von Firmen im/aus dem ländlichen Raum trotz gleichen Qualitätsstandards und Umfangs günstiger als Angebote ortsansässiger Firmen in Ballungsgebieten oder Boomregionen.

Fazit: Es nützt (Dir) nicht, über die Preise zu klagen - entweder Du baust oder lässt es bleiben. Wenn Du aber bauen willst, lohnt sich in jedem Fall kompetente Beratung, ohne die Du Gefahr läufst, nach Strich und Faden über der Tisch gezogen zu werden (ggf. kannst Du mit dem Berater eine Erfolgsprämie in Abhängigkeit von den Einsparungen vereinbaren?!). Dann bleibt Dir immer noch, selbst nach günstigeren Anbietern Ausschau zu halten . . .

Moin auch,

das Ding will geplant werden, Statik muss berechnet werden, x Materialien, Handwerker etc. Grundstück, Erschließungskosten usw. Und letztendlich wollen ja alle Beteiligten auch was dran verdienen.

Alternative: Gehe in die USA und kaufe ein Haus. Die kriegst du spottbillig, musst aber auch damit rechen, dass der erste Sturm das Ding einfach umbläst, denn: Wer billig kauft, kriegt billig.

Ralph

und ein Dach besteht auch nur aus Holz
und Ziegeln…

Hi,

tja, wenn du meinst…

guck dir das bild mal an: (bischen nach unten scrollen)
http://www.kunden.rjm-media.de/schrapp/html/dachdeck…

Und so ist es mit allem im Haus.

1,5 km FBH-Rohre sind im Haus schnell mal verbaut…
12 Steckdosen reichen im Wohnzimmer mit Büro nicht aus und in der Küche habe ich auch 13 Stück.

Heute baut häuser nun anders als 1830. Man hat nun Bad, mehrere Toiletten, viele große Fenster und Wärmedämmung, Strom und vieles mehr!

Die durchschnittlichen Baukosten betragen so pi mal daumen 1300 € pro qm.

grüße
miamei

Hallo Builder und andere,

mein Ziel war es eigentlich nicht zu jammern sondern zu erfahren was genau die teueren Elemente beim Hausbau sind denn dann koennte ich diese evtl. selbst machen bzw. zusammen mit Helfern.

Meine Grosseltern haben ihr Haus selbst gebaut und nur die Decken einziehen lassen - damals gab es zwar nicht so viele Bestimmungen aber ich denke nicht dass alles mittlerweile so komplex geworden ist dass man ueberall Fachleute braucht.

Weisst Du zufaellig wo es sich am meisten lohnt selbst taetig zu werden?

Gruss

Desperado

P.S.: Ich dachte dass durch die grosse Konkurrenz und die niedrige Nachfrage im Bausektor die Gewinnspannen relativ niedrig sein muessten, aber da ich keine teueren Elemente beim Bauen erkennen kann aber trotzdem nur teueren Preisen entgegenkomme muss der Gewinn dort doch relativ hoch sein.

Hallo,
ich denke teuer machen das die enorm vielen kleinen Posten auf deiner Rechnung. Zig kleine Beträge ergeben hinterher halt auch einen großen.
Wenn man halbwegs (oder besser ein bisschen mehr) talentiert kann man fast den kompletten innenausbau selber machen. Nur Elektroanschlüsse würde ich lieber dem Fachmann überlassen.
Gruß dudde

Hallo Deperado,

der Hinweis auf die Großeltern durfte nicht fehlen - vllt. kam er sogar von denen selbst.

Sofern die nicht mächtig investiert haben, hat das seinerzeit von denen selbst gebaute Haus heute allerdings vermutlich lediglich Erinnerungswert, weil es dämm-technisch als Ruine einzustufen sein dürfte.

Bezügl. Heizung, Sanitär, Elektrik, Lüftung udgl. kannst Du selbst nur dann was machen, wenn Du vom Fach bist - und dann hättest Du vermutlich hier nicht gepostet. Als Laie (als solchen schätze ich Dich anhand Deines Textes ein) kannst Du ggf. bei einzelnen Gewerken durch Muskeleinsatz sparen: Handlangertätigkeiten beim Rohbau, Dämmarbeiten im Dachbereich, Arbeiten im Außenbereich . . .

Wenn Du ein schönes Badezimmer willst, liegt ein Großteil der Kosten in den Materialien. Dann durch selbst-hingepfuschte Fliesen das ohnehin teure Bad zu verhunzen, halte ich für kontra-produktiv.

Fazit: Wenn Du bei der Auftragsvergabe an FACHfirmen günstige Bedingungen und akzeptable Preise (natürlich immer innerhalb eines bestimmten Niveaus, sonst bekommt man Pfusch!) aushandelst, sparst Du vermutlich mehr als durch unfach- und unsachgemäße Eigenleistung.

Für die meisten Jobs im Baubereich muss man nicht nur 3 Jahre lernen, sondern sich heutzutage auch ständig weiterqualifizieren. Wer das nicht gemacht hat und weiterhin tut, der baut halt wie zu Großelternzeiten. Allerdings spart man dadurch nicht wirklich, sondern zahlt langfristig eine wesentlich höhere Zeche durch Mehrverbrauch an Energie und das Risiko aufwändiger Sanierungsmaßnahmen.

Im übrigen gehe ich davon aus, dass weder die Löhne noch die Gewinnmargen im Baugewerbe höher sind als z. B. in der KFZ-Branche: Würdest Du jemand an Deinem Auto rumfummeln lassen bzw. von jemand ein Auto kaufen, der überhaupt keine Ahnung davon hat, aber geringfügig billiger ist als der Fachhändler bzw. die Fachwerkstatt? Dabei gibt man i. d. R. sein Auto nach wenigen Jahren ab und kauft ein neues - ein Haus soll möglichst für mehrere Generationen halten! Denk´ Mal drüber nach . . .

Hallo dudde,

Wenn man halbwegs (oder besser ein bisschen mehr) talentiert
kann man fast den kompletten innenausbau selber machen.

ich habe etliche „fertige“ Badezimmer solcher Multi-Dilettanten gesehen - also die selbst verlegten Fliesen an Wänden und Böden.

Für so einen Murks hätte keiner der Bastler auch nur einen einzigen Cent an eine Firma gezahlt, sondern diese vermutlich auf Schadensersatz verklagt - aber die enorme Ersparnis von +/- 1.000 Euro in einem Bad von 15 TEURO soll das rechtfertigten. Selbst wo die Männer (als mehr oder minder stolze Bastler) das so sahen anstatt ihren Pfusch einzugestehen, haben deren Frauen geweint . . .

Lass mich raten - du bist Fliesenleger?

Hallo

zuerst mal:

Jahre und der Papierkram, Architekt ist zwar teuer aber kann
doch auch nicht fuenfstellig sein…

http://www.hoai.de/online/HOAI_2009/HOAI_2009.php#34

wenn ich dann noch die 1.300 € die hier genannt wurden mit deinen gewünschten 120 m² verrechnest kommst Du auf 156 k€ und das macht nach der Tabelle oben einen Betrag zwischen 12.000 und 20.000€ - nur für den Architekten. Das kann je nach Umfang der Arbeiten nach unten aber auch nach oben ausschlagen.

und wegen den „Ich dachte dass durch die grosse Konkurrenz und die niedrige Nachfrage im Bausektor die Gewinnspannen relativ niedrig sein muessten“:

Weiß nicht wo du wohnst, aber wenn ich die zeitung aufschlage und die Preise von Häusern anschaue, die gehen bei uns (Stuttgarter Speckgürtel) durch die Decke… Das wird bei Bauland und auch bei Neubauten genauso sein, denn die, die es sich leisten können, werden ihr Geld jetzt gerade in eine Immobilie anlegen…

Grüße

Moin,

Weiss jemand was einen Hausbau so teuer macht bzw. was die
extrem teueren Posten sind?

schau Dir ein durchschnittliches Haus in den NL an.
Kostet ca. die Hälfte dessen, was man im Schnitt in D ausgiebt.

Alle Installationen sind auf Putz.
Wände sind Pappedeckel, selbst bei den tragenden hab ich oft kein sooo gutes Gefühl.
Isolation ist, sagen wir mal gnädig, so lala.
Qualität der Armaturen würde mir nicht ins Haus kommen.
Keller ist Fehlanzeige.
Raumgröße erinnert oft genug an großzügigen Wandschrank.

Man kriegt, was man bezahlt.

Gandalf

Desperado,

für das genannte Geld (die Grundstückskosten gehören stets rausgerechnet) kriegt man beim Hausbau - abgesehen von der geistigen und/oder körperlichen Leistung der Architekten, Statiker, Bodengutachter, SiGeKos, Prüfingenieure, Bauleiter, Poliere, Handwerker,… - außerdem auch noch einen dauerhaften materiellen Gegenwert. Das ist weder bei der Arbeit des Consultant so noch beim Psychologen, oder? Also wofür nehmen die dann ihre (auch gefühlt: ebenso exorbitanten) Honorare?

Gruß
smalbop

Hallo Gandalf,

volle Zustimmung bezügl. der „Häuser“ in NL - allerdings sind dort m. W. der weitaus größte Teil nicht gemietet, sondern Eigentum . . .

Hallo,

neben dem Aspekt des materiellen Wertes eines Hauses (einer Immobilie) an sich, tätigt man eine Investition in eine absolut krisensichere Anlage, welche oft genug sogar mit zunehmendem Alter im Wert wächst - bei solider und qualitativ guter Ausführung mind. aber wertstabil bleibt.

Leicht oT: Warum ist ein Hausbau so teuer?
Hallo Desperado,

wenn man sich deine gesammelten Anfragen so durchliest wird man den Verdacht nicht los, dass Du auf Teufel komm raus es Dir zum Lebensziel gemacht hast Dinge erreichen zu wollen, die man rein faktisch nicht erreichen kann. Es ist aber nicht nur eine fixe Idee auf beliebig schrägem Wege zum Immobilieneigentümer aufzuschwingen, sondern man kann sich damit das ganze Leben versauen. Denn es ist ja nicht mit Erwerb/Bau getan, sondern so ein Ding kostet Unterhalt und Pflege. Und je verrückter und billiger der Erwerb/Bau ist, um so mehr wird die Erhaltung in einem irgendwie noch als bewohnbar zu bezeichnenden Zustand kosten. Und kannst Du diese Erhaltung nicht leisten, wird Dir so ein Objekt früher oder später über dem Kopf zusammenfallen, oder unter den Füßen weggammeln, …

Es gibt unzählige professionelle Bauherren, Projektentwickler, … die ganz genau wissen, dass man eine noch irgendwie annähernd verkauf/vermietbare Wohnung/ein entsprechendes Haus nicht unter einem bestimmten Preisniveau bauen kann. Und das sind Leute bei denen Skaleneffekte eine große Rolle spielen, und die für ihren eigenen Profit alles dafür tun, die Kosten so gering wie nur möglich zu halten. Da werden gerne auch mal illegale Methoden genutzt, wie Schwarzarbeit, … und trotzdem kommen die nicht ansatzweise auf die Größenordnungen die Dir offenbar vorschweben. Und als Laie, der ein einzelnes Objekt haben will, wirst Du nie auch nur ansatzweise die Preise wie so ein Großer bekommen. Daran änderst Du auch nichts großartig, wenn Du hier drei Fenster vom Sperrmüll, da ein paar alte Dachpfannen vom Nachbarn, … organisierst.

Schräg hinter uns steht ein Objekt, was jemand seit über zehn Jahren nach dem Motto baut, gekauft wird, was gerade billig zu haben ist, gebaut wird, wenn Zeit und Geld da ist, und sich damit wahrscheinlich wahnsinnig schlau vorkommt, und allen die lange Nase zeigt, die für ein normales Bauprojekt ja so viel mehr ausgeben. Schwachmat: Der Guteste zahlt seit zehn Jahren Miete, weil er nicht einziehen kann, hat gleichzeitig massiv Kapital gebunden, was keine Zinsen erwirtschaftet, und durch den langsamen Baufortschritt kann er nach Einzug vermutlich gleich mit den ersten größeren Sanierungsmaßnahmen wieder anfangen.

Also ein guter Rat: Entweder man hat das Geld für einen normalen Bau/Erwerb und den laufenden Unterhalt einer eigenen Immobilie, oder erfreut sich lieber daran, dass man monatlich eine recht konstante Miete zahlt, egal, ob gerade das Dach weggeflogen ist, ein neues Gesetz dringend nach einer neuen Heizung verlangt, …

Gruß vom Wiz

Jaja - in USA ist alles billig - da gilt genauso das Gebot von Angebot und nachfrage - und wo Grund knapp ist und die Nachfrage groß, können Immobilienpreise TROTZ Pappdeckelqualität exorbitant sein (in GB gilt das Gleiche)

San Francisco Vorort Reihenhaus ohne nennenswertes Grundstück, kein Keller, kein Dachboden, etwa 120 qm etwa 750.000 $ (jetzt, in der Immo-Krise - das war auch schon auf 870.000 $ bewertet)…

Wendy