Hallo Dalga -
zu Nadines sehr treffenden Anmerkungen passt, womit ein Tolstojscher Klassiker beginnt (sinngemäß): Alle glücklichen Familien sind einander gleich, aber jede unglückliche Familie ist auf ihre ganz eigene Weise unglücklich.
So ziemlich jede über das Triviale hinausgehende Romanhandlung entspinnt sich an Konflikt. Das bedeutet nicht: je größer die Katastrophe, desto besser der Roman. Aber es bedeutet, daß fast jeder ‚Klassiker‘ mindestens ein wesentliches dramaturgisches Element enthält, das eine heile Idealwelt bedroht oder zusammenbrechen läßt.
Ein Ausnahmegenre mag m.E. das Genre der ethnographischen Literatur und/oder der Reiseliteratur bieten. Obschon es auch darin oft um Konflikte, Probleme etc. geht, halte ich doch viele Klassiker in diesem Bereich für durchaus positiv gestimmte, teils auch heitere Bücher.
Suzuki, Leben unter dem Schnee
Turi, Erzählungen vom Leben der Lappen
Synge, Die Aran-Inseln
Böll, Irisches Tagebuch
Chatwin, Traumpfade
etc.
Ferner gibt es das Problem, daß sich im Zuge der Intellektualisierung und Akademisierung des Bücherlesens dummerweise eingebürgert hat, sich zu verbieten, hochwertige Literatur als humoristisch zu lesen - selbst wenn sie offenbar so gemeint ist. Denn was ist mir Sternes „Tristram Shandy“? Und Fieldings „Tom Jones“? Und auch Joyce hat sich zu Lebzeiten darüber aufgeregt, daß etwelche Literaturprofessoren darauf bestanden, den „Ulysses“ nicht als das zu lesen, als was es Joyce u.a. gemeint hatte, nämlich als durchaus auch humoristisches Buch.
Ich würde Dir gerne noch andere Romanwerke empfehlen, die sowohl anspruchsvoll, arriviert als auch alles andere als deprimierend zu lesen sind, aber da meine spezielle Vorliebe der Phantastik gilt, wärst Du da evtl. weniger glücklich…
Liebe Grüße
Pengoblin