Hallo, Tim!
http://www.ferrari-germany.de/index.php?page=product…
Hier finde ich leider nur einen allgemeinen Verweis auf die Typenpalette. Welches Modell meinst Du denn genau?
Wie kann es jetzt sein, dass der Ferrari schneller von 0 auf
100 km/h ist?
Erster, etwas gemeiner Erklärungsversuch: Weil es italienische Angaben sind. Etwas Temperament, etwas Optimismus, etwas Lokalpatiotismus, und schon haben wir das beste Auto der Welt - auf dem Hochglanzprospektpapier!
Wenn 4 Räder angetrieben werden, dann können die doch mehr
Kraft übertragen.
Zweiter, etwas kurzer Erklärungsversuch - hier als Antithese: Warum, meinst Du, wurde wohl der Allradantrieb für Straßenfahrzeuge (!) eingeführt? Warum baute Lotus ein Formel-1-Auto mit Allradantrieb (in den 60-ern)? Warum schlug Audi in der ersten DTM die BMW mit einem 4-türigen Schlachtschiff (Audi 200 bzw V 8), bei dem Ansätze von Aerodynamik nicht einmal erkennbar waren? Warum haben ALLE WRC-Autos Allradantrieb?
Weil er einfach die bessere Lösung ist. Basta!
Beide Kfz haben doch Motoren, die die Reifen ohne Probleme
durchdrehen lassen können.
Und jetzt wirds schwierig! Motoren, ja. Aber was ist mit Regelungstechnik, ASR, Auslegung des Antriebsstrangs?
Wie muss man sich nun das Zustandekommen von diesen
Sprintwerten erklären?
Hat der Ferrari mal kurz Formel1 Reifen aufgezogen oder gibt
es doch irgendwelche Normen, die man einhalten muss?
Zuverlässige Vergleiche kannst Du nur unter identischen Bedingungen anstellen. Also: z.B. „rallye-racing“ Vergleich am selben Tag (Luftdruck, Temperatur, Fahrer, Fahrbahnbedingungen vergleichbar im Wortsinn). Schau doch mal im Archiv unter Vergleich Supersportwagen oder bei „auto-motor-sport“ Vergleichstest nach.
Hälfte an Maximalkraft
Hier meinst Du wohl die von den Reifen übertragbare Kraft?
Schnapp Dir mal ein paar Audi-Prospekte und halte bei gleicher Motorisierung und identischer Getriebeausstattung (nur bei wenigen Modellen möglich) gegeneinander: Gewicht (Nachteil Quattro zwischen 80 und 150 kg), Spritverbrauch (Nachteil Quattro) und Endgeschwindigkeit (Nachteil Quattro). Beschleunigung: je stärker das Auto, desto stärker Quattro-Vorteil (in meiner Erinnerung 0,2 bis 0,4 sec).
Aaber: Wenn Du z.B. bei 95 km/h schalten mußt, während der Konkurrent sich genau diesen Schaltvorgang sparen kann, weil er einen Hauch länger übersetzt ist, dann ist der Sprint bis 1oo sein Revier, während ein andauernder Wettbewerb bis zur Spitze die Verhältnisse wieder gerade rücken würde. Das gilt natürlich auch für andere heckgetriebene Konkurrenten. Der Zeitverlust für den Schaltvorgang würde den Ferrari dann halt bei einem Sprint bis 120, 140 oder so treffen. Alles klar?
Allradantrieb in der Formel 1 ist meines Wissens seit einiger Zeit nicht mehr erlaubt, würde auch bei den Crashtests (wo Antriebsstrang plazieren?) und Gewichtsregeln Probleme aufwerfen und die Aerodynamiker (unverkleidete Vorderachse!) vor unlösbare Probleme stellen. Aber ich bin ja nicht John Barnard, vielleicht liege ich in diesem Punkt daneben.
Zusammenfassung: Bei wirklich(!) vergleichbaren Fahrzeugen bringt der Allradantrieb im Sprint um so mehr, je stärker das Auto ist und umso schlechter der Untergrund ist. Im Alltag bringt er eine Reihe von Nachteilen, deren Gewichtung vom Einsatzbereich abhängt. Prospektwerte taugen bei einer ins Detail gehenden Beobachtung herzlich wenig.
Vielleicht kannst Du damit etwas anfangen, es war interessant, auch die Kommentare auf Deine Frage zu lesen.
Gute Fahrt, mit wieviel Rädern auch immer, Kai-Reginald!