Warum ist Kraftstoff (fuer Autos) so teuer?

oder anders gefragt: Warum ist die Rohoelnachfrage so wenig flexibel?

Hallo,

klar, einige Dinge brauchen Rohoel als Rohstoff - aber zumindest zur Fortbewegung ist es nicht erforderlich denn es gibt genug Alternativen.

Wenn man davon ausgeht dass die Nachfrage nach den Rohoelbestandteilen die nicht zu Mobilitaetszwecken verwendet werden halbwegs konstant ist (unabhaengig vom Preis) muesste man doch davon ausgehen dass auch das Angebot an Rohoelbestandteilen welche zu Mobilitaetszwecken dienen ungefaehr gleich bleibt - d.h. das Angebot bleibt gleich aber bedingt durch z.B. Spekulation erhoeht sich der Preis.

Theoretisch muesste man davon ausgehen dass der Konsument auf Alternativen umsteigen wuerde und diese vom Markt auch angeboten werden wuerden, bis der Preis wieder faellt - aber das passiert nicht (bzw. kaum) - warum?

Gruss

Desperado

P.S.: Falls sich einige fragen was die Alternativen sein sollen:
Z.B. kann man Kraftstoff fuer Automobiele aus Pflanzen, Tierkadavern usw. gewinnen, Erdgas, Fluessiggas, Wasserstoff, Elektroantrieb usw. eignen sich ebenso.

Ich beschränke mich mal nur auf den Markt der Autofahrer:

Deine Theorie (und die Theorie der freien Marktwirtschaft) basiert darauf, dass der Preis steigt, wenn die Nachfrage steigt; wenn der Preis zu hoch steigt, sinkt die Nachfrage und der Preis sinkt ebenfalls wieder. Nach dieser freimarktwirtschaftlichen Theorie reguliert sich der Markt also bekanntlich selbst (wie oft das nicht zutrifft, erleben wir oft genug, auch in diesem Falle).

Tatsache ist, dass der Großteil der Autofahrer ohne ihr Auto nicht auskommen kann/will, d.h. er muss seine Versorgung mit in 98 Prozent der Fälle herkömmlichem Kraftstoff aufrechterhalten. Dies hebelt das eben beschriebene Prinzip aus, denn während der Preis immer weiter steigt, stagniert (bzw. steigt aufgrund von immer mehr Autos) die Nachfrage, wo sie nach herkömmlicher Theorie sinken müsste, weil sie einfach nicht sinken kann, da die Autofahrer ihr Auto einfach brauchen. Natürlich gibt es genügend alternative Technologien, von denen aber eigentlich nur die Elektrotechnologie vielversprechend ist (z.B. Rapsölautos sind in größeren Mengen versorgungstechnisch unmöglich zu handhaben). Hier ist der Markt aber extrem träge, insbesondere da diese Technologien preislich noch sehr ungünstig liegen und z.B. - um beim Beispiele des Elektroautos zu bleiben - noch einige (versorgungs-)technische Schwierigkeiten bestehen.

Aber spätestens, wenn diese neuen Technologien wirklich massentauglich sind und auch die Hersteller umschwenken (d.h. wenn es sich für sie lohnt), wird auch der Markt entsprechend reagieren, vorher aber auch nicht.

Hallo

Auch in anderen Bereichen gibt es Preise, die nicht unbedingt logisch sind. Warum verdient zum Beispiel ein Bäcker weniger als ein Automechaniker?

Z.B. kann man Kraftstoff fuer Automobiele aus Pflanzen,
Tierkadavern usw. gewinnen, Erdgas, Fluessiggas, Wasserstoff,
Elektroantrieb usw. eignen sich ebenso.

Zum einen scheuen sich die Leute, auf diese neuen Techniken zu setzten, weil da die Autos teurer sind und sich die Preisentwicklung und Verfügbarkeit nur schwer vorhersagen lässt.

Zum anderen sind diese alternativen Energien auch nur begrenzt verfügbar und nicht unbedingt billiger.

Erdgas ist im Preis/Leistungsverhältnis nicht viel billiger als Benzin, es ist ja auch ebenso ein fossiler Rohstoff.

Für Elektro und Wasserstoff gibt es noch keine Transportmöglichkeit zu vernünftigem Preis.

Biodiesel wird schon angeboten, ist aber im Preis/Leistungsverhältnis auch nicht viel besser als Diesel. Außerdem haben wir dazu eigentlich gar nicht genügend Anbaufläche, wir müssen ja jetzt schon Futtermittel importieren um unsere Rinder zu füttern. Nach dazu kommt, dass das nicht auf Dauer gut gehen kann weil Biodiesel nur mit Überdüngung zu konkurrenzfähigen Preisen hergestellt werden kann.

sigterm

Hallo,

Aber spätestens, wenn diese neuen Technologien wirklich
massentauglich sind und auch die Hersteller umschwenken (d.h.
wenn es sich für sie lohnt), wird auch der Markt entsprechend
reagieren, vorher aber auch nicht.

Das ist der springende Punkt: Die Technologien sind massentauglich und lang erprobt (z.B. Fluessiggas gibt es seit einigen Jahrzehnten, der erste Dieselmotor wurde schon mit Pflanzenoel statt Diesel betrieben…)

Ein Auto mit LPG fahren zu lassen kostet in der Herstellung nur einige hundert Euro mehr (die nachtraegliche Umruestung ist nur wegen buerokratischer Reglementierung so teuer), um moderne Dieselmotoren pflanzenoeltauglich zu machen muss man auch kaum etwas veraendern.

In einem freien Markt kann man deshalb davon ausgehen dass ein Hersteller der ein Modell anbietet welches mit LPG bzw. Pflanzenoel gefahren werden kann (was beides nur Mehrkosten von einigen hundert Euro verursacht) einen grossen Marktvorteil haben wird - die Infrastruktur fuer die Alternativkraftstoffe existiert bereits.

Die einzige Ursache wieso das nicht getan wird ist m.E. dass sich die Autohersteller mit den Oelkonzernen abgesprochen haben.

Gruss

Desperado

Das ist der springende Punkt: Die Technologien sind
massentauglich und lang erprobt (z.B. Fluessiggas gibt es seit
einigen Jahrzehnten, der erste Dieselmotor wurde schon mit
Pflanzenoel statt Diesel betrieben…)

Sie sind eben nicht massentauglich; Rapsöl z.B. kann nicht in den Mengen hergestellt werden, die zur Versorgung eines wachsenden Weltmarktes vonnöten wären, dies würde die sonstige Agrarproduktion (z.B. auch für Nahrungsmittel) ruinieren. Gleichzeitig fehlt die nötige Infrastruktur (Tankstellen), die auch nicht flächendeckend gebaut werden, solange die Nachfrage fehlt. Und diese Nachfrage wird erst dann steigen, wenn konventioneller Treibstoff unbezahlbar geworden ist.

In einem freien Markt kann man deshalb davon ausgehen dass ein
Hersteller der ein Modell anbietet welches mit LPG bzw.
Pflanzenoel gefahren werden kann (was beides nur Mehrkosten
von einigen hundert Euro verursacht) einen grossen
Marktvorteil haben wird - die Infrastruktur fuer die
Alternativkraftstoffe existiert bereits.

Diese These trifft einfach nicht zu, wenn man sich anschaut, wieviele Neuwagen konventionell betrieben werden im Verhältnis zu denjenigen Neuzulassungen, die auf Alternativtechnologien zurückgreifen.

Die einzige Ursache wieso das nicht getan wird ist m.E. dass
sich die Autohersteller mit den Oelkonzernen abgesprochen
haben.

Das ist durchaus möglich und sogar wahrscheinlich.

Sie sind eben nicht massentauglich; Rapsöl z.B. kann nicht in
den Mengen hergestellt werden, die zur Versorgung eines
wachsenden Weltmarktes vonnöten wären, dies würde die sonstige
Agrarproduktion (z.B. auch für Nahrungsmittel) ruinieren.
Gleichzeitig fehlt die nötige Infrastruktur (Tankstellen), die
auch nicht flächendeckend gebaut werden, solange die Nachfrage
fehlt. Und diese Nachfrage wird erst dann steigen, wenn
konventioneller Treibstoff unbezahlbar geworden ist.

  1. Konventioneller Treibstoff wird ja nicht komplett abgeloest - die alternativen Treibstoffe sorgen nur fuer Konkurrenz und zwingen die Oelunternehmen ihre Preise zu senken.

  2. Infrastruktur besteht bereits: LPG Tankstellen gibt es mittlerweile in fast jeder Kleinstadt und Pflanzenoel in jedem Supermarkt, auch Alt(pflanzen)oel kann man an vielen Orten kaufen.

  3. Treibstoff auf oelbasis muss nicht unbezahlbar werden, ein Unternehmen mit hohen Treibstoffkosten wird auch bei geringen Einsparmoeglichkeiten aktiv

Diese These trifft einfach nicht zu, wenn man sich anschaut,
wieviele Neuwagen konventionell betrieben werden im Verhältnis
zu denjenigen Neuzulassungen, die auf Alternativtechnologien
zurückgreifen.

Das Problem ist der Preis, z.B. werden Neuwagen mit LPG fuer rund 2500 Euro Mehrpreis angeboten, das lohnt sich oft nicht, vor allem wenn man bedenkt dass ab 2019 die LPG Preise in unbestimmte Hoehe steigen.

Bei Diesel ist das Problem dass keine neuen pflanzenoeltauglichen Motoren angeboten werden.

Gruss

Desperado

Hi,

kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Ein weiterer Grund für die hohen Ölpreise ist der, dass es sich um ein sogenanntes Angebotsoligpol handelt. Das bedeutet, dass es nur wenige Anbieter von Öl gibt. in der freien Marktwirtschaft würde das zwar ausreichen um einen Gleichgewichtspreis zu erhalten. Jedoch ist es sehr wahrscheinlich, dass die Ölkonzerne sich bei den Preisen absprechen, wodurch es zu einer Art Monopolstellung kommt.

Ausserdem werden Preissteigerungen sofort an den Verbraucher weitergegeben. Preissenkungen aber erst mit Verzögerung.

Achja in Israel wird versucht ein Netz für Elektroautos aufzubauen.

http://www.sueddeutsche.de/auto/zukunft-der-elektroa…

Neben den hohen Anfangskosten (Vernetzung des ganzen Landes mit „Stromtankstellen“) kommt noch hinzu, dass die Akkus riesig und schwer sind und zu dem nicht lange halten. Die Aufladung der Akkus jedoch sehr lange braucht.

Grüße

hallo,

oder anders gefragt: Warum ist die Rohoelnachfrage so wenig
flexibel?

Ist sie das?

klar, einige Dinge brauchen Rohoel als Rohstoff - aber
zumindest zur Fortbewegung ist es nicht erforderlich denn es
gibt genug Alternativen.

Wirklich genug, also mengenmäßig? Mal abgesehen vom Verzicht?

Wenn man davon ausgeht dass die Nachfrage nach den
Rohoelbestandteilen die nicht zu Mobilitaetszwecken verwendet
werden halbwegs konstant ist (unabhaengig vom Preis)

Warum sollte man das annehmen? Warum sollte ausgerechnet da die Nachfrage vom Preis unabhängig sein?

muesste man doch davon ausgehen dass auch das Angebot an
Rohoelbestandteilen welche zu Mobilitaetszwecken dienen
ungefaehr gleich bleibt

Wieso sollten man eine solchen Zusammenhang herstellen können?

  • d.h. das Angebot bleibt gleich aber bedingt durch z.B. Spekulation erhoeht sich der Preis.

Man kann nicht jahrelang durch Spekulation den Preis künstlich hochhalten.

Theoretisch muesste man davon ausgehen dass der Konsument auf
Alternativen umsteigen wuerde und diese vom Markt auch
angeboten werden wuerden, bis der Preis wieder faellt - aber
das passiert nicht (bzw. kaum) - warum?

Die Alternativen werden angeboten. Aber sie werden eher geringfügig genutz. Das ist doch wohl die Frage, über die man nachdenken sollte. Die nächste Frage wäre, was mit den Preisen für die Alternativen passieren würde, wenn diese tatsächlich in wesentlich höheren Mengen nachgefragt würden.

P.S.: Falls sich einige fragen was die Alternativen sein
sollen:
Z.B. kann man Kraftstoff fuer Automobiele aus Pflanzen…

Ist das wirklich billiger? Bitte mit dem Weltmarktpreis und nicht dem deutschen Tankstellenverkaufspreis argumentieren. Es soll ja auch Leute geben, die Diesel für billiger als Benzin halten. Wenn man dann noch die Förderung von Kraftstoff aus Pflanzen oder von alternativen Energien sieht, wird sich wohl jeder am A… abfingern können, was passiert, wenn tatsächlich verstärkt auf diese Alternativen umgeschwenkt würde. Ich bin jedenfalls seit 5 Jahren nicht böse, dass nicht mehr Leute auf Alternativen setzen.

Grüße