Warum ist Latein ausgestorben?

Hallo,

ich weiss, dass die lateinische Sprache in der katholischen Kirche und Wissenschaft noch Verwendung findet. Warum ist sie allerdings eine „tote“ Sprache. Hat das mit dem Niedergang des römischen Reiches zu tun - und ist Italienisch, Spanisch usw. vereinfacht ausgedrückt ein „Dialekt“ des ursprünglichen Latein?

Danke!!!

Gruß
Josch

Hallo,

ich weiss, dass die lateinische Sprache in der katholischen
Kirche und Wissenschaft noch Verwendung findet. Warum ist sie
allerdings eine „tote“ Sprache. Hat das mit dem Niedergang des
römischen Reiches zu tun - und ist Italienisch, Spanisch usw.
vereinfacht ausgedrückt ein „Dialekt“ des ursprünglichen
Latein?

Tach Josch,

Latein ist aus einem ähnlichen Grunde ausgestorben wie das Ugaritische, das Tocharische oder das Althochdeutsche: die Entwicklung ist über die politischen Gebilde derer, die diese Sprachen sprachen, hinweggegangen, hat sie hinweggefegt.
Aber schon das Latein im 5. Jhdt, als Romulus Augustulus letzter weströmischer Kaiser war, unterschied sich vom „goldenen“ Latein der Zeit von Cicero und Caesar. Sprachen entwickeln sich eben, und manchmal entwickeln sie sich bis zur Unkenntlichkeit.

Spanisch, Französisch sind Nachfolgesprachen des Lateins: es waren ja andere Völker mit einer anderen "Ur"sprache als die Römer und, ihnen folgend, die Italiener. Also ist auch die daraus sich entwickelnde Sprache eine andere geworden.

Wenn Du Deine Suchmaschine anschmeißt und nach Sprachgeschichte, romanische Sprachen, Indoeuropäische Sprachen suchst, wirst Du Treffer über Treffer landen. Versprochen!

Gruß - Rolf

Hallo Josch.

Latein nicht richtig ausgestorben, sondern hat sich weiterentwickelt und natürlich aufgespalten. Von einem bestimmten Abschnitt an wird es dann nur nicht mehr Latein genannt.
Leider wird fast nie zwischen den sogenannten Toten Sprachen unterschieden, die eigentlich eine Entwicklungsstufe heute existierender Sprachen sind, und wirklich ausgesorbenen Sprachen, zu denen z. B. manche Indianersprachen gehören.

Grüße
Ostlandreiter

Servus,

noch eine kleine Ergänzung:

Zu Zeiten des Kaiserreichs wurde schon immer mal wieder versucht, mit Sprachreformen dem Latein zu seiner damals schon ein wenig angedätschten antiken Klarheit und Würde zu verhelfen. Das riesige Imperium zerfaserte aber schon in seine Provinzen, wo man nostalgische Erinnerungen an die Antike mit weniger Begeisterung aufnahm.

Soweit ich weiß, sind bei den heutigen Nachfolgesprachen des Lateinischen zwei, die die letzte Reform (Hadrian??) noch weitgehend mitgemacht und integriert haben, damit unter den heute gesprochenen romanischen Sprachen dem Latein am nächsten stehen: Rumänisch und Rätoromanisch.

Schöne Grüße

MM

Hallo auch,

Josch!

Wie schon geantwortet, entstanden aus dem Lateinischen die romanischen Sprachen. Töchter (und es gibt ein schönes Buch: „Mutter Latein und ihre Töchter“) sagen ja nicht, dass ihre Mutter ausgestorben ist, sondern dass sie von ihr abstammen. Sie lebt in ihnen weiter.

Dennoch blieb Latein in Europa die Verständigungssprache der Gelehrten. Noch im 17. Jahrhundert wurden in Deutschland mehr Bücher auf Lateinisch gedruckt als auf Deutsch. Aber weil man sich in der gelehrten Welt auch in den modernen Nationalsprachen verständigen konnte, als diese in Rechtschreibung und Grammatik hinreichend normiert waren (und diese Sprachen auch wegen der in ihr geschriebenen Literatur unverzichtbar wurden), geriet Latein als Kommunikationssprache außer Gebrauch.

  1. Im Lateinunterricht wurde das Lateinsprechen gepflegt. Es kam zeitgleich mit der Aufführung lateinischen Schulspiele außer Gebrauch. Die wurden nämlich aufgeführt in der pädagogischen Absicht, den Schülern Wortschatz und Redewendungen der mündlichen Kommunikation beizubringen. Als man dann das Sprechen sein ließ, wurde der Lateinunterricht nach der Grammatikphase zum reinen Lektüreunterricht: rezeptiv also, nicht produktiv.

Das wird sich wohl nicht mehr ändern. Denn die Versuche, Vorlesungen, Vorträge, Theater, Filme auf Lateinisch anzubieten, wenden sich an ein Publikum, das diese Sprache besser beherrschen muss als der heutige Schulunterricht in der Regel vermittelt.

Schön Grüße!
Hannes

Hi,

ich würde sagen, es ist eine typische Erscheinung, dass sich Sprachen entwickeln, und zwar derart, dass alte, komplexe Strukturen sich mit der Zeit vereinfachen und Ursprungsformen der Sprache nur noch formell angewendet werden.

Solche Entwicklungen kann man z.B. an der chinesischen Sprache sehen, die in der heutigen Form keine Flexion, also Konjugation bzw. Deklination aufweist. (Damit wäre es ein Musterbeispiel einer sog. isolierenden Sprache und somit „einfachen“ Sprache.)Das Altchinesische hat dagegen aber noch eine gewisse Morphologie, also komplexere Strukturen aufgewiesen.

Ähnliche Entwicklungen in der englischen Sprache. Besonders fällt im Amerikanischen derzeit übrigens die Monosyllabisierung auf: z.B. „water“ klingt fast schon wie „war“ also die Reduktion der Wörter auf wenige, bzw. eine Silbe, womit wir wieder beim Chinesischen wären :wink:

Joachim