Warum kann ich das Erlebte von damals nicht verges

Hallo an Alle, ich bin Neu hier. Ich weiss nicht ob ich diese Frage in der richtigen Unterkategorie eingestellt habe. Wenn nicht, dann sorry…

Jetzt zu meinem Problem:

Mittlerweile bin ich 27 Jahre alt.
Vor ca 14 Jahren ging es los, ich wurde in meiner Schulzeit so dermassen fertig gemacht… Alles ist vorgekommen… geschlage, angespuckt wurde ich, geschubst, getretten, beschimpft, stand alleine in der pause, keiner wollte neben mir sitzen. Ich weiß bis zum heutigen Tag nicht wieso das damals so war. Ich kann mich dran erinnern, dass damals ein Mädel gesagt hätte ich hätte über ein anderes Mädel gelästert, oder so, aber das stimmte nicht. Und ab dem tag ging es los, es war die hölle auf Erden… und ging dann jeden tag bis zur Klasse 10 weiter…
Ich bin oder war nicht dick oder so, weil man weiß ja dass dicke kinder leider in der Schule fertiggemacht worden sind… Nur zum Verständnis, nichts gegen dicke Menschen/Kinder…
Ich war ein ganz normales Mädchen.
Ich musste natürlich auch ein Schuljahr dann widerholen, weil ich Angst hatte in den Unterricht zu gehen damals. Und meine Noten sind auch dementsprechend mit den Jahren schlechter geworden. Die Lehrer haben auch nichts gemacht. Es gab Gespräche mit dieser clique dann… Aber die Lehrer haben nichts unternommen… Ich wurde weiter fertig gemacht… Es hat einfach kein ende genommen…
Es hatte sich alles verbessert in meinem Leben als ich dann in die Oberstufe gewechselt bin, d.h. eine neue Schule und im Studium habe ich sowas dann auch nicht mehr wieder erlebt.
Ich kann es einfach nicht vergessen was mir damals alles angetan worden ist. ich war schon so verängstlicht dass ich nur am zittern war.
Meine Eltern haben mich nicht von der Schule genommen, ich weiß nicht ob die das nicht so ernst genommen haben… heute werfe ich denen das natürlich auch vor… wieso sie mich nicht von dieser schei** Schule geholt haben.
Mein Problem ist: Ich kann es nicht vergessen wie die mich fertig gemacht haben. Warum vergesse ich das nicht einfach. Ich bin jetzt 27.
Ich will das vergessen, aber es klappt nicht. Es kommt immer wieder. Ich leide regelrecht darunter, manchmal habe ich noch Alpträume, da träume ich von diesen Personen die mich so fertig gemacht haben und mich so gedemütigt haben.
Ich will es vergessen, ich will nicht mehr dass ich mich immerwieder dran erinnere… ich kann es auch nicht abstellen. Es kommt immerwieder. Auch diese Träume… Es ist doch alles schon so lange her.

LG

Lara

Hallo Lara,

Ich will das vergessen, aber es klappt nicht. Es kommt immer
wieder. Ich leide regelrecht darunter, manchmal habe ich noch
Alpträume,

ich glaube, dies ist ein „Fall“, bei dem Dir ein guter Psychologe
wirklich helfen kann.
Hier können zwar „Meinungen“ zu Deinem Problem präsentiert werden, aber
es wäre hier vermessen , da hilfreich einsteigen zu wollen.
Es bedarf da einer richtigen Therapie.
Gruß VIKTOR

Hallo Lara,
hast du schon mal mit jemanden über die schlimme Zeit in der Schule geredet?

Du schreibst:

Ich kann es einfach nicht vergessen was mir damals alles
angetan worden ist.

Vielleicht ist das das Problem. Du willst etwas ‚vergessen‘ was ein Teil deines Lebens - also von dir ist. Du versuchst das jetzt schon 14 Jahre. Und da du es bis jetzt nicht geschafft hat, lohnt es sich vielleicht mal etwas anders zu probieren.
Eine Möglichkeit ist es gerade nicht vergessen zu wollen, sondern sich die Zeit zu nehmen mit der Erinnerung etwas zu tun. Ihr einen Platz als ‚etwas das vergangen ist‘ zu geben.
Du kannst das alleine versuchen oder, was wahrscheinlich effektiver ist, dir Hilfe suchen.
Wenn du es erst einmal alleine probieren möchtest ist vielleicht die Methode von Byron Katie etwas für dich
http://www.youtube.com/watch?v=lCZIGbAh_rs
http://www.youtube.com/watch?v=9UcXAaVVejY
Erfolg…lux

Hallo!

Du bist damals sehr traumatisiert worden und hattest offenbar niemanden, der das mit dir verarbeitet. Wenn solche Verletzungen nicht verarbeitet werden, dann holen sie einen immer wieder ein.

Den Tipp mit dem Psychologen möchte ich dir auch geben. Nicht einfach nur, um das Erlebte zu verarbeiten. Vielmehr wird dir bewusst werden, was an deinem Verhalten dazu beigetragen hat, dass du in die Opferrolle geraten bist. Es bringt einen immer weiter, wenn man versteht, wie man tickt (oder getickt hat, es ist ja anscheinend nie wieder vorgekommen).

Wenn du lernst, die Strukturen zu verstehen, dann kannst du damit auch abschließen.

Viel Erfolg für die Therapie!

LiebeGrüßeChrisTine

Hallo,
Kinder und Jugendliche können sehr grausam sein und diese Zeit ist auch noch besonders prägend. Ich kann beide nachvollziehen - Verletzungen, aber auch Situationen, in denen ich auch jemanden verletzt habe. Es ist sicher eine Frage des Reflektierens oder der Sensibilität wie man später mit diesen Situationen umgeht.

Jetzt bist Du „erwachsen“. Wie ist Dein Leben jetzt? Bist Du mit Deinem derzeitigen Umfeld zufrieden? Hast Du Menschen um Dich, die Dich respektieren und die Du magst? Manchmal sind es banale Dinge, die zum Mobbing führen - Umstände, Gruppenzugehörigkeiten, die man kaum beeinflussen kann. Wenn Du Dich stabil genug fühlst, kannst Du auch mit den Menschen von damals Kontakt aufnehmen. Womöglich begegnet ihr euch heute ganz anders. Die Angst wird genommen. Vielleicht entsteht bei Dir ein Gefühl von Vergebung.

Viele Grüße

Hallo Lara,
hast du schon mal mit jemanden über die schlimme Zeit in der
Schule geredet?

Hallo Pollux,

ja ich habe es das erste mal in meinem Leben meinem Lebensgefährtem erzählt. Er war natürlich geschockt… bzw konnte es kaum fassen was ich ihm da erzählt habe… Weil in meinem heutigen Leben bin ich beliebt (klar gibts da immer ma wieder leute mit denen man sich nicht versteht, aber sowas wie in meiner Schulzeit, habe ich nie wieder in meinem Leben erlebt)…
Aber er hat da auch nicht wirklich etwas zu gesagt, außer mich in den Arm genommen, sowas hilft mir ja nicht weiter. Ich erinnere mich ja andauernd daran…
Und wenn ich davon anfange zu erzählen, ja dann sagt er auch nicht wirklich etwas zu, außer: du Arme.
Von daher… hat mir das auch nicht wirklich was genützt ihm das zu erzählen, und außer meinen Eltern weiß das kein Mensch… (Außer die Weiber von damals… )
Ich habe diese Menschen nie wieder gesehen, da ich in eine andere Stadt gezogen bin um alles zu vergessen und um ein neues Leben anzufangen sogesehen. Ich bin in einer anderen Stadt in die Oberstufe gegangen etc… Ich wollte diese Menschen nie wieder in meinem Leben wiedersehen…
Nur das mit dem vergessen hat nicht so wirklich geklappt.

Wie ist Dein Leben jetzt? Bist Du

mit Deinem derzeitigen Umfeld zufrieden?

Mein Leben ist jetzt super, alles gut, Studium, Job… Freunde, ich habe einen Lebensgefährten. Es läuft alles gut jetzt. Bin beliebt. klar gibt es immer mal wieder menschen die man nicht mag, aber so etwas ist seit damals nie wieder vorgekommen.

WennDu Dich stabil genug fühlst, kannst Du auch mit den Menschen

von damals Kontakt aufnehmen.

Sry - aber niemals im Leben werde ich mit solchen Menschen Kontakt aufnehmen.
Vergeben ? Niemals… Sorry, aber in der Hinsicht habe ich eine andere Meinung.

Hallo,

ich bin 2 Jahre älter als du und hatte 3 schlimme Jahre in der Schule, von der 6. bis Ende 8. Klasse. Ich wurde nicht angespuckt, körperlich angegriffen oder beschimpft, aber keiner wollte neben mir sitzen, ich bekam auf alles, was ich sagte (WENN ich denn was sagte, kam ja auch selten vor), abwertende und lächerlich machende Kommentare etc. Es war eine kürzere Zeit als bei dir, es ist länger her als bei dir und war wahrscheinlich auch nicht so schlimm wie bei dir und trotzdem arbeite ich es immernoch auf. Ich habe diesen 3 schlimmen Jahren jetzt 16 gute Jahre ansetzen können, in denen ich (mit viel lang dauernder Arbeit) immerhin mittlerweile das Vertrauen gelernt habe, dass ich (zumindest jetzt) angenommen, geschätzt und von manchen gar geliebt werde, dass ich dazugehöre, dass ich nichts mehr falsch mache und so weiter.
Was bleibt ist das Wissen, dass es mal eine Zeit gab, in der ich intuitiv offenbar nichts richtig gemacht habe, nicht richtig „war“, anders war als die anderen, offensichtlich lächerlich war. Und das war eine Zeit, in der ich mich selbst noch nicht so kannte wie heute, das war eine Zeit, in der ich noch nur intuitiv und recht unreflektiert handeln konnte, und mit diesem intuitiven Handeln lag ich anscheindend total daneben. Dieses Wissen bleibt, das wirst du nicht vergessen. Selbst wenn ich (schon damals irgendwie) wusste, welchen Anteil ich an meinem Außenseitertum hatte, konnte ich es damals nicht ändern, obwohl ich es so sehr wollte; ich wusste einfach nicht, wie es geht. Und bis heute habe ich trotz großem und sehr stabilem und innigem Freundeskreis immernoch und immer wieder auftauchend ein Gefühl, irgendwo nicht dazuzugehören und ein Gefühl wie „die anderen leben irgendwie anders als ich, nur ich weiß nicht, wie“ (obwohl ich schon in so vielen WGs und im Internat gewohnt habe mittlerweile und nun wirklich detailliert weiß, „wie die anderen so leben“).
Ich habe mich mit diesem Gefühl auf eine Art und Weise angefreundet. Wenn es kommt, weiß ich, woher es kommt, warum es auftaucht, ich kann es heute begrüßen wie einen Bekannten, aber ich weiß, dass ich ihm nicht mehr bedingungslos Glauben schenken muss. Ich mache mir meine gegensätzlichen Erlebnisse bewusst, ich mache mir bewusst, dass das Erlebte zwar ein Teil von mir ist, aber heute nicht mehr gelten muss. Dazu muss ich wissen, warum es damals so war, und warum es heute nicht mehr so ist. Ich glaube nicht, dass du dich ohne Therapie davon lösen kannst, und auch mit Therapie wird es nicht vollständig gehen, aber du lernst, mit dem Erlebten klarzukommen. Selbst wenn du dich aber mit deinem Erlebten anfreunden kannst, wird dir immernoch das fehlen, was die meisten anderen im Schulalter erlebt haben: die ersten sozialen Kompetenzen erlernt, die ersten Cliquen, Freundschaften, Zickereien+ wieder vertragen - an all dem hab ich damals quasi nicht teilgenommen, und das fehlt mir bis heute. Aber dadurch habe ich auch eine Lebensintensität und ein Bewusstsein erlernt, das viele andere gar nicht erst erlernen mussten. Ich bin heute in manchen Momenten sogar dankbar für die Zeit, sie hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Ich habe kürzlich einen Artikel gelesen, der mich nochmal sehr getroffen hat, nachdem ich wirklich geglaubt habe, ich hätte mich von meinem damaligen „ich“ verabschiedet (was ja nicht geht und auch nicht der richtige Weg wäre, wie ich heute weiß):
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/28394

noch ein paar Kommentare zu deinem Text:

Ich war ein ganz normales Mädchen.

Wenn du dich als das siehst, fällt es dir ja erst recht schwer, das nachzuvollziehen, was da passiert ist, und du lebst in ständiger Gefahr, dass dir sowas theoretisch ja jederzeit wieder passieren könnte.(klar, die Schulzeit ist vorbei, aber es gibt auch unter Erwachsenen jede erdenkliche Art des Mobbings) Ich glaube, dass es enorm wichtig ist, zu wissen, was dein Anteil damals war an der Situation, erst dann kannst du dir annähernd sicher sein, dass sowas nicht wieder passiert. Geht mir jedenfalls so.

geworden. Die Lehrer haben auch nichts gemacht.

Ich persönlich hätte ganz sicher nicht gewollt, dass die Lehrer irgendwas getan hätten. Zum Glück haben sie nichts gemerkt, denn wenn sie noch Partei ergriffen hätten, wäre mir mehr Häme sicher gewesen. Wenn ich mit 13 noch nen Erwachsenen zu meiner Verteidigung brauche, bin ich ja erst recht der Schwächling, der nie und nimmer dazugehört.
Wie gesagt wurde ich aber auch nicht körperlich gequält, mag sein, dass das dann anders ist.

Meine Eltern haben mich nicht von der Schule genommen, ich
weiß nicht ob die das nicht so ernst genommen haben… heute
werfe ich denen das natürlich auch vor… wieso sie mich nicht
von dieser schei** Schule geholt haben.

Um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass sich das Problem damit verbessert hätte. Klar, die Möglichkeit besteht immer, dass eine Klasse extrem drauf ist, aber es ist doch eher selten, dass ein Mensch in einer Klasse der Außenseiter ist und in allen anderen geht es. In dem Alter, nein, da kann ich es mir nicht vorstellen. Später eher, wenn Leute aufgrund ihrer Interessen zusammen sind, und mal jemand charakterlich nicht reinpasst. Aber bei 25 wild zusammengewürfelten Leuten…hm…
Abgesehen davon wäre, wenn du Glück gehabt hättest, die Zeit der Qual zwar kürzer gewesen, aber du hättest heute genauso an ihr zu knabbern.
Ich bin damals zur 9. Klasse hin in eine Musikklasse gewechselt, wo ich wegen meines Klavierspiels plötzlich eine Art gewissen Status hatte. Man hatte Respekt vor mir, aber wirklich dazugehört habe ich glaube ich auch da nicht, und ich nehme sehr stark an, dass das sogar eher mit meinem Glauben, nicht dazuzugehören, zusammenhing als mit den anderen Leuten (aber das war mir damals natürlich nicht bewusst).

ich kann das alles irgendwie nicht klarer schildern, weil es auch so viele Aspekte hat und ich glaube auch nicht, dass dir hier jemand mit ein paar Sätzen helfen kann. Es gibt Leute, die sind spezialisiert auf so etwas, deren Hilfe kannst und solltest du in Anspruch nehmen, und auch dann wird es noch sehr lange dauern, bis du deine Vergangenheit annehmen kannst, aber vergiss die Idee, du könntest sie vergessen.

Gruß
Judy

Vergeben ? Niemals… Sorry, aber in der Hinsicht habe ich eine
andere Meinung.

Hi Marienkäfer!

Versuchs mal!

Habe ich mal gemacht. Saß gegenüber und hab die Person angesehen und gesagt (im Stillen) „Weißt du was? Dir verzeihe ich jetzt. Alles. Weil ich weiß, dass du es damals nicht besser gewusst hast.“.

Ist ein großartiges Gefühl. Kann ich dir nur empfehlen.

To.i

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Hallo Lara,

meinem Lebensgefährten erzählt… …, außer mich
in den Arm genommen, …

die Gedanken deinem Lebensgefährten erzählt zu haben ist doch schon ein guter Anfang. Und er hat auch gut reagiert - dich in den Arm genommen und dir damit gezeigt, er fühlt mit dir und er steht zu dir.

Das scheint dich ein wenig enttäuscht zu haben?

Wenn du ein wenig darüber nachdenkst wird dir sicher klar, dass er dir diese Gedanken nicht ‚weg nehmen‘ kann. Das kann niemand.

Im Moment fühlst du dich noch hilflos ‚den Gedanken‘ und damit ‚den Weibern‘ von damals ausgeliefert. Das belastet dich sehr. Verständlich.
Im Moment hast du wahrscheinlich das Gefuehl, keinen Einfluss auf ‚die‘ Gedanken zu haben. Du bist ‚Opfer‘ der Gedanken.
Erst wenn du deinen ‚Anteil‘ an deiner jetzigen Situation anerkennst - den hast du, denn DU denkst die Gedanken, kannst du auch etwas beeinflussen. Z.B. zu einem Psychologen gehen oder dich anderweitig mit deinen Gedanken auseinandersetzen.
Erfolg…lux

Ergänzung
Hallo nochmal!

Hab grade die anderen Postings gelesen und möchte für dich einfach nochmal ein paar wichtige Aspekte zusammenfassen. Die Wahrheit liegt ja meist in der Mitte…

Du hast die traumatischen Erlebnisse nicht richtig verarbeitet, deshalb kommen sie immer wieder hoch.

Es ist gut, dass du sie jemandem erzählen kannst, das ist der erste Schritt. Dass dein Lebensgefährte dir hir nur Mitgefühl aber keine Hilfe geben kann ist auch völlig okay, er ist ja kein Psychologe. Manchmal hat man Freunde, die durchschauen, was da passiert ist, aber das kann eben nicht jeder Mensch.

Ein Psychologe kann dir helfen zu erkennen, welche Strukturen damals geherrscht haben. Es gab „Freunde“, die jemanden mobben wollten (das ist in dem Alter durchaus normal) und irgendetwas in deinem Verhalten muss sie damals ermutigt haben, es mit dir zu tun. Das heißt nicht, dass du kein normales Mädchen warst oder mit dir etwas nicht stimmt.

Anscheinend hast du damals aber auch wenig Unterstützung von deinen Lehrern oder deinen Eltern bekommen. Das ist dann fatal für ein junges Mädchen und macht bestimmt einen großen Teil der Verletzung aus.

Vorwürfe helfen aber keinem. Möglicherweise haben weder Lehrer noch deine Eltern gewusst, wie sie damit umgehen sollten. Heutzutage gibt es auch viel mehr Wissen über Mobbingstrukturen, das darf man nicht vergessen. Wenn du es schaffen kannst, es so zu sehen, dass sie nicht in der Lage waren, dir zu helfen, wird es dir vielleicht eher gelingen, ihnen keine Vorwürfe mehr zu machen.

Vielleicht hilft es dir auch, dich auf Mobbing-Seiten über die Strukturen zu informieren, um zu verstehen, was damals passiert ist.

Du darfst dann auch gern trauern um das kleine Mädchen, dass damals so hilflos war. Damit verarbeitest du die Verletztheit.

Und dann kannst du mal das probieren, was Tokei-Ihto vorgeschlagen hat: Verzeih ihnen! Aber tue es erst, wenn du verstanden hast und wirklich bereit dazu bist. Das braucht sicherlich einige Zeit.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute!

LiebeGrüßeChrisTine

Huhu Christine,
im Grunde alles gut, was du schreibst, aber hier hab ich noch Anmerkungen:

Es gab „Freunde“, die jemanden mobben
wollten (das ist in dem Alter durchaus normal)

Das heißt nicht, dass du kein normales Mädchen warst
oder mit dir etwas nicht stimmt.

Das klingt erstmal beruhigend, aber das rationelle Erfassen, dass man ja irgendwo doch normal, bzw. Strukturen normal gewesen waren, hilft (zumindest mir) überhaupt nicht weiter, da man ja doch am eigenen Körper erfahren hat, dass man eben nicht „normal“ war.
Normal ist, was die Norm ist. Das muss nicht gut oder schlecht sein, aber es ist so. Man ist umso „normaler“, je mehr man „wie die anderen“ ist. Und eben das war unsereins damals nicht, und das kann man auch mit viel Zeitabstand nicht einfach wegreden.
Es ist wirklich wichtig, dahinterzukommen, WAS einen damals unnormal gemacht hat. Ein bisschen Eigenheit ist ja bei den anderen in der Klasse durchaus vorgekommen, ohne dass die gleich Außenseiter waren, warum und in welcher Hinsicht war man selbst offenbar so anders, dass das nicht akzeptiert geschweige denn gut gefunden wurde? Diese Frage wird einen nie wirklich loslassen, denke ich.

Anscheinend hast du damals aber auch wenig Unterstützung von
deinen Lehrern oder deinen Eltern bekommen.

Was bitte sollten Eltern in diesem Fall tun? In die Schule kommen und sich über die ach so bösen Mitschüler beschweren? Das wäre mir mit 14 extremst peinlich gewesen, wie eben auch, dass sich ein Lehrer einmischt.

Vorwürfe helfen aber keinem.

Das ist in der Tat wahr. Im Gegenteil, Vorwürfe halten die Distanz aufrecht, die zwischen dem Außenseiter und „den anderen“ besteht. Indem ich den bösen Mädels heute noch Vorwürfe mache, haben sie heute noch Macht über mein Wohlbefinden, genauso wie sie es damals hatten.
Verzeihen, wie Tokei-ihto unten schrieb, tue ich nicht, um dem anderen zu sagen, es sei ja alles nicht schlimm gewesen, sondern ich tue es für mich, aus dem Bewusstsein heraus, dass der andere heute keine Macht mehr über mich hat.

Gruß
Judy

1 „Gefällt mir“

Hi Judy,

Das klingt erstmal beruhigend, aber das rationelle Erfassen,
dass man ja irgendwo doch normal, bzw. Strukturen normal
gewesen waren, hilft (zumindest mir) überhaupt nicht weiter,
da man ja doch am eigenen Körper erfahren hat, dass man eben
nicht „normal“ war.

Aus der Schulzeit bzw. Spätkindheit kenne ich diese Mobbingstrukturen auch.
Wir mussten mal, ich bin in der „DDR“ aufgewachsen, mit 15 Jahren in ein mehrwöchiges Wehrerziehungslager. 1000 Leute auf einen Haufen, kaserniert, alle in Uniform zum Krieg spielen und Sturmbahnlaufen… (vielleich kommt daher meine Abneigung gegen alle Uniform- und Waffenträger, das geht schon bei Feuerwehr und Schützenverein los, bis hin zu Karnevalsvereinen. Und dass ich mich sehr erfolgreich um den Wehrdienst gebracht habe. Durch geschicktes Taktieren. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Sehr schnell stellte sich in dem Lager eine Hackordnung auf. Die Ausbilder, Offiziersschüler der NVA, irgendwo um die 20, hatten große Freude daran, uns zu schleifen. Im Grunde waren das ja selbst noch Kinder. Die Alphatiere unter den Schülern waren ganz oben und traten nach unten, ich war irgendwo dazwischen und ich gab die Tritte wiederum auf andere runter, und zwar massiv verstärkt. Kerle aufeinander in der beklemmenden Atmosphäre, Morgenappell und Frühsport, ohne jeden Ausgang, ohne Ventil. Alkohol trinken und Rauchen war verboten. Die negative Seite eines jeden kehrte sich auf drastische Weise nach außen. Zurückblickend erschrecke ich über meine unnachgiebige, hartherzige und niederträchtige Gemeinheit, über das komplett ausgeschaltete Mitfühlungsvermögen…

Einer, ich nenne ihn mal Horst, der war ganz unten, ich glaube, dem haben wir im Kollektiv beinahe einen Dauerschaden beigefügt. Klein und schwächlich, blass, krank, verschüchtert, still.

Er musste unter aller Augen in eine Pfütze pinkeln, unter entsprechenden höhnischen Kommentaren, sich dann in Socken da hineinstellen, bekam einen Besen in die Hand, auf dem er Gitarre spielte und dann musste er singen „Der Horst ist doof, der Horst ist schwul…“ und ähnliches.

Ein anderer, ich nenne ihn Franz, war aus meiner Schule. Den habe ich auch schikaniert, aber vielleicht nicht ganz so schlimm.

Einige Jahre später war ich auf einem Open Air Fest, ging nichts ahnend in die Toilette und traf auf einen Hünen. Fast wie Arnold Schwarzenegger, nur nicht ganz so schwächlich. Über zwei Meter groß, Oberarme wie meine Schenkel, durchtrainiert… „Den kenn ich doch…“… Er dachte: „Den kenn ich doch…!“ Da fiel es mir ein: Horst!

Ich dachte daran, dass ich mit 19 noch gar nicht an mein Testament gedacht habe. Jetzt ist mein Ende gekommen…

Anstatt mich an Ort und Stelle zu Brei und Mus zu verarbeiten, schleppte er mich an die Bude, und gab mir ein Bier aus.

„Weißt du,“ sagte er, „dir habe ich verziehen. Du hast selber gelitten. Mach dir nichts draus. Schwamm drüber. Aber sag mal, der Heinz [der oberste Rädelsführer], der ist doch aus deinem Ort gewesen. Richte ihm aus, er soll sich auf etwas gefasst machen, sollte er mir mal über den Weg laufen. Schau mich an, ich muss dir bestimmt nicht genauer erklären, was ihm blüht…“

Das hat mir ganz schön zum Denken gegeben. Er hatte die Stärke, mir zu verzeihen, obwohl ich es auch arg schlimm mit ihm getrieben habe.
(Ich habe die Lieder gereimt, die er singen musste…)

Der andere, Franz, hat mir auch verziehen. Er hat das zwar so nicht gesagt, aber ich spüre das, wenn wir aufeinander treffen.

Den Rädelsführer Heinz, er wohnt per Zufall seit ein paar Jahren ein paar Straßen weiter, habe ich noch nicht verzeihen können. Hier habe ich noch immer Rachegelüste, und den Wunsch, ihm eine reinzuwürgen.
Vielleicht werde ich irgendwann einmal auch ihm verzeihen können.

Normal ist, was die Norm ist. Das muss nicht gut oder schlecht
sein, aber es ist so. Man ist umso „normaler“, je mehr man
„wie die anderen“ ist. Und eben das war unsereins damals
nicht, und das kann man auch mit viel Zeitabstand nicht
einfach wegreden.

Das stimmt. Wer abwich, und war es nur der Dresscode, war draußen.

Es ist wirklich wichtig, dahinterzukommen, WAS einen damals
unnormal gemacht hat. Ein bisschen Eigenheit ist ja bei den
anderen in der Klasse durchaus vorgekommen, ohne dass die
gleich Außenseiter waren, warum und in welcher Hinsicht war
man selbst offenbar so anders, dass das nicht akzeptiert
geschweige denn gut gefunden wurde? Diese Frage wird einen nie
wirklich loslassen, denke ich.

Umgekehrt: Kann diese Frage überhaupt beantwortet werden, ohne die „Anderen“ von damals zum Thema zu explorieren?

Ich war nicht sehr draußen, nur so ein bisschen. Grund: Keine Ahnung von Fußball. Kein Interesse daran. Ich konnte nicht mitreden. Von früh bis Mittag gab es nur ein Thema: HSV gegen Werder Bremen, der Abstieg Eintracht Frankfurts und wie die Affen alle heißen. Ja, und die Sesamstraße haben die angeguckt. Diese wiederum war mir schier zu blöd, hab ich nie angesehen…

Anscheinend hast du damals aber auch wenig Unterstützung von
deinen Lehrern oder deinen Eltern bekommen.

Was bitte sollten Eltern in diesem Fall tun? In die Schule
kommen und sich über die ach so bösen Mitschüler beschweren?
Das wäre mir mit 14 extremst peinlich gewesen, wie eben auch,
dass sich ein Lehrer einmischt.

Ja, um Gottes Willen, das ist der sichere Tod.

Vorwürfe helfen aber keinem.

Das ist in der Tat wahr. Im Gegenteil, Vorwürfe halten die
Distanz aufrecht, die zwischen dem Außenseiter und „den
anderen“ besteht. Indem ich den bösen Mädels heute noch
Vorwürfe mache, haben sie heute noch Macht über mein
Wohlbefinden, genauso wie sie es damals hatten.

Wenn du die Kraft hast, ihnen zu verzeihen, gewinnst du, im Gegenzug, Macht über sie und auch über dich selbst.

Stell dir vor, wie schwach sie sind, wie sie nicht sie selbst sein können, und statt dessen dem Herdentrieb unterliegen.

Verzeihen, wie Tokei-ihto unten schrieb, tue ich nicht, um dem
anderen zu sagen, es sei ja alles nicht schlimm gewesen,
sondern ich tue es für mich, aus dem Bewusstsein heraus, dass
der andere heute keine Macht mehr über mich hat.

Genau so ist es!

T.

2 „Gefällt mir“

Hi Ihr Zwei! (oder nur Judy?)

Das heißt nicht, dass du kein normales Mädchen warst
oder mit dir etwas nicht stimmt.

Das klingt erstmal beruhigend, aber das rationelle Erfassen,
dass man ja irgendwo doch normal, bzw. Strukturen normal
gewesen waren, hilft (zumindest mir) überhaupt nicht weiter,
Normal ist, was die Norm ist. Das muss nicht gut oder schlecht
sein, aber es ist so. Man ist umso „normaler“, je mehr man
„wie die anderen“ ist. Und eben das war unsereins damals
nicht, und das kann man auch mit viel Zeitabstand nicht
einfach wegreden.

Was ich meinte war, dass sie in Ordnung war. Mit deiner Definition von ‚normal‘ hast du natürlich Recht und ich stimme dir zu. Aber es sollte sich eben keiner schuldig fühlen, der nicht ins Raster passt, das war meine Perspektive.

Es ist wirklich wichtig, dahinterzukommen, WAS einen damals
unnormal gemacht hat. Ein bisschen Eigenheit ist ja bei den
anderen in der Klasse durchaus vorgekommen, ohne dass die
gleich Außenseiter waren, warum und in welcher Hinsicht war
man selbst offenbar so anders, dass das nicht akzeptiert
geschweige denn gut gefunden wurde? Diese Frage wird einen nie
wirklich loslassen, denke ich.

Und das ist genau das, was ich die ganze Zeit mit „Strukturen“ meine. Das zu Erkennen schafft auch den wichtigen Abstand zu der eigenen Involviertheit bzw. Identifikation mit der Situation.

Was bitte sollten Eltern in diesem Fall tun? In die Schule
kommen und sich über die ach so bösen Mitschüler beschweren?

Oh Gott, Nein!

Das wäre mir mit 14 extremst peinlich gewesen, wie eben auch,
dass sich ein Lehrer einmischt.

Da gebe ich dir auch Recht, das wäre fatal, weil das ihre Rolle als die Schwache, das Opfer, manifestiert.

Aber sind wir soweit weg vom Erziehungsauftrag, dass einem nicht in den Sinn kommt, dass die Eltern sie hätten stärken können? Damit sie weiß, dass sie sich wehren kann und nicht in der Opferrolle bleiben muss?

Vorwürfe helfen aber keinem.

Das ist in der Tat wahr. Im Gegenteil, Vorwürfe halten die
Distanz aufrecht, die zwischen dem Außenseiter und „den
anderen“ besteht. Indem ich den bösen Mädels heute noch
Vorwürfe mache, haben sie heute noch Macht über mein
Wohlbefinden, genauso wie sie es damals hatten.

Sehr schön formuliert.

Verzeihen, wie Tokei-ihto unten schrieb, tue ich nicht, um dem
anderen zu sagen, es sei ja alles nicht schlimm gewesen,
sondern ich tue es für mich, aus dem Bewusstsein heraus, dass
der andere heute keine Macht mehr über mich hat.

Das habe ich auch nicht anders gemeint. Hass oder Verachtung sind Gefühle, die bei mir stattfinden und nicht beim anderen, der merkt ja nicht mal was davon. Sie schaden mir selbst.
Ein unaufrichtiges Verzeihen hilft deshalb auch nicht weiter.

Aber „Verständnis“ im Sinne von „nachvollziehen, warum Menschen so etwas machen“, kann mich dazu bringen verzeihen zu können - damit ich selbst meinen Frieden finde.

Ich glaube, dass wir uns in den meisten Punkten sehr einig sind. Deshalb danke für deinen Kommentar!

LiebeGrüßeChrisTine

Hi Ihr Zwei! (oder nur Judy?)

nur Judy, der Punch davor ist mein „Künstlername“, hihi (hatte ich den nicht erst letztens in diesem Brett erklärt? ich glaube sogar als Antwort auf einen Artikel von Dir, ts ts!)

Aber es sollte sich eben keiner schuldig fühlen, der
nicht ins Raster passt, das war meine Perspektive.

Das ist richtig, aber es ist halt gefühlsmäßig nicht nachvollziehbar, wenn man damals, als man angefangen hat, die Strukturen des Zusammenlebens bewusst zu erfassen, eben nicht ins Raster passte. Ich kann mir bis heute tausend rationale Gründe nennen, warum ich mich nicht anders als die anderen fühlen muss, das Gefühl kommt dennoch hin und wieder, und gerade je mehr ich rational weiß, dass es nicht mehr stimmt, desto unangenehmer wird es für mich, weil mein Gefühlshaushalt da scheinbar einer anderen und völlig unsinnigen Logik folgt. Das kapiert man dann selbst nicht mehr und ich ärgere mich auch öfter mal, warum ich immernoch so Gefühle rumschleppe, die jeder Grundlage entbehren und mich an so vielem hindern.
Aber ich ufere langsam ein bisschen aus hier…

Da gebe ich dir auch Recht, das wäre fatal, weil das ihre
Rolle als die Schwache, das Opfer, manifestiert.

Ja, genau das. Schlimmstenfalls ziehen die Mitschüler dann nicht nur über einen selbst her, sondern auch noch über die Mutter/ den Vater.

Aber sind wir soweit weg vom Erziehungsauftrag, dass einem
nicht in den Sinn kommt, dass die Eltern sie hätten stärken
können?

Zumindest bei mir war der Grund für mein Außenseitertum sehr wohl im Elternhaus zu finden, durch die innere Haltung, die meine Eltern gegenüber anderen Menschen hatten und mir vorlebten, aber all das war damals nicht bewusst. Deshalb reicht ein bisschen Erziehungsauftrag lange nicht aus. Ich will nicht verallgemeinern, aber ich glaube schon, dass die meisten Klassenaußenseiter auch ein Elternhaus haben, das irgendwie „anders“ ist. Die können da noch so viel nach Erziehungsratgebern „richtig“ machen, wichtig ist auch das Vorbild, das sie abgeben. Und wenn man so eins mitbekommen hat, lohnt sich eben eine Therapie.

Das habe ich auch nicht anders gemeint.

Ja, habe ich auch so aufgefasst, ich wollte es nur untermauern :smile:

Ich glaube, dass wir uns in den meisten Punkten sehr einig
sind.

denke ich auch!

Liebe Grüße
Judith