Warum kauf ein Unternehmen seine eigenen Aktien an

Ich habe kürzlich in einer Börsen-Nachricht gelesen dass ein Unternehmen eine größere Summe seiner eigenen Aktien gekauft hat, kann mir jemand den tieferen Sinn darin erklären ?

Des weiteren stand in der Veröffentlichung dass die Aktien ausserbörslich zu einem Kurs von 12,50 Euro je Aktie erworben wurden, wobei der Tageskurs an der Börse bei knapp 40 Euro lag. Wie funktioniert sowas, kann ich da auch „einkaufen“ ? :o)

Mal abgesehen von dem hier explizit beschriebenen Fall, liegt im Allgemeinen der Sinn eines sogenannten „Aktienrückkaufs“ darin im Unternehmen vorhandenes Kapital an die Aktionäre auszuschütten. Normalerweise wird das aber über die Börse zu marktüblichen Preisen durchgeführt. So verteuern sich tendenziell die Aktien, der Aktionäre, die ihre Aktien behalten und die, die ihre Aktien über die Börse verkaufen, bekommen entsprechend Geld.

Der hier dargestellte Vorgang stellt einen Sonderfall dar, da er ausserbörslich und dann auch noch zu einem vergleichbar niedrigeren Kurs durchgeführt würde.
Ohne weitere Informationen kann man da nur raten, wie es zu diesem Geschäft kam. Eine Möglichkeit wäre, dass ein Großaktionär dringend Bargeld brauchte und der AG seine Aktien direkt zum Kauf anbot. Bevor eine besonders große Verkaufsorder (ohne in der AG liegende Gründe) den Aktienkurs gedrückt hätte, hatte die AG das Angebot angenommen.

Prinzipiell ist es in Deutschland natürlich immer möglich Aktien zu einem beliebigen Preis ausserbörslich zu handeln. Es gilt ja schließlich die Vertragsfreiheit. Nur muss man eben erstmal jemanden finden der bereit ist ein derartiges Geschäft abzuschließen. Es handelt sich hierbei also nicht um ein standardisiertes Geschäft, das jeder zu jeder Zeit durchführen kann.

Zu meinem Wissensstand:
Beschäftige mich schon seit rund 15 Jahren mit Aktien und bin Diplom-Wirtschaftsingenieur.

jau, eigene Aktien zurückkaufen ist schon sinnvoll, wenn

a) der Aktienkurs (lt. der Meinung des Vorstands) niedrig ist
b) die Aktie für einen Zukauf (als „Aquisitionswährung“) gehalten werden soll
c) die Aktie für neue Mitarbeiterprogramme (als Motivationsbrenner, damit die faulen Säcke was schaffen…!) benötigt

Wie es aber funktioniert, dass das Unternehmen soooo viel günstiger außerbörslich kaufen kann, kann ich nicht erklären. Das wäre eine gezielte Frage an den Vorstand. Würde ich das Unternehmen kennen, dann könnte ich das tun.

Greetings.

Danke für die vielen Erläuterungen, das ermöglicht mir einen guten Einblick.

In diesem speziellen Beispiel ist es die Aktie
der Zooplus AG WKN: 511170 / ISIN: DE0005111702].

Und die Meldung:

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/DGAP-DD-zoo…

Es handelte sich um die Ausübung von Aktienoptionen. Einer der Vorstände (der hübsche rechts mit der Brille):

http://investors.zooplus.com/files/image/vorstand.jpg

hat als Gehaltsbestandteil diese Aktienoptionen erhalten und zu einem in der Tat ordentlichen Marktpreis ausgeübt.

Chapeau!

Nicht schlecht, warum passiert mir sowas nie ? :o)

Muss noch einiges aufholen an Börsen-Wissen, vielen Dank !

vielleicht bist Du nicht „hübsch“ genug … :smile:

Es gibt mehrere Gründe, warum Unternehmen eigene Aktien einkaufen.

Zunächst einmal, weil das Unternehmen diese Aktien weitergeben möchte. Zum Beispiel als Prämie für erfolgreiche MitarbeiterInnen.

Aber auch, um Kurspflege zu betreiben.

Wenn Aktien in sehr großen Mengen gekauft werden (z. B. im Zuge einer Unternehmensübernahme), geschieht dies immer wieder zu Kursen abseits vom Börsenkurs. Der von Dir genannte Unterschied erscheint allerdings sehr hoch. (Fürchte, unsere finanziellen Verhältnisse reichen nicht aus, um derartige Bedingen zu erhalten.)

Ernest

Hallo sparr,

das ist ein sogenanter Aktien-Rückkauf. Es ist immer so daß es eine genau difinierte Aktienenmenge gibt. Den größten Teil besitzt das eigene Unternehmen und nur ein kleiner Teil ist im „Freihandel“ sprich also frei von jederman zu kaufen. So wie ich weiß erhöht das Unternehmen dadurch seine Stimmanteile bei der Hauptversammlung weil es dadurch Prozentual mehr einfluss hat. Zusätzlich will mit einem Rückkaufprogramm das Unternehmen ein Signal setzen. Grundsätzlich geht man davon aus, dass das Management einen Informationsvorsprung gegenüber den anderen Marktteilnehmern hat – beispielsweise über neue, umsatzträchtige Produkte, die demnächst auf den Markt gebracht werden sollen. Kauft die AG Aktien zurück, signalisiert sie, dass sich die Gewinnaussichten für das Unternehmen verbessert haben, der gegenwärtige Kurs das aber nicht widerspiegelt.
Konsequenz: Die Aktien werden auch für andere Investoren attraktiver, und der Kurs steigt.

LG ich hoffe ich habe geholfen

Vielen Dank für die Erörterungen, haben mir einen
besseren Einblick vermittelt !